Hund - Behinderung - Zumutbarkeit (lang)

Einen schönen guten Tag!

Ich habe ja bereits berichtet: Nora (2,5 J.) ist am 19. April unter den Anleger einer Fähre geraten und hat den kompletten rechten Vorderlauf als auch die halbe rechte Hinterpfote amputiert bekommen.

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Die ersten vier Wochen waren schrecklich. Sie hatte immer wieder starke Schmerzen, sodass ich sie noch einige Male nachts in die Tierklinik fahren musste, damit sie dort an den Morphium-Tropf gehängt wurde, weil die Opioide, die ich für sie verschrieben bekommen habe, nicht ausreichend wirkten.

In dieser Zeit habe ich mir oft überlegt, ob es nicht Tierliebe, sondern der Egoismus des Tierhalters ist, wenn man das geliebte Tier am Leben lässt, nur, weil man es nicht verlieren möchte. (Wäre mir direkt einen neuen Thread wert, dieses Thema…)

Bedingt durch die Medikamente war sie in der ersten Zeit auch sehr apathisch und sie hatte einen völlig dunklen, leeren Blick, der mir das Herz zerrissen hat …

Dann wurde es langsam besser, sie wurde lebhafter und sie stand hin und wieder alleine auf, um mir in der Wohnung nachzuhumpeln, das hat mich jedes Mal riesig glücklich gemacht.

Zufällig habe ich auf dem Sperrmüll einen ausrangierten Kinder-Sportwagen entdeckt, so dass ich sie nicht alleine lassen musste bei irgendwelchen Gängen und ich habe sie fortan wieder überall hin mitgenommen. Gleichzeitig üben wir fleißig das Laufen, wobei ihre jeweilige Tagesform noch starken Schwankungen unterliegt. Es wird aber spürbar besser. Die beste Therapie sind Begegnungen mit anderen Hunden, wo sie einfach mitmachen will und teilweise ihre Behinderung ‚vergisst‘.

Nur in einem Punkt bin ich jetzt unsicher:
Nora hat ihr ‚Taxi‘ völlig angenommen - wenn’s ihr zu viel wird, kommt sie angehumpelt und stellt sich neben den Wagen und ich hieve sie rein und schiebe dann wieder. Nun weiß ich aber manchmal nicht, ob das mittlerweile auch reine Bequemlichkeit von ihr ist, denn es macht ihr offensichtlich Spaß, durch die Gegend geschoben zu werden . Wie viel muss ich sie fordern? Was kann man einem Hund nach noch nicht einmal zwei Monaten nach einer so schweren Operation zumuten???

Kleine Pipi-Gänge in den Park gegenüber mache ich übrigens ohne Wagen…

Könnt ihr mir von Euren Erfahrungen, Eurem Wissen berichten?

Schon jetzt herzlichen Dank
Anja (+ Nora)

TV vom Wochenende
Hallo!

Da habe ich am Wochenende etwas im TV gesehen. Behinderte Tiere und misshandelte Tiere. Aber frag mich mal nicht, wo in welchem Sende rund wie es hieß. Mir schwebt so Kabel1 vor, oder Pro7. Aber wenn man sich nicht alles aufschreibt…

Da ging es auch u. a. um eine querschnittsgelähmte Hündin in so einem Wägelchen…

Es ist sicher keine einfache Entscheidungm, egal, welche. Du liebst das Tier. Wir haben auch 3 Katzen, wo es auch schwer fällt, gegen sie zu entscheiden.
Und es kann vor allem auch niemand beurteilen, der keine Tiere hat.

Klar, es ist einfach zu sagen, Einschläfern! Aber es dann zu tun…

Ich überlege mal, vielleicht fällt es mir noch ein.

LG Carmen

Hallo Anja,
schön Dich zu lesen :smile: und wunderbar, dass ihr beide das so toll meistert. Ich denke nach 2 Monaten kann man noch nicht all zuviel verlangen und das mit dem Kinderwagen finde ich spitze. Ich denke, am besten findest Du es wirklich raus, wenn sie mit anderen spielt. Außerdem würde ich die reine Laufzeit vorsichtig verlängern. Versuch doch einfach mal , ein paar Schritte mehr zu machen , wenn sie ankommt und in den Wagen will. Du siehst bestimmt, wenn sie erschöpft ist. Es kann nur besser werden, das Schlimmste habt ihr überstanden…einfach toll !!!
Und ich bin mir sicher…DU würdest wieder so entscheiden…oder ?
Liebe Grüße
Margit

Hallo Anja,
ich hatte vor einigen Jahren einen Hund mit amputierter Hinterpfote in Pflege. Nach der Op habe ich Hund und Kinder im Bollerwagen transportiert…wenn ich mich richtig erinnere waren es ca. 6 Monate.
Also: kurze Wege per Pfote, bei Ermüdung Bollerwagen für alle :o).
Danach kam es immer öfter vor, dass es interessanter war den Wagen zu verlassen.
Bei Nora ist der Unfall noch nicht mal 2 Monate her… sie muß lernen anders zu gehen, andere Muskeln werden beansprucht, evtl. lassen die Medis sie schnell müde werden, Angst könnte eine Rolle spielen.
Und falls sie doch nur aus Spaß im Taxi sitzt, ist es zwar lästig für dich… aber ein bisschen Spaß schadet ihr sicher nicht.
Ich würde ihr noch ein bisschen Ruhe gönnen… langfristig wird schnuppern, spielen, laufen sicher interessanter sein.

Alles Gute und viel Geduld wünscht
Simone

Danke, Simone,

Du hast mir viel Mut gemacht!

Adlergruß

Hallo Anja,

also ersteinmal muss ich sagen ich finde es toll, dass du so entschieden hast und nicht aus purem Egoismus heraus den Hund abgegeben oder einschläfern hast lassen! Ich finde das verdient schon einmal einen gehörigen Respekt! Ist die Wunde denn schon soweit abgeheilt? Wenn ja wie wäre es mit vorsichtigem schwimmen? Es gibt soweit ich weiss nichts besseres zur Muskelbildung beim Hund als schwimmen! Gerade bei dem schönen Wetter wird sich dein Hund (sofern er genauso eine Wasserratte ist wie meine) bestimmt darüber freuen! Gibt es bei euch keinen ruhigen Fluss oder See der schön reingeht? Aber wenn du dir deswegen unsicher bist frag einfach einmal deinen Tierartzt. :wink: Ich denke und ich hoffe, dass dein Hund dir noch viel Freude bringen wird! Und wenn dich irgendso ein Itidot blöd anmacht, dann denk dir: „Was bringt der schönste Hund der Welt wenn du dich nur über ihn ärgerst?“ :wink: Ich hoffe das hat dich jetzt ein bischen aufgebaut!

Mit freundlichen Grüßen Stefan

Danke, Stefan…

Wenn ja wie wäre es mit vorsichtigem schwimmen?

Dat Monster ist total wasserscheu - leider …

Aber sie macht Fortschritte … winzig kleine - aber dennoch deutlich - und sie ist guten Mutes - das ist die Hauptsache.

Lieber Adlergruß

Hallo Anja,

ja das ist natürlich Schade, dass dein Hund wasserscheu ist. Unsere Vorgängerin war auch wasserscheu, aber die haben wir mit freundlicher Unterstützung anderer netter Hunde zu einer Wasserratte gemacht. Aber das klappt halt nicht immer, Schade. Das wäre bestimmt ein gutes Training gewesen. Aber da kann man nichts machen. Ich wünsche dir noch ganz viel Spass an deinem Hund!

Mit freundlichen Grüßen Stefan