Hoppala oder nicht?

Was meint ihr dazu,

„Michael B. Smith erblickte als ältestes von 6 Kindern das Licht der Welt.“
http://www.filmbericht.de/modules.php?name=Stars&rop…

zuerst hab ichs für ein Hoppala gehalten, dann aber festgestellt, dass es eine
durchaus geläufige Wendung ist
http://www.google.de/search?hl=de&newwindow=1&q=erbl…

jetzt bin ich mir gar nimmer sicher: kommt nur mir das komischer vor als es
tatsächlich ist?

Dies ist keine Scherzfrage, bitte um Mithilfe ob ihr das mehrheitlich auch
als komisch empfindet oder: seh ich schon Gespenster?

Danke! Michl

„Michael B. Smith erblickte als ältestes von 6 Kindern das
Licht der Welt.“

Hallo, Michael,
Na, ein bissel merkwürdig ist das schon, aber nur, weil vom „Licht der Welt erblicken“ die Rede ist. denn wenn er der älteste ist, war es zu diesem Zeitpunkt nicht absehbar, dass es noch weitere fünf dieser Sorte gab. Beim Jüngsten gäbe es das Problem nicht.

Aber es wird sofort wieder gerade, wenn man sagt: „MBS war der Älteste von sechs Geschwistern.“

Grüße
Eckard

Kein Hoppala

„Michael B. Smith erblickte als ältestes von 6 Kindern das Licht der Welt.“

Ich nehme keinen Anstoß an dieser Formulierung.

Zwar kennt Röhrich die Redewendung nicht, oder noch nicht, aber sie ist gut bezeugt als poetische Umschreibung für „geboren werden“.

Und so wie man sagen kann:

Er wurde „als erstes/drittes/siebtes/vierzehntes Kind“ der Eltern … geboren.

kann man auch sagen:

Er erblickte „als erstes/drittes/siebtes/vierzehntes Kind“ das Licht der Welt. Klingt vielleicht etwas schwülstig, weshalb wohl Günter Grass seinen Oskar sagen lässt, er habe „das Licht dieser Welt in Gestalt zweier Sechzig-Watt-Glühbirnen“ erblickt.

Wirklich ein Hoppala scheint mir dagegen die Äußerung des Typen zu sein, der gerade auf der Jagd nach korrupten Chrysler-Daimler-Manager ist, der vor laufender Kamera sagte, man müsse diese Herren „mit Saus und Braus davonjagen“!

Gruß Fritz

Ich nehme keinen Anstoß an dieser Formulierung.

Zwar kennt Röhrich die Redewendung nicht, oder noch nicht,
aber sie ist gut bezeugt als poetische Umschreibung für
„geboren werden“.

ich hab auch überlegt, was da faul sein soll, aber dann hab ich es doch gesehen…

kinder sind bei der geburt gleich alt, egal in welcher reihenfolge sie geboren werden. daher kann man zwar als erstes, viertes oder siebtes kind das licht der welt erblicken, aber nicht als ältestes.

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Hallo Fritz,

kann man auch sagen:
Er erblickte „als erstes/drittes/siebtes/vierzehntes Kind“ das Licht der Welt.

Schon klar, ich meine die Irrationalität in der Formulierung
(wie sie Gyuri und Eckard weiter unten auch empfinden):

S. kam „als ältestes von 6 Kindern“ zur Welt

Wie kann S. zum Zeitpunkt seiner Geburt das älteste von 6 Kindern gewesen sein?
Was, wenn seine Eltern im weiteren nur mehr 4 jüngere Kinder in die Welt gesetzt hätten?
Dann wäre S. bei seiner Geburt ja gar nicht er gewesen, sondern jemand anderer (?)
(andere Möglichkeit: S. kam bei der Geburt von Sechslingen als „ältester“ zur Welt :smile:

Ich meine, hier steckt der Pudel Hase im Pfefferkern !

Grüße, Michl

Handgeschätzt oder mit der Goldwaage
Guten Morgen, Michl,

ich mein immer noch, dass ihr zu sehr mit der Goldwaage hantiert, wo ein prüfendes Wiegen in der Hand ausreichte.

Wie kann S. zum Zeitpunkt seiner Geburt das
älteste von 6 Kindern gewesen sein?

Man muss hier unterscheiden zwischen Handlungszeit und Sprechzeit.

Da diese Aussage vermutlich nach dem inzwischen eingetretenem Tode des einstigen Säuglings gemacht wird, so weiß der Sprecher, dass seine Eltern nach ihm noch sechs Kinder hatten; also ist er der älteste von sechsen.

Was ist daran irrational? Wenn du so an Sprache herangehst, so überleg doch mal, was rational an den Aussagen ist:

Wir liegen in der Sonne.
Am Abend wird der Feile flausig.

Auch hier wird den Präpositionen eine weitergehende Bedeutung zugestanden.

Und wenn man Redewendungen und Metaphern anschaut, wird erst recht irrational. Hast du schon „einen Vergleich hinken“ gesehen?

Ich meine, die allzu wörtliche Betrachtung ist nicht immer die beste Art, sich mit Sprache zu befassen.

Gruß Fritz

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Hallo Fritz,

Hast du schon „einen Vergleich hinken“ gesehen?

Ach herrje, ich hab schon Vergleiche daherkommen sehen, die hinkten nicht, die saßen im Rollstuhl!
(Werbung für Mercedes-LKW: „Der neue ACTROS: das Schlachtross!“ Ein Lastwagen, wieso Schlachtross? Ach so, eh klar: Actros reimt sich auf Schlactros. Grenzdebilegeniale Metapher :wink:

Ich meine, die allzu wörtliche Betrachtung ist nicht immer die beste Art, sich mit Sprache zu befassen.

d’accord, nichtsdestoweniger oft eine kurzweilige! Ein gerüttelt Maß an Witzen (Wortwitz, Kalauer et al.) besteht ja darin dass die wörtliche Bedeutung der sinngemäßen eben manchmal zuwiderläuft. (Cäsar, Bellum Gallicum: „Ein echter Germane schifft nie alleine“)
Wenn ich im SPIEGEL lese „Angela Merkel hat die Nase vorn“ ist das als sinngemäße Aussage nicht witzig, als wörtliche Aussage aber schon: Na wo um alles in der Welt soll sie die Nase denn sonst haben!
Oder (ebenfalls SPIEGEL), „Von den über 2200 Menschen an Bord der Titanic kamen rund 700 mit dem Leben davon, von den 16 Köchen nur einer.“ Sinngemäß alles andere als witzig, der Witz liegt eben darin, was die wörtliche Aussage betreffend Menschen/Köche – unausgesprochen impliziert.

Grüße, Michl

Wir sind auf einer Linie, meine ich, auch wenn dies schon wieder so ein fragwürdiges Bild ist, lieber Michl, werten aber manche Sachen einfach ein bisschen anders.

(Cäsar, Bellum Gallicum: „Ein echter Germane schifft nie alleine“)

Ich kenn das so:

Caesar cum vidisset, ut portus plenus esset, iuxta navigavit.

Gruß Fritz

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fragwürdiges Bild […] werten aber manche Sachen einfach ein bisschen anders.

Ja, einer sagt „Abgesehen von dem Haar ist die Suppe tadellos“, ein anderer wieder schiebt den Suppenteller beiseite und isst nimmer weiter.
Fragwürdige oder misslungene Bilder, Metaphern usw. sehe ich als Haare in der Suppe, die (jedenfalls mir persönlich) den Genuss eines jeden, und sei es des besten, Textes verdrießen können.
Ich hab mal angefangen John Irvings „Garp“ zu lesen, da kam gleich auf den ersten Seiten für ein Flugzeug, das auf einen Mann fällt, die Phrase: „wie ein Baumstamm, der auf eine Weintraube fällt“. An der Stelle hab ich das Buch zugeklappt und seither von Irving keine Zeile mehr gelesen. Wie kann man eine Metapher derart stümperhaft in den Sand setzen? Wenn der z.B. geschrieben hätte „eine Obstschüssel, die auf eine Weintraube fällt“, dann O.K., hätt ich weitergelesen, aber mit diesem einzigen verunglückten Bild war für mich der Ofen aus. (warum, bitte, sollte olle Baumstamm auf olle Traube fallen? Kopfschüttel)
Charles Bukowski dagegen beschreibt einen Mann „sein Gesicht war so ausdruckslos wie die Hinterseite einer Wassermelone“. Hinterseite. Eine der gelungensten Metaphern „mit Obst“, wenn nicht überhaupt, find ich.
Ceterum censeo: eine schlechte Metapher ist keine schlechte Metapher, sondern gar keine.

Caesar cum vidisset, …

Leider kann ich sonst kein Latein, ich weiß nur, dass Wanne-Eickel auf lateinisch Castrop-Rauxel heißt :wink:

Gruß, Michl

Der Hafen Cäsars

Caesar cum vidisset, …

Als Cäsar sah, dass der Hafen voll war, schiffte er daneben.

Gruß

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um nochmal einzuhaken

Man muss hier unterscheiden zwischen Handlungszeit und
Sprechzeit.

Da diese Aussage vermutlich nach dem inzwischen eingetretenem
Tode des einstigen Säuglings gemacht wird, so weiß der
Sprecher, dass seine Eltern nach ihm noch sechs Kinder hatten;
also ist er der älteste von sechsen.

Was ist daran irrational?

es ist eine sache, sprache gelten zu lassen, wenn sie ihre funktion erfüllt, sprich eine information übermittelt, die von allen mehr oder weniger gleich verstanden wird, und eine andere, sie auf widersprüche oder regelverletzungen zu durchleuchten. die erfahrung zeigt, daß gerade du doch öfter mal die präskriptive keule schwingst und argumente wie „versteht doch eh jeder“, „verwendet man heute nun mal so“ oder „sagt mein sprachgefühl“ nicht akzeptierst. nun denn…

die frage war, ob an der genannten formulierung etwas faul ist, und die antwort ist ein eindeutiges JA. klarerweise ist ein teil („das licht der welt erblicken“) eine metapher, die als solche natürlich gültig und anerkannt ist, aber als ältestes kind geboren zu werden ist nun mal ein logischer widerspruch. nicht umsonst widmet auch der zwiebelfisch solchen und ähnlichen aussagen eine kolumne (http://www.spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/0,1518,267…).

hätte dir frage gelautet, ob man diese formulierung trotz logischer widersprüchlichkeit versteht und daher verwenden darf, müßte ich dir uneingeschränkt recht geben: man versteht sie und kann sie daher auch verwenden. richtiger wird sie dadurch aber auch nicht…

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Was meint ihr dazu,

„.“

Ich versteh Eure Pingelei auch nicht…wenn es bekannt ist, dass es außer Michael noch fünf weitere Kinder gab und die Familienplanung biologisch bedingt abgeschlossen ist, dann ist doch an der Aussage nichts zu deuteln…als erstes Kind ist er nun mal auch der Älteste.

Wie hättet Ihr es denn gerne? 'Michael B. Smith erblickte als erstes von 6 Kindern das Licht der Welt…die Geburt von fünf weiteren machte ihn zum Ältesten von sechsen. Aber auch ein erstes Kind kann man nur sein, wenn es mindestens ein zweites gibt. Zum Zeitpunkt seiner Geburt war er doch noch das einzige Kind. Also wurde er als das einzige Kind seiner Eltern geboren. Damit war er aber schon zum Zeitpunkt der Geburt potentiell das älteste…denn die Wahrscheinlichkeit, als erstes und zunächst einziges Kind später ein jüngeres Kind zu werden tendiert wohl gegen null.

Und überhaupt…wieso heißt es ‚als Kind‘…als was denn sonst…:smiley:

Gruß Maid

Say it again, Maid! :wink: (owT)
FR

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als erstes Kind ist er
nun mal auch der Älteste.

aber nicht bei der geburt. da ist er zwar das erste, aber genau gleich alt wie alle anderen kinder bei der geburt…

Damit war er aber schon zum Zeitpunkt der Geburt
potentiell das älteste…denn die Wahrscheinlichkeit, als
erstes und zunächst einziges Kind später ein jüngeres Kind zu
werden tendiert wohl gegen null.

ok, wenn wir schon klugscheißen… nehmen wir an, A wird als erstes kind geboren und stirbt mit 3 jahren. B, der als zweiter geboren wird, ist nun 4. wer wurde nun als ältestes kind geboren? und wer ist jetzt das älteste kind?

Und überhaupt…wieso heißt es ‚als Kind‘…als was denn
sonst…:smiley:

er ist ja schauspieler geworden… damit war er schon bei der geburt potentiell schauspieler… also gilt auch „er erblickte als ältester schauspieler seiner familie das licht der welt“?