Hörgeräte

Hallo,

wer kann mir kurz erklären, wie ein Hörgerät funktioniert.
Bei zu länger Lärmbelastung verkümmern doch die Zilien der Haarzellen des Corti-Organs und somit wird auch die Frequenzselektivität vermindert. Da aber doch bestimmte Häarchen für die Frequenzen zuständig sind und diese dann abgestorben sind, können doch auch Hörgeräte, die die Geräusche verstärken nichts mehr bringen.
Oder lieg ich da falsch?

Danke!

Hi!

Oder lieg ich da falsch?

Ja.
Klar ist natürlich, daß bei absolut geschädigtem Ohr auf diesem Weg nichts mehr zu machen ist. Völlig taub ist aber durch zB Lärmschäden praktisch keiner.
Meist ist es so, daß zunächst die äußeren Haarzellen geschädigt werden, die eine gewisse Verstärkerfunktion ausführen, während die inneren Haarzellen, die die eigentlichen Sinneszellen sind, in besserer Verfassung sind und durch Verstärkung besser angesprochen werden.

Nur am Rande sei noch gesagt, daß viele Hörgerätetrager praktisch eine normale Innenohrfunktion aufweisen und nur die Übertragung auf das Innenohr gestört ist.

Gruß
Peter

Auch hallo,

wer kann mir kurz erklären, wie ein Hörgerät funktioniert.

wenn jemand einen Hörschaden bei sich vermutet (oder dies bei einem Kind festgestellt wird) wird ein „Audiogramm“ des Betroffenen erstellt. d.h., es wird geprüft, welche Frequenzen er um wie viele db verringert hört.

Das Hörgerät wird dann individuell so her- bzw. eingestellt, dass nur die Frequenz(en), deren Aufnahme geschwächt sind, im erforderlichen Maß verstärkt werden.

Es ist deshalb absolute Verarschung (Entschuldigung), wenn in gewissen Frauen-Klatschzeitungen häufig Anzeigen erscheinen, in denen Hörgeräte für ca. 80 EU angeboten werden.

Hörgeräte pauschal verkaufen kann man aus zwei Gründen nicht, denn:

  1. ist der Gehörgang bei jedem Menschen unterschiedlich, es muss ein Wachsabdruck gemacht und das Ohrpassstück (oder bei einem IO(im-Ohr)-Gerät das ganze Gerätegehäuse entsprechend hergestellt werden. Geschieht dies nicht, kriecht der verstärkte Ton am Gerät vorbei wieder nach außen, wird erneut verstärkt, kriecht wieder … Das nennt man Rückkopplung und quietscht dann unerträglich, auch für Nebenstehende hörbar.

  2. Muss das Gerät (s. o.) an den konkreten Frequenzausfall des Betroffenen angepasst werden. Die angebotenen Billiggeräte enthalten einen Standardverstärker (wie z. B. in einem tragbaren MP3-Gerät), der alles, was da rein kommt linear verstärkt. Weil also auch die Frequenzen verstärkt werden, die der Betroffene noch normal stark hört, überschreiten sie dann häufig die Schmerzschwelle: Das Gerät, falls es nicht schon wegen Quietschens unerträglich ist, tut weh.

Grüße
Carsten

PS

Da man also, wenn man ein Hörgerät braucht, auf Test, fachliche Beratung und Anpassung angewiesen ist, nutzen die Hörgerätegeschäfte das brutal aus und verkaufen die Geräte, die im Einkauf bei ca. (durchschnittlich) 800 EU liegen, für ca. 2.000 EU, obwohl die Krankenkassen nur ca. 600 EU zahlen. Es gibt kaum Preisunterschiede zwischen den Geschäften, die halten brutal zusammen.

Es gibt bundesweit nur ein paar Dutzend HNO-Ärzte, die machen die Anpassung selbst und vertreiben die Geräte für rund die Hälfte des genannten Preises.

Falls man betroffen ist, also den HNO-Arzt fragen. Wenn er nicht bei der Aktion mitmacht, Anfrage an mich.