Hüft-OP bei Oesteporose

Eine Bekannte (85) hat Oestoporose im fortgeschrittenen Stadium. Gleichzeitig hat sie chronische als auch akute Hüftschmerzen, die ins Bein ausstrahlen. Bei einer Röntgenuntersuchung wurde nun festgestellt, das beide Hüften total kaput und morsch sind. Daraufhin wurde ihr zu einer Hüft-OP geraten, die bekannte Oestoporose wurde gar nicht berücksichtigt. Ihr wurde gesagt, wenn sie die OP nicht macht, werden die Schmerzen unerträglich und der Rollstuhl wäre ihr gewiss. Ist es wirklich ratsam diese OP durchführen zu lassen? Sie hat Angst das die morschen Knochen gar keinen Halt dem künstlichen Gelenk mehr geben und sie danach so oder so in den ROllstuhl landet bzw. die Schmerzen noch schlimmer werden?
Vielen Dank im voraus.

Hallo,

es gibt spezielle Hüftendoprothesen für „morsche“ Knochen, trotzdem ist Deine Sorge natürlich berechtigt, das Risiko, dass da was schiefgeht ist erhöht. So eine OP ist jedoch ohnehin ein sehr großer Lebenseinschnitt, der für eine 85-jährige noch viel mehr bedeutet als die bloße OP zu überstehen. Das sollte sorgfältig mit jemandem abgewogen werden, der mehr sieht als die Hüftprobleme, z.B. einem guten Hausarzt. Wie geht es dem Herzen, der Lunge, dem Gehirn? Statistisch gesehen hat sie schon so eine Sterbewahrscheinlichkeit von >8% pro Jahr und noch (statistisch!) 6 Jahre zu leben. Das sollte man im Hinterkopf haben, wenn man plant den Bewegungsapparat aufzuhübschen. Es kommt ja auch noch die zweite Hüfte dran…

Andererseits muss man die Frage nach der Lebensqualität mit den kaputten Hüften fragen. Ist damit (und guter Schmerztherapie) ein Leben oder nur ein Überleben gewährt? Das sind Fragen, die nur die Patientin selbst beantworten kann.

Gruß,

Manticor

Auf die Frage nach dem Sinn einer Hüft-OP gibt es leider keine Pauschalantwort. Wichtig sind die Fragen, wie es sonst um die Gesundheit steht, wie die Lebenssituation (aktiv oder zurückgezogen, Erdgeschoss oder Dachgeschoss) aussieht und was überwiegt (Schmerzen kontra Angst). Vor der Operation erfolgt sinnigerweise noch eine Beurteilung durch einen Anästhesisten, den vorwiegend die Frage interessiert, ob durch z.B. Herzbeschwerden ein erhöhtes Operationsrisiko besteht. Stabilität in der Hüfte ist im Übrigen nur einer der Gründe, eine künstliche Hüfte einzusetzen. Bereits kurz nach der OP sind die Schmerzen der meisten Patienten bereits deutlich reduziert. Die Knochenhäute sind extrem schmerzempfindlich, die künstlichen Oberflächen natürlich nicht mehr. Die angegriffene Gelenkfläche wird immer unebener, je länger die Behandlung aufgeschoben wird, dadurch wird auch die Bewegung immer schwieriger (Von schmerzhafter zu schweigen!) bis zur möglichen Einsteifung. Dies erschwert auch die Pflege des Betroffenen durch Angehörige oder Pflegedienste, so dass eine künstliche Hüfte auch hier hilft, obwohl aus anderen Gründen vielleicht keine eigenständige Mobilität mehr besteht. Es ist aber durchaus möglich, dass diese Operation wenige Jahre später, trotz der erwähnten Vorteile nicht mehr durchgeführt werden kann, weil die Risiken einer Operation zu groß eingeschätzt werden. Die Stabilität ist in der Regel recht gut, selbst bei Osteoporose (natürlich vom Einzelbefund abhängig). In diesem Fall wird üblicherweise mit einem speziellen Knochenzement gearbeitet, der den Röhrenknochen ausfüllt und rasch aushärtet. Der Zement ist dann ähnlich stabil wie ein junger Knochen und verteilt den Druck auf eine große Strecke im Röhrenknochen, wodurch ein Ausbrechen durch die Compacta (die stabilere äussere Knochenschicht) auch bei Osteoporose selten ist.

Es ist nicht wegzuleugnen, dass eine Hüft-OP ein belastender Eingriff ist, der mehrere Stunden dauert, eine tiefe Vollnarkose erfordert und bei dem viel Weichteilschaden entsteht. Es bestehen Infektionsrisiken wie bei jeder Operation unabhängig vom Alter. Jeder Fremdkörper und Fremdsubstanz (wie der Knochenzement) kann vom Körper abgelehnt werden und allergische Reaktionen auslösen. Die Narkose erfordert bei angeschlagenem Herz oder erkrankter Lunge einen guten Anästhesisten und die physiotherapeutische Reha einen gewissen Fleiß. Eine Weile helfen Schmerzmittel eventuell die Operation hinauszuzögern, dies macht aber bei älteren Menschen kaum Sinn. Bei einer durchschnittlichen Haltbarkeit von 20-25 Jahren der modernen Prothesen nimmt deine Bekannte die erste höchstwahrscheinlich noch mit ins Grab, egal ob sie sich sofort zur OP entscheidet oder noch fünf Jahre wartet. Ob sich in fünf Jahren noch ein Arzt findet, der die Operation durchführt, wenn sie es sich wünscht, ist aber nicht sicher.

Dies Abzuwägen kann niemand in einem solchen Internetforum übernehmen. Klärt auch mal im Voraus mit der Krankenkasse, ob sämtliche Kosten und Methoden übernommen werden. Die Operationskosten insgesamt betragen schnell über 20.000 Euro, da schränken manche Krankenkassen ein, welche Art von Implantat und Nachsorge übernommen wird.

Ich drücke Euch die Daumen, dass es egal wie ihr euch entscheidet, aufwärts geht.