Hallo Martin,
du beschreibst zwei unterschiedliche Probleme mit deinem Hund, die nicht direkt etwas miteinander zu tun haben.
Problem 1: Der Hund verlässt das Grundstück.
Durch zunehmende Sicherheit deines Hundes und die Erfahrung, dass es außerhalb eures Grundstückes auch noch Lohnenswertes gibt, versucht er nun bei Gelegenheit auszubüxen. Jedesmal, wenn er abhaut, macht er positive Erfahrungen, v.a. mit Hündinnen, was ihn in seinem Verhalten bestärkt. Das „schuldbewusste“ Meideverhalten beim Zurückkommen wird häufig als schlechtes Gewissen fehlgedeutet. Unsere Hunde beobachten uns täglich und kennen dadurch unsere Gefühlsregungen sehr genau und erkennen i.d.R. unseren Ärger, selbst wenn wir versuchen uns zu verstellen. Durch abgeducktes Heranschleichen signalisiert der Hund uns: „Tu mir bitte nichts, ich troll´ mich auch schon, bin arm und wehrlos.“
Meiner Erfahrung nach hat man wirklich nur dann Erfolg, wenn man den Hund auf dem Grundstück ausbruchssicher hält. Entweder man zäunt das Grundstück hundesicher ein, oder man legt den Hund, wenn er unbeaufsichtigt ist, an eine Laufleine. „Hundesicherheit“ hängt immer vom Einzelkandidaten ab, manche Hunde klettern an Maschenzäunen hoch, manche knüpfen solche Zäune auf, für andere dagegen reicht eine optische Barriere von 50 cm Höhe. Falls eine Einzäunung des ganzen Grundstücks nicht möglich ist, kann man ja einen Freilauf abgrenzen, in den man den unbeaufsichtigten Hund sperrt. Je länger der Hund schon ausbricht, desto mehr Energie wendet er meist darauf auf um streunen gehen zu können. Es empfiehlt sich also möglichst schnell etwas zu unternehmen.
Bei Rüden, die wirklich nur wegen läufiger Hündinnen stiften gehen, hat man meist mit einer Kastration Erfolg. Bei allen anderen Streunern, die auf Futtersuche gehen, Spielkameraden finden, jagen oder sich nur durch Spazierengehen die Zeit vertreiben, wird man mit einer Kastration nichts erreichen.
Problem 2: Der Hund kommt auf Zuruf oder Pfiff nicht zuverlässig zu seinem Besitzer zurück.
Da dein Hund in fremder Umgebung eine gewisse Unsicherheit zeigt , hast du wahrscheinlich sehr schnellen Erfolg bei konsequentem Training des Zuückkommens. Wenn dein Hund an Futter und Leckerbissen kein Interesse hat, zeigt das, dass er keinen Hunger hat. Durch eine radikale Kürzung der Futterrationen wird sich das sehr schnell ändern. Fressen ist ein elementares Bedürfnis und es wäre schade, wenn man ein so einfaches Motivationsmittel „verschenken“ würde. Dass dein Hund zu wenig Futter bekommt, brauchst du nicht zu befürchten. Ich schätze 80% der Hunde in unseren Breiten sind zu dick und ich habe noch keinen Hund vorm Futter verhungern sehen, nur weil es ihm vielleicht nicht schmeckt. Wenn Futtergaben in Form von Leckerlis einen höheren Stellenwert bekommen, werden auch die Bindung und das Vertrauen deines Hundes zu dir verstärkt.
Zum Thema „Zurückkommen“ hab ich schon vor einiger Zeit was geschrieben und kopier es hier einfach rein.
Meinen Hunden lerne ich das Zurückkommen so:
Zuerst lernen die Hunde den Zusammenhang zwischen Pfiff und Herkommen: Wenn der Hund aus irgendeinem Grund auf mich zustürmt, gebe ich einen Pfiff, wenn er bei mir ist, belohne ich mit Spiel, Lob oder besonders leckerem Futter.
Mit einer zweiten Person kann man folgendes Lernspiel machen: In ruhigem Gelände hält die Hilfsperson den Hund (ohne Kommandos) einfach am Halsband fest. Ich entferne mich im Laufschritt ca. 20-30 Meter. Nun animiere ich den Hund z.B. durch in die Hocke gehen und in die Hände klatschen, Spielzeug o.ä. zeigen zum Herkommen. Erst wenn der Hund richtig gierig ist, zu mir zu kommen, gebe ich mit einem Pfiff das Kommando den Hund loszulassen. Wenn er bei mir ist wieder Belohnung,… Auf diese Art lernt der Hund die Verbindung zwischen Pfiff und dem Herkommen, und auch, dass es sich für ihn lohnt zu kommen.
Zur Festigung benutze ich dann eine leichte 10-Meter-Leine. Der Hund bekommt eine „Einladung“ durch Pfiff zu mir zu kommen. Nimmt er diese nicht unverzüglich an, laufe ich mit der Schlaufe in der Hand in die entgegengesetzte Richtung. Durch seine Unaufmerksamkeit bekommt er einen Ruck am Halsband und wird in seiner Beschäftigung unterbrochen. Wenn er mich eingeholt hat, lobe ich ihn und spiele mit ihm. Wichtig ist, dass der Hund über einen langen Zeitraum KEINE tollen Erlebnisse durch NICHTKOMMEN hat. Wenn ich keine 10-Meter-Leine dranmachen kann (z.B. beim Spiel mit anderen Hunden) und mir nicht absolut sicher bin, dass mein Hund auf einen einmaligen Pfiff unverzüglich kommt, verkneife ich mir das Pfeifen, locke ihn stattdessen anderweitig an.
Wenn das mit der langen Leine sicher klappt, lasse ich sie nur noch als „Notbremse“ schleifen. Nach und nach schneide ich sie 1/2 meterweise ab.
Zum Schluss kann man noch, um dem Hund das „Leinengefühl“ zu vermitteln, vor dem Freilauf das letzte 20-cm-Leinenstück mit einem kleinen Gewicht (z.B. Schraubenmutter) ans Halsband hängen.
Noch mal als Zusammenfassung:
- Es muss für den Hund was Tolles sein herzukommen.
- Pfiff bedeutet nicht automatisch angeleint zu werden.
- Es gibt nur eine einmalige Aufforderung.
- Ich laufe niemals hinter meinem Hund her.
- Ich versuche niemals meinen Hund zu fangen, oder am Halsband zu erhaschen.
Bei meinen Hunden hat das bisher immer hervorragend geklappt.
Viel Erfolg
Johnny