Hunderasse 'erfinden'

Guten Tag,

vorab möchte ich sagen, dass ich keine Ahnung von dem Thema habe, auf das sich die Frage bezieht, daher bitte ich jeden, der eine Antwort auf meine Frage erteilen möchte, mich nicht als unwissenden Tölpel hinzustellen, da ich -wie schon erwähnt- keine Ahnung von dem Thema hab - daher der Post.

Nun zur Einleitung:

Ich habe mir vor knapp 4 Jahren einen Dobermann, Husky, Schäferhund Mischling gekauft und bin ziemlich fasziniert von diesem Tier - mein Tierarzt im übrigen auch, denn dieser Hund vereint wirklich alle „guten“ Züge der jeweiligen Rasse. So ist er grundsätzlich dem Dobermann am ähnlichsten - Fell und Farbgebung sowie die Kontur und Größe sind identisch. Auch die Geschwindigkeit, wobei er die Ausdauer eines Huskys hat (nicht tot zu kriegen). Das Unterfell ist ebenfalls vom Husky (schneeweiss) aber von der Art, Familienfreundlichkeit und im Umgang mit anderen Tieren ist er dem Schäferhund am ähnlichsten - von dem hat er wohl auch sein Gewicht (stolze 43 Kg). Insg. ein wirklich prachtvoller Kerl.

… und jetzt meine Frage:

ist es irgend möglich eine Art zu züchten, die meinem Hund ähnelt? Irgendwann sind alle Arten mal entstanden und heutzutage, werden auch „neue“ Arten gezüchtet, daher sollte es doch irgendwie möglich sein, oder?

Ich würde mich über jede konstruktive Antwort freuen.

Danke

Hallo,

mit solchen Fragen wendest Du Dich sicher erstmal am Besten an den

VDH http://www.vdh.de/

bzw. die FCI http://www.fci.be/

Ob noch Neuzüchtungen dort anerkannt werden, können die Dir am Ehesten sagen. Alles andere wird sonst sicher unter Mischlinge fallen. Und ob Du das willst ? Wenn, dann sollte die Rasse sicher anerkannt werden ?!?!

Grüße
Margit

Hallo Duality,

dieser Hund vereint wirklich alle „guten“ Züge der jeweiligen Rasse

da fangen die Diskussionen schonmal an. Was ist „gut“ an einer Rasse? Will ich einen Dobermann, weil ich einen verlässlichen Diensthund brauche? Dann will ich aber meist keinen Husky-Einfluss haben, ebensowenig wie sich Wachsamkeit beim Dobermann und wenig Wachsamkeit beim Husky „vertragen“. Es kommt einfach darauf an, welches Einsatzgebiet der künftige Hund haben soll, um sagen zu können, welche Eigenschaften gut oder eher unerwünscht sind.

auch das:

im Umgang mit anderen Tieren ist er dem Schäferhund am ähnlichsten

enthält durchaus verschiedene Aspekte - was genau macht er denn mit anderen Tieren? Hütet er? Das wäre eine Anlage der Rasse, aber bei „Familienhunden“ durchaus nicht immer gewünscht. Oder ist er freundlich/ignoriert er andere Tiere? Oftmals eine Erziehungsfrage. Was ich damit sagen will: viele Dinge sind durch Erziehung bzw. den richtigen Umgang zu erreichen, da braucht es keine neuen Genmischungen.

Zum Gewicht übrigens: Dobermannrüden liegen zwischen 40-45kg, Deutsche Schäferhunde zwischen 30-40kg und Siberian Huskies zwischen 20-27kg.

So, jetzt zu dem breiten Gebiet der Hundezucht in (hoffentlich) wenigen Sätzen:
Die Zucht einer Rasse kann verschiedene Ziele haben, z.B.

  • Arbeitsleistung
  • Charakter
  • Aussehen
  • Gesundheit

    Die meisten der bekannten und anerkannten Rassen sind gezüchtet worden, um bestimmte Arbeiten besser verrichten zu können. Ein beliebiges Beispiel: in der Entstehung des Deutsch Drahthaar spielten auch Pointer irgendwann eine Rolle, um das Anzeigeverhalten beim Deutsch Drahthaar zu verfeinern. Usw., Beispiele gibt es unzählige.

Will ich jetzt eine neue Rasse „erfinden“, frage ich mich zunächst, wo diese Hunde eingesetzt werden sollen und welche Anlagen sie dafür benötigen. Als nächstes schaue ich, welche bereits existierenden Rassen dem am nächsten kommen, bzw. ob es nicht Hunde gibt, die bereits meinen Zielvorstellungen entsprechen.
Es wäre beispielsweise ziemlich widersinnig, planmäßig Huskies mit Dobermännern zu verpaaren, vielleicht bis auf die jagdlichen Anlagen haben diese Rassen wenig Gemeinsamkeit. Damit ließe sich auch schlecht vorhersagen, welche Eigenschaften bei einer solchen Kreuzung wohl vorrangig auftreten werden - was wiederum eine Grundlage von Rassezucht wäre, nämlich die beliebige Reproduzierbarkeit von bestimmten Anlagen bzw. bestimmtem Aussehen.

Das Aussehen sollte in meinen Augen bei einer Neuzucht generell zweitrangig sein, insbesondere niemals im Kontrast zur Gesundheit des Hundes stehen. Die Problematik bei einer rein auf optische Aspekte ausgerichteten Zucht ist u.a., dass möglicherweise Eigenschaften sehr schwer vorhersagbar werden und damit völlig unklar wird, welcher Platz dem Hund gerecht werden kann. Schlittenhund? Wachhund? Jagdhund? Ein-Mann-Hund? Kindergeeignet? usw.

Als eigene Rasse anerkannt werden Hunde erst dann, wenn sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen (wie z.B. beliebige Reproduzierbarkeit in Arbeitsanlagen, Charakter, Aussehen). Genauere Infos über diese Voraussetzungen kann Dir bestimmt der VdH geben. Außerdem zu beachten wäre, wie weit der Genpool gestreut ist, wenn ich die F2-, F3- (…) Generation meiner neuen Rasse verpaare. Dabei gilt generell: je kleiner der Genpool, desto ungesünder.

Um einen Punkt nochmal deutlich zu wiederholen: bis auf die Hunderassen der FCI-Gruppe 9 und wenige andere Rassen sind alle Hunde zur Arbeit gezüchtet worden. Im Sinne der Hunde sollte das weder bei der Anschaffung noch bei der Zucht vergessen werden.

Noch eine Frage zum Schluss: So wie ich Dich verstanden habe, hast Du einen Hund, der wunderbar insbesondere charakterlich zu Euch passt, auf die Arbeitsanlagen wird eher weniger Wert gelegt, einfach weil er nicht als „Spezialist“ eingesetzt werden soll. Solche in der Tat wunderbaren Mischungen gibt es bereits zuhauf und zudem passend zu beinahe allen Menschentypen. Warum neu erfinden, was es bereits gibt?

Es gibt immer Hunde, die besser oder schlechter zu einem bestimmten Menschen passen, selbst unter Wurfgeschwistern. Ich freue mich für Euch, dass bei Euch das Zusammenleben so harmonisch ist, genießt diese Einmaligkeit!

Gruß,
Anna

Hallo Duality,

mal abgesehen davon, dass es bei weitem genügend Rassen und Mischlinge auf diesem Planeten gibt und man nicht unbedingt weitere hinzufügen muss (zumindest, solange man die Probleme der existierenden nicht gelöst hat):

Es wäre sicher grundsätzlich möglich, irgendwie irgendwas hinzukriegen, was optisch deinem Hund ähnelt. Seinen Charakter zu kopieren wird sich allerdings schwierig gestalten, weil man nicht ohne weiteres etwas zufällig Enstandenes züchterisch kopieren kann. Selbst wenn du x Rassehunde der Typen kreuzt, die bei deinem Hund mitgemischt haben, wird das Ergebnis nicht berechenbar werden. Was das Verhalten eines Hundes betrifft, so macht die Genetik ca. 30 Prozent aus, der Rest ist Prägung, Sozialisation und Erziehung.

Wenn du also einen identischen Hund möchtest, müsstest du deinen klonen.

Schöne Grüße,
Jule