I.m.-Injektion im Stehen: Risiken?

Hi!

In der Krankenpflege hat man uns eingebleut: i.m.-Injektionen nicht im Stehen verabreichen, weil durch die muskulären Scherkräfte die Nadel abbrechen kann. Da hilft auch Bein-locker-lassen und Gewicht auf die Gegenseite verlagern nichts.

Bloß: es ist Gang und Gebe und wird nu’ auch von mir verlangt…

Normalerweise mache ich das auch nur im Liegen, aber nu’ arbeite ich in einer Praxis, in deren „Spritzenzimmer“ keine Liege ist (und auch zu klein ist, um eine reinzustellen). Kommentar: „Wir machen das doch immer im Stehen, ist noch nie was passiert“

Frage: Wie hoch ist das Risiko wirklich?
Sollte ich mich weigern (immerhin mache ich das ja, ich trage also die Verantwortung…) oder kann man das Risiko vernachlässigen?

Danke und Gruß,
Sharon

Hallo,
es geht vermutlich um eine Injektion in den Pomuskel (?). Praktisch abbrechen können überhaupt nur „dünne“ Nadeln, wie für wäßrige Injektionen verwendet (z.B. 20mm x 0.4mm). Ich halte das aus eigener Erfahrung und der von „Kollegen“ allerdings nur für möglich, wenn der „Gestochene“ sehr zappelig ist oder während der Injektion einen Krampf bekommt - also das Risiko als vernachlässigbar :wink:.

Gruss
Enno

Nachtrag (off-topic)
Hallo,
verwendet ihr eigentlich zum Aufziehen und Spritzen unterschiedliche Nadeln ?

Gruss
Enno

Hi Enno!

Wow, das ging ja schnell :wink:

An die dünnen Nadeln hatte ich auch schon gedacht, ich hoffe mal, daß die üblichen dickeren nicht so schnell abbrechen…
Wobei die Nadeln selbst ja nicht so schnell abbrechen, als vielmehr die Stelle, wo die Nadel in das Plastik-Ansatzstück übergeht.

Naja, mir ist halt nicht ganz wohl bei dem Gedanken, daß ich das jetzt auch im Stehen machen muß…

verwendet ihr eigentlich zum Aufziehen und Spritzen
unterschiedliche Nadeln ?

In dem Falle nicht, weil es Fertigspritzen sind. Aber ansonsten ist das so üblich bzw. man sollte (muß?) es aus hygienischen Gründen machen :wink:

Gruß,
Sharon

Hi Sharon,

eine Kanüle ist mir zwar noch nie abgebrochen, wobei ich sie auch nie bis zum Anschlag (also bis zum Konus, weil das ja die ‚gefährlichste‘ Stelle in puncto Abbrechen ist) reingejagt habe - dann lieber eine längere Nadel, die man im Falle eines Falles mit einer Pinzette oder mit der Hand rausziehen kann; hat auch den Vorteil, daß man bei korpulenteren Patienten nicht versehentlich das Fettgewebe erwischt. :wink: Dieses Risiko kann man also IMHO praktisch vernachlässigen. Aaaaallerdings kam mir schon der eine oder andere ‚Held‘ (die Sorte ‚Hinlegen? Ich?! Ach was, mir passiert schon nix‘, you know?) rückwärts entgegen, was ich dann nicht wirklich lustig fand…

Kommentar: „Wir machen das doch immer im Stehen, ist noch nie
was passiert“

Hmmm… Bei nicht öligen Mitteln und kleinen Mengen könntest Du evtl. auf den Oberarm ausweichen. Ansonsten: habt Ihr denn keine EKG- oder sonstige Liege, die Du zweckentfremden könntest?

Gruß

Renee

Hallo,

Wobei die Nadeln selbst ja nicht so schnell abbrechen, als
vielmehr die Stelle, wo die Nadel in das Plastik-Ansatzstück übergeht.

ja das ist klar.

In dem Falle nicht, weil es Fertigspritzen sind. Aber
ansonsten ist das so üblich bzw. man sollte (muß?) es aus
hygienischen Gründen machen :wink:

das ist beruhigend - ich habe es schon mehrmals anders erlebt. Ein weiterer Grund, den man erst bemerkt, wenn man sich selbst Spritzen setzt - die Nadel wird beim aufziehen teilweise stumpf (durch anstoßen an der Ampulle) und das „Gepickse“ gestaltet sich unangenehmer.

Gruss
Enno

Hi!

Oha - an die „Hinleger“ hab ich ja noch gar nicht gedacht… *g*
Aber zum Glück kommen die meisten ja wöchentlich zum spritzen, die kennen das dann schon.

Dieses Risiko kann man also IMHO praktisch vernachlässigen.

Ja, irgendwie scheint das jeder zu sagen. Ich hoffe, das stimmt wirklich, denn meine damalige Schulschwester hatte uns immer das Gegenteil erzählt :wink:

Hmmm… Bei nicht öligen Mitteln und kleinen Mengen könntest
Du evtl. auf den Oberarm ausweichen.

Ja, das werde ich auch, wenn es geht.

Ansonsten: habt Ihr denn keine EKG- oder sonstige Liege, die Du
zweckentfremden könntest?

Theoretisch schon, aber wie gesagt, da paßt wirklich nix rein und ich kann schlecht eins der Behandlungsräume verwenden - der Doc würde ziemlich blöd aus der Wäsche gucken, wenn ich seine Praxis umgestalte, vor allem, weil ich ja nicht allzu lange dort arbeiten werde *gg*

Gruß,
Sharon

Hallo, Sharon

In der Krankenpflege hat man uns eingebleut: i.m.-Injektionen
nicht im Stehen verabreichen, weil durch die muskulären
Scherkräfte die Nadel abbrechen kann.

wurde mir auch beigebracht.

Da hilft auch
Bein-locker-lassen und Gewicht auf die Gegenseite verlagern
nichts.

Doch hilft schon - die Injektion ist dann leichter.

Bloß: es ist Gang und Gebe und wird nu’ auch von mir
verlangt…

Wurde von mir auch verlangt und habe ich auch praktiziert.

Normalerweise mache ich das auch nur im Liegen,

Warum hast Du es bis jetzt nur im Liegen gemacht?
Warum solltest Du es jetzt nicht weiter im Liegen machen?

aber nu’
arbeite ich in einer Praxis, in deren „Spritzenzimmer“ keine
Liege ist (und auch zu klein ist, um eine reinzustellen).
Kommentar: „Wir machen das doch immer im Stehen, ist noch nie
was passiert“

Frage:
Was-wäre-wenn - ein Patient kollabiert?
Im Rautegriff aus der zu kleinen Spritzenkammer schleifen - oder was?
Eine Besenkammer als Behandlungsraum - wenn das mal zulässig ist.

Frage: Wie hoch ist das Risiko wirklich?

Das Risiko ist da!
Das sollte doch eigentlich genügen.
Stellt sich Dein Chef/ Ausbilder bedingungslos vor Dich - wenn etwas passiert - hundertprozentig?

Sollte ich mich weigern (immerhin mache ich das ja, ich trage
also die Verantwortung…) oder kann man das Risiko
vernachlässigen?

Bei mir hat mal eine Patientin bei einer i.m.-Injektion das Gleichgewicht verloren und ist nach vorne gefallen (da stand aber ein Bett) - den Anblick von dieser pendelnden Spritze im Gesäss habe ich nie mehr aus dem Kopf gekriegt und habe ab diesem Zeitpunkt immer auf einer liegenden i.m.-Injektionstechnik bestanden - haben alle Patienten akzeptiert.

Gruß
karin

P.S. Ich bestehe bei meinem Hausarzt auf einer i.m.-Injektionstechnik, die im Liegen durchgeführt wird - auch wenn es länger dauert - weil ich meine Muskulatur dann besser entspannen kann und ich die Injektion dann nicht mehr spüre.

Hi karin!

Warum hast Du es bis jetzt nur im Liegen gemacht?

Naja, weil halt so gelernt und dieses auch mit Argumenten belegt :wink:

Warum solltest Du es jetzt nicht weiter im Liegen machen?

Wie gesagt, ich würd’ ja gern…

Frage:
Was-wäre-wenn - ein Patient kollabiert?
Im Rautegriff aus der zu kleinen Spritzenkammer schleifen -
oder was?

Tja, die Frage ist natürlich berechtigt - ich werde das da mal zur Ansprache bringen.
Ich finde das ja auch ganz und gar nicht toll… :-/

Stellt sich Dein Chef/ Ausbilder bedingungslos vor Dich - wenn
etwas passiert - hundertprozentig?

Das ist die Frage…

habe ab diesem Zeitpunkt immer auf einer liegenden
i.m.-Injektionstechnik bestanden - haben alle Patienten
akzeptiert.

Genauso wars bislang bei mir :wink:

Naja, mal schauen, was ich da machen kann. Letztendlich trage zwar auch ich Folgen nach, wenn was passiert, aber den Hauptschaden hat der Patient - und das ist Argument genug.

Vielen Dank für eure Hilfe!

Gruß,
Sharon

Also wenn ich das hier lese wir mir ganz anders.

Ja, du musst die weigern. Stell dir mal vor es passiert was und der Pat. verklagt euch. Da kann sich euer Arzt vor dich stellen soviel er will, es wird dir nichts helfen. Du bist durchführungsverantwortlich und entsprechend ausgebildet und weißt wie es richtig geht. Das ist ja dann bald grob Fahrlässig. Nach dem Verfahren kannst du deinen Job an den Nagel hängen vom Schadensersatz der auf dich zukommt ganz zu schweigen, denn die Versicherung zahlt bestimmt nicht. Kurze Nadeln beim i.m spitzen ??? Es gibt viele Studien die beweisen, dass i.m. Injektionen nicht im Muskel landen wenn sie mit kurzen Nadeln gestochen werden, somit wirkungslos sind. Fazit: Lange Nadeln verwenden, logische Schlussfolgerung: Es besteht eine größere Gefahr von Verletzungen da die langen Nadeln aufgrund der Scherkräfte des Muskels brechen können falls sich der Patient ungünstig bewegt.

Ich würde mich weigern
Hardl

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Danke auch dir o.w.T.
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