Bienen- und Hummelweide, und ein Abschied
Servus,
einen wichtigen frühen Blüher, den ich heute im Garten begrüßt habe, habe ich noch gar nicht genannt:
Erysimum Cheiri (Goldlack) ist eine sehr ergiebige Weide für Hummeln, Bienen, Insekten aller Art und er macht jetzt grade Ende März (Oberrheinklima) eine regelrechte Explosion von Farben, die man in dieser Intensität eigentlich erst dem Sommer zutrauen würde - vor allem im Kontrast mit der jetzt grade blühenden leuchtend weißen Schlehe oder der bald folgenden noch intensiver weißen Felsenbirne ein besonderer Eindruck. Er hat einen geradeso intensiven Nektarduft wie sein naher Vetter Raps, aber nicht dessen scharfen, kohlartigen Beigeruch. Im frühen Sommer gesät, blüht er im Jahr darauf und wird schon auch mal drei-fünf Jahre alt. Samen zur eigenen Nachzucht sind von Goldlack mühelos zu gewinnen, er sät sich auch selber aus - der faule Gärtner, der nicht so sauber alles weghackt, ist da im Vorteil. - Ach ja, auch das „Unkraut“ Gundermann (Glechoma hederacea) ist grade schon am aufblühen und wird eifrig besucht.
Es gibt noch eine Reihe Sommerblüher, die mit langen Kelchen oder kompliziert gestalteten Blüten eher für Hummeln als für Bienen interessant sind, obwohl sie auch von diesen besucht werden: Akelei, alle Fingerhutarten (es gibt außer dem Gartenfingerhut Digitalis rubra noch andere scharmante Arten, Digitalis lutea z.B.), Lupinen, Wiesensalbei…
Bei Dreschflegel Saatgut lässt sich eine Saatgutmischung für Grünbrache erwerben, die aus lauter Pflanzen zusammengestellt ist, die eine besonders reiche Bienenweide geben: Phazelia, Buchweizen, Senf, Saflor, Koriander, Ölrettich, Lein, Kornblume, Ringelblume, Schwarzkümmel, Malve, Dill, Borretsch, Klatschmohn (in dieser Zusammenstellung im flimmernden Hochsommerlicht übrigens auch optisch ein Vergügen - „Monet pur“). Diese Gründüngung ist nicht fruchtfolgeneutral, wegen Senf und Ölrettich, aber sie durchwurzelt, beschattet und lockert sehr gut und vor allem summt sie einen ganzen Sommer lang.
Ein paar Jahre lang hatte ich den hier am Oberrhein seltenen Gast Tettigonia viridissima im Garten (ich weiß nicht, was sie gekränkt hat - sind jetzt nicht mehr da); die bevorzugten die Nachtkerze Oenothera biennis, obwohl die eigentlich auf Nachtschmetterlinge spezialisiert ist. Unabhängig von den Insekten eine faszinierende Pflanze - eine der sehr wenigen Pflanzen, die sich (beim Öffnen der Blüten in der Abenddämmerung) mit einer für das menschliche Auge wahrnehmbaren Geschwindigkeit bewegen.
Eine hübsche Quelle für Saatgut ist übrigens der aus der Reformbewegung der 1920er überlebende Saatgut- und Pflanzenversandgärtner Blauetikett Bornträger in Offstein - allein schon der „Katalog“, der ohne jedes Hochglanzgeschmettere aus ein paar Seiten DIN A 4 besteht und vermutlich 1925 schon fast gleich ausgesehen hat, ist ein Genuss: Bei Bornträger sind alle Pflanzen, die als Bienen- und generell Insektenweide geeignet sind, entsprechend gekennzeichnet. Der Online-Auftritt ist ein bissel hakelig, aber es „lohnt sich“ (sit venia verbo) da durchzugehen.
So, und mit diesem kleinen Rundblick ohne Anspruch auf Vollständigkeit verabschiede ich mich von meinem Lieblingsbrett, von BelRia, von Geli, von kernig, von Horst „Lantanos“, von waldieter und allen anderen, die ich jetzt nicht genannt, aber trotzdem gern gelesen habe.
Alle, die ihn noch gelesen oder gekannt haben, lade ich auch ein, noch einen Moment am Grab von Fritz Schmid a.d.Uw. zu verweilen - ich denke an ihn oft, wenn ich vor meiner Bühlerzwetschge stehe: Er ist ja mindestens so eigensinnig gewesen wie ich selber, und ich bin immer noch überzeugt davon, dass man auch eine Zwetschgenkrone in die Waagerechte erziehen kann, was er mir abgestritten hat…
Achja, und hier ist noch ein kleines Ständchen:
http://www.youtube.com/watch?v=j17KaPscKo4
Macht et jood!
MM