Hurra, hurra, die Post ist da!

Hallo MitleserInnen,

derzeit dreht sich an der Börse vieles um die „Aktie gelb“, doch ich als Bürger fühle mich einmal mehr hinters Licht geführt. Allgemein gesagt, sehe ich es so:

  • Ein Staatsunternehmen wird mit Steuergeldern subventioniert, später privatisiert und an die Börse gebracht.
  • Dieses Unternehmen besitzt quasi ein Monopol, und der Staat ist grösster Aktionär.
  • Aufgrund der Wirtschaftlichkeit werden Arbeitsplätze massiv abgebaut und der Service verringert, verteuert oder schlechter.
  • Der Staat zieht als Grossaktionär den Gewinn aus der Privatisierung, und auch wenn das Unternehmen nicht mehr subventioniert wird, zahlt der Bürger nach wie vor die Steuern ein, wodurch der Staat zweimal verdient und das permanente Gerede von „Die Kassen sind leer“ sauer aufstösst.

Auch verwundert es mich stets aufs Neue, mit welchem Pomp solche Werte wie Telekom, T-Online und Post Erwähnung finden und jeweils von „Volksaktie“ gesprochen wird, ist es letztendlich nur ein Börsengang wie jeder andere auch. Und wer bezahlt diese ganze Werbung und den Börsengang? Wiederum der Steuerzahler!

Vielleicht sollten wir ja auch unsere Regierung privatisieren; zumindest würden dann unwirtschaftliche Positionen abgebaut werden und man müsste die vor den Wahlen gemachten Versprechen einlösen, sonst verlöre die „Aktie Regierung“ stark an Wert und Image…

Marco

Hi,
spätestens ab 01.01.2002 ist das Monopol der Post aufgehoben. Die Logistikunternehmen und Kurierdienste stehen alle in den Startlöchern und warten darauf, dass es los geht.
So gesehen verhält sich die Bundesregierung richtig, indem sie den Laden jetzt privatisiert und noch schnell ne Mark macht.

Denn ab 2002 wird die Post nach den Prognosen zwischen 20 und 40% ihres Umsatzes an die Konkurrenten verlieren.
Hinzu kommt noch das laufende Verfahren vor der EU-Kommission wegen Ausnutzung der Monopolstellung. Wenn dort festgestellt wird, dass die Post zuviel für die Briefbeförderung verlangt (davon kann man ausgehen), wird es einen weiteren Einbruch geben.
Zur Zeit kann niemand mit gutem Gewissen empfehlen, Aktien der Post zu zeichnen. Da helfen auch die netten Gesichter der Brüder Gottschalk nichts.
Gruß,
Francesco

Hi Marco,

die Regierung bzw. der Bundestag ist doch schon fast ein Privatclub. Der Bundestag besteht doch im wesentlichen nur noch aus Angehörigen des öffentlichen Dienstes. Ergo müsstest Du den „Öffentlichen Dienst“ privatisieren.
Nach deinen strengen Kriterien gäbe es dann aber fast acht Millionen Arbeitslose mehr in Germansky.
Es müsste also erneut eine Beschäftigungsgesellschaft gegründet werden…:wink:

cu Hauser

Hallo Francesco!

Denn ab 2002 wird die Post nach den Prognosen zwischen 20 und
40% ihres Umsatzes an die Konkurrenten verlieren.
Hinzu kommt noch das laufende Verfahren vor der EU-Kommission
wegen Ausnutzung der Monopolstellung. Wenn dort festgestellt
wird, dass die Post zuviel für die Briefbeförderung verlangt
(davon kann man ausgehen), wird es einen weiteren Einbruch
geben.

Oje, die EU - das ist doch nur ein Verein von Lobbyisten und Korrumpierten! Ich wandele mich immer mehr zu einem EU-Gegner; das musste ich zum ersten Mal feststellen, als ich seinerzeit an einem Tisch mit diversen Arbeitslosen-IGs zusammensass. Jede hatte ihre Meinung und ihr Ziel, dass man sich noch nicht einmal auf den grössten gemeinsamen Nenner einigen konnte.
Ursprünglich sollte ja bereits zu dieser Zeit die Post nicht mehr soviel für die Briefbeförderung verlangen dürfen, aber dank unseres Wirtschaftsminister wurde dieses Monopol verlängert. Ist ja auch klar, der Staat will eben noch ein wenig mehr profitieren.

Zur Zeit kann niemand mit gutem Gewissen empfehlen, Aktien der
Post zu zeichnen. Da helfen auch die netten Gesichter der
Brüder Gottschalk nichts.

Das wäre auch schlimm, sein Urteilsvermögen anhand von zwei Personen festzumachen. Ich muss dabei an Schröder denken, der in Bad Elster medienwirksam Heilwasser trank, und eine Passantin meinte, er wäre ja so nett. Meinetwegen kann jemand ein Kotzbrocken sein, wenn er/sie wenigstens anständige Politik macht!

Marco

aufgepost! (o.T.)

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

die Regierung bzw. der Bundestag ist doch schon fast ein
Privatclub. Der Bundestag besteht doch im wesentlichen nur
noch aus Angehörigen des öffentlichen Dienstes. Ergo müsstest
Du den „Öffentlichen Dienst“ privatisieren.
Nach deinen strengen Kriterien gäbe es dann aber fast acht
Millionen Arbeitslose mehr in Germansky.
Es müsste also erneut eine Beschäftigungsgesellschaft
gegründet werden…:wink:

Hallo Hauser,

das werden sie natürlich nicht tun; sie brauchen ja den öffentlichen Dienst, um den Normalbürger weiterhin mit jeder sinnvollen oder sinnlosen Abgabe zu schröpfen. Wenn man bedenkt, dass mindestens 70% des Einkommens monatlich für Steuern, Abgaben und Gebühren draufgehen, wäre doch eine Privatisierung anzudenken. ;o)
Wenn ich an diese Reden um die Rente und private Vorsorge einerseits für den Normalbürger denke und andererseits sehe, dass Politiker schon nach wenigen Jahren erhebliche Rentenansprüche haben, ist mir das alles unverständlich. Vielleicht sollte man mal ausrechnen, wie wir mit unserem Generationenvertrag hinkommen, wenn wir den Politikern und deren Stäbe einmal nicht solche feudalen Renten gewähren. Das wäre ein Punkt.
Ein weiterer ist der von Dir angesprochene öffentlichen Dienst. Wir bezahlen diesen bereits durch unsere Steuern, jedoch müssen wir für etliche Leistungen extra bezahlen. (Persönliches Beispiel aus diesem Jahr: Ein Mahnbescheid kostete DM 72,-, eine Markenanmeldung DM 500,-) Also zahlt man doppelt.
Tja, und ebenso verhält es sich mit der Post, für die man ebenfalls draufzahlt; aber einen Nutzen zieht die Bevölkerung nicht daraus. Unternehmen werden subventioniert, nur weil sie das Schlagwort „Arbeitsplätze“ aussprechen, fahren Rekordgewinne ein, nur verschlechtert sich seltsamerweise für einen Grossteil der Menschen latent die Lebenssituation. Wie lange soll man diesem Ganzen noch zugucken?

Eine Gesellschaft von Schafen
muß mit der Zeit
eine Regierung von Wölfen
hervorbringen.
(Bertrand de Jouvenel)

Marco

…zwei Jahre Minister, 3700 Mark Pension
http://www.rp-online.de/news/politik/2000-1031/pensi…

Hi Marco,

wir werden immer zuschauen. Wir werden neidisch sein auf abzockende Politiker, empört über die kriminelle Verschwendungssucht der öffentlichen Hand und werden weiter schimpfen. Machen werden wir aber nichts.

cu Hauser

…zwei Jahre Minister, 3700 Mark Pension
http://www.rp-online.de/news/politik/2000-1031/pensi…

Danke für diesen sehr interessanten Artikel, Hauser!

wir werden immer zuschauen. Wir werden neidisch sein auf
abzockende Politiker, empört über die kriminelle
Verschwendungssucht der öffentlichen Hand und werden weiter
schimpfen. Machen werden wir aber nichts.

Bei dem Punkt des Neides muss ich Dir widersprechen. Natürlich möchte man gerne auch eine solches Geld beziehen, aber es kommt - zumindest mir - auf die Verhältnismässigkeit in diesem Land an. Und die ist nicht vorhanden. Als Beispiel nenne ich gerne dieses „Kindermädchen-Gesetz“: Man darf bis zu DM 18.000 p. a. für ein Kindermädchen absetzen, doch welche kinderreiche Familie kann sich überhaupt ein Kindermädchen leisten. Objektiv gesehen ist diese Regelung für alle, doch (voll) in Anspruch nehmen können dies nur diejenigen, die diesen Steuervorteil wahrlich nicht nötig hätten.
(Oder erinnerst Du Dich an die Unterschriftenaktionen der CDU? „Seltsamerweise“ hielten sie die BürgerInnen für mündig, gegen den Doppelpass zu unterschreiben, aber ich habe noch keine Unterschriftenaktion gegen zu hohe Steuern oder Diäten von dieser Seite erlebt.)

Es heisst natürlich, dass man als Einzelner nichts gegen die Umstände unternehmen kann, doch muss sich einmal fragen, wie diese überhaupt zustande kommen. Dies liegt darin, dass die Entscheidungsträger sich zu organisieren wissen, womit die Bevölkerung mit ihren unterschiedlichsten Interessen ausgespielt werden kann, weil man sich nicht auf wenigstens den grössten Nenner einigen kann. Statt dessen gehen wir brav zur Wahl und denken, damit hätten wir unsere Pflicht erfüllt. Die Verantwortung fängt aber bei jedem Einzelnen an, denn ich kann mir auch bei der „Fun-Generation“ kaum vorstellen, dass sie mit ihrer Lebenssituation zufrieden sind, solange sie Handy, Big Brother und Love-Parade haben. Es fängt damit an, dass man einfach etwas kritischer ist. Ich wäre schon anfänglich zufrieden, wenn die beiden Volksparteien nicht mehr bei jeder Wahl 80% der Wählerstimmen auf sich vereinen können sie über jeden Blödsinn entscheiden. Was diesem Land fehlt, ist eine wirkliche Opposition; was wir im Bundestag an Reden erleben, sind doch nur Sandkastenspiele. Es werden nicht mehr Ideologien verfolgt, die früher für eine Partei bestimmend war, sondern nur noch Wählerpotential. Sei es nun, dass ein Scharping zuvor gegen den Wehretat wetterte, inzwischen - nomen est omen - verteidigt er ihn mit aller Macht. Oder sei es, dass eine Merkel seinerzeit für eine Ökosteuer eintrat, inzwischen aber dagegen ist, weil sie sich in der Opposition befindet. Wie kann man von solchen Leuten echte Entscheidungen erwarten? Würde man sich als normaler Arbeitnehmer so verhalten, dürfte man sich bald nach einem neuen Job umschauen.

Marco

Da wäre ich mir nicht so sicher:
Lange kann das so nicht weiter gehen, auch wenn in verzweifeltem um sich Schlagen die inzwischen an der Macht befindlichen Linken jede potentielle Alternative mit dem Killerprädikat „rechtsextrem“ totzutrampeln versuchen und alles, was auch nur entfernt in diese Richtung geht ( und bitte schön - wohin soll man vor den Alt 68-ern denn noch flüchten) brutal kanzeln (Frag mal Herrn Rennicke) - eines Tages kocht der Kessel über - nur: Diese Idioten begreifen gar nicht, daß sie mit ihrem dämlichen Geschwalle (Parteiverbot via Vereinsrecht, Verbot von Parteien ohne Nahcweis der Verfassungswidrigkeit, Meinungsunterdrückung bei Nichtkonformen) gerade den extremsten Kräften Öl auf die Flamme gießen und-- daß SIE letzten Endes am anderen Ende des Strickes baumeln werden.
Naja - DAs wäre für mich noch zu verschmerzen, eine braune Proletendiktatur weniger, wenngleich die rote sicher noch weit schlimmer ist…-

Kommt mal wieder auf die Post zurück
Hi,

Hallo MitleserInnen,

derzeit dreht sich an der Börse vieles um die „Aktie gelb“,
doch ich als Bürger fühle mich einmal mehr hinters Licht
geführt. Allgemein gesagt, sehe ich es so:

  • Ein Staatsunternehmen wird mit Steuergeldern subventioniert,
    später privatisiert und an die Börse gebracht.

Ja und? Die Erlöse an der Börse kommen dem Staat und damit uns zugute. Siehe UMTS=Schuldentilgung=Zinsersparnis=mehr Geld für was auch immer.

  • Dieses Unternehmen besitzt quasi ein Monopol, und der Staat
    ist grösster Aktionär.

Ja und? Der Staatsanteil wird durch den Börsengang reduziert und die Privatisierung dadurch fortgesetzt: Rechtlich ist die Post schon lange privatwirtschaftlich organisiert (AG).

  • Aufgrund der Wirtschaftlichkeit werden Arbeitsplätze massiv
    abgebaut und der Service verringert, verteuert oder
    schlechter.

Bei der Telekom war das doch irgendwie ein bißchen anders. Ist der Servie schlechter? Ist telephonieren inzwischen teurer? Haben wir inzwischen ein paar Arbeitsplätze bei Mannesmann, Viag, Mobilcom?

  • Der Staat zieht als Grossaktionär den Gewinn aus der
    Privatisierung, und auch wenn das Unternehmen nicht mehr
    subventioniert wird, zahlt der Bürger nach wie vor die Steuern
    ein, wodurch der Staat zweimal verdient und das permanente
    Gerede von „Die Kassen sind leer“ sauer aufstösst.

Verstehe ich nicht. Durch die Privatisierung wird die Staatskasse entlastet und evtl. fallen dabei Verpflichtungen weg (Schuldentilgung), so daß uns zumindest einige Steuererhöhungen erspart bleiben.

Auch verwundert es mich stets aufs Neue, mit welchem Pomp
solche Werte wie Telekom, T-Online und Post Erwähnung finden
und jeweils von „Volksaktie“ gesprochen wird, ist es
letztendlich nur ein Börsengang wie jeder andere auch. Und wer
bezahlt diese ganze Werbung und den Börsengang? Wiederum der
Steuerzahler!

Die Werbung bezahlt der Aktionär, und damit zum Teil der Staat und zum anderen Teil die Seppels, die die Aktie zeichnen, weil sie nämlich weniger Dividende bekommen bzw. der Kurs nicht so schön steigt.

Also ich bin ja nun wahrlich kein Freund unserer Regierung oder der Post, aber der 68er Unsinn, der überall den bösen Kapitalismus und den bösen Staat mußte ich nun wirklich kommentieren.

Gruß
Christian