Hohe Verluste durch DWS Technologiefond

Hallo, vielleicht kann mir jemand weiterhelfen.

Mein Vater hat vor ca. 4 Jahren seine mühselig zusammengesparte Lebensversicherung ausgezahlt bekommen. Damals waren das 30.000 DM, die meine Eltern sicher anlegen wollten, um ihre Rente etwas aufzubessern. Der Versicherungsmensch hat ihnen damals geraten, das Geld in einen Technologiefond der Firma DWS anzulegen.

Als meine Mutter mir das seinerzeit erzählte, habe ich einen Schock bekommen und ihnen geraten, das sofort rückgängig zu machen. Dieser Fond lief unter der höchsten Risikostufe 5 und hätte meinen Eltern, die absolut keine Fond- oder Aktienerfahrung hatten und haben, niemals angedreht werden dürfen.

Also kam der Versicherungsmensch nochmal zu uns und hat steif und fest behauptet, es wäre überhaupt kein Risiko, das Geld in dem Fond anzulegen, wenn man den Fond mindestens ein Jahr oder länger hält. Natürlich war das gelogen, denn meine Eltern haben durch diesen Fond jede Menge Geld verloren und jetzt sind noch 4.500 Euro von dem Geld übrig.

Nun zu meinen Fragen:

1.Kann man den unfähigen Versicherungsmenschen irgendwie haftbar machen?
2. Durfte DWS meine Eltern in diesen Fond investieren lassen?
3. Hat es irgendeinen Sinn, diesen Technologiefond noch zu behalten, oder sollte man ihn möglichst schnell kündigen?

Vielen Dank für eure Hilfe!

Nachfrage
Hallo Karedpo,

existiert ein Beratungs- oder Risikoklassifizierungsprotokoll?

Gruß,
Andreas

Hallo,
es ist natürlich immer sehr ärgerlich, wenn man mühsam sein Geld zusammenspart und dieses dann in vertrauensvoller Weise auf Rat eines Vertreters anlegt. Leider hat der gute Versicherungsmensch aber ohne jegliches Wissen von Fonds oder deren Anlagepolitik alles auf
eine Karte gesetzt. Das man da an Bestrafung des Vertreters denkt ist eine Sache. Ich möchte eher sachlich an die Sache herangehen und dir vielleicht eher damit helfen. Deine Eltern haben also den DWS Technologiefonds mit der WKN 847414? Und deine Eltern haben Anteilscheine mit damaligen Wert von 30000 DM gekauft? du müßtest
mal nachschauen wieviel Anteilscheine es sind. Der Rücknahmepreis beträgt zum heutigen Kurs, wenn die Nummer des Fonds richtig ist,
60,76 Euro pro Anteilschein. Die Wertsteigerung des Fonds (Performance) betrug in den letzten 10 Jahren ca. 17%, in 5 Jahren
minus 17%, in diesem Jahr ebenfalls im Schnitt minsu 2,5%. Also
auf 5 Jahren ein deutliches Minus, aber noch nicht so dramatisch.
Ein großer Fehler war, alles auf diesen Fonds zu setzen. Optimal
wäre ein größere Streuung in andere nicht so risikoreiche Fonds.
Wenn deine Eltern das Geld zur zeit nicht benötigen, würde ich
den fonds behalten und ihn beobachten. Die Technologiewerte in
dem fonds sind eigentlich gut (Nokia, Intel, HP, Apple, Google,
Yahoo, Motorola, Toshiba, Microsoft u.a.). Leider kam das Abrutschen
des Fondskurses u.a. auch dadurch zustande, daß Großanleger das Vertrauen verloren und sich zurückzogen. Aber die eigentlichen Aktien in dem Fonds sind solide. Ich würde ebenfalls empfehlen, nach und
nach Anteilscheine zu verkaufen und in ruhigere Geldmarktfonds
oder in gemischte Fonds mit Wandelanleihen und Anlagezertifkate
umzuschichten. So kann man wenigstens ein bißchen den Verlust auffangen. Wenn es soweit ist, stelle ruhig die Frage hier im
Forum nach den richtigen Fonds,g. Hoffe, ich habe dir etwas helfen
können. Gruß martin

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Hallo, vielleicht kann mir jemand weiterhelfen.
Der Versicherungsmensch hat ihnen damals geraten, das Geld in
einen Technologiefond der Firma DWS anzulegen.
Dieser Fond lief unter der höchsten Risikostufe 5 und
hätte meinen Eltern, die absolut keine Fond- oder
Aktienerfahrung hatten und haben, niemals angedreht werden
dürfen.
Also kam der Versicherungsmensch nochmal zu uns und hat steif
und fest behauptet, es wäre überhaupt kein Risiko, das Geld in
dem Fond anzulegen, wenn man den Fond mindestens ein Jahr oder
länger hält.
Nun zu meinen Fragen:
1.Kann man den unfähigen Versicherungsmenschen irgendwie
haftbar machen?
2. Durfte DWS meine Eltern in diesen Fond investieren lassen?
Vielen Dank für eure Hilfe!

Die Chancen sind durchaus da, aber schwer durchzusetzen. Es muss aus diesem Gespräch einen Fragebogen nach WPHG (Wertpapierhandelsgesetz) geben. Auf diesem muss angekreuzt sein, wie hoch das Vermögen ist, wie hoch die Anlage im Vergleich zum frei verfügbaren Einkommen ist, wie hoch die Risikobereitschaft ist etc.etc.
Sind hier alle Angaben für den Fonds passend gemacht (höchste Risikobereitschaft, Anlagezeitraum >5-7 Jahre, etc.), wird es schwierig.
Einen gepfefferten Brief an den Versicherungstypen würde ich mal voranstellen. Dabei fällt mir ein: Frag dochmal nach der Erlaubnis nach §34c GewO. :wink: Sollte er die nicht haben, war er nicht befugt dass Geschäft abzuwickeln.

Frank Wilke

Die Chancen sind durchaus da, aber schwer durchzusetzen. Es
muss aus diesem Gespräch einen Fragebogen nach WPHG
(Wertpapierhandelsgesetz) geben. Auf diesem muss angekreuzt
sein, wie hoch das Vermögen ist, wie hoch die Anlage im
Vergleich zum frei verfügbaren Einkommen ist, wie hoch die
Risikobereitschaft ist etc.etc.
Sind hier alle Angaben für den Fonds passend gemacht (höchste
Risikobereitschaft, Anlagezeitraum >5-7 Jahre, etc.), wird
es schwierig.
Einen gepfefferten Brief an den Versicherungstypen würde ich
mal voranstellen. Dabei fällt mir ein: Frag dochmal nach der
Erlaubnis nach §34c GewO. :wink: Sollte er die nicht haben, war
er nicht befugt dass Geschäft abzuwickeln.

Frank Wilke

Hallo,

erst einmal Danke für deine Antwort

Beim Abschluss war ich nicht dabei, aber laut meinen Eltern wurde nie ein Kundenbefragungsbogen ausgefüllt. Es gibt auch sonst kein Risikoklassifizierungs- oder Beratungsprotokoll. Meinen Eltern war überhaupt nicht klar, dass die Gefahr bestand, ihre Einlage zu verlieren.
Als ich den Versicherungsvertreter bei unserem zweiten Gespräch nach dem Fragebogen befragt habe, hat er behauptet, der Fragebogen wäre nur Blabla und bei Anlagen über einem Jahr sozusagen überflüssig, da in dem Fall kein Risiko bestünde.

Danke für deine Ratschläge,

meine Eltern haben den genannten Technologiefond und sie besitzen 70 Anteile. Am liebsten würden sie die Anteile sofort loswerden, da diese bisher jedes Jahr im Wert gesunken sind.

Hallo Andreas,

nein gibt es nicht.
Gruß Karedo

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Danke für deine Ratschläge,

meine Eltern haben den genannten Technologiefond und sie
besitzen 70 Anteile. Am liebsten würden sie die Anteile sofort
loswerden, da diese bisher jedes Jahr im Wert gesunken sind.

Naja, so ganz richtig ist das nicht.
Tiefstand war Anfang 2003 mit 44,80€.
Tiefstand 2004 war 47,63€ (immerhin 6,3% höher als 2003)
Tiefstand 2005 war 48,13€ / Höchststand in dem Jahr aber immerhin schon 64,07€ (34,5% über dem Tiefstand 2004)

Aktuell stehen wir bei 61,23€ und damit beachtlichte 27,2% über dem Tiefstand 2005. Die 3-Monats-Performance liegt bei 7,8%.

Man kann also eher von einer steigenden Tendenz reden.
:wink:

Frank Wilke

Hallo,

erst einmal Danke für deine Antwort

Beim Abschluss war ich nicht dabei, aber laut meinen Eltern
wurde nie ein Kundenbefragungsbogen ausgefüllt. Es gibt auch
sonst kein Risikoklassifizierungs- oder Beratungsprotokoll.

Das ist ja der Hammer!!!

Meinen Eltern war überhaupt nicht klar, dass die Gefahr
bestand, ihre Einlage zu verlieren.

Wenn der „nette Vertreter“ so gut geredet hat, konnte der Eindruck auch nicht entstehen.

Als ich den Versicherungsvertreter bei unserem zweiten
Gespräch nach dem Fragebogen befragt habe, hat er behauptet,
der Fragebogen wäre nur Blabla und bei Anlagen über einem Jahr
sozusagen überflüssig, da in dem Fall kein Risiko bestünde.

Das ist ja eine Lachnummer! Zerr’ den Typen vor den Kadi, erwirke eine Anzeige wegen Falschberatung und Vermögensschaden gegen ihn - solche Leute sind der Grund, warum die Branche so einen schlechten Ruf hat.

Aber die Sache ist (eigentlich) einfach: Der Freak MUSS bei der Bank oder Investmentgesellschaft diesen Fragebogen abgegeben haben - korrigiert mich Leute, aber das war damals doch auch schon so, oder nicht?
Wenn ER den ausgefüllt hat, bringt eine Unterschriftenprobe die Wahrheit ans Tageslicht!

Es ist wirklich eine Frechheit. Leg dem Typen das Handwerk!
Nicht falsch verstehen: Viele haben in 2000 falsche Empfehlungen gegeben, aber dann so einen Mist zu erzählen… Frechheit!

Frank Wilke

Hallo,

zu den bereits bestehenden Aussagen zwei Ergänzungen:

  1. Die Fondsgesellschaften sind nicht verpflichtet, Beratungsprotokolle einzufordern und aufzuheben. Ich kenne auch keine, die das tut (vielleicht die dazwischen geschaltete Ebene, wie z.B. die Versicherung). Meist ist in dern Vertriebsverträgen mit den Vermittlern geklärt, dass diese sich verpflichten die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten, die aber bisher auch keine Dokumenationspflicht vorsehen.

  2. Aus der Praxis:
    Wegen solcher Fälle gab es in den letzten Jahre viele Rechtsstreite. Dort wo keine Beratungsdokumentation vorlag au der hervorging, dass der Kunde gewußt haben muss, was er da tut, haben die Vermögensschadenhaftpflichtversicherungen es nicht auch Prozesse ankommen lassen und gleich bezahlt.

Es lohnt sich also sicher, mal einen Anwalt einzuschalten. Übrigens gibt es die sog. Durchgriffshaftung. Sollte also bei dem Verkäufer nichts zu holen sein, muß die Versicherung dafür mit gerade stehen. Ich würde es auf jeden Fall mal prüfen lassen.

Gruß Schorsch