Hund bellt panisch an der Tuer

Noch eine Frage zu meiner Huendin: Sie war es gewoehnt mit mir und meiner Tochter mit dem Kinderwagen oder im zweiten Sommer mit dem Fahrrad das Haus zu verlassen fuer die Gassirunden. Jetzt muss ich morgens die Kleine zu Krippe bringen - ohne den Hund (Hund ist auf dem Gelaende verstaendlicherweise unerwuenscht). Da unsere grosse Haustuer aber direkt auf die Einfahrt zeigt, kann uns der Hund recht lange beim verlassen des zu Hauses zu sehen und jault und bellt und springt an der Tuer hoch. Er stellt sich auf die Treppe, richtet sich an der Tuer zur vollen Groesse auf und gibt Geraeusche von sich, als wuerde er bei lebendigem Leibe furchtbare Schmerzen haben. (Zur Lautstaerke: Sogar die Nachbar hoeren es durch geschlossene Fenster…). Sobald wir ausser Sichtweite sind ist nach einer Minute Ruhe. Bis dahin ist aber Terror hinter der Tuer. Bis jetzt konnte kein Schweineohr, Leckerliball, Kauknochen oder sonstiges ihn ueber unsere „Flucht“ hinwegtaeuschen- erst wenn wir weg waren. Aussenstehende trauen sich an den Hund in dieser Stimmung nicht ran und mein Mann ist dann schon zur Arbeit. Habt Ihr einen Tipp? Er darf uns ja nach trauern- aber nicht so, dass man mir fast den Tierschutz vorbei schickt.

Hallo Sonja,

mein erster Gedanke: wenn Ruhe ist, sobald sie Euch nicht mehr sieht, würde ich dafür sorgen, dass sie Euch nicht mehr sieht. :smile: Sprich Haustür verkleiden, wenn das funktioniert, Verkleidung nach und nach abbauen, pro Woche um ein paar Zentimeter.

Zusätzlich würde ich mehr und verschiedene Situationen üben, damit sie nicht weiß, aha, jeden morgen um 7.30 Uhr gehen die ohne mich aus dem Haus. Also z.B. die Kleine schnappen und nachmittags für 2 Minuten ohne Hund raus, dann mal wieder morgens 1 Minute ganz alleine raus, usw. alle möglichen Variationen und Zeiten.

Viel Erfolg!
Anna

-) Sprich Haustür verkleiden, wenn das funktioniert,

Verkleidung nach und nach abbauen, pro Woche um ein paar
Zentimeter.

Das ist eine Doppeltuer mit riesigen Fenstern- dann sehe ich nicht mehr wer kommt und im Flur ists Stockfinster…

Zusätzlich würde ich mehr und verschiedene Situationen üben,
damit sie nicht weiß, aha, jeden morgen um 7.30 Uhr gehen die
ohne mich aus dem Haus. Also z.B. die Kleine schnappen und
nachmittags für 2 Minuten ohne Hund raus, dann mal wieder
morgens 1 Minute ganz alleine raus, usw. alle möglichen
Variationen und Zeiten.

Reaktion ist Zeitunabhaengig. Nur beim Auto bleibt der Hund ruhig. Alles andere- Uhrzeit, Fahrrad, Bollerwagen, Bobbycar, Laufrad, zu Fuss, bringt diese Reaktion ab betreten des Carport und anfassen der Fahrzeuge. (Normal da fegen kann ich- da werde ich nur misstrauisch beauegt…Ich darf nur nicht so aussehen, als wollte ich mehr)

Hallo Sonja,

in meinen Augen beschreibst Du zwei unterschiedliche Situationen, einmal:

kann uns der Hund recht lange beim verlassen des zu Hauses zu sehen und jault und bellt

hier geht es einfach ums Verlassen des Hauses. Dann schreibst Du:

Fahrrad, Bollerwagen, Bobbycar, Laufrad, zu Fuss, bringt diese Reaktion ab betreten des Carport und anfassen der Fahrzeuge

Hier gehts um die Verknüpfung Fahrzeuge und Hundereaktion, wenn ich Dich richtig verstanden habe. Da würde ich rangehen, indem ich 20mal am Tag mir ein Fahrzeug schnappe und damit solange auf dem Hof rumfahre, bis sie still ist. Dann sofort reingehen, aber die Hündin nicht weiter beachten. Für Dich soll es ganz normal sein, dass Du mit Fahrzeugen hantieren kannst, für die Hündin ist es Lob genug, dass Du wieder im Haus bist. Wichtig natürlich, nicht reingehen, solange sie Terror macht.

Es könnte auch sinnvoll sein, einen Trainer vor Ort hinzuzuziehen, damit klar ist, wann genau der Stress bei ihr einsetzt, was der Auslöser ist. Wenn Du schreibst, dass Du nur unter Beobachtung fegst, ist sie höchstwahrscheinlich auch da schon nicht entspannt.

Das ist eine Doppeltuer mit riesigen Fenstern- dann sehe ich
nicht mehr wer kommt und im Flur ists Stockfinster…

Es geht nicht darum, Dein Leben lang im Dunkeln zu wohnen, sondern um ein paar Wochen stressfreies Training für den Hund, vorausgesetzt natürlich, Auslöser für ihr Verhalten ist, Euch zusehen zu können. Was passiert, wenn sie in einem Raum ist, von dem aus sie die Haustür und Euch nicht sehen kann, während Ihr das Haus verlasst?

Gruß,
Anna

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Hallo Sonja!

Jetzt muss ich morgens die Kleine zu Krippe bringen - ohne
den Hund (Hund ist auf dem Gelaende verstaendlicherweise
unerwuenscht).

Gibt es denn vor dem Gelände keine Möglichkeit den Hund festzumachen?

Ich habe unsere Hündin immer vor dem Kindergarten angebunden, bin dann teilweise sogar mit beim Morgenkreis geblieben (ca. 20 Minuten) und danach gings Gassi nach Hause.

Ich verstehe da das Problem nicht ganz ;-(

Wann gehst Du denn dann mit dem Hund raus? Danach oder davor?

Gruß Motorradmieze

Gibt es denn vor dem Gelände keine Möglichkeit den Hund
festzumachen?

Leider nicht wirklich praktikabel: Der Kindergarten hat eine sehr lange und schmale Allee als Einfahrt und einen vorgelagwerten Parkplatz. Jeder, der vom Auto kommt muss diese Einfahrt zu Fuss entlang, das Betreuungspersonal faehrt dort noch mit dem Auto durch. Der Hund kann sich dann endlos mit ansehen, wie Du ihm „davon laeufst“. Und Mamas sind ja Tierlieb… Er wird dann mit „Ach Du Armer“ etc dann ja in diesem Verhalten belohnt. Und Morgens ist hier die Hoelle los (10x Krippenkinder, 60 KiGa’s plus Eltern und Betreuer) innerhalb von 1/2 Stunde…

Ich habe unsere Hündin immer vor dem Kindergarten angebunden,
bin dann teilweise sogar mit beim Morgenkreis geblieben (ca.
20 Minuten) und danach gings Gassi nach Hause.

Morgens ist es dafuer viel zu viel Verkehr. Nach Mittag bleiben sind die „Autofahrer“ dann weg und ich kann den Hund bis aufs Gelaende „mogeln“. Ich lasse Ihr dann nur um Stress mit der KiGa-Leitung zu vermeiden einen Softmaulkorb um. Der Hund liebt zur Kinder ueber alles und alle Kinder hier im Ort lieben diesen Hund, aber da ich nicht direkt daneben stehe und der Hund Stress hat, sorge ich diesbezueglich vor. (Ausser der Nachbarhund wartet auch- dann kuscheln die beiden und es ist auch fuer laenger Ruhe).

Ich verstehe da das Problem nicht ganz ;-(

Das Problem ist das Geheule und das Gekratze an der Tuer und den Scheiben- der Kindergarten ist jeden Morgen dran. Das Geheule gibt es aber auch, wenn ich Mittags mit der Kleinen mal weg will (Kinderarzt, Schwimmbad, Reiterhof, etc). Das Gekratze an den Scheiben ist so heftig, das das Glas inzwischen Schrammen davon getragen hat. Das Problem ist ein Hund, der nicht akzeptiert, das Frauchen mit Kind auch ohne ihn das Haus verlassen darf, das es Orte gibt, an denen er schlicht unerwuenscht ist. Er ist ja nicht den ganzen Tag alleine, hat danach wieder alle um sich herum und darf danach Ball spielen usw.

Wann gehst Du denn dann mit dem Hund raus? Danach oder davor?

Je nach Tempo der Kleinen und meines Mannes. Wenn alles gut laeuft - vorher. Wenn sie aber unbedingt einen anderen Pullover will, er etwas erfolglos sucht, und sie dann vor lauter „Ich will alles jetzt und gleichzeitig“ das Fruehstueck nicht in den Mund kriegt, wird es danach geregelt. Die „Morgentoilette“ kann der Hund aber immer morgens machen, bevor hier etwas anderes laeuft (kurzer Gang zum Nachbaracker)- erst dann gibt es Fruehstueck und KiGa Tasche.

Versteht mich nicht falsch - aber ich finde Hund ist Hund und hat sich im „Rudel“ unten einzuordnen. Und ein Hund, der schreiend und kratzend an der Tuer Alarm macht, wenn Frauchen das Haus verlaesst, ist wie ein Kind, das sich im Supermarkt kreischend auf den Boden schmeisst, weil es keine Schokolade gibt. Der hat seine Rangfolge nicht verstanden. Leider reicht Ignorieren in diesem Fall nicht aus, wenn die Haustuer noch eine Weile in dieser Maueroeffnung drin bleiben soll…

Was passiert, wenn sie in einem Raum ist,

von dem aus sie die Haustür und Euch nicht sehen kann, während
Ihr das Haus verlasst?

Prophylaktisches jaulen (ohne Panik). Im HWR sind normale Fenster (leider in Richtung Carport)- als sie uns dort hoerte, sprang sie auf die Gefriertruhe und macht von dort aus die „Panikshow“. Gleiches gilt fuer die Kueche, da rutschte sie nur ab, da die Flaechen zu glatt waren.
Das Wohnzimmer ist nicht weit genug abgewandt - die Glasscheibe gibt ihr freien Blick ins Carport und diese Scheibe ist sehr duenn…
Bliebe nur noch das OG. Das ist fuer sie aber von klein auf Tabu wegen der Teppiche und der Betten. Wenn ich sie in ihre Softkennel sperre (die sie sonst gut zum schlafen und bei fremden Besuch annimmt), randaliert sie solange, bis diese auf geht.

Hallo Sonja,

wie hat Deine Hündin das Alleinsein gelernt? Wann habt Ihr mit dem Training begonnen, wie alt war sie da, welche Zeiten waren für sie problemlos aushaltbar?

Versteht mich nicht falsch - aber ich finde Hund ist Hund und
hat sich im „Rudel“ unten einzuordnen.

Nicht alleine bleiben zu können, heißt mitnichten automatisch, dass ein Hund „dominant“ ist.

wie ein Kind, das sich im Supermarkt kreischend auf den Boden schmeisst, weil es keine Schokolade gibt.

So ein Kind würde ich auch nicht als dominant bezeichnen, lediglich als eines, das noch nicht (ausreichend) gelernt hat, mit Stress und Frustration umzugehen. Genauso muss auch der Hund lernen, mit der Situation „alleine bleiben“ umzugehen. Sie birgt ein extrem hohes Stresspotential, da ein einzelner Hund ohne sein Rudel nicht überlebensfähig ist. Dies auszuhalten, ist Ergebnis längeren und geduldigen Trainings.

Der hat seine Rangfolge nicht verstanden.

Wie benimmt sich Deine Hündin sonst im Alltag? Rammelt sie an Deinen Beinen rum? Schläft sie auf der Couch und droht, wenn Du Dich neben sie setzen willst? Hat sie Dich schonmal gestellt? Das wären typische Rangfolgeprobleme. Kannst Du diese Fragen mit „ja“ beantworten, ist möglicherweise auch das Alleinbleiben eine Frage der Hierarchie, ich halte es nach Deiner Beschreibung aber für eher unwahrscheinlich.

Da Du offenbar genaue Vorstellungen hast, welche Methoden anwendbar sind und welche nicht (ignorieren, Sicht verbauen, usw.), ist in meinen Augen der einzig sinnvolle Weg, Dir einen kompetenten Trainer vor Ort zu holen, der Dich nochmal im Sinne des Hundes beraten kann. Ich würde ein Lösung suchen, indem ich

  • ganz präzise erkenne, was den Stress beim Hund auslöst
  • herausfinde, welcher Art der Stress ist
  • der Situation mit sinnvollem und geduldigem Training begegne

Viel Erfolg dabei,
Anna