Hyperinsuliämie durch Psychopharmaka? (lang)

Hallo liebe www´ler!

Auch wenn ich versucht habe mich kurz zu fassen, ist meine Anamnese doch etwas umfangreicher. Vielleicht findet sich ja trotzdem der ein oder andere, der bereit ist, sich da durch zu quälen (selbstverständlich gilt dies auch für die eine oder andere :smiley:).

Zunächst einmal zu meiner Vorgeschichte:
Ich (w, 33) habe früher Leistungssport gemacht (Ringen, 20 Jahre lang mit beinahe täglichem Training) und mein Gewicht lag bei einer Körpergröße von 1,65 immer um die 70-72 kg (je nach Wettkampf- oder Trainingsphase). Zu dem Zeitpunkt waren bei ärztlichen Untersuchungen kaum Auffälligkeiten, lediglich meine Thrombozyten waren schon immer erhöht, mein Nüchternglukose lag immer knapp über 100 (zwischen 100 und 115), mein Hba1c-Wert war aber immer super und mein Ruhepuls ist niedrig (oh Wunder :wink: - führte jedoch dazu, dass mir die Ärzte und Schwestern bei jedem EKG gesagt haben, ich solle doch bitte normal atmen, auch wenn ich das natürlich getan habe). Ich hatte zwar gelegentlich das Gefühl, dass ich unterzuckert bin, wenn ich dann aber gemessen habe/habe messen lassen, dann lag mein BZ immer um die 80/90. Ich habe dann trotzdem noch was gegessen, was die Symptome hat verschwinden lassen.

2006 kam mein erster „Zusammenbruch“. Ich bekam Depressionen, Angstzustände und massive Schlafstörungen. Ein Teil dieser Symptomatik war sicherlich der Unterforderung und dem Mobbing am Arbeitsplatz geschuldet, der andere Teil liegt wohl in meiner „beschissenen“ Kindheit begründet. Ich ging 10/2006 in eine psychosomatische Klinik im tiefsten Bayern nahe der tschechischen Grenze. Vor dem Klinikaufenthalt habe ich nur 20 mg Citalopram genommen (bereits seit 10 Monaten ohne Nebenwirkungen). In der Klinik bekam ich ab dem ersten Tag die „volle Dröhnung“:
alles in mg; „->“ bedeutet 14 Tage später; „–>“ 28 Tage später etc.

Citalopram 20-0-0-0
Neurocil 0-0-50-0 -> 0-0-75-0
Atosil 0-0-25-0 -> 0-0-50-5 --> 150-50-150-50
Tavor (Dosis weiß ich leider nicht mehr)
Eunerpan 25-0-25-25
Trimipramin 50-0-50-0
Paroxitin 20-0-0-0
Diazepan 5-0-0-5
Lorazepam 4-0-0-0
Zoplicon 0-0-0-7,5

Mein „Ankommgewicht“ lag bei 65 kg (in depressiven Phasen esse ich wenig). Innerhalb der ersten 9 Wochen habe ich 35 kg zugenommen. Das Personal meinte, das würde an den Medikamenten liegen, die ich nehme. Aber um sicher zu gehen, durfte ich die Ernährungsberaterin kennenlernen, die mir bescheinigte, dass ich mich gesund und ausgewogen ernähre und selbst im Klinikalltag genügend bewege. Als ich dann Ende Januar 2007 entlassen wurde lag mein Gewicht bei 140kg und meine Medikation wie oben geschrieben. Meine Hausärztin schlug die Hände überm Kopf zusammen, war aber soweit überfordert, dass sie nichts an der Medikation drehen wollte.
Ich habe mir dann eine neue Ärztin gesucht, die zumindest einen Teil der Medis reduziert/gewechselt hat, damit ich nicht mehr wie ein Zombie durch die Gegend laufe. Als wir mit dem „Entzug“ durch waren habe ich nur noch Citalopram 40mg, Atosil 150mg, Zoplicon 7,5mg, Quetiapin und Mirtazapin genommen. In der Folge habe ich es tatsächlich geschafft 40 kg abzunehmen und mein restliches Leben umzukrempeln (Job gekündigt, Abitur nachgemacht, Kontakt mit meinen Eltern vollständig abgebrochen, 700 km weit weggezogen, Aufnahme eines Studiums).

Mein Gewicht liegt jetzt seit 3 1/2 Jahren stabil bei 95-98 kg. Ich habe wieder mit dem Ringen angefangen (2x die Woche). Mein Studium macht mir sehr viel Spaß und meine depressiven Phasen werden weniger und weit weniger intensiv. Mit Hilfe meiner neuen Ärzte und zwei Klinikaufenthalten sieht meine derzeitige Medikation so aus:
Citalopram 40-0-0-0
L-Thyroxin 50-0-0-0
Promethazin (Atosil) 0-0-150-0
Zolpidem (Erhaltungsdosis - restlicher Entzug im September geplant) 0-0-0-5

Bei meinem letzten Checkup wurde mal wieder ein oraler Glukosetoleranztest durchgeführt. Meine Zuckerwerte lagen nur nüchtern etwas erhöht (106) im weiteren Verlauf eher zu niedrig. Hingegen ist mein Insulinspiegel astronomisch (in zeitlicher Reihenfolge Abstand 30 Minuten: 37,3 - 153 - 265 - 198 mU/l). Der Rat vom Endokrinologen war mehr Bewegung, Gewichtsreduktion und Ernährungsumstellung gepaart mit Metformin. Mein Bewegungspensum ist meines Erachtens ok (2x Training, ansonsten fahre ich nur noch Rad oder gehe zu Fuß und nehme die Treppen (ich wohne im 6. Stock)) - mehr würde ich mit Studium und Job aber auch kaum vereinbart bekommen, ernähren tue ich mich lt. meiner Hausärztin vorbildlich (ich führe ein Tagebuch). Wir haben mit Metformin (3x500mg) angefangen, jedoch vertrage ich das nicht, jetzt nehme ich Glucobay (3x50mg).

Ich rauche nicht (meine Eltern hingegen schon, somit war ich 21 Jahre lang intensiver Passivraucher), trinke nie Alkohol, habe noch nie Drogen genommen und von Dopingmitteln habe ich mich auch ferngehalten. Mein einziges Laster ist Schokolade - diese aber möglichst dunkel und von hoher Qualität, darf also auch mal etwas mehr kosten.

Nach dieser elendig langen Vorgeschichte nun mein Anliegen:
Kann es tatsächlich an den Medikamenten liegen, dass sich mein Gewicht nicht nach unten bewegt, egal was ich anstelle? Und welchen Grund kann der erhöhte Insulinwert haben? Gibt es einen Weg mein Gewicht zu reduzieren (ich habe gefühlt sämtliche Diäten durch und ernähre mich ziemlich gesund (s.o.))? Welche Langzeitschäden kann ich erwarten?

Ich habe leider erst in 4 Wochen einen Termin bei einem Diabetologen erhalten und meine Hausärztin ist leider auch etwas ratlos, also habe ich mir gedacht, dass Euer geballtes Wissen vielleicht etwas Licht ins Dunkel bringen könnte.

Schon mal vielen Dank und einen sonnigen Gruß
stonehenge

Hallo,

durch diese Medikamente ist es nicht ungewöhnlich, dass man zunimmt!
Ich nehme seit 3 Jahren Citalopram. Als ich angefangen habe die Tabletten zu nehmen hatte ich ein Gewicht von ca. 50kg.
Innerhalb von ein Paar Monaten war mein Gewich 80kg. Und das ist bis heute so…

Gruß