Hallo,
zuerst mal: Podencos gibt es auch in klein, und Podencos sind eine spanische Rasse vom Typ „Windhund“. Der andere verbreitete „Windhund“ in Spanien ist der Galgo, relativ ähnlich, aber nicht ganz so intelligent und noch stärker im Hetztrieb.
Wir hatten vorher schon einen Hund Mischling Dackel/Pinscher,
haben diese ohne Hundeschule erzogen und der gehorchte IMMER
und sofort, war ansonsten auch sehr lieb.
Wenn man in der Vergangenheit immer nur sehr leichtführige, perfekt sozialisierte Hunde hatte, kann man sich meines Erachtens noch nicht als „hundeerfahren“ bezeichnen. Diese Erfahrungen helfen Dir ja in der jetzigen Situation nicht, oder?
Ein Hund wie ein Podenco/Galgo/WasauchimmerWindhund-Mischling ist ein Sichtjäger mit starkem Hetztrieb. Das unterscheidet sich stark von einem Hund mit Jagdtrieb. Jagdtrieb = der Hund sucht selbständig mit der Nase nach Beute und verfolgt Fährten. Der Sichtjäger mit starkem Hetztrieb reagiert auf Bewegung und rennt dann hinterher, auch mal bis zum Umfallen. Das sind sehr unterschiedliche Verhaltensweisen, und Erfahrung mit dem einen nützt beim anderen nichts.
Ich habe manchmal
den Eindruck, dass wir OHNE Hundeschule vielleicht besser klar
kämen -
Die Hundeschule ist nicht für den Hund, sondern für Euch. Du sagst selbst, dass Ihr unsicher seid, daher rate ich ganz dringend dazu, weiter eine Hundeschule zu besuchen und auch Einzeltraining in Anspruch zu nehmen. Die Hundeschule deshalb, weil der Hund beim Gassigang noch nicht abgeleint werden sollte, und daher viel Kontakt zu Artgenossen ohne Leine braucht. Den Einzeltrainer deshalb, weil Ihr dann an konkreten Sachen arbeiten könnt.
Allerdings würde ich nach Deiner Beschreibung (schmerzhafter Schnauzengriff, Nackengriff) eine andere Schule suchen, in der nur mit positiver Verstärkung gearbeitet wird. Es bringt in den wenigsten Fällen irgendetwas, den Hund zu bestrafen, egal ob „artgerecht“ oder nicht. Kaum jemand ist in der Lage, die „Strafe“ so korrekt zu timen, dass der Hund sie genau mit dem unerwünschten Verhalten verknüpft. So wie es ist, wird nur sein Vertrauensverhältnis zu Euch kompromittiert.
Auch das Ableinen draußen halte ich für völlig verfrüht. Der Hund muss eine starke Bindung zu Euch aufbauen und Euch vertrauen. Jagen/Hetzen ist eine selbstbelohnende Handlung, d.h. wenn der Hund abhaut und hetzt, wird dieses Verhalten durch die freiwerdenden Glückshormone bestärkt. Jedes Mal, wenn er Euren Ruf ignoriert, lernt er, dass er das kann, und die Freude am Wegrennen fixiert das in seinem Verhalten. Der Hund sollte erst abgeleint werden, wenn er zuverlässig hört. Dabei zählt das von Dir beschriebene „Tschüss! + Weggehen“ übrigens nicht als Befolgen eines Kommandos. Das ist kein Kommando, sondern eine Drohung, den Hund zu verlassen. Absolut kontraproduktiv, wenn eine Bindung aufgebaut werden soll. Ebenfalls kontraproduktiv ist starkes „Mitleid“ mit dem Hund aufgrund seiner Vergangenheit.
Bitte sucht Euch einen vernünftigen Hundetrainer. Idealerweise einen, der dem Import von Hunden aus dem Ausland durch Tierschützer positiv gegenübersteht (wie Du auch hier im Forum lesen kannst, gibt es viele Menschen, die dieses Vorgehen aus Prinzip ablehnen) und Erfahrung mit südwesteuropäischen Hunderassen hat.
Gruß & viel Erfolg,
Myriam