Homo oeconomicus

Hallo Expertin, hallo Experte,

aus meiner Berufschulzeit (1985-87) als Bankkaufmann ist mir das theoretische Modell des „homo oeconomicus“ noch gegenwärtig: Wir kaufen als autonome und rational entscheidende Menschen da, wo es am günstigsten ist. Das habe ich doch richtig in Erinnerung, oder ?!

Gibt es mittlerweile in der Wirtschaftswissenschaft andere Modelle, die beschreiben, wo wir warum einkaufen ?! Es gibt ja Situationen, in denen wir nicht als „homines oeconomici“ handeln (z.B., wenn es mal schnell gehen soll oder wenn wir Hilfe brauchen, z.B. beim Tragen von schweren Gegenständen oder so), auch wenn die Ware dort teurer ist als anderswo.

Danke: Zerni

Hallo Zerni,

der HO ist ja nur eine Idealstellung aller Eigenschaften. Einer sogenannten Indifferenz. Es wäre unter diesen Umständen mir und für mich egal, welche Entscheidung ich treffe. Ich hätte immer das gleiche Ergebnis.

Das Problem besteht in den ausgebildeten Präferenzen. Jeder Mensch hat nunmal meist andere Präferenzen. Während mir der Geschmack wichtig ist, ist dir der Name wichtig und anderen der Fettgehalt. :smile:

Aber dieses Modell gibts glaub auch schon länger.
Oder nur falsch verstanden?

Gruß
Marco

Moin!

Auf Anhieb fallen mir zwei Texte ein, die weiterhelfen können; allerdings habe
ich sie selbst nur vor Ewigkeiten mal gelesen und nicht mehr im Original
vorliegen, deshalb kann ich die Quellen nicht genau angeben - vielleicht hilft da
ausführliches googlen.

Michael Heinemann: „Einkaufsstättenwahl und Firmentreue der Konsumenten.
Verhaltenswissenschaftliche Erklärungsmodelle und ihr Aussagewert für das
Handelsmarketing“ (Das ist meiner Erinnerung nach eine Dissertationsschrift, die
etwa Mitte der 1970er Jahre verfasst wurde)

C. Arendt-Fuchs: „Die Einkaufsstättenwahl der Konsumenten bei Lebensmitteln“
(stammt aus den 90er Jahren)

Darüberhinaus dürfte es einiges an Literatur dazu geben, bis hin zu „frischen“
Diplomarbeiten, und natürlich gibt es Modelle, die deutlich differenzierter sind
als das vom homo oeconomicus. Deshalb lassen sie sich hier auch nicht in ein paar
Sätzen skizzieren. Das ist halt der Nachteil, wenn man’s genauer wissen will: man
kommt nicht ums Lesen herum :wink:

Möge es nützen!
Gruß aus HH.

Hallo Zerni,

der Grund, warum wir nicht homo oeconomicus sind, ist die soziale Abhängigkeit des Verbraucherverhaltens. Dein Beispiel mit den schweren Gegenständen fällt jedoch nicht darunter.
Solche Erkenntnisse sind jedoch nicht neu. Z.B. hat Harvey Leibenstein schon 1950 dieses Phänomen beschrieben. Die Behandlung dieser Effekte (Mikroökonomie) ist vermutlich aus Vereinfachungs- oder Zeitgründen nicht erforderlich und man begnügt sich daher wohl auf das einfache Modell des h.o…

Hier die Effekte, die auf Leibenstein zurückgehen (vereinfacht dargestellt):
Mengeneffekte:

  • Bandwagon-Effekt / Nachahmer-Effekt: mit steigender Menge wird mehr nachgefragt (Modeerscheinungen)
  • Snob-Effekt: bei stärkerer Seltenheit wird ein bestimmtes Gut von bestimmten Leuten stärker nachgefragt

Preiseffekte:

  • Veblen-Effekt: bei zunehmendem Preis wird ein Gut stärker nachgefragt (z.B. edle Uhren)
  • Aldi-/Schott-Effekt: bei abnehmendem Preis nimmt die nachgefragte Menge zu (der Konsument wird als clever eingestuft; siehe „Geiz-ist-geil“-Masche)

Ich hoffe, du kannst mit diesen Modellen was anfangen.

Gruß

Cali

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Hallo Cali,

mir fallen da glatt noch 2 Methoden ein:

One-Stop-Shopping bzw. One-Shop-Stopping :smile:

Gruß
MArco