Hypnose

Hallo!

Angeblich kann man sich ja unter Hypnose an jede Kleinigkeit, die man irgendwann mal wahrgenommen hat, erinnern, oder sogar Situationen genauso wiedererleben. Das hieße ja, dass alles, was man irgendwann mal gesehen hat, jeder Grashalm oder so, noch irgendwo im Hirn (im Unterbewusstsein oder was auch immer) gespeichert ist, auch wenn man denkt es schon längst vergessen zu haben.
Aber da frag ich mich: Vergisst man nicht gerade unwichtige Dinge, um wieder „Speicherplatz“ im Gehirn freizumachen? Irgendwie käme es mir ziemlich arg verschwenderisch vor, wenn jedes noch so unwichtige Detail gespeichert bliebe, und dann noch nicht mal [„im Normalzustand“] abrufbar wäre?
Gibt es irgendeinen logischen Grund, warum man sich unter Hypnose wieder an alles erinnern kann/ warum alles gespeichert bleibt?
Hat man überhaupt schoneinmal überprüft, ob (unwichtige!) Dinge, an die sich Versuchspersonen unter Hypnose erinnert haben, sich wirklich so abgespielt haben? [Könnte theoretisch ja auch sein, dass man sich diese Dinge dazudichtet, ähnlich wie im Traum]
[Dass irgendwelche bedeutsamen Ereignisse, starke Anstzustände oder so, die länger zurückliegen und verdrängt wurden unter Hypnose wieder erinnert werden können, leuchtet mir ja noch ein.]

Grüße,
Jojo

Hallo

Über die Wirkungsweise des Unterbewußtseins, lies folgendes:

Das Instrument des Erziehungswissenschaftlers ist der Geist, welcher aus vier Schichten besteht. Dem Reservoir vergangener geistiger Eindrücke; der Gedächtnisspeicher, welcher vom speziellen Akt des Denkens unterschieden werden muß, der die Grundlage ist auf der alle anderen Schichten stehen. Alle Erfahrung liegt innerhalb unserselbst als passives oder potentielles Gedächtnis; das aktive Gedächtnis wählt und nimmt was es von diesem Speicher benötigt. Aber das aktive Gedächtnis ist wie ein unter einer großen Masse von versperrtem Material suchender Mensch; manchmal kann er nicht finden was er will, oft stolpert er in seiner raschen Suche über viele Dinge, für die er keinen unmittelbaren Bedarf hat; oft auch macht er einen Fehler und denkt, daß er das richtige Ding gefunden hat, wenn es etwas anderes und irrelevant wenn nicht wertlos ist, auf welches er seine Hand gelegt hat. Das passive Gedächtnis braucht kein Training, es genügt seiner Aufgabe automatisch und ist in ihr natürlich; es gibt kein noch so flüchtiges Objekt des Wissens das in seinen Bereich kommt und nicht gespeichert, in diesen bewundernswerten Behälter gestellt und fehlerlos erhalten wird. Es ist das aktive Gedächtnis, eine höhere, aber weniger perfekt entwickelte Funktion, das der Verbesserung bedarf.
(Sri Aurobindo)

gruß
rolf

Hallo Jojo

Aber da frag ich mich: Vergisst man nicht gerade unwichtige
Dinge, um wieder „Speicherplatz“ im Gehirn freizumachen?

Das wäre sinnvoll, wenn wir eine zu kleine „Festplatte“ hätten :wink:, aber da wir recht viel Gehirnzellen zur Verfügung haben (in der Regel und wenn wir sie uns nicht weggesoffen haben), haben wir also normalerweise genug ungenutzten Platz im Köpfchen.
Du liegst aber nicht ganz daneben: Unser Bewusstsein muss sich auf diue Dinge konzentrieren, die gerade jetzt wichtig sind und idse focussieren, da können wir es nicht gebrauchen, dass alle möglichen Erinnerungen und Assoziationen jederzeit auf uns einstürzen und uns den Sicht-Tunnel zuschütten, mit dem wir gerade arbeiten wollen.
Insofern ist es nützlich, im bewussten, jklaren Alltags-Zustand sich nicht mit der gantzen eigenen Geschichte dauernd befassen zu müssen.
In der Hypnose haben wir einen Zustand zwischen Schlaf und Wachbewusstsein, der für das Hinabsinken in die eigene Vergangenheit günstiger ist.
Gruß,
Branden

Hallo,

Untersuchungen darüber, welche Qualität die aufgrund von Hypnose aufgetauchten Erinnerungen haben, zeigten, daß die Erinnerungen recht ungenau und fehlerhaft waren. Dennoch waren die Probanden fest davon überzeugt waren, daß die Erinnerungen stimmten. Aus diesem Grund wird der Einsatz der Hypnose stark kritisiert, wenn das Ausgraben von Gedächtnisinhalten das Ziel ist.

Grüße,

Oliver Walter

Hallo,

Untersuchungen darüber, welche Qualität…

Ist es denn auch nur ein Gerücht, dass Zeugen sich
unter Hypnose an wichtige, lange zurückliegende
Indizien, wie Autonummern etc. erinnerten, die dann
zur Überführung von Tätern geführt haben?
Sowas habe ich schon öfters gelesen.

Gruß
P.

Hi P.,

Ist es denn auch nur ein Gerücht, dass Zeugen sich
unter Hypnose an wichtige, lange zurückliegende
Indizien, wie Autonummern etc. erinnerten, die dann
zur Überführung von Tätern geführt haben?

ja.

Sowas habe ich schon öfters gelesen.

Sowas und ähnlichen Unfug kannst Du auch in beliebiger Vielfalt sehen: CSI und Profiler heißen die Serien.

Gruß Ralf

Vergessen … ?
Hi!

Aus teils persönlicher Erfahrung glaube ich behaupten zu können, dass der Mensch nichts vergisst.

Stell dir vor, du fährst eine dir bislang unbekannte Straße.

In einem Gewerbegebiet, durch das diese Straße führt, befindet sich linker Hand ein VOLVO-Autohaus mit einem nicht alltäglichen Namen.

Etwas weiter hin, auf der rechten Seite ist ein Entsorgungsbetrieb angesiedelt, der ein orangerotes Werbeschild aufgestellt hat.

Dann folgt eine Ampelkreuzung und 20m danach gibt es noch eine Ampel, die bedarfsfalls auf Rot schaltet, wenn aus einer Betriebsausfahrt mit Induktionsschleife dies so angefordert wird.

Etwas weiter hast du Parktaschen. In einer parkt zu Werbezwecken ein PKW-Anhänger mit riesiger Werbeaufschrift.

Dahinter ein völlig violettfarbenes Fabrikgebäude.

Diese Informationen sind in dem Moment für dich nicht wichtig. Du nimmst diese Sachen alle wahr, aber vergisst sie wieder. Wozu sich auch
solches Zeug merken?

Ein dreiviertel Jahr später fährst du wieder diese Strecke und du wirst merken, dass du dich an das Autohaus mit dem merkwürdigen Namen, den Entsorger, die Ampelanordnung und das auffällige Fabrikgebäude und sogar, so er dann noch da steht, an den Werbeanhänger erinnern wirst.

Das ERINNERN bedeutet doch, dass du das nicht VERGESSEN hast. Im Gehirn existieren vielleicht so kleine Unterordner, in denen so etwas gespeichert wird. U.U. kann das wieder aktiviert werden („Moooment, hier war doch auch so ein Starenkasten, wo so´n greller Blitz rauskommt, wenn du zu schnell warst ---- aaaah Mist. Zu spät d´ran gedacht.“

Vielleicht kann professionelle Hypnose derartige Informationen tatsächlich freilegen.

HM

Hallo,

Ist es denn auch nur ein Gerücht, dass Zeugen sich
unter Hypnose an wichtige, lange zurückliegende
Indizien, wie Autonummern etc. erinnerten, die dann
zur Überführung von Tätern geführt haben?

das weiß ich nicht. Es spielt aber auch keine Rolle, ob es solche Fälle gibt oder ob es sie nicht gibt:

Es gibt immer wieder Personen, die im Lotto den Jackpot knacken, obwohl die Wahrscheinlichkeit, den Jackpot zu knacken, fast Null ist.

Auf den hier interessierenden Kontext bezogen:

Die (fragliche) Existenz von Personen, die sich unter Hypnose an Details längst vergangener Eindrücke richtig erinnern, (… die Existenz von Lottogewinnern…) widerlegt nicht, daß die ausgegrabenen Erinnerungen unter Hypnose im allgemeinen ungenau oder falsch sind (… daß viele Menschen keine Lottogewinner sind).

Grüße,

Oliver Walter

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Hallo!

Angeblich kann man sich ja unter Hypnose an jede Kleinigkeit,
die man irgendwann mal wahrgenommen hat, erinnern, oder sogar
Situationen genauso wiedererleben.

Nein, man kann sich nur an solche Informationen erinnern, wenn diese auch gespeichert worden sind. Es gibt unterschiedliche Einflussfaktoren, welche den Transport von Informationen in das Langzeitgedächtnis beeinflussen; eine nicht transportierte Information kann später nicht erinner werden.

Allerdings kommt es selbstverständlich vor, dass einige Informationen, welche einmal gespeichert worden sind, nicht mehr „erinnert“, sprich abgerufen werden können.

Das hieße ja, dass alles,
was man irgendwann mal gesehen hat, jeder Grashalm oder so,
noch irgendwo im Hirn (im Unterbewusstsein oder was auch
immer) gespeichert ist, auch wenn man denkt es schon längst
vergessen zu haben.

Transportiert wird nicht jeder Sinneseindruck - das würde die Verarbeitungskapazität des menschlichen Gehirns beiweitem überfordern. Überlege nur einmal, wie viele Sinneseindrücke ein einziger „Augenblick“ in Wirklichkeit enthält. Es gibt wesentliche Prozesse, die den Informationstransport beeinflussen - und zwar aus gutem Grund: wir erinnern uns nur an das, was auch für uns relevant ist.

Aber da frag ich mich: Vergisst man nicht gerade unwichtige
Dinge, um wieder „Speicherplatz“ im Gehirn freizumachen?

Man merkt sie sich u.U. gar nicht erst.

Irgendwie käme es mir ziemlich arg verschwenderisch vor, wenn
jedes noch so unwichtige Detail gespeichert bliebe, und dann
noch nicht mal [„im Normalzustand“] abrufbar wäre?

So ist es.

Gibt es irgendeinen logischen Grund, warum man sich unter
Hypnose wieder an alles erinnern kann/ warum alles gespeichert
bleibt?

Was die Hypnose betrifft: es können also nur Informationen erinnert werden, die physikalisch abgespeichert sind.

Mit Sicherheit könnte „Hypnose“ eine Möglichkeit darstellen, solche Informationen zu erinnern, selbst wenn sie im „Wachzustand“ nicht abrufbar sind. Hier gibt es auch viele andere Ansätze, wo z.B. über Augenbewegungen versucht wird, den Zugang zu traumatisch verdrängten Erlebnissen herzustellen.

Allen Ansätzen gemein scheint zu sein, dass man günstige Umstände (im Hirn) schafft, um so den Abruf von Informationen zu begünstigen.

Hat man überhaupt schoneinmal überprüft, ob (unwichtige!)
Dinge, an die sich Versuchspersonen unter Hypnose erinnert
haben, sich wirklich so abgespielt haben? [Könnte theoretisch
ja auch sein, dass man sich diese Dinge dazudichtet, ähnlich
wie im Traum]

Ich persönlich sähe in einem solchen Mechanismus keinen Sinn, dementsprechend finde ich es unwichtig ob es so ist oder nicht - GLAUBE aber persönlich nicht daran.

[Dass irgendwelche bedeutsamen Ereignisse, starke Anstzustände
oder so, die länger zurückliegen und verdrängt wurden unter
Hypnose wieder erinnert werden können, leuchtet mir ja noch
ein.]

Naja, sag ich doch… :wink:

Es kann was dran sein an der Hypnose, die ja nur einen „zugänglichen“ Schlafzustand simulieren soll; im Schlaf werden Prozesse, welche für die Lang-Zeit-Potenzierung z.B. zuständig sind, synchronisiert, so dass es nahe liegt zu vermuten, dass Schlaf einen starken Zusammenhang mit dem Gedächtnis hat. Entspannung (mehr ist Hypnose in den meisten Fällen ja nicht) kann also auch eine Annäherung an einen solchen Zustand sein.

Lieben Gruß
Patrick

Es kann was dran sein an der Hypnose, die ja nur einen
„zugänglichen“ Schlafzustand simulieren soll; im Schlaf werden
Prozesse, welche für die Lang-Zeit-Potenzierung z.B. zuständig
sind, synchronisiert, so dass es nahe liegt zu vermuten, dass
Schlaf einen starken Zusammenhang mit dem Gedächtnis hat.
Entspannung (mehr ist Hypnose in den meisten Fällen ja nicht)
kann also auch eine Annäherung an einen solchen Zustand sein.

Um Hypnose zu verstehen, muß man den genauen Prozess verstehen, der sich dabei abspielt. Da aber hapert’s.

Schlaf ist kein hypnotischer Zustand. Bei der Hypnose wird der selbe Vorgang aufgerufen, den man auch selbst vollziehen kann. Der Hypnotiseur übernimmt dabei die Rolle, die man sonst dem eigenen Willen zuorden würde.

Hypnose ist ein Willensakt, der den Willen der Person mit dem des Hypnotiseurs vereint.

Was weiter?

Das Passive oder Langzeitgedächtnis als Aufzeichnungsgerät, speichert grundsätzlich auch Vorgänge, die vom Oberflächenbewußtsein nicht bewußt wahrgenommen werden. Deshalb läßt sich im Nachhinein nicht mehr ausmachen, ob man das nun erlebt hat oder nicht.

Es gibt hierfür ein Beispiel von jemand, der einer fremden Sprache zugehört hat, und diese dann später im Trancezustand korrekt wiedergegeben wurde, obwohl sie nicht gelernt worden war.

Der Vorgang der Hypnose ist ein Trance oder Halbbewußter Zustand. Die hypnotisierte Person ruft dabei mit Hilfe des Hypnotiseurs die Information aus diesem Passiven Gedächtnis hervor.

gruß
rolf