Hypnose bei Schüchternheit?

Hallo,
ich bin seit ich denken kann extrem schüchtern und zurückhaltend gewesen. In der Schule habe ich im Mündlichen immer die Note 5 gehabt da ich mich nie!!! gemeldet habe. Selbst wenn ich die Antwort gewusst hätte. Wenn ich eine Unterhaltung anfangen muss mit Menschen außerhalb meiner eigenen Familie fange ich an zu stottern und was ganz oft vorkommt ist das ich komplett verkehrte Wörter sage. Ich möchte z.B. sagen „Du hast aber ein tolles Schulranzen“ und sage stattdessen „Du haben aber ein tolles Schulmäppchen“ Warum weiß ich ganz ehrlich auch nicht, ich weiß ja schließlich was ich eigentlich sagen wollte. Egal, jedenfalls bin ich jetzt 29 Jahre alt und habe wieder mit einer Schulischen Ausbildung angefangen. Und wieder beteilige ich mich nicht am Unterricht und wieder unterhalte ich mich nicht mit den Schulkollegen und wieder fange ich an zu stottern wenn ich drankomme. Ich bin es so leid! Und da kam mir gestern die tolle Idee mit der Hypnose. Nur finde ich nicht wirklich Infos darüber im Internet. Ich weiß das man z.B. mit dem Rauchen aufhören kann wenn man Hypnotisiert wurde…aber kann man auch seine Schüchternheit damit besiegen? Kann man mich hypnotisieren und mir die Angst davor nehmen zu sprechen?

Weiß einer darüber Bescheid?

Vielen Dank

c.duba

PS: Selbsthilfebücher habe ich schon ausprobiert und haben nichts gebracht.

eher VT
hi,

bei schüchternheit ist eher eine verhaltenstherapie indiziert. ob es gleich eine ganze therapie sein muss, klärt man mit einem psychologischen therapeuten.

hypnose hat so was von „jemand anders heilt mich im schlaf mit wundermitteln“ -das ist mein eigenen sbjektives empfinden. gegen schüchternheit hilft aber nicht das „augen zu und andere machen lassen“ sondern eher das „augen auf und selbst probieren“.

damit will ich hypnose nicht die wirkung absprechen, die sie hat, aber bei schüchtrnheit rate ich zu VT.

Teufelskreise und Selbstläufer
Hallo C. Duba,

In der Schule habe ich im Mündlichen
immer die Note 5 gehabt da ich mich nie!!! gemeldet habe.
Selbst wenn ich die Antwort gewusst hätte.

das klingt für mich nach einem Teufelskreis:

  1. Du hast in der Schule den Mund nicht aufgemacht -->
  2. Die Folge waren schlechte Noten und der „Ruf“, ein schlechter Schüler zu sein -->
  3. Schlußfolgerung: in Dir entstand das Gefühl, weniger zu können oder wert zu sein --> es folgt wieder:
  4. Du hast wiederum den Mund nicht aufgemacht usw.

Vielleicht habe ich Deinen Sachverhalt nicht genau getroffen, den kennst Du natürlich besser. Aber ich möchte damit ausdrücken, daß Du etwas „gelernt“ hast, was nun Dein Leben beeinträchtigt. Natürlich ohne bewußte Absicht. Trotzdem ist dieses Gelernte in Deinem Hirn vorhanden, ebenso, wie Du z. B. Schwimmen, Englisch oder was auch immer gelernt hast. Solche Teufelskreise laufen bei Dir auch noch in der Gegenwart. Vielleicht so:

  1. Du stotterst vor Menschen außerhalb Deiner Familie -->
  2. Du erlebst vielleicht a) wirklich eine negative Reaktion Deines Gegenübers oder Du erlebst es vielleicht b) nur innerlich so peinlich und denkst, Dein Gegenüber werde schlecht von Dir denken. a) oder b) macht für das Weitere keinen Unterschied. -->
  3. Vermehrte Unsicherheit, wenig Selbstwertgefühl -->
  4. Du stotterst wieder vor Menschen außerhalb Deiner Familie usw.

Es gibt andere Menschen, bei denen gerade das Gegenteil des oben skizzierten Teufelskreises passiert.

  1. Sie sagen etwas, sprechen einen anderen Menschen an o. ä. -->
  2. Sie erleben, daß sie damit willkommen sind -->
  3. Sie erleben eine Steigerung ihres Selbstwertes --> und wieder zu:
  4. Sie machen den Mund beim nächsten Mal um so leichter auf usw.

Mir fällt momentan kein anderes Wort dafür ein als: Selbstläufer.

Es gibt viele Lernprozesse, die unbeabsichtigt geschehen, manche sind schädlich wie der o. g. Teufelskreis, und manche tun den betreffenden Personen ausgesprochen gut und befördern sie wie der Selbstläufer.

Deine Aufgabe ist es jetzt, Dir solche Lernprozesse in Deinem eigenen Leben bis zur Gegenwart bewußt zu machen und - von nun an bewußt zu steuern, anstelle von Teufelskreisen mit Hilfe von Übungen Selbstläufer in Deinem Hirn zu installieren. Dabei nutzt Du die Plastizität Deines Hirns, also seine Fähigkeit, Neues zu lernen, und Altes wieder zu verlernen. Es ist aber ein dorniger Weg. Das alleine zu machen ist sehr schwer und kann zu viel werden, deshalb rate ich Dir unbedingt zu einer Therapie. Bei Schüchternheit, sozialen Ängsten u. dgl. wird meist Verhaltenstherapie empfohlen. Die Aufgabe des Therapeuten ist dann, Dich beim sozialen Lernen, beim Installieren „sozialer Selbstläufer“ zu unterstützen, indem er Dir u. a. hilft, hinreichend kleine Lernstufen zu finden, die Du bewältigen kannst.

Leider gibt es keine solche „Abkürzung“ wie etwa eine Hypnose. Prinzipbedingt ist das so. Obwohl ich den Wunsch sehr gut verstehen kann. Ich war selber früher sehr schüchtern, und bin es zum Teil noch immer.

Grüße,

I.