Hormonelles (ab-)Wasser!

Hallo,

ich will hoffen das ich den Artikel ans richtigen Brett schreibe, wollte aber eher medizinische Antworten.

Habe in einem Artikel der SZ einen Artikel gelesen.
http://www.sueddeutsche.de/gesundheit

Jetzt meine Frage, obwohl es im Artikel steht das man es noch nicht weiß, aber in wie weit können Östrogene oder die Hormone die dem weiblichen Sexualhormon ähneln, den Körper schädigen, weil es ist ja eigentlich nicht Sinn der Sache diese dem eigenen Körper zuzuführen?

lg

Hallo,

nochmal

Habe in einem Artikel der SZ einen Artikel gelesen.
http://www.sueddeutsche.de/gesundheit

habe gemerkt, dass der Link nicht richtig funktioniert, also hier:
http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/860/461486/text/

Hi,

Jetzt meine Frage, obwohl es im Artikel steht das man es noch
nicht weiß, aber in wie weit können Östrogene oder die Hormone
die dem weiblichen Sexualhormon ähneln, den Körper schädigen,
weil es ist ja eigentlich nicht Sinn der Sache diese dem
eigenen Körper zuzuführen?

Nun das ist eine sehr umstrittene Frage, deren Antwort man letztendlich noch nicht kennt.

Hormone sind grundsätzlich gefährlicher als andere Substanzen, weil sie schon in geringen Konzentrationen wirksam sind und insgesamt die Steuerung von Stoffwechselprozessen, Wachstum und Fortpflanzung übernehmen. Hormone sind dabei schon in äußerst geringen Konzentrationen wirksam, das bewegt sich im Mikro-, Nano- und sogar Picogramm-Bereich.

Die Produktion von Hormonen ist sehr genau auf den Bedarf abgestimmt. Ihre Wirkung ist die Stimulierung oder Hemmung einer Reaktion im Stoffwechsel. Die Regulation erfolgt durch Rückkopplung (feed back), d.h. sie werden zu jedem Zeitpunkt in der jeweils benötigten Menge hergestellt. Ist die „richtige“ Konzentration erreicht, wird die Produktion zurückgefahren oder eingestellt. Daher reagiert der Körper empfindlich auf kleinste Veränderungen. Sind die Botenstoffe an ihrem Zielorgan angekommen, lagern sie sich an einen spezifischen Rezeptor an und bewirken dadurch eine Veränderung oder Umsetzung einer Stoffwechselreaktion.

Daher wird Hormonen, die zusätzlich in unseren Köper gelangen vorgeworfen, die empfindlichen Steuerprozesse durcheinander zu bringen.

Vor allem im Bereich von Krebsentstehung und bei der Embryonalentwicklung werden sie diskutiert. Außerdem ist noch unklar, ob Schwellenwerte existieren oder auch schon darunter Effekte auftreten. Es gibt einige Forscher, die sagen, dass weniger die Schwellenwerte entscheidend sind, als der Zeitpunkt, zu dem das Hormon aufgenommen wird. Gerade in der embryonalen Entwicklung scheint das eine wichtige Rolle zu spielen.

Außerdem ist einleuchtend, dass auch wenn die Schwellenwerte für die einzelnen Produkte eingehalten werden, nicht garantiert ist, dass bei einer Kombination verschiedener Produkte nicht additive Effekte auftreten, so dass am Ende der Hormoncocktail zu einem Problem führt.

Im vorliegenden Fall geht es um Bisphenol A. Das ist eine östrogenartig wirkende Chemikalie, die aus Polycarbonat-Flaschen auslaugen und so ins Lebensmittel gelangen kann.

Das BfR schreibt:

Bisphenol A hat eine geringe akute Giftigkeit, es gibt weder Hinweise auf Krebs auslösende noch auf Frucht schädigende Eigenschaften. Die Substanz gehört aber zu den sogenannten „endocrine disruptors“, das sind eben Stoffe, die im Organismus östrogen wirken können. Zu den Wirkungen von Bisphenol A und insbesondere zu den östrogenen Wirkungen gibt es eine Reihe neuerer Untersuchungen mit zum Teil schwer interpretierbaren oder auch widersprüchlichen Aussagen.

http://www.bfr.bund.de/cm/216/neue_studien_zu_bisphe…

In dem wissenschaftlichen Journal „Endocrinology“ eine Studie zu den Mechanismen östrogenvermittelter physiologischer Wirkungen im Hirn von Ratten veröffentlicht [1]. Neben anderen chemischen Verbindungen haben die Autoren auch die Wirkung von Bisphenol A untersucht.

[1] Zsarnovszky et al. (2005) Endocrinology 146 5388-5396: Ontogeny of rapid estrogenmediated extracellular signal-regulated kinase signaling in the rat cerebellar cortex: potent nongenomic agonist and endocrine disrupting activity of the xenoestrogen bisphenol A

Eine andere Gruppe wies zumindest in vitro eine gewisse Wirkung von verschiedenen Substanzen, unter ihnen auch Bisphenol A, nach.
http://www.ehponline.org/members/2007/9368/9368.pdf

Meine persönlich Meinung:
Gesunde Erwachsene werden wohl kaum negativ von diesen Hormonen beeinflusst. Höchstens die Fertilität könnte leiden.

Fraglich ist jedoch, wie z.B. Menschen reagieren, die ohnehin schon entartete Zellen in sich tragen. Diese könnten durch die östrogenen Faktoren weiter zum Wachstum angeregt werden (siehe Östrogenabhängige Tumore bzw. anabole Wirkung von Östrogenen).

Weiterhin ist fraglich, wie heranwachsende Embryos auf die ständige Belastung mit Hormonen reagieren. Bei diesen könnten die Schwellenwerte viel niedriger liegen. So gibt es Studien in Dänemark und USA, die nahe zu legen scheinen, dass eine erhöhte Belastung mit hormonähnlichen Substanzen nicht nur zu einer Beeinflussung der Geschlechtsorgane führen, sondern bei den Mädchen das Brustkrebsrisiko erhöhen kann.

Insgesamt sollte man also die Hormonbelastung so gering wie möglich halten. Das gilt nicht nur für Bisphenole Trinkwasser, sondern auch für die sogenannten Phthalate in Deos und Kosmetika…

Zum weiterlesen:
http://www.dugi-ev.de/Prof.%20Dr.%20med.%20Ingrid%20…

Gruß,
Sax

Hallo,

vielen Dank für die wirklich ausführliche Antwort, hat mir sehr weitergeholfen.

Also muss man sich über eine Hormonerkrankung durch das zunehmen des „Lebenselexiers“ keine großartigen Gedanken machen!

lg