Iatrophobie

Liebe Laralinda,

Leider hab ich im Netz nur eine grobe Auskunft darüber
gefunden, was die Ursachen für Angst vor dem Arzt sind.

wie könntest du in dieser Frage auch mehr als grobe Auskunft finden?

Wie für (fast?) alle Phobien gilt auch für die Iatrophobie, dass nur die individuelle Lern- und Verabeitungsgeschichte Aufschluss über die Herkunft dieser Phobie geben kann.

Wer dort nach einer Standardgeschichte sucht, der sucht ein Märchen.

Es geht um ein Familienmitglied, welches ein kleines Hautekzem
auf der Hand hat, aber jede Ausrede sucht, um zum Arzt zu
gehen.

Interessanter als die -für mein Empfinden- etwas ungerufene Diskussion um deinen Freudschen Versprecher, finde ich deine „Diagnose“ (die, sollte die „Person“ du selbst sein, gleich nochmal um vieles interessanter würde).

Ich würde mich hüten, bei jemandem, der wegen eines „kleinen Hautekzems“ partout nicht zum Arzt gehen möchte, gleich eine „Iatrophobie“ zu diagnostizieren.

Versteh’ mich nicht falsch, es geht mir nicht um die altbekannten moralischen Bedenken gegen dergleichen diagnostischen (Laien)Schnellschlüsse, sondern darum, dass man durch solche Begrifflichkeiten Gefahr läuft, vereinzeltes Verhalten allzu schnell zu generalisieren.

Geht die Person denn auch ansonsten nicht zum Arzt?
Wie lang besteht dieses Verhalten schon?
Ist das Verhalten im Laufe der Zeit eskaliert?
Steht dieses Verhalten in Einklang mit dem Denken der Person über Ärzte und über das Gesundheitswesen oder widerspricht es der „intellektuellen“ Haltung der Person grundsätzlich?
Wie verhält die Person sich dabei, wenn sie gezwungen ist, sich einen Besuch beim Arzt vorzustellen?
Kommt sie dabei ins Schwitzen, beschleunigt sich der Herzschlag, wird ihr dabei schlecht, und dergleichen?

  • Mit Fragen solcher Art könnte man versuchen, diesem spezifischen Verhalten etwas mehr auf den Grund zu gehen, bevor man eine Iatrophobie „diagnostizieren“ dürfte.

Erst dann könnte es sich nämlich zeigen, ob das Verhalten dieser Person nicht nur auf dieses eine spezifische Hautekzem begrenzt ist, zum Beispiel weil die Person dahinter (wie bewusst auch immer) eine schlimmere Erkrankung vermutet, die sie lieber nicht wissen möchte, sondern so allgemeiner Art ist, dass man sinnvoll von „Iatrophobie“ sprechen kann.

Ich will wissen, wie es sich sonst noch in der
Persönlichkeit äußern kann.

Eben das hängt davon ab, wie sich die Person nun genau verhält.
Die Informationen, die du hier lieferst, reichen für eine Antwort auf deine Frage bei weitem nicht aus.

Selbst wenn sich deine „Verdachtsdiagnose“ akzeptieren würde, könnte man eines sicher sagen: eine „iatrophobische Persönlichkeit“ gibt es nicht. Die Menge der Iatrophobiker ist nicht so sehr viel homogener als eine willkürliche Ansammlung von Menschen in der Ubahn.

Ich für meinen Teil wäre geneigt, phobisches Verhalten grundsätzlich als in der Gesamtpersönlichkeit verankert zu sehen (wie auch immer, das ließe sich bestimmt nicht durch den Fernblick ausmachen), also als ein Symptom für etwas Umfassenderes, aber in dem von dir geschilderten Fall fühle ich mich noch gar nicht informiert, ob denn überhaupt tatsächlich phobisches Verhalten vorliegt.

_ ℂ Λ ℕ Ð I Ð €


Der Arzt schnitt Gott nach seinem Bilde._

(Luis Fuego y Arrojo)

Ich ziehe Qualität der Quantität vor.

Dann richte dich doch selbst mal nach dieser deiner Maxime.

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wie könntest du in dieser Frage auch mehr als grobe Auskunft
finden?

Was ich mir erhoffte, waren „Begleiterscheinungen“, vielleicht Verhaltensweisen, die generell bei Angststörungen zum Vorschein kommen könnten.

Wer dort nach einer Standardgeschichte sucht, der sucht ein
Märchen.

Ich suche nach Verhaltensweisen, die bei anderen Phobikern aufgetreten sind/sein können

Interessanter als die -für mein Empfinden- etwas ungerufene
Diskussion um deinen Freudschen Versprecher, finde ich deine
„Diagnose“ (die, sollte die „Person“ du selbst sein, gleich
nochmal um vieles interessanter würde).

Bei dem Freudschen-Versprecher-Dings wollte ich die Diskussion vermeiden, in dem ich genau geschrieben hab, dass ich dazu absolut keine Ahnung habe. Wenn sich dann doch jemand dazu entscheidet, da etwas - verzeihung - klugzusch*** dann kann ich da nix für.
Für mich war es nur eine Floskel…

Versteh’ mich nicht falsch, es geht mir nicht um die

Geht die Person denn auch ansonsten nicht zum Arzt?

Generell wird jede Ausrede gesucht, nur der Zahnarzt wird alle paar Jahre aufgesucht.

Wie lang besteht dieses Verhalten schon?

Mehrere Jahre. Genaueres weiß ich leider nicht.

Ist das Verhalten im Laufe der Zeit eskaliert?

Dazu kann ich leider auch keine Aussagen machen, was mich stutzig macht, ist jedoch, dass man es bei einem Hausarzt noch verstehen kann, wenn man diesen nicht gerne aufsucht, aber bei einem möglicherweise ansteckenden Hautekzem nicht zum Hautarzt zu gehen, könnte man als „Eskalation“ ansehen. Oder liege ich da wieder falsch?

Steht dieses Verhalten in Einklang mit dem Denken der Person
über Ärzte und über das Gesundheitswesen oder widerspricht es
der „intellektuellen“ Haltung der Person grundsätzlich?

Ich hoffe ich habe diese Frage richtig verstanden. Die Person ist sich bewusst, dass die Ärzte Recht haben und in der Lage sind, einen wieder gesund zu machen. Ihre Kompetenz wird nur am Rande teilweise in Frage gestellt.

Wie verhält die Person sich dabei, wenn sie gezwungen ist,
sich einen Besuch beim Arzt vorzustellen?

„Es ist doch nicht so schlimm…“
„Ich warte lieber noch ein paar Tage ab, vielleicht geht es weg“
„Ich werde mich informieren, wie man es selbst behandelt“
Gleichzeitig „leidet“ die Person extrem (und äußert es auch oft), wenn man den Arztbesuch vorschlägt, wird es mit jenen Ausreden abgeschlagen.

Kommt sie dabei ins Schwitzen, beschleunigt sich der
Herzschlag, wird ihr dabei schlecht, und dergleichen?

Genaueres kann ich auch dazu nicht sagen, aber eine Nervosität und Angespanntheit ist auf jedenfall zu bemerken.

Erst dann könnte es sich nämlich zeigen, ob das Verhalten
dieser Person nicht nur auf dieses eine spezifische Hautekzem
begrenzt ist, zum Beispiel weil die Person dahinter
(wie bewusst auch immer) eine schlimmere Erkrankung vermutet,
die sie lieber nicht wissen möchte, sondern so allgemeiner Art
ist, dass man sinnvoll von „Iatrophobie“ sprechen kann.

Ist diese Angst vor einer schlimmeren Erkrankung nicht schon soetwas wie Iatrophobie? Ich meine, normal würde man doch argumentieren, dass man sich besser fühlt, wenn man es sicher weiß, und WENN es was schlimmeres ist, sich in guter Behandlung zu wissen.

Die Informationen, die du hier lieferst, reichen für eine
Antwort auf deine Frage bei weitem nicht aus.

Ich suche hier gewiss keine genaue Diagnose, bestenfalls noch mit Umgangstipps.
Mir ist durchaus bewusst, dass es das im Netz kaum geben kann. Ich wollte nur Zusatzinformationen zum „Krankheitsbild“ Iatrophobie

Grüße

Laralinda

Hi Laralinda

aber bei
einem möglicherweise ansteckenden Hautekzem nicht zum Hautarzt
zu gehen, könnte man als „Eskalation“ ansehen. Oder liege ich
da wieder falsch?

Kleine Beruhigung zwischendurch, wenns genehm ist: Die meisten Ekzeme, insbesondere die für den Laien gruselig ausschauen, sind nicht ansteckend.

Die Person
ist sich bewusst, dass die Ärzte Recht haben und in der Lage
sind, einen wieder gesund zu machen. Ihre Kompetenz wird nur
am Rande teilweise in Frage gestellt.

Schonmal ein Lichtblick, der die Phobie etwas eingrenzt.

Wie verhält die Person sich dabei, wenn sie gezwungen ist,
sich einen Besuch beim Arzt vorzustellen?

Abgesehen von der Vorführung durch einen Sozialpsychiatrischen Dienst *g* (war selber mal in einem tätig) kann ich mir schwer einen Zwang zum Arztbesuch vorstellen.
Gruß,
Branden

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Wieso Ausreden?
Hallo,

„Es ist doch nicht so schlimm…“
„Ich warte lieber noch ein paar Tage ab, vielleicht geht es weg“
„Ich werde mich informieren, wie man es selbst behandelt“

Das klingt doch alles vernünftig und in den meisten Fällen würde ich dies alles unterschreiben. Die meisten Krankheiten, die man jedes Jahr so bekommt, sind nicht so schlimm und gehen von selbst wieder weg.

Sich selbst zu informieren ist mit Sicherheit auch nicht verkehrt.

Gleichzeitig „leidet“ die Person extrem (und äußert es auch oft), wenn man den Arztbesuch vorschlägt, wird es mit jenen Ausreden abgeschlagen.

Wenn die Person wirklich unter größeren Beschwerden leidet (unter was eigentlich: Schmerzen? Fieber? Schwindel? Ohnmacht?), dann allerdings nehme ich alles zurück, was ich weiter oben geschrieben habe. Dies meine ich nur für die üblichen alle-Jahre-wieder-Beschwerden wir Erkältungskrankheiten, kurzdauernde Magenverstimmung, etc.

Es kann befreidigender sein, Bagatellkrankheiten selbst auszukurieren, man behält seine Autonomie und hat weniger Angst, z.B. im Urlaub bei den gleichen Dingen aufgeschmissen zu sein.

Eventuell ist es auch ein Vertrauensproblem: wer schon bei mehreren verschiedenen Ärzten war, macht schnell die Erfahrung, dass jeder die gleichen Dinge anders behandelt und anders berät: schnell Antibiotika oder möglichst nicht, Naturheilkunde oder Schulmedizin, Homöopathie oder Hokuspokus? - Da kann es vernünftiger erscheinen, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Und man wird auch nicht immer als mündiger Erwachsener behandelt, sondern bekommt schon mal ein Antibiotika verweigert, das der Kollege ohne weiteres verschreiben würde oder umgekehrt eines verschrieben, obwohl man es nicht möchte.

Oder hat die Person ein Zeitproblem oder ist generell ungeduldig? Diese ewige Herumgewarte im Wartezimmer ist für mich nämlich auch immer eine Barriere, wie sie kaum effektiver sein könnte. Und dieser Spruch, dass ein Arztbesuch nichts ausser Zeit kostet, trifft den Kern nicht, wenn Zeit das wichtigste ist, das man besitzt. (Ok, ausser natürlich der Gesundheit, deshalb möchte ich auch diesen Satz nur auf Bagatellbeschwerden verstanden wissen).

Deshalb würde ich nicht gleich auf einen unvernünftigen und krankhaften Hintergrund tippen, es gibt auch viele „normale“ Gründe, Arztbesuche auf die notwendigsten einzuschränken.

Mit vielen Grüssen, Walkuerax

Liebe Laralinda!

Ich suche hier gewiss keine genaue Diagnose
Ich wollte nur Zusatzinformationen zum „Krankheitsbild“
Iatrophobie
Was ich mir erhoffte, waren „Begleiterscheinungen“, vielleicht
Verhaltensweisen, die generell bei Angststörungen zum
Vorschein kommen könnten.

Okay, entschuldige, dass ich mich zu sehr auf die „Diagnose“ (in Anführungszeichen) eingeschossen habe, aber die Diskrepanz zwischen deinem diagnostischen Titel („Iatrophobie“) und den eher spärlichen Informationen schien mir eben bemerkenswert, zumal das Nötige in diesem Thread bereits gesagt war.

Ich weiß nicht sicher, ob es das ist, was dich interessiert, aber ich führe einmal ein paar Punkte zur spezifischen Phobie (deren eine Variante die Iatrophobie ist) auf, wie sie mir gerade in den Sinn treten.
Deine nun ausführlichen Antworten auf mein Posting passen da auch recht gut dazu:

Eine spezifische Phobie ist nicht nur auf einen konkreten Anlass bezogen, sondern sie ist umfassender/anhaltender.
Sie ist aber sehr wohl auf ein isolierbares Objekt bzw. Situation bezogen, das eine Angstsituation hervorruft, sobald der Betroffene damit konfrontiert wird.

Der Betroffene erwartet diese Angst, weiß um seine Angst, und er versucht sie dadurch zu vermeiden, dass er ein je nach Objekt/Situation unterschiedlich komplexes Vermeidungsverhalten entwickelt, dass ihn vor der Konfrontation mit diesem Objekt/Situation schützt.

Der Betroffene weiß „intellektuell“, dass seine Angst als auch sein Vermeidungsverhalten klar „übertrieben“ sind, zur Wahrung der sozialen Fassade wird aber meist recht aufwändig versucht, dieses Vermeidungsverhalten wie auch immer als rational zu rechtfertigen.

Der Begriff „Iatrophobie“ ist natürlich nicht trennscharf, er mag reichen von der Angst vor Praxisräumen über die Angst nur vor den Internisten bis hin zur Angst vor allem medizinischen Personal und Gerätschaften.
Insgesamt besteht aber sicherlich eher die Tendenz zur Ausweitung als die zur spontanen Einschränkung des Kreises im Laufe der Leidensgeschichte.

Die Notwendigkeit, mehr oder weniger ständig ein Objekt/Situation meiden zu müssen, organisiert den Lebenswandel des Betroffenen sehr, und ist übrigens oft auch ein Grund für Substanzmissbrauch.
Dagegen ist das Vermeidungsverhalten bei machen Phobien aber so gut in das normale Leben integrierbar, dass kaum Leidensdruck daraus entsteht.

Die Konfrontation (in real, oder auch als Erwartung bzw. lebhafte Vorstellung) mit diesem Objekt/Situation ruft stets eine sofortige Angstreaktion hervor, die von leichter Erregung bis zur Panikattacke reichen kann.

[@van Branden: ja, um jemanden zum Arztbesuch zu zwingen, mag es des Sozialpsychiatrischen Dienstes bedürfen, um ihn aber zur Vorstellung eines Arztbesuches zu zwingen durchaus nicht *gg*]

Eine spezifische Phobie tritt meines Wissens durchschnittlich zuerst im Kindes- und Jugendalter auf, früher jedenfalls als eine „abstraktere“, weniger isolierte, Phobie wie etwa die Platzangst.

Man kann (abgesehen von klar zurechenbaren realen Erfahrungen, bei denen nicht groß erklärt werden muss, weshalb sich Angst einstellt) die Entstehung einer spezifischen Phobie so erklären, dass -aus welchen individuellen Gründen auch immer- die Erfahrung eines bestimmten Objekts/Situation auf Grund einer gewissen (falschen) Erwartungshaltung mit Angst verbunden ist, weshalb diese (falsche) Erwartungshaltung in gewisser Weise noch einmal „bestätigt“ wurde, so dass dieses Objekt/Situation nun noch mehr als Auslöser von Angst betrachtet wird … zusätzlich wird ja die Angst vor diesem Objekt/Situation (also eigentlich die Angst vor der Angst) mit jedem erfolgreichen Vermeidungsverhalten umgangen, dadurch aber dieses Objekt/Situation umso mehr als zu-vermeidende Quelle von Angst bekräftigt … ein Aufschaukelungsprozess oder maligner Lernpozess.

Man kann aber auch dieses „äußere“ Objekt/Situation so betrachten, dass -aus welchen individuellen Gründen auch immer- eine „innere“ Angst, ein „innerer“ Konflikt (oder mehrere), darauf verschoben wurde.
Ein ganz klassisches Beispiel dafür wäre natürlich Freuds „Kleiner Hans“, dessen Pferdephobie Freud, meiner Lese-Erinnerung nach, dadurch erklärt, dass neben einem erlebten Vorfall mit Pferden in dem Symbol „Pferd“ zahlreiche innerfamiliäre/innerpsychische Konflikte des kleinen Hans abgebildet wurden (etwa die Verlusterfahrung durch die Geburt seines Geschwisters oder die massiven Ängste in Anlass des mütterlichen Masturbationsverbots).

was mich
stutzig macht, ist jedoch, dass man es bei einem Hausarzt noch
verstehen kann, wenn man diesen nicht gerne aufsucht, aber bei
einem möglicherweise ansteckenden Hautekzem nicht zum Hautarzt
zu gehen, könnte man als „Eskalation“ ansehen. Oder liege ich
da wieder falsch?

Ich würde das nun aktuelle Problem mit dem Ekzem nicht als Eskalation der Phobie ansehen, sondern als Verschärfung des Leidensdrucks, da gerade auch durch die Sichtbarkeit dieses Dings (und auch durch die altbekannten stigmatisierenden Assoziationen, die gerade eine Hautkrankheit weckt - unsauber, krank, ansteckend, aussätzig), der Betroffene mit seinem Vermeidungsverhalten nicht mehr so leicht klar kommt als zu Zeiten in denen er nicht krank war, oder zumindest nicht in so hohem Maße für sein Umfeld sichtbar und stigmatisierbar krank war.

Ich hoffe, ich habe nun abstrakt einigermaßen das getroffen, was du wissen wolltest, zum konkreten Fall kann ich logischerweise nichts sagen.

_ ℂ Λ ℕ Ð I Ð €


Manche Menschen haben nur die eine Angst - die Angst, sie zu verlieren.
(P. Comte-Riche)_

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Lieber Abifiz (falls Du es bist - der Stil und Inhalt erinnern mich…wenn nicht, sorry)

[@van Branden: ja, um jemanden zum Arztbesuch zu zwingen, mag
es des Sozialpsychiatrischen Dienstes bedürfen, um ihn aber
zur Vorstellung eines Arztbesuches zu zwingen durchaus
nicht *gg*]

Nachdem ich etwas voreilig meine Antwort abgeschickt hatte, ist mir beim zweiten Lesen auch aufgefallen, dass Du ja eine geistige Vorstellung meintest und nicht die Vorstellung beim SPD.
Besten Gruß,
Branden

Hallo

Danke für diese ausführliche Erläuterung :smile:

Ich bin ja auch in der Situation, wo ich nichts machen kann, außer beobachten. Bin ja schließlich auch nicht der behandelnde Psychologe/Psychotherapeut.

Das mit den Kindheitserfahrungen mit dem Beispiel von Freud hat mich aufhorchen lassen. Denn im näheren Umfeld ist kein sichtbarer Grund für die Angst.

Was mich auch noch aufhorchen hat lassen war die Angst bzw. das Vermeidungsverhalten und rationale Erklärungsversuche als Ausgangspunkt für eine Abhängigkeit. Die ist durchaus feststellbar.

Eine andere Sache ist noch dazugekommen: Auf den Hinweis, mit dem Ekzem zum Hautarzt zu gehen, kommt die Antwort „Ich reinige es ja schon selbst!“. Klar das ist das bekannte Ausweichmanöver. Leider kann man der betroffenen Person nicht klarmachen, dass dieses „Reinigen“ die Sache meist nurnoch schlimmer macht, weil es die Haut zusätzlich belastet.

Eigentlich müsste die Einsicht, dass es sich hier nicht um unreinheit oder mangelnde Hygiene handelt, da sein und da in unserer Familie gereizte und empfindliche Haut öfter vorkommt, müsste auch klar sein, dass zusätzliches Waschen nur schädlich ist.

Naja ich werde die Sache mal weiter beobachten und hoffen, dass die Einsicht kommt, bevor es richtig ernst wird.

Grüße

Laralinda

Liebe Laralinda!

Das mit den Kindheitserfahrungen mit dem Beispiel von Freud
hat mich aufhorchen lassen. Denn im näheren Umfeld ist kein
sichtbarer Grund für die Angst.

Ich will dir abschließend die Komplexität, die der Entstehung einer Phobie zu Grunde liegen kann noch (möglichst kurz! *g*) -statt zu theoretisieren- an meiner eigenen (leichten, darum auch unbehandelten) Ornitophobie verdeutlichen um zu zeigen, wie verschlungen solche Entstehungsgeschichten sein können.

Meine Angst vor Vögeln bezieht sich etwa keineswegs direkt darauf, dass ein Vogel mir Schaden zufügen könnte, sondern im Kern darauf, dass ich Angst davor habe, ihm Schaden zuzufügen, was aber wiederum indirekt meine Angst vor Vögeln bedingt, weil ich weiß, ihnen im Ernstfall möglicherweise wehrlos ausgeliefert zu sein, da ich eben nicht sicher wissen kann, ob ich im Ernstfall meine Angst, einem Vogel Schaden zuzurichten, überwinden kann.

Ich hatte niemals ein Erlebnis (weder ein eigenes, noch ein durch Erzählung erfahrenes), in dem einem Vogel Schaden zugefügt wurde oder in dem ein Vogel mich attackiert hätte. Zumindest kann ich mich an keines erinnern.

Die einzigen beiden Punkte, die ich darüber weiß, sind, dass ich im Alter von ca. 7,8 Jahren gemeinsam mit meiner Mutter eine aus dem Nest gefallene kleine Schwalbe im Wohnzimmer aufpäppelte. Was daraus wurde, weiß ich nicht mehr, ich vermute, wir ließen sie dann fliegen.

Und ich erinnere mich, dass ich mich in der Grundschule damals sehr schämte als ich von der Lehrerin gefragt wurde, ob man den Mädchennamen meiner Mutter, der mit „F“ beginnt, mit Fenster-F oder mit Vogel-V schreiben würde. Ich entschied mich mit vollem Inbrunst für das Vogel-V - und es war falsch, was mich damals tief enttäuschte. Diese Szene ist eine der ganz wenigen aus meiner Grundschulzeit, die ich heute noch mit Affekten verbunden erinnern kann.

Eine andere Sache ist noch dazugekommen: Auf den Hinweis, mit
dem Ekzem zum Hautarzt zu gehen, kommt die Antwort „Ich
reinige es ja schon selbst!“. Klar das ist das bekannte
Ausweichmanöver. Leider kann man der betroffenen Person nicht
klarmachen, dass dieses „Reinigen“ die Sache meist nurnoch
schlimmer macht, weil es die Haut zusätzlich belastet.

Eigentlich müsste die Einsicht, dass es sich hier nicht um
unreinheit oder mangelnde Hygiene handelt, da sein und da in
unserer Familie gereizte und empfindliche Haut öfter vorkommt,
müsste auch klar sein, dass zusätzliches Waschen nur schädlich
ist.

Was soll die Person denn aus ihrer Sicht auch anderes machen?

Das Selbst-Reinigen der Haut scheint die einzige gangbare Handlungsoption zu bleiben, wenn Nichts-Tun durch eure (wie ich mir denken könnte) ständigen Aufforderungen, etwas zu tun (nämlich zum Arzt zu gehen), und dazu durch die hohe kulturelle Besetztheit eines Hautekzems mit den allerstigmatisierendsten Assoziationen (ein Faktor, der meines Erachtens kaum überschätzt werden kann) unmöglich scheint, und zugleich auch der Gang zum Arzt ausgeschlossen scheint.

In dieser Lage ist dieses aktive Reinigen der Haut ein direktes Ankämpfen gegen die Angst vor dem Gang zum Arzt, ein Teil des Vermeidungsverhaltens - während ein, eigentlich für die Heilung der Haut sinnvolleres, passives „Nichts-Tun“ die „iatrophobische Angst“ nicht senken kann, weil dabei die angstsenkende Illusion, das Heft des Handelns in der eigenen Hand zu haben, nicht entstehen kann.

Wohlgemerkt: das war reine Spekulation von mir, da ohne Fallkenntnis.
Ich will damit auch nur ausdrücken, dass in diesem Fall möglicherweise verschiedene Ebenen des rationalen Handelns bestehen, weil hier mindestens zwei Erkrankungen (die Phobie und die der Haut) mit ihren unterschiedlichen Bewältigungslogiken verbunden sind, so dass die Einsicht, „dass zusätzliches Waschen nur schädlich ist“ nicht unbedingt ausgeschaltet sein muss, sondern eben „nur“ überlagert durch die andere Einsicht, dass nur das Waschen angstmindernd wirken kann.

Naja ich werde die Sache mal weiter beobachten und hoffen,
dass die Einsicht kommt, bevor es richtig ernst wird.

Versucht doch vielleicht einmal, anstatt die Person ständig zum Arztbesuch zu drängen (was je nach Schwere der Phobie sowieso aussichtslos ist), ihr beizustehen im Kampf gegen den Arztbesuch. Vielleicht kann sie so ja immerhin das kontraproduktive „Reinigen“ unterlassen. Gegen die Iatrophobie ließe sich dann ja möglicherweise später, losgelöst von einem akut drohenden Gang zum Arzt, sogar besser angehen.

Alles Gute euch allen Beteiligten!

_ ℂ Λ ℕ Ð I Ð €


Ausgerechnet Abifiz ist unsterblich!
(unbekannter niederländische Denker)_

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Nun, vielleicht hat die Person schlichtweg einfach nur Angst beim Arzt zu erfahren, dass sie eine schlimme Krankheit hat. Mag sein, sie mag weißbekittelte Menschen nicht (kann ich verstehen *schmunzel*). Zudem hab ich nach überfüllten Wartezimmern meistens neben meiner Erkrankung auch noch eine Erkältung und so mit nach Hause genommen …

Also, mal die Person mit einfachen Salben unterstützen (z.B. Cicalfate, eine Zinksalbe mit Sulfit, schmeckt zwar nicht, hilft aber). Zeigt der Person, dass Ihr sie versteht, gebt ihr Zeit.

Das Herumdoktern an der Person bringt nichts, sie fühlt sich dann nur unverstanden und das macht es noch schlimmer. Auch hilft nicht die Klärung der Frage, warum es so ein Verhalten gibt und wo es herkommt. Hier hilft nur Akzeptanz und liebevolles Verständnis …