Hundeerziehung

Hallo Leute,

letzte Woche war ich in folgender Situation. Eine ca. 3 Jahre alte Schäferhündin, nicht aggressiv aber sehr verspielt hat einem eben so alten Kind den Spielball abgenommen. Diesen Ball wollte die Hündin, die sonst auf die meisten Anweisungen recht gut hört, unbedingt behalten. Vor mir und dem Anderen der versucht hat, ihr den Ball wieder abzunehmen, ist sie im geschickten Slalom um parkende Autos ausgewichen.

Ich habe dann versucht, sie mit etwas Fressbarem zu ködern und anschließend festgehalten. Als sie um das Leckeri zu fressen den Ball loslassen musste hat der Andere ihn weggenommen und dem eigentlichen Besitzer zurück gebracht.

Wie hätte man das richtig machen sollen, weil eigentlich kann man dieses Verhalten des Hundes ja nicht akzeptieren und sollte es natürlich auch nicht belohnen.

Ich muss dazu sagen, dass ich leider nie einen eigenen Hund hatte und nicht besonders viel Ahnung von diesen ganzen Dingen habe.

Gruss
Michael

Hinter dem Hund herzulaufen ist schon falsch, denn das versteht er als „Fangspiel“ und wird sich so über sein falsches Verhalten nicht bewusst. Sinnvoller wäre hier, vor dem Hund davon zu laufen, in der Hoffnung, dass er dann hinter her läuft und sich „fangen“ läßt. Locken ist auch gut, aber dann sollte man, wenn man ihn einmal gepackt hat, den Ball mit einem „Schnauzgriff“ einfach nehmen und dabei laut „Aus“ o.ä. sagen. Dann erst darf der Hund die Belohnung bekommen, denn dann versteht er es als Belohung dafür, dass er den Ball hergegeben hat, wenn auch zuerst eher unfreiwillig. Ein Schnauzgriff sieht wie folgt aus: man greift mit der Hand über die Schnauze des Hundes und drückt diese leicht zusammen. Dann wird der Hund automatisch das, was er in der Schnauze hat fallen lassen. Wenn nicht, kann man immer noch mit der anderen Hand nachhelfen. Aber eigentlich müßte das klappen. Wölfe machen das auch bei ihren Welpen als „Bestrafung“, als Zeichen, dass sie etwas falsch machen. Der Hund versteht dieses Verhalten instinktiv. Es kann echt Wunder wirken!
Wichtig ist auch, dass man den Hund während der „Jagd“ nicht anbrüllt und beschimpft, das kann er nicht verstehen, da er ja noch nicht weiß, was er tun soll. Man sollte konsequent immer das selbe Kommando wiederholen und ihn ggf. mit etwas locken (hohe Stimme, sich von dem Hund entfernen, zur Not auch Leckerlie). Der Hund muss begreifen, dass die anschließende Belohung dem Herausrücken des Balles gilt, wie oben bereits beschrieben. So sollte es funktionieren (viel Übung ist natürlich notwendig, bis der Hund auf Kommando Dinge hergibt). Viel Erfolg!

Tja, manchmal muss man den Hund auch mal verkackeiern…
Nee, im Ernst. So, wie Ihr das gemacht habt, war das schon richtig. Die Hündin ist ja nicht für das Weglaufen belohnt worden, sondern dafür, dass sie sich einfangen und sich „ihr“ Spielzeug wegnehmen lassen hat. Hättet Ihr sie im Nachhinein bestraft, dann wäre das für sie quasi die Bestrafung dafür gewesen, dass sie sich den Ball wegnehmen ließ. Die Verfolgungsjagd zwischen den Autos fand die Hündin nämlich bestimmt lustig - war ein nettes (Zwischen-)Spiel für sie!
Hunde kann man nun mal am besten dann bestrafen, wenn man sie in flagranti erwischt. In Eurer Situation also, als sie sich unerlaubterweise den Ball geschnappt hat.
Viel Spaß noch mit der Hündin! Und beim nächsten Mal (das es hoffentlich nicht gibt!) am besten vorbeugen und verhindern, dass sie kleinen Kindern ihr Spielzeug klaut.
Gruß,
Mondenkind

Danke :smile:
Um dieses fortgeschrittene Verhalten zu lernen, müsste ich mir ja schon fast einen eigenen Hund zulegen. Vielleicht mache ich das auch irgendwann mal, wie du schon schreibst:
„Der Hund ist dir im Sturme treu, der Mensch nicht mal im Winde“

Aber es klingt sehr interessant.

Gruss Michael

Danke!
ich denke falls es ein nächstes Mal gibt, bin ich vorbereitet :smile:
Gruss
Michael

Das ist ja alles gut und schön, daß der Hund belohnt wird, wenn er den Ball wieder hergibt. Das sollte er mit 3 Jahren eigentlich auch schon beherrschen! Aber wie schaffst Du es denn nun, daß er nicht immer mit allem abhaut, was er behalten möchte? Ich habe meinem Hund angewöhnt, daß er grundsätzlich erst fragt (grins), bevor er etwas ins Maul nimmt, was irgendwo unterwegs so in Frage kommen kann. Sprich: Saufen aus Pfützen, verloren gegangene Leckerlis, oder eben auch Bälle, die irgendwo so rumliegen. Das habe ich erreicht, in dem ich ihm ganz konsequent alles verboten habe, ins Maul zu nehmen und ihn dann zu belohnen, wenn er es auch wirklich gelassen hat. Umgekehrt grundsätzlich laut Pfuii rufen, sobald er Anstalten macht, etwas aufzunehmen. Meiner hats relativ schnell kapiert und schaut mich nun seit 4 Jahren immer erst fragend an, wenn er etwas nehmen möchte. Selbstverständlich habe ich ihm auch ab und an etwas ausgelegt, was er dann tatsächlich nehmen durfte, denn ein Erfolgserlebnis braucht das Tier schon mal. Nur ist es natürlich sehr schwierig, einem Tier klar zu machen, daß er einen Ball, mit dem gerade gespielt wird, nicht schnappen darf. Denn schließlich spielt ja wohl jeder mit seinem Hund Ball. Und fast für jeden Hund ist es das Größte überhaupt, wenn Herrchen sich die Zeit nimmt und ihn auch bei Erziehungsmaßnahmen mit Ballspiel-Minuten belohnt! Da hilft nur eins: Augen auf und schneller solche Situationen erkennen als der Hund. Viel Spaß noch… Und das Wichtigste überhaupt: Zeig und sag es deinem Hund immer ganz überschwenglich (!!!), wenn er etwas gut gemacht hat. Er wird es Dir danken und sicherlich auch zeigen!

Danke noch mal an alle…
… für die hilfreichen Antworten. Der Hund ist inzwischen wieder bei seinem Besitzer aber ich denke dass ich irgendwann selbst einmal die hohe Kunst der Hundeerziehung versuchen werde…

Gruss
Michael

hmmm-…
Hallölli!!

Also…wollte eigentlich auch grade anfangen was über Hundeerziehung zu schreiben, da entdecke ich diese Postings!;O)
Ich befinde mich in einer ähnlichen Situation! Wir haben eine Hündin, die jetzt ungefähr ein Jahr alt ist! Und sie hört noch nicht so gut, bzw sehr sporadisch.Sie kommt schon, wenn man gerufen…manchmal auch eher,wenn man zwei Mal gerufen hat…und offt läßt sie sich auch gaaaaaaanz viel Zeit, bis sie dann endlich kommt! Schrecklich! Das macht einen oft sehr wütend und man rastet leicht aus…ABER…das ist ja genau das falsche, denn mit solchen reaktionen kann man bei einem Hund nichts erreichen!
Ich habe den Hund nicht erzogen, aber ich bin der Meinung, das bei der Erziehung des Hundes zu viel falsch gemacht worden ist, weil diejenigen zu nachlässig waren!Kann man das noch irgendwie „korrigieren“?(blödes Wort)

Ich habe selbst die richtige Mischung für diesen Hund noch nicht gefunden, aber es ist doch falsch einen Hund bloß streng zu erziehen…oder?
Nur…WIE dann?? und vor allem…WIE richtig??

Liebe Grüße
Berlind

Hallo!
Erstmal: NIEMALS schimpfen, wenn der Hund dann schließlich, auch nach mehrmaligem Rufen, kommt! Klar, dass man wütend ist und vielleicht spontan so reagiert, aber der Hund empfindet das als Bestrafung für sein Kommen, und läßt sich womöglich das nächste Mal noch mehr Zeit.Warum sollte er auch kommen, wenn er dann dafür bestraft wird??!! Also, erstens: immer loben, wenn der Hund kommt, auch wenn es noch so lange gedauert hat. Am besten, man kommt dabei vor Freude fast um und freut sich so richtig schön überschweniglich. Das findet der Hund super!Den Hund dahingehend zu erziehen, dass er immer sofort kommt, ist zwar schwierig, aber keinesfalls unmöglich! Ich würde anfangs immer Leckerlie (am besten eigenen sich hier kleine Käse- oder Wurststückchen, denn die reizen den Hund am meisten) dabei haben und dem Hund immer eins geben, wenn er kommt. Dann wird er nach einigen Malen sicherlich gerne auf Zuruf kommen, da er ja sooo gerne das Leckerlie haben will. Hunde sind bestechlich! Als nächstes würde ich schauen, ob der Hund ein bestimmtes Spielzeug mag, mit dem ich ihn locken kann. Auf sein Kommen wird dann erst mal ausgiebig gespielt. Auch das merkt der Hund und denkt sich „Super, wenn ich komme, wird gespielt“. Auf diese Art und Weise wird der Hund bei jedem Rufen eine positive Reaktion des Herrchens/Frauchens erwarten und gerne kommen. Nützlich ist es auch, sich unterwegs immer mal wieder zu verstecken, wenn der Hund sich zu weit entfernt. Ohne Rufen!! Der Hund wird irgendwann bemerken, dass seine Bezugsperson plötzlich verschwunden ist, Panik bekommen und das nächste Mal besser aufpassen, dass er den Anschluss nicht verliert! Natürlich auch hier wieder überschwengliches Lob für sein Zurückkommen oder „Finden“. Wichtig ist außerdem, dass man niemals ohne Unterlass Rufen sollte, denn dann interessiert sich der Hund irgendwann nicht mehr für das Rufen. Im Gegenteil weiß er anhand der Stimme immer, wo sein Herrchen ist und braucht dann ja keine Angst zu haben, dass es weg geht. Besser einmal Rufen und dann Verstecken. Auf diese Art und Weise erzieht man zumindest kleine Hunde, aber ich bin sicher, dass auch ein älteres Tier auf diese „Tricks“ herein fallen wird. Viel Erfolg!!
Galli

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Hallo Pia,

ich kann mich Galli nur anschließen. Jedes Tier, Hunde und Menschen eingeschlossen, wird in jeder Situation immer nur das tun, wovon es sich den größten Gewinn verspricht. Das klingt erstmal seltsam („Ich geh ja auch zur Arbeit, wenn es mir keinen Spaß macht“) - aber es stimmt immer. Denn: wer unwillig zur Arbeit geht, für den ist offenbar die „Belohnung“, die sich aus dem Arbeitengehen ergibt, stärker als die negativen Seiten. Diese „Belohnung“ kann z.B. folgendes sein: die Gewißheit, daß der Arbeitsplatz nicht verlorengeht, Geld, gesellschaftliches Ansehen (dürfte im Allgemeinen höher sein als bei einem Arbeitslosen); ja selbst die Vermeidung von „Strafe“ (Abmahnung, Kündigung, schlechtes Gewissen) ist als Belohnung zu bewerten.

Daraus ergibt sich, daß Dein Hund gerne zuverlässig auf Anruf zu Dir kommt, solange er sich davon AUSNAHMSLOS einen Vorteil verspricht. Das kann ein Leckerli sein oder gute Worte oder ein Spiel oder Streicheln oder… oder… - aber wenn er „für sein Zurückkommen“ ausgeschimpft wird, ist das natürlich kein positives Ergebnis und wiegt sicherlich weniger auf der „Spaßskala“ als der Spaß am Entwischen und die anschließende Jagd. Deshalb gilt, auch wenn Du über sein Weglaufen wütend bist oder wegen der verkehrsreichen Straße Todesängste ausgestanden hast oder sonst was: IMMER das Kommen des Hundes belohnen. Wenn Dir das schwerfällt, denke immer daran, daß Du ja auch froh bist, ihn wieder (unter Kontrolle) zu haben. Und daß nachträgliches Bestrafen/Ausschimpfen sowieso keinen Zweck hat. Wenn Du das konsequent machst, wird er es auch lernen, unabhängig vom Alter oder den Vorerfahrungen des Hundes. Schließlich hören Menschen ja auch nicht mit dem Schulabschluß zu lernen auf!

Viele Grüße
Sylvia

P.S. Immer nur einmal rufen! Wenn er nicht kommt: Pech gehabt, schließlich entgeht ihm seine Belohnung. Ignoriere ihn, wenn er daraufhin von selbst kommt, für etwa fünf Minuten: nicht anschauen, nicht ansprechen und auch den Hund nicht erwähnen (die meisten Hunde verstehen ja ihren Namen oder das Wort „Hund“ auch, wenn sie nicht direkt angesprochen werden). Dann rufe ihn wieder - fürs prompte Kommen gibts eine Belohnung, ansonsten passiert gar nichts.

Hundeerziehung durch richtiges Spiel + Motivation
Hallo zusammen,

wir nehmen gerade an einem Kurs teil, bei dem es um die Erziehung und „Lenkung“ von Hunde durch Motivation und richtiges, artgerechtes Spielen geht, unter Beachtung von Erkenntnissen aus der Verhaltensforschung und der Pädagogik und unter Berücksichtigung wichtiger ethischer Grundsätze (der Hund als Mitgeschöpf). Das Ganze ist eine Ausrichtung nach Ekard Lind und nennt sich „Lind art“. („art“ im Sinne von „Kunst“).

Mensch und Hund werden als Team verstanden, wobei der Mensch natürlich schon Teamführer bleiben muss.

Es würde jetzt zu weit führen, das genau zu erklären, es ist jedenfalls absolut faszinierend, was man damit erreichen kann, und alles ohne Zwang, mit einem glücklichen Hund.

Hier ein paar direkte Links auf die Bücher von Ekard Lind bei Amazon. Da gibt’s auch ein paar Leser-Rezensionen.

Richtig spielen mit Hunden
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Hunde spielend motivieren. Praktische Anleitungen. Neue Spielideen
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Mensch - Hund Harmonie. Unterordnung auf neue Art
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Grüße
Sebastian