Holzbehandlung, allgemein

Hallo, liebe www-Mitglieder!
Wenn man Holz mit Farbe behandelt, hat man ja bekanntlich mehrere Möglichkeiten: Lasur, Beize, Wachs usw.
Ich persönlich habe festgestellt, dass das Ergebnis mit Holzbeize sehr zufriedenstellend ist, da die Holzmaserung sichtbar bleibt und nicht zugedeckt wirkt.
In meinem Bekanntenkreis gibt es einige, die selbst oft handwerklich tätig sind. Dennoch reagieren sie auf meine Vorliebe für Beize oft überrascht.
Meine Frage: Gibt es denn irgenwelche Nachteile (so was wie Farbverblassung o.ä.)? Dabei muß ich noch erwähnen, dass es nur um das Färben geht, zum Schutz verwende ich - je nach späterer Beanspruchung - noch Versiegelung oder Öl.

Welche Farbbehandlungsmethode halten Experten für die beste?

Vielen Dank und noch einen schönen Feiertag wünscht
sorgloseSusi

Moin, Susi,

Welche Farbbehandlungsmethode halten Experten für die beste?

da gibt es keine Experten, sondern nur unterschiedliche Geschmäcker. Buntes Holz ist nicht jedermanns Sache; Puristen bestehen darauf, dass Holz seine eigene Farbe hat.

Gruß Ralf

Hi Susi,
ich weiß nur, dass jede Farbe mit den Jahren abblättert oder rissig wird.
Man kann das Holz nicht mehr direkt pflegen wenn Farbe drauf ist. So gesehen halte ich das Beizen auch für eine „holzverträglichere“ Lösung.

Gruß
BJ

Hallo sorgloseSusi,

So sorglos bist du ja gerade nicht :wink:

Welche Farbbehandlungsmethode halten Experten für die beste?

Eine Beste gibt es nicht, das hängt immer auch von der Verwendung ab !

Normales Beizen ist eine reine optische Angelegenheit, Lasieren und Lackieren erbringt direkt einen Schutz fürs Holz.
Beim Beizen ist der Holzschutz ein weiterer Arbeitsgang.

Wenn man es richtig macht ist das ganze eine reine Frage der Optik und somit des persönlichen Geschmacks …

Früher hat man meist gebeizt um ein billiges Holz optisch aufzuwerten, sodass es wie ein teures Holz aussah, heute verwendet man dazu Laminat.

MfG Peter(TOO)

Früher hat man meist gebeizt um ein billiges Holz optisch
aufzuwerten, sodass es wie ein teures Holz aussah, heute
verwendet man dazu Laminat.

Hi Peter,
einen Schrank aus Laminat habe ich noch nie geséhen *lach*
Gruß
BJ

Hallo BJ,

einen Schrank aus Laminat habe ich noch nie geséhen *lach*

Du kennst nur den Billigmöbel-Markt nicht !!

Das Zeug liegt nicht nur am Boden, daraus werden ausser Möbeln auch Zimmer-Türen im Holzlook gemacht.

Ich bin beruflich ab und an in den Werken wo dieses Zeugs hergestellt wird. Ich bin da hauptsächlich in der Druckerei am werkeln, wo das Holz auf besseres Zeitungspapier gedruckt wird, aber manchmal habe ich auch mal kurz Zeit den Rest zu besichtigen.

MfG Peter(TOO)

Liebe sorgloseSusi,
Du weißt bereits Farbgebung und Überzug/Schutz zu trennen,
da brauche ich also nichts mehr dazu zu schreiben.

Es gibt aber bei der Farbgebung in der Tat Unterschiede:
Es ist nicht alles Beize, wo Beize draufsteht.

Wenn Dir meine nachfolgenden Beschreibungen zu textlastig sind,
dann gucke mal auf meiner Seite
www.tischler-ole-welzel.de
unter „Oberflächen“:

Die Unterschiede der Arten von Beizen und Färben
kannst Du mit Abbildungen
unter „Beizen oder Färben“ finden.

Gleich darunter findest Du
unter „Auswahl Beizen und Lacke“
einen Entscheidungsfahrplan für
die fachgerechte Auswahl von Beiz- und Färbemitteln.

Beizen
ist ein chemischer Prozess IN den Holzzellen.
Bei Eiche und Nussbaum zum Beispiel reagiert die Gerbsäure in den Zellen mit Ammoniak zu einem braunen bis braunschwarzen Farbstoff.
Das ist das klassische Beizverfahren.

Bei allen anderen Holzarten musst Du vorab die Gerbsäure in die Zellen einbringen (Doppelbeizen).

Nun willst Du aber sicher alle mögliche andere schöne Farben, vielleicht auch untereinander gemischt.

Hier gibt es Für Nadelhölzer sowie einige wenige Laubhölzer die „Nadelholzbeizen“/„Positivbeizen“, die chemisch mit dem Lignin der Zellwände reagieren.

Alle diese hier beschriebenen Beizarten erzeugen den Farbton in den Holzzellen. Dabei bleiben die hellen Streifen des Holzes heller als die schmalen dunklen. Wir Tischler nennen das „positives Beizbild“.
Zugleich sind die Farbstoffe weitgehends lichtecht und kratzfest.

Die Warnung aus Deinem Bekanntenkreis bezieht sich sicherlich auf die „Farbstoffbeizen“ (Färben), die jeder Baumarkt z.B. in Tüten zum Anrühren (oder fertig angerührt) führt.

Färben:
Hier werden -wie beim Deckfarbkasten in der Schule- Farbstoffe AUF die Holzoberfläche gelegt. Die lassen sich schneller abreiben, anlösen und sind auch weniger lichtbeständig.

Vor allem aber: Weil die weichen helleren Holzstreifen (Frühholz) saugfähiger sind, werden sie stärker gefärbt, d.h. dunkler als die schmalen härteren. Wir sagen dazu „negatives Beizbild“. Das fällt besonders bei breit gefladerter Maserung auf.

Du kannst Dir das nicht vorstellen?
Dann gucke mal auf meiner Seite www.tischler-ole-welzel.de unter „Oberflächen“:

Die Unterschiede im Beizbild siehst Du unter „Beizen oder Färben“.
Gleich darunter findest Du unter „Auswahl Beizen und Lacke“ einen Entscheidungsfahrplan für die fachgerechte Auswahl von Beiz- und Färbemitteln.

Herzlichst

tischler-ole-welzel.de

Hi,

einen Schrank aus Laminat habe ich noch nie geséhen *lach*

nimm einen Billigschrank in Holz optik , das ist nichts anderes als senkrecht stehendes Laminat.

Gandalf

Nachtrag
Hallo BJ,

Früher hat man meist gebeizt um ein billiges Holz optisch
aufzuwerten, sodass es wie ein teures Holz aussah, heute
verwendet man dazu Laminat.

einen Schrank aus Laminat habe ich noch nie geséhen *lach*

Bevor wir jetzt aneinander vorbeireden:
Wie definierst du Laminat ?

MfG Peter(TOO)

Hi Peter,
meine Definitionen…

Laminat, Kunstprodukt:
Pressmaterial mit hohem Papieranteil, Hauchdünne Beschichtung, die Holz oder andere Materialien vortäuschen soll. Material als solches ziemlich instabil.
Sehr empfindlich gegen Feuchtigkeit. Wird aus diesen Gründen nur als Bodenbelag, max. als Wand/Deckenverzierung verwendet.

Furnier, Naturprodukt:
Sehr dünne Holzschicht, die anderes Material abdeckt und somit eine höhere Wertigkeit vorspiegeln soll. Eingesetzt im Möbel und Klavier/Flügelbau.
Ziemlich resistent gegen Feuchtigkeit

In vielen Bereichen wird Holz-Furnier jetzt schon durch detailliert gestaltete Kunststofffolien ersetzt ,die einen täuschend echten Holzeindruck schaffen. Einsatz seit 1989 im Klavierbau (Yamaha/Kawai)

Oder meintest du Spanplatten ?

Gruß
BJ

Dankeschön!
Hallo an alle!
Vielen Dank für eure zahlreichen Antworten!
Vor allem an Ole: offensichtlich habe ich dann wohl bisher immer nur „negativ gebeizt“… ich werde auf jeden Fall mal einen Blick auf Deine Homepage werfen.

Liebe Grüße und weiter so!
sorgloseSusi

Hallo BJ,

meine Definitionen…

Laminat, Kunstprodukt:
Pressmaterial mit hohem Papieranteil, Hauchdünne Beschichtung,
die Holz oder andere Materialien vortäuschen soll. Material
als solches ziemlich instabil.
Sehr empfindlich gegen Feuchtigkeit. Wird aus diesen Gründen
nur als Bodenbelag, max. als Wand/Deckenverzierung verwendet.

Meine Böden bekommen mehr Feuchtigkeit ab, als meine Regale !!

Hier liegt dein Fehler.

Laminate = Schichtstoffe.
Schichtstoffe
(Schichtpressstoffe, Laminate), Werkstoffe aus schichtweise angeordneten und mit einem Bindemittel (z.B. Phenolharz, Melaminharz, Harnstoffharz) imprägnierten Bahnen aus organischen oder anorganischen Materialien (z.B. Papier, Pappe, Zellstoff, Gewebe mit organischen oder anorganischen Fasern; Furniere). Erzeugnisse aus Schichtstoffen sind Hartpapier-, Hartpappe-, Hartgewebeplatten beziehungsweise -rohre, die v.a. als Isoliermaterial, Träger für gedruckte Schaltungen und auch im Maschinenbau Verwendung finden.
© 2002 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG

Wie Andere Hier schon festgestellt haben, verfügst du über ein sehr fundiertes Halb- und Viertelwissen.

MfG Peter(TOO)

Lieber Gandalf,
bei allem Respekt vor Deinen i.d.R. klugen Ratschlägen,
guck doch mal bei meiner Seite auf Holzwerkstoffe:

http://www.tischler-ole-welzel.de/Holzwerkstoffe/0%2…

oder frag einfach Anna:
http://www.tischler-ole-welzel.de/Kaffepause.htm

Ansonsten will ich mich aber auf diese Nebendiskussionen nicht weiter einlassen.

herzlichst
der olle Tischler