Hund hat ne Autoreifenmacke

Hallo,
mein netter Vermieter hat eine Art Schäferhund ausm Tierheim geholt, ist schon ca. 1 Jahr her. Er hat sich ganz gut in die Familie integriert und lässt auch Hühner, Katzen, Kälber usw. auf dem Bauernhof in Ruhe - nur wenn ein Fahrzeug (egal ob Pkw, Traktor, Lkw, fremd oder Vermieter selbst) den Hof verlässt, flippt der Hund völlig aus und unter Gebell und Geheul werden die sich drehenden Vorderreifen angesprungen, bis das Fahrzeug die Hauptstrasse erreicht, manchmal auch hunderte Meter weit.
Immer öfter streift der Hund auch in der näheren Umgebung rum und bellt die sich drehenden Vorderreifen von vorbeifahrenden Verkehrsteilnehmern an, die darüber erschrecken.
Es ist ein Dilemma: Hund an Kette = Tierquälerei, Hund zu alt = nicht mehr lernfähig.
Der Hund hat wohl in seinem früheren Leben irgendwelche schlechten Erlebnisse gehabt, anders kann ich mir als Laie sein Verhalten nicht erklären.

Wie kann oder sollte sich mein Vermieter verhalten, speziell in Hinsicht auf eventuelle Autounfälle durch seinen Hund?
Wodurch könnte so eine Manie entstanden sein? Passiert wirklich nur beim Rausfahren…

Gruss, Helge

Hallo haha,

then kill him. Ist wohl das beste!

Thomas

Toller Ratschlag :frowning:
Ich meine den vorigen Beitrag.

@ Haha
Wenn hier niemand eine besonders gute Idee hat, würde ich mit dem Hund zur Hundeschule o.ä. gehen, aber vorher fragen, ob die mit sowas klar kommen.

Viele Grüße

Hallo Helge

Erstmal etwas, was mir GANZ WICHTIG ist:

Es ist ein Dilemma: Hund an Kette = Tierquälerei, Hund zu alt
= nicht mehr lernfähig.

Das stimmt so absolut nicht. Erstens bringt es keinen Hund um mal an der Kette zu sein, sofern ihm a) sonst genügend Auslauf verschafft wird (Spaziergänge, Spiele, etc.), er b) genügend Sozialkontakt hat (mit anderen Hunden, mit Menschen) und c) die Kette genug lang ist, ihm ein wasser- und winddichter Unterschlupf zur Verfügung steht der genügend gross ist und er Futter, aber vor allem Wasser jederzeit erreichen kann.
Zweitens, und dieser Punkt scheint mir noch viel wichtiger, es gibt NIE, NIE, NIE einen Zeitpunkt, zu dem ein gesundes Lebewesen, absolut EGAL welchen Alters, sich als unfähig erweisen würde, etwas zu lernen. Wenn ich den Kerl je in die Hände kriegen sollte, der dieses total verblödete Sprichwort vom Hänschen rausgelassen hat, dann Gnade ihm Gott… *grrr* - Entschuldige, lieber Helge, das ist nicht Dein Fehler, aber soll an dieser Stelle mal gesagt sein. Es gibt wenig, das mich so ärgert, wie wenn jemand das Gefühl hat, dass ein Lebewesen nicht mehr lernfähig ist, nur weil es aus dem Teenageralter heraus ist. Fazit: Der Hund kann absolut noch was lernen.

Was nun also die Autoreifen betrifft: ich habe nicht das Gefühl, jetzt rein von Deiner Beschreibung her, dass der Hund eine schlechte Erfahrung mit Autoreifen gemacht hat, ganz im Gegenteil. Er hat sich diese als ideales Hetz- und Jagdobjekt ausgesucht. Würde er damit wirklich eine schlechte Erfahrung verbinden, würde er sich wohl eher verstecken und Autos meiden. Reifenjagen ist gar nicht mal so selten, aber eben sehr gefährlich. Die meisten Hunde überleben das leider nicht sehr lange.
Woher entsteht denn so eine ‚Macke‘? Meist in Jugendjahren, also zwischen dem 7. und 16. Lebensmonat, meist aus Langeweile und jugendlichem Übermut, weil dem Hund nichts Besseres geboten wird um seinen Trieb in (für menschliche Begriffe) gezügelte und akzeptierte Bahnen zu lenken.
Was tun? Nun, das wird schwieriger - erste Massnahme: wenn Euch der Hund lieb ist, ihm den Weg zu den Autos verunmöglichen, sprich: Zaun, Leine, was auch immer. Damit bekämpfen wir aber nur das Symptom, keinesfalls die Ursache. Er wird sofort wieder aufs nächste Auto losgehen und wahrscheinlich mit noch viel grösserem Eifer, wenn er nicht an der Leine ist. Lerneffekt gleich null. Zweite Massnahme, den Hund ganz bewusst (and er Leine!) an die Situation heranführen, ihn davon abhalten das Auto anzugehen und ihm stattdessen aktiv eine Alternative bieten. Das heisst, wir schmeissen ihm nicht einfach ein Spielzeug hin mit der Idee: „Da, amüsier Dich!“, sondern wir müssen ihm zuerst beibringen, dass Spielen mit dem Spielzeug sich mehr für ihn lohnt als Schnappen nach Autoreifen.
Wie das? Methode Nr.1: Tut Euch zu zweit zusammen, der eine fährt Auto, der andere führt den Hund. Kommt das Auto angefahren, der Hund will darauf losgehen, so kommt eine Korrektur (so stark wie nötig, so sanft wie möglich) vom Hundeführer, möglichst BEVOR der Hund überhaupt losstartet und sich in die Leine hängt. Ist er ansprechbar (= reagiert er auf die menschliche Einwirkung und fixiert das Auto nicht mehr), wird SOFORT eine Alternative geboten: Ausgiebiges, wildes Spiel mit Spielzeug, Belohnung, Bestätigung, was immer DEM HUND gefällt (und nicht, was der Mensch für eine tolle Belohnung hält). Knackpunkte dieser Methode: Der Hundehalter muss wissen was er tut, d.h. er muss den Hund lesen können, muss wissen, wann er wie reagieren muss, kurz, ein Gespür für Hund und Timing haben. Er muss wissen, wie der Hund spielt, womit er spielt, was er mag. Ausserdem muss das immer und immer wieder trainiert werden, auch am generellen Gehorsam des Hundes, das Tier soll abrufbar werden und wenn das Training erfolgreich sein soll, muss nicht nur mit Fachwissen, sondern auch mit viel Geduld und Zeit gerechnet werden.

Methode Nr. 2: Der Hund wird nicht ans Auto herangeführt, sondern ihr beide (oder eben nur einer) sitzen im Auto und warten, bis er herangeschossen kommt. Der Autofahrer soll SOFORT scharf bremsen, SOFORT aussteigen und den Hund SOFORT einschüchtern, das alles muss möglichst schnell und vor allem gleichzeitig passieren - er soll ihn anschreien, Lärm verursachen, darf mit einer Blechdose, die mit Kieselsteinen gefüllt ist, auf den Boden (keinesfalls auf den Hund!) werfen. Ziel der Übung ist es, dem Hund einen gehörigen Schrecken einzujagen, je nach Psyche des Hundes reicht ein solches Erlebnis aus um ihn von seinem Tun abzubringen. Probleme bei dieser Methode: Gehen da Leute ohne Fachkenntnis und Feingefühl vor, kann es ohne Weiteres passieren, dass der Hund dieses erschreckende Erlebnis nicht auf sein Tun bezieht, sondern auf die Autos generell - Resultat ist dann, dass man sich einen Hund geschaffen hat, der zwar keine Reifen mehr jagt, aber dafür panische Angst vor Autos hat… Dem Hund muss klar gemacht werden, dass Autos an sich nett sind, Reifenjagen allerdings sehr negative Konsequenzen haben kann. Problematisch ist auch das Timing. Wer nicht sofort reagieren kann, erreicht gar nichts.
Wenn ihr Euch das nicht selbst zutraut, fragt einen Experten.

Gruss,

Semiramis

Ergänzung: einmal ist Herrchen schon mal über den Schädel des Hundes gefahren, seitdem hat er dort eine Delle… genutzt hat es nix

gut zu erfahren, dass „an der Kette“ doch nicht so streng gesehen wird und dass auch ältere Hunde lernfähig sind
danke für die Antworten (ausser vom letzten Schwachkopf)

Helge

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