Hohes Thromboserisiko+Aspirin zur Blutverduennung

Hi,

seit einigen Monaten habe ich ab und an (alle paar Wochen) Schmerzen in einem oder beiden Beinen.

Der Schmerz ist stark und stechend (kein Krampf), dauert ein paar Minuten und ist immer an derselben Stelle: direkt unterhalb der Kniekehle, also auf der Beinrueckseite. Immer nur in einem Bein. Faengt an, wenn ich sitze. Rumlaufen oder hinlegen macht es nicht besser. Irgendwann verschwindet der Schmerz dann.

Im Hinblick auf mein erhoehtes Thromboserisiko (bei mir wurde „Hereditaere heterozygote Faktor V-Leiden-Mutation mit heterozygoter Faktor V-HR2-Mutation mit 40-90fachem Thromboserisiko“ festgestellt) hatte ich das letzthin bei meiner Aerztin angesprochen. Ich lebe in England und meine bisherige Aerzteerfahrung hier incl. Krankenhaus ist grauenvoll und ich vertraue den Aerzten hier nicht. Daher moechte ich meine Frage hier im Forum stellen, naemlich was von dem Rat meiner Aerztin, doch einfach mal taeglich 75 mg Aspirin zwecks Blutverduennung einzunehmen, zu halten ist („wenn damit der Schmerz nicht mehr auftauchen sollte, wissen wir, woran es gelegen hat“).

Ich nehme sehr ungern Medikamente ein (normalerweise nur Paracetamol und Aspirin bei Kopfschmerzen) und obwohl 75 mg eine geringe Dosis sind, frage ich mich ob das empfehlenswert und ohne Nebenwirkungen ist.

Bin fuer jeden Rat dankbar (zumal ich in GB keinen qualifizierten erhalten kann)!

Gruesse,

Kris

Hallo Kris,

im Prinzip und bei üblichen Thromboserisiken ist Aspirin/ Acetylsalicylsäure (es gibt unzählige Handelspräparate desselben uralten Heilstoffs…) ein recht gutes Mittel, sowohl zur Bekämpfung von Schmerzen als auch zur (vorbeugenden) Verringerung von Thromboseneigung.
Um Dir einen Anhaltspunkt zu geben: vielen Menschen mit Herzkranz-gefäßverkalkung verordnet man es in einer Dosierung zwischen 100-300 mg am Tag ( häufiger 100). Nebenwirkungen am ehesten Magenschleimhaut-probleme, bis zu Magenbluten bei magenempfindlichen Leuten. Sonst eher weniger NW - Paracetamol ist da schon schlechter ( z.B. für die Niere).

Aber : Du hast eine genetisch bedingte erhöhte Thomboseneigung, und ob dafür Acetylsalicylsäure das Mittel der Wahl ist? Vielleicht - vielleicht auch nicht. Womöglich besteht diese genetisch bedingte Thromboseneigung in einem Ausfall oder einer Anomalie in irgendeinem Gerinnungszwischenschritt des ziemlich komplizierten Vorgangs der Blutgerinnung, der durch spezielle Medikamente beinflußt werden müßte.
Bei Feststellung einer genetischen Anomalie muß in Deutschland eine Aufklärung über die entsprechende Krankheit und den Umgang damit erfolgen, der Hausarzt bekommt u.U. spezielle Behandlungshinweise. Wurde die genetische Diagnostik in Deutschland veranlaßt, durchgeführt und mitgeteilt? Dann könntest Du Dir von dem Deinem damaligen Wohnort nächstgelegenen Institut nochmal einen Termin zur Aufklärung holen, oder telefonische Aufklärung erbitten. In Deinem Fall: welche Vorbeugung gegen Dein Thromboserisiko ist die richtige? (Aber auch andere Fragen wären zu stellen!)
Da Du Deine genetische Spezialität so differenziert aufschriebst, hast Du wahrscheinlich auch den Labortest vorliegen, Du könntest auch im genetischen Labor anrufen und probieren, ob die Dir Auskunft geben können. Nur, die sind in den genetischen Labors meist besser informiert über die komplizierte genetische Materie als über den alltagspraktischn Umgang mit den Krankheiten, das wissen die genetischen Instiutute (meist: der Unis) besser.
Wenn Du noch Fragen hast, stell sie! Aber gib dann Info zu den o. von mir angerissenen Zuständigkeiten. Gruß, I.

Hi!

Sehr schöner Artikel, aber einen Einwand hab ich doch:

im Prinzip und bei üblichen Thromboserisiken ist Aspirin/
Acetylsalicylsäure (es gibt unzählige Handelspräparate
desselben uralten Heilstoffs…) ein recht gutes Mittel,
sowohl zur Bekämpfung von Schmerzen als auch zur
(vorbeugenden) Verringerung von Thromboseneigung.

Ich habe gelernt, daß Aspirin in venösen Schenkel nicht wirkt, also eben NICHT zur Thromboseprophylaxe geeignet ist, sondern nur Verschlüsse in Arterien verhindert (Koronarien und zerebrale Arterien).

Stehts verkehrt in meinen Büchern oder gibts dazu neue Erkenntnisse?

Gruß,
Sharon

P.S.: bin die nächsten Tage nicht da, werde also wenn der Artikel in der Zeit ins Archiv wandert, eventuell nicht antworten können…
Lesen werd ich die Antworten aber natürlich :wink:

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hallo Sharon,
ich bin Dir dankbar für Deinen Einwand - über diese Info, daß Acetylsalicylsäure nur im arteriellen Schenkel des Gefäßsystems wirke verfüge ich nicht. Ich wußte nur, daß dieser Stoff auf die Fließeigenschaften des Blutes einwirkt - wo auch immer es sich gerade befände, ob Arterie oder Vene … kläre mich auf!( bin nicht Internistin und dehalb im internistischen Gebiet eher allgemeingebildet).Hoffe auf Deine Antwort! Gruß, I.

Hi Kris!

Aspirin wirkt, wie Sharon bereits schrieb, vor allem auf die Blutplättchen im Bereich der Schlagadern. Es hat keinen nennenswerten Effekt im Bereich der Venen, wo sich Dein Problem abspielt.
Soweit ich nachlesen kann, haben heterozygote „nur“ ein Risiko-Erhöhung von 7-9, hast Du Deine 40-90 vom Labor, das die Analyse bei Dir durchgeführt hat?

Unter dem Suchbegriff „APC-Resistenz“ finden sich viele Infos im Netz.
ZB: http://www.netdoktor.de/krankheiten/fakta/faktorvlei…
oder etwas komplizierter: http://gerinnung.med3.med.uni-muenchen.de/apc.html
Dort findest Du auch Ratschläge zur Prophylaxe.

Gruß
Peter

Sharon hat recht…

Hi Irmtraut!

Sharon hat recht, ASS taugt nur im arteriellen Schenkel zur Prophylaxe. Sonst würde ja jeder vor Langstreckenflügen eine ASS einwerfen und im Krankenhaus würde man das Heparin sparen.

Gruß
Peter

Hallo,

ich nehme Aspirin 100-Generika seit über 20 Jahren ergänzend zur Medikamentation einer Thrombozythämie. Auf dem Beipackzettel steht, dass das Mittel ein Thrombozytenaggregationshemmer sei und kein Wort von Blutverdünner. Das Mittel soll also das Zusammenkleben der Thrombozyten verhindern. Alle Ärzte sprechen auch von Blutverdünner - die Patienten würden das besser verstehen. Vor einem Langstreckenflug hat mir mein behandelnder Hämatologe empfohlen, mich gegen Thrombose vorbeugend zu spritzen.
Asp.100 ist m.W. höchstens für Babys als Schmerzmittel geeignet.

Gruß
Otto

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WARNUNG! Gefährlicher Ratschlag!

Asp.100 ist m.W. höchstens für Babys als Schmerzmittel
geeignet.

ASS (Acetylsalicylsäure kann bei Kinder das sog. Reye-Syndrom auslösen. Dieses ist potentiell tödlich (bei schwerem Verlauf Mortalität bis 40%). Da es gut wirksame Alternativen gibt, sollte bei Kinder auf ASS grundsätzlich verzichtet werden.
Schließt sich mal wieder die Bitte um Zurückhaltung an, wenn man nicht sicher Bescheid weiss.

Gruß, Dennis

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Hallo,
danke für den Hinweis. Ich wollte eigentlich nur meine Erfahrung weitergeben, dass die 100er bei Erwachsenen nicht als Schmerzmittel taugen. Ich spüre trotzdem Schmerzen, wenn ich mich verletze oder ein Zahn weh tut.

Gruß
Otto

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Aspirin und Thrombose
Hi!

Ehrlich gesagt, die genaue Erklärung kenne ich auch nicht, da eine solche nirgens zu finden ist. Aber man kann es sich denken, wenn man sich die Unterschiede zwischen einem venösen und arteriellen Gefäßverschluss anschaut:
Arteriell
Ursache: Endothelläsion
Es entsteht ein sog. „weißer Thrombus“ aus:
vielen Thrombozyten und wenig Fibrin

Venös:
Ursache: Stase/langsamer Blutfluss
Es entsteht ein „roter Thrombus“ aus:
wenig Thrombozyten und viel Fibrin

Da ASS aber „nur“ die Thrombozyten am Aneinanderhaften hemmt, aber davon viel weniger am venösen Thrombus beteiligt sind, kann die Wirkung von ASS nicht so groß sein.
Dagegen ist hier im venösen Bereich aber Heparin (verstärkt ja Antithrombin) wesentlich geeigneter, da Fibrin den größeren Anteil am Thrombus hat.

Vielleicht kann es noch jemand besser erklären, aber für mich reicht diese einfache Erklärung *g*

Gruß,
Sharon