Hundebeziehungen

Hallo zusammen,

ich habe in einem Buch über Wölfe gelesen, dass kein Rudelmitglied nähere Kontakte, z.B in spielerischer Form, zu einem Nachbarrudel aufnehmen würde.

Unsere „Familien-Rudelhunde“ müssen draußen permanent mit anderen „Rudeln“ kommunizieren.

Meine, jetzt 1 3/4 Jahre, sucht sich ihre „Freunde“ deutlich aus.
Mit dem richtig stämmigen Rottweiler, den sie als Welpe kennengelernt hat, hat sie eine gerade zu liebevolle Beziehung.

Den Beagle, gleichaltriger Welpe und damals Spielkamerad, mag sie gar nicht mehr. Der bellt sie an und gibt den Macho…

Dazwischen gibt es alles andere, schnuppern, kurz toben… und weiter.

Wieviel sozialen Kontakt zu anderen Hunden braucht oder will ein Hund eigenlich?

Lieben Dank
Chrissie

Hallo Chrissie,

Unsere „Familien-Rudelhunde“ müssen draußen permanent mit
anderen „Rudeln“ kommunizieren.

zum einen sind unsere Haushunde keine Wölfe, und zum anderen bilden sie mit Menschen kein Rudel. In der Lebensgemeinschaft Mensch-Hund fehlen die wichtigen Merkmale der verwandschaftlichen und sexuellen Beziehungen.

Wenn ein Hund - wie der Wolf - in einem begrenzten Territorium aufwächst und keinen Kontakt zu anderen Hunden oder Menschen hat, wird er sich allem Fremden gegenüber auch ängstlich-aggressiv verhalten.

Wieviel sozialen Kontakt zu anderen Hunden braucht oder will
ein Hund eigenlich?

Das kann man pauschal nicht beantworten.

Gruß

Johnny

Hallo Chrissie,

Wieviel sozialen Kontakt zu anderen Hunden braucht oder will ein Hund eigenlich?

Zu rudelfremden Hunden weniger als Mensch gemeinhin denkt. Zumindest im Erwachsenenalter. Viele Hunde werden regelrecht darauf konditioniert, beim Anblick von Artgenossen auszuflippen und wie irre auf diese zu/ mit diesen herumzurennen. In aller Regel lassen sich solcherart verpeilte Hunde auch nicht aus dem abrufen, was der rosa bebrillte Hundebesitzer als „Spiel“ bezeichnet.

Dabei wird gerne übersehen, dass Hunde niemals zweckfrei spielen. Alles, was sie tun, dient in irgendeiner Form entweder dem Einüben bestimmter Verhaltensweisen oder der Abklärung der Rangbeziehungen. Dies macht im Welpen- und Junghundalter einen gewissen Sinn, führt aber nicht selten auch dazu, dass Hunde sich gegenseitig zum Hetzen, Jagen und Raufen animieren. Nicht wenige Hundebesitzer sind furchtbar überrascht und entsetzt, wenn aus dem netten „Spiel“ immer öfter eine handfeste Rauferei wird.

Erwachsene Hunde müssen nicht mehr üben. Sie beherrschen im Idealfall den gesamten Kanon an hundlicher Kommunikation und können Distanz und Nähe über diese hervorragend regulieren. Es sei denn, sie haben nichts anderes gelernt, als beim Anblick eines Artgenossen wie bescheuert durch die Gegend zu rennen.

Mit dem Eintreten der Geschlechtsreife, bei großrassigen Hunden oft auch erst mit dem Erreichen der psychischen Reife, ist das Interesse an fremden Artgenossen bei einem normal sozialisierten Hund normalerweise auf das Notwendige beschränkt: Fortpflanzung und sozialer Status. Wenn erwachsene Hunde miteinander herumtoben, kann man - so man genau hinschaut - ganz hervorragend erkennen, dass dieses „Spiel“ nur einem Zweck dient: Der Klärung der Rangbeziehungen.

Da Hunde, im Gegensatz zu Wölfen, darauf angewiesen sind, ständig mit rudelfremden Artgenossen zurechtkommen zu müssen, haben sie Verhaltensweisen entwickelt, die dies ermöglichen. Fälschlicherweise leiten viele Hundebesitzer daraus die Erwartung ab, dass alle Hunde ständig Kontakte zu anderen brauchen, um „spielen“ zu können.

Hunde, die das nicht mitmachen und andere Hunde darauf hinweisen, dass es sich für einen erwachsenen Hund nicht gehört, wie ein Idiot herumzuhopsen, werden gerne als „verhaltensgestört“ oder „schlecht sozialisiert“ bezeichnet. In Wahrheit zeigen eher die Hunde, die sich im Erwachsenenalter völlig distanzlos verhalten, das nicht angemessene Verhalten.

Diese Hunde sind meist dadurch gekennzeichnet, dass sie mit Karacho auf jeden fremden Hund zurasen, schlecht oder gar nicht von anderen Hunden abzurufen sind und an der Leine nicht ruhig an einem Artgenossen vorbeigehen können. Sie halten nicht still, wenn ein stärkerer Artgenosse nach ihrer Visitenkarte verlangt und sie können sich nicht richtig unterwerfen, wenn sie Prügel beziehen. Interessanterweise bevorzugen viele Hundebesitzer diese Verhaltensweisen aber.

Schöne Grüße,
Jule

Liebe Jule,

eine Frage zu Deinen (wie immer) so stichhaltigen Ausführungen:

Mein Hund (jetzt 4,5 Jahre, kastrierter BC-Mix-Rüde) zeigt an fremden Hunden kaum ein Interesse mehr. In unseren Urlauben an der Ostsee ist er sehr wählerisch geworden.

Hingegen hat er zwei/drei „Kumpels“ hier vor Ort (unkastrierte Rüden - teils etwas älter, teils etwas jünger), bei denen ich schon meine, dass sie jeweils unter sich die Rangordnung in den Jahren der regelmäßigen Begegnung geklärt haben; jedenfalls sind die „Spiele“ in keiner Weise aggressiv. Bei zwei von den Kumpels muss ich nur den Namen sagen und mein Hund fängt an, nach ihnen Ausschau zu halten.

Jetzt endlich die Frage: Gibt es zu dem, was Du schreibst, nicht noch eine erweiterte (wissenschaftliche) Ansicht?

Mein Hund rennt auf keinen Hund los - freut sich aber über die gesagten „Kumpels“ - welche Bedeutung haben diese innerhalb Deiner Erklärung für ihn, wenn es für erwachsene Hunde „kein Spielen“ mehr gibt? Lässt es sich wirklich darauf reduzieren, dass die Hunde unter sich ihre Rangordnung klären?

Mit der jetzt 10,5 Jahre alten Hündin meiner Mutter ist er aufgewachsen - er zollt ihr sehr hohen Respekt im alltäglichen Umgang (was gar nicht nötig wäre, da es zwischen den beiden NIE einen Konflikt gab - auch nicht wegen des Futters). Trotzdem animiert er sie zum „Spielen“ - lässt aber sofort von ihr ab, wenn er merkt, dass sie keine Lust hat.

Über eine Deutung wäre ich Dir in diesem Themenzusammenhang sehr dankbar.

Liebe Grüße

Kathleen

Hallo Kathleen,

Mein Hund rennt auf keinen Hund los - freut sich aber über die gesagten „Kumpels“ - welche Bedeutung haben diese innerhalb Deiner Erklärung für ihn, wenn es für erwachsene Hunde „kein Spielen“ mehr gibt?

Ich würde in diesem Fall eher davon ausgehen, dass es sich um ein Rudel handelt, nicht um rudelfremde Artgenossen. Wenn die Hunde sich regelmäßig sehen, entwickeln sie auch eine relativ konstante Beziehungsstruktur.

Lässt es sich wirklich darauf reduzieren, dass die Hunde unter sich ihre Rangordnung klären?

Letzten Endes ja. Die Hunde tun nämlich genau das, was das soziale Spiel in einem Rudel bewirken soll: Sie festigen ihre Beziehung untereinander durch spielerisches Miteinander. Da es bei den von dir beschriebenen Hunden um insgesamt stabile Beziehungen handelt, ist die Rangordnung grundsätzlich geklärt.

Aus diesem Grund bedarf es über weite Strecken keinerlei aggressiver Verhaltensweisen: Das was bestätigt werden muss, geschieht spielerisch. Da wird mal der eine, mal der andere zum Jäger, da wird fixiert und wieder weggeschaut oder vielleicht auch mal die eine oder andere Schnauze aufgelegt - die Bandbreite der Kommunikation ist riesig. Sind die Besitzer anwesend, sind diese oft mit einbezogen: Wer drängt welchen Hund vom Menschen ab? Wer schiebt sich grundsätzlich dazwischen? Wenn man weiß, worauf man schauen muss, ist das als Hundebesitzer hoch spannend zu beobachten.

Mit der jetzt 10,5 Jahre alten Hündin meiner Mutter ist er aufgewachsen …Trotzdem animiert er sie zum „Spielen“ - lässt aber sofort von ihr ab, wenn er merkt, dass sie keine Lust hat.

Auch hier sind die Rangverhältnisse sonnenklar: Der „Jungspund“ darf sich das eine oder andere rausnehmen, die alte Lady macht durchaus auch mal mit - aber wenn’s ihr reicht, ist eben Schluss. Und das muss auch nicht mehr diskutiert werden.

Es ist übrigens Fakt, dass sich verhaltenssichere, selbstbewusste Hunde ohnehin kaum der Aggression bedienen müssen, um ihre Ansprüche zu behaupten. Sie strahlen so viel Dominanz aus, dass minimale Signale genügen, um beim anderen Hund den entsprechenden Respekt einzufordern - vorausgesetzt, dieser ist ausreichend gut sozialisiert, um diese deuten zu können.

Schöne Grüße,
Jule

Lieben Dank, Jule.

Du hast wieder ein bisschen mehr zum meinem Verständnis der Hundewelt beigetragen.

Meine mir zunächst blöd vorkommende Frage könnte durch deine Antwort auf Kathleen eventuell geklärt sein:

Die Rangordnung zwischen meiner und dem Rotti war wahrscheinlich von Anfang an geklärt. „Spielen“ tun die beiden tatsächlich nicht, früher hat sie ihn mehr oder weniger erfolglos animiert. Die beiden „mögen“ sich dennoch auffällig (er ist nicht kastriert~~~) .

Beim ehemaligen Welpenfreund klappt das Austarieren der Rangordnung wohl (noch) nicht. Sie geht dann lieber weiter.

Ihr vorsichtiges Verhalten gegenüber fremden Hunden scheint mir aufgrund deiner Beschreibungen durchaus begründet.

Und, ich bin froh darum.

Grüße
Chrissie

Hallo Jule,

ich habe von dir schon ausgewogenere Posts gelesen, aber wenn du Hunde so extrem biologistisch auf grosshirnlose, rein instinktgesteuerte Lebewesen auf dem Niveau eines Strudelwurms reduzieren willst, muss ich doch widersprechen. Es drängt sich der Verdacht auf, dass es sich um die gekränkte Eitelkeit des Menschen handelt, dessen Selbstwertgefühl gestört ist, wenn er nicht einen riesigen evolutionären Abstand zu allen anderen Lebewesen konstruieren kann. Das ist aber nicht mehr zeitgemäss, mit so einem Naturverständnis kann man nur noch bei Kreationisten, der katholischen Kirche oder Islamisten punkten, die Wissenschaft ist über die einmalige Sonderstellung des Menschen ausserhalb der Natur längst hinweggegangen.

Durch meine rosa Brille gesehen freut sich mein Hund immer darauf, anderen Hunden zu begegnen, je mehr desto lieber, und, Gipfel der Blasphemie für dich, ich finde er hat auch ein Recht auf seine sozialen Kontakte, auch wenn du der Meinung bist, ein „richtiger“ Hund bräuchte das nicht. Für mich sind nicht nur Hunde, sondern auch viele andere Tiere empfindungsfähige Wesen, die besser behandelt werden sollten als Topfpflanzen.

Gruss Reinhard

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Hallo Reinhard,

ich reduziere mitnichten Hunde auf Strudelwürmer. Ich setze lediglich das, was Hunde tun, wenn sie sich begegnen in den Kontext, in den es nach dem heutigen Stand der Erkenntnis gehört.

Diesen empfinde ich persönlich keineswegs als irgendwie abwertend in Bezug auf hundliches Sozialverhalten. Wenn du einen vorsichtigen Vergleich mit dem Menschen erlaubst, dann ist hundliches Sozialspiel manchmal ein bisschen so wie ein sportlicher Wettkammpf zwischen Menschen:

Man misst seine Kräfte, unterwirft sich dabei den geltenden Spielregeln und akzeptiert am Ende die Positionen des Siegers und des Verlierers. Das macht man in der Regel freiwillig und auch mit Freude an dem, was man tut.

Letzten Endes gehen wir Menschen auch im Alltag nicht anders miteinander um: Jede Neubegegnung ist gekennzeichnet von Sympathie oder Antipathie, man checkt sein Gegenüber ab, vergleicht sich selbst mit ihm und ordnet sich in einer Art „inneren Bewertungsskala“ als über- oder unterlegen oder als gleichwertig ein. Das alles beeinflusst die weitere Beziehung.

Und während Kinder in der Regel noch begeistert auf jedes neue Kind zustürmen, verlaufen die Begegnung zwischen sich fremden Erwachsenen meist zurückhaltender und ruhiger. Mit manchen lässt man sich gerne auf (sportliche) Wettkämpfe ein, anderen geht man lieber aus dem Weg. Es sei denn, man gehört der „Bussi-Bussi“-Gemeinschaft an, die distanz- und gedankenlos jeden abknutscht, der in ihren Dunstkreis tritt, weil sie gelernt hat, dass „man das so macht“ und dann tödlich beleidigt ist, wenn jemand sich dagegen wehrt.

Nichts anderes tun Hunde, wenn sie sich begegnen. Die meisten von ihnen finden - wenn man sie gewähren lässt - zu ihrem eigenen Weg zwischen Distanz und Nähe. Manche ignorieren, manche drohen, andere liefern sich einen sportlichen Wettkampf. Nur die „Bussi-Bussi“-Hunde benehmen sich permanent daneben, weil sie gelernt haben, dass „hund das so macht“.

Man verzeihe mir den etwas plakativen Vergleich und betrachte ihn unter dem angemessenen Vorbehalt, dass Hunde Hunde und Menschen Menschen sind :smile:

Schöne Grüße,
Jule

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Zustimmung OwT
W.

Hallo Johnny,

du hast natürlich Recht, dass man ein Wolfsrudel nicht mit „Haushund-Lebensgemeinschaft“ vergleichen kann.

Dennoch zeigen, zumindest die mir bekannten Hunde, eine ganz klare Zugehörigkeit. Zu mir, meiner Familie, welche ich dann als „Familien-Rudel“ bezeichnen würde.

Wie weit sind denn sexuell angetriebene Beziehungen noch möglich, wenn Männlein wie Weiblein kastriert sind? Das „Problem“ scheint für viele Hundehalter durch Kastration erledigt zu sein.

Aus meiner Sicht zu kurz gesprungen.

Natürlich ist es etwas anderes, wenn ein Hund die Möglichkeit hat, im freien Feld zu laufen oder in der Stadt lebt. In letzterer gelten für Mensch und Tier deutlich andere Regeln, die wir Landeier gelegentlich vergessen.

Lieben Dank für deine Anregungen

Grüße
Chrissie

Hallo Chrissie,

Wie weit sind denn sexuell angetriebene Beziehungen noch
möglich, wenn Männlein wie Weiblein kastriert sind? Das
„Problem“ scheint für viele Hundehalter durch Kastration
erledigt zu sein.

Aus meiner Sicht zu kurz gesprungen.

ob kastriert oder nicht kastriert ändert daran nichts, dass der Mensch-Hund-Gemeinschaft einige entscheidende Merkmale eines Rudels fehlen.
Auch wenn die Hunde nicht kastriert sind, bestehen zu uns keine verwandtschaftlichen und sexuellen Beziehungen - deshalb fehlt ja auch die Fluktuation, die u. a. ein Rudel kennzeichnet.

Wenn ich schon einen Vergleich ziehen müsste, dann eher noch zu Strukturen in einem Jugendinternat, -ferienlager oder auch -strafanstalt.

Gruß

Johnny

Hallo Jule,

in Deinen Ausführungen ist wie ich finde ein Aspekt zu kurz gekommen.

Im Laufe der Domestikation sind unsere Hunde immer welpenhafter geworden und haben viele Verhaltensweisen aus dieser Entwicklungsstufe beibehalten.
Der Mensch wünschte sich in der Tat ein welpenhaftes Verhalten, weil das leichter formbar und steuerbar ist und hat mehr oder weniger bewusst dafür gesorgt, dass unsere heutigen Hunde genau so sind.
Ein Teil von ihnen bleibt also immer ein Welpe, mit dem damit verbundenem Verhalten.
Wäre das nicht so, wären unsere heutigen Hunde dem Wolf noch viel ähnlicher und es hätte dann wahrscheinlich nur jeder vierte Hundehalter keine massiven Probleme mit seinem Vierbeiner.

Gruß
Maja

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Frage von Hundedummi
Hallo, Jule!

Es ist übrigens Fakt, dass sich verhaltenssichere,
selbstbewusste Hunde ohnehin kaum der Aggression bedienen
müssen, um ihre Ansprüche zu behaupten. Sie strahlen so viel
Dominanz aus, dass minimale Signale genügen, um beim anderen
Hund den entsprechenden Respekt einzufordern

Ich bin Katzenbesitzerin, aber später, wenn unsere beiden Tiger von uns gegangen sind - der Tag sei ferne! -, möchte ich wohl auch einen Hund haben (Freigängerkatzen kosten zu viel Nerven), allerdings denke ich an ein älteres, ruhiges Tier aus dem Tierheim, für lange geruhsame Spaziergänge :smile:

Trotzdem, so einen verhaltenssicheren, selbstbewussten Hund, der dennoch weiß, wo er in der Rangordnung steht - unter mir! -, aber auf Grund einer gefestigten Persönlichkeit auch das ohne Stress akzeptieren kann - wie kriegt man den hin? Wir sind von Hunden und Hundebesitzern umgeben, ich beobachte interessiert die Verhältnisse zwischen Mensch und Tier, alle machen es anders. Wie macht man es richtig?

Gruß,
Eva

Der perfekte Hund
Hallo Eva,

Trotzdem, so einen verhaltenssicheren, selbstbewussten Hund, der dennoch weiß, wo er in der Rangordnung steht - unter mir! -, aber auf Grund einer gefestigten Persönlichkeit auch das ohne Stress akzeptieren kann - wie kriegt man den hin?

Den Grundstein legt der Züchter: Durch die Zucht mit verhaltenssicheren Elterntieren, die nach ihrer Geburt mit ausreichender Erfahrung geprägt und sozialisiert werden, hat man schon die halbe Miete.

Als Welpenkäufer ist es nicht unbedingt einfach, einen solchen Züchter zu finden. Die größte Sicherheit hat man bei Züchtern im VDH, da dort (ungeachtet der Tatsache, dass auch da nicht alles Gold ist, was glänzt) insgesamt die umfassendste Kontrolle bei der Auswahl der Zuchttiere stattfindet.

Alternativ kann man auch einen erwachsenen Hund aus dem Tierheim oder den Notvermittungen der Rassezuchtsverbände holen, bei dem man das Verhalten sehr gut erkennen und überprüfen kann. Ich persönlich würde z.B. für bestimmte Zwecke (wie Rettungshundearbeit oder Jagd) einen Hund bevorzugen, der alt genug ist (mindestens 12 Monate), um seine tatsächliche Eignung für den angedachten Job unter Beweis zu stellen und seine gesundheitliche Eignung (z.B. Gelenkerkrankungen) überprüfbar zu machen.

Merke: Ein unsicherer Hund (egal welchen Alters) wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch immer ein solcher bleiben. Man kann Besserung erreichen, aber das Verhalten nicht eliminieren. Die Kunst ist, Unsicherheit von Zurückhaltung zu unterscheiden. Sichere Hunde müssen keineswegs Rambos sein.

Auch wenn es Ausnahmen geben mag: Die Finger lassen sollte man von Hunden aus dem Ausland, Hunden, bei denen man Mitleid wegen der Haltung oder des Gesundheitszustandes entwickelt und Welpen, bei denen man die Mutter nicht sehen kann oder nicht sicher ist, dass die gezeigte Hündin auch die Mutter ist.

Der Rest ist Arbeit. Ich persönlich empfehle die Teilnahme an einem Welpenseminar BEVOR man sich für einen solchen entscheidet. Und dieses Seminar sollte nicht bei der Hundeschule um die Ecke gemacht werden, sondern bei einem der Leute, die Ahnung haben, wovon sie reden. Namen wären hier z.B. Anton Fichtlmeier, Angelika Lanzerath (Bloch-Mitarbeiterin), Thomas Baumann.

Das Geld, das man in ein paar wirklich gute Hundeseminare investiert, bevor man einen Hund kauft, ist nach meiner Erfahrung hervorragend investiert - gerade dann, wenn man noch wenig Erfahrung hat.

Ansonsten: Konkrete Tipps gerne auf konkrete Nachfrage :smile:.

Schöne Grüße,
Jule

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Hallo, Jule!
Ganz klar ein Sternchen für Deine Antwort!
Ich habe mir Deine Informationen gespeichert, für später einmal, damit ich weiß, an welche Leute man sich wenden sollte.

Mir käme es im Leben mit Hund darauf an, dass wir beide Spaß haben oder vielmehr wir drei, denn mein Mann gehört ganz klar auch zum Team :smile:)))) Ich möchte haben, dass wir stressfrei miteinander auskommen, wir sind die Chefs, Hund kriegt, was Hund braucht: lange Spaziergänge in Feld und Wald mit bissl Spielen, Auslauf im großen Garten, Zuwendung und gutes Futter, und muss sich nicht kümmern - wir bewachen selbst! Was ich nicht haben möchte, ist ein Hund, der rund um die Uhr Zuwendung und Bespaßung braucht, dazu habe ich weder Zeit noch Lust. Was ich manchmal hier lese und in Tiersendungen höre, da frage ich mich, ob die Leute kein eigenes Leben haben, geschweige denn einen Beruf …

Danke Dir herzlich und Gruß,
Eva