Hundeverträglichkeit zweiten Hund anschaffen

Hallo zusammen,

gerne hätte ich Euren Rat, was unsere Entscheidung bezüglich eines neuen Hundes angeht.
Wir haben unseren Rüden als Welpen zusammen mit einer bereits erwachsenen Maremmanohündin (nicht seine Mutter) aus dem Tierheim geholt. Die beiden haben sich immer gut verstanden, wobei natürlich klar war, wer die Chefin war.
Leider ist die Maremmano-Hündin im November gestorben, und wir sind jetzt wieder soweit, dass wir gern einen zweiten Hund holen würden.

Unser Rüde ist jetzt 9 Jahre alt, kastriert, eher zurückhaltend und unterwürfig, sehr unkompliziert und folgsam. Hundebegegnungen sind in den allermeisten Fällen kein Problem, weder mit Rüden noch mit Hündinnen.

Jetzt haben wir das Tierheim besucht und einen Rüden kennen gelernt, der uns gut gefallen hat. Er ist Mischling, 7 Jahre alt, könnte ein Pudel mit dabei sein, lange Locken, mittelgroß, schmal, kommt aus Italien (viel mehr wissen wir bisher noch nicht über ihn).
Er ist unkastriert, vom Wesen her sehr freundlich, eine Schmusebacke und wohl auch eher rangniedrig.
Im Tierheim wurde er von einem anderen Rüden gebissen und verletzt, das war erst von zwei Wochen, ich weiß also nicht, wie gut er noch auf Rüden zu sprechen ist.

Wir haben jetzt vor, mit unserem Rüden mal hin zu fahren, um die Verträglichkeit der beiden zu sehen.
Da fangen meine Fragen schon an: wie das erste Treffen gestalten? Neutraler Boden?
Ohne Leine geht beim Tierheimrüden schon mal nicht, damit er nicht weg läuft?
Dann die nächsten Fragen, entscheiden sich Hunde sehr schnell ob sie andere Hunde mögen oder nicht, oder kommen die Probleme eher erst später?
Welche Rolle spielt das Zusammentreffen kastriert zu unkastriert, wäre es dann vorteilhaft, den neuen Rüden auch kastrieren zu lassen?
Oder sollen wir uns statt dessen eine Hündin suchen, weil es dort mehr Chancen auf gute Verträglichkeit gibt?
Einen Welpen wollen wir nicht, ein erwachsener Hund etwa im Alter unseres Rüden wäre uns lieber. Achja, wir haben ein eigenes Haus und einen hundesicher eingezäunten Garten, Platz ist also genug, um sich auch mal aus dem Weg zu gehen…

vielen Dank für Eure Hilfe,
Gruß,
Petra

Hallo Petra,

wenn euer Hund andere Hunde liebt und nicht nur toleriert, ist gegen einen Zweithund erst mal nichts einzuwenden. Man sollte aber niemals außer Acht lassen, dass es (gerade ältere) Hunde gibt, die es mehr genießen, Einzelhund zu sein. Im Rudelverband leben kann auch einiges an Stress bedeuten. Vor allem solltet ihr euch darauf einstellen, dass euer alter Herr auch in der neuen Konstellation der Underdog wird und dies auch unterstützen. Das fällt erfahrungsgemäß Hundebesitzern oft schwer. In vielen Fällen ist die Entscheidung für einen Zweithund eher eine für den Menschen als eine für den Hund. Es gibt aber selbstverständlich Hunde, die die Anwesenheit eines Artgenossen klasse finden.

wie das erste Treffen gestalten? Neutraler Boden?

Vielleicht hat das TH ein Freilaufgelände, dann könnt ihr die beiden da laufen lassen. Aufgrund der Lokalität besteht allerdings für beide Hunde erhöhter Stress. Wenn ihr die beiden auf einem Spaziergang zusammenführen wollt, dann lasst euren Rüden los und macht dem anderen eine lange Leine dran, die ihr loslassen, aber zur Not auch schnell greifen könnt.

…entscheiden sich Hunde sehr schnell ob sie andere Hunde mögen oder nicht, oder kommen die Probleme eher erst später?

Sowohl als auch. Erste Rivalitäten treten manchmal sofort zu Tage. In jedem Fall geht’s aber nach einigen Tagen (meist eher Wochen) zuhause noch mal ans Eingemachte. Auch bei Hunden, die sich bislang problemlos verstanden haben. Vermeidet zuhause Streitpunkte, indem ihr an getrennten Plätzen (notfalls mit geschlossener Tür dazwischen) füttert und zumindest in den ersten Wochen kein Spielzeug rumliegen lasst.

Welche Rolle spielt das Zusammentreffen kastriert zu unkastriert, wäre es dann vorteilhaft, den neuen Rüden auch kastrieren zu lassen?

Vermutlich habt ihr bei einem Hund aus dem Tierschutz ohnehin keine Wahl. Die Tierheime bestehen in der Regel auf eine Kastration. Bei zwei an sich verträglichen Hunden spielt das aber meist keine große Rolle. Grundsätzlich ist es aber hilfreich, wenn der ranghöhere Hund unkastriert ist, weil es die Rangordnung stützt.

Oder sollen wir uns statt dessen eine Hündin suchen, weil es dort mehr Chancen auf gute Verträglichkeit gibt?

Die Wahrscheinlichkeit ist bei dieser Konstellation grundsätzlich höher, wobei es Hündinnen gibt, die keine Kastraten mögen. Ich selber habe 5 Rüden (4 davon unkastriert), die nach zum Teil heftigen Rangordnungskämpfen eine stabile Rangordnung haben.

Platz ist also genug, um sich auch mal aus dem Weg zu gehen.

Wenn Hunde streiten wollen, wollen sie sich auch nicht aus dem Weg gehen :smile:.

Schöne Grüße,
Jule

Hallo Jule,

vielen Dank für Deine hilfreiche Antwort, ich habe mich sehr darüber gefreut.
Deine letzte Antwort zum letzten Weg für unsere Hündin war auch sehr hilfreich, sie durfte dann ganz friedlich zuhause in unseren Armen einschlafen.

Ich denke, wir werden es einfach beim Spaziergang mit den beiden versuchen und dann weiter sehen.
Unser Rüde scheint seit dem Tod der Hündin nicht mehr gern allein zu sein, er heult dann öfter mal, was er früher nicht getan hat.
Deshalb wollten wir auch wieder Gesellschaft für ihn, er muss leider jeden Tag 4 Stunden allein sein.
Oder meinst Du, dass sich das irgendwann wieder gibt und er als Einzelhund im Alter zufriedener wäre?

naja, wir werden es versuchen, und dann weiter überlegen,
viele Grüße,
Petra

Hallo Petra,

Heulen hat eine Menge Funktionen, eine davon ist die Kontaktaufnahme mit Rudelmitgliedern. Wenn das der Grund ist, ist es wahrscheinlich, dass dein Rüde das Heulen einstellt, wenn er nicht mehr allein ist. Nachdem er das Heulen offenbar erst seit dem Tod der Hündin zeigt, spricht einiges dafür.

Grundsätzlich ist es aber auch möglich, dass die beiden ganz wunderbar und lustvoll gemeinsam heulen :smile:.

In Bezug auf die beiden Rüden solltet ihr übrigens nicht sofort aufgeben, wenn es nicht auf Anhieb klappt. Kräftemessen ist unter den Jungs normal und gehört zur Kommunikation. Solange es nicht ernsthaft zur Sache geht (was nicht zu erwarten ist) solltet ihr sie auch lassen, die regeln das schon - und müssen es auch, wenn sie zusammen leben sollen.

Schöne Grüße,
Jule