Liebe Laralinda,
Leider hab ich im Netz nur eine grobe Auskunft darüber
gefunden, was die Ursachen für Angst vor dem Arzt sind.
wie könntest du in dieser Frage auch mehr als grobe Auskunft finden?
Wie für (fast?) alle Phobien gilt auch für die Iatrophobie, dass nur die individuelle Lern- und Verabeitungsgeschichte Aufschluss über die Herkunft dieser Phobie geben kann.
Wer dort nach einer Standardgeschichte sucht, der sucht ein Märchen.
Es geht um ein Familienmitglied, welches ein kleines Hautekzem
auf der Hand hat, aber jede Ausrede sucht, um zum Arzt zu
gehen.
Interessanter als die -für mein Empfinden- etwas ungerufene Diskussion um deinen Freudschen Versprecher, finde ich deine „Diagnose“ (die, sollte die „Person“ du selbst sein, gleich nochmal um vieles interessanter würde).
Ich würde mich hüten, bei jemandem, der wegen eines „kleinen Hautekzems“ partout nicht zum Arzt gehen möchte, gleich eine „Iatrophobie“ zu diagnostizieren.
Versteh’ mich nicht falsch, es geht mir nicht um die altbekannten moralischen Bedenken gegen dergleichen diagnostischen (Laien)Schnellschlüsse, sondern darum, dass man durch solche Begrifflichkeiten Gefahr läuft, vereinzeltes Verhalten allzu schnell zu generalisieren.
Geht die Person denn auch ansonsten nicht zum Arzt?
Wie lang besteht dieses Verhalten schon?
Ist das Verhalten im Laufe der Zeit eskaliert?
Steht dieses Verhalten in Einklang mit dem Denken der Person über Ärzte und über das Gesundheitswesen oder widerspricht es der „intellektuellen“ Haltung der Person grundsätzlich?
Wie verhält die Person sich dabei, wenn sie gezwungen ist, sich einen Besuch beim Arzt vorzustellen?
Kommt sie dabei ins Schwitzen, beschleunigt sich der Herzschlag, wird ihr dabei schlecht, und dergleichen?
- Mit Fragen solcher Art könnte man versuchen, diesem spezifischen Verhalten etwas mehr auf den Grund zu gehen, bevor man eine Iatrophobie „diagnostizieren“ dürfte.
Erst dann könnte es sich nämlich zeigen, ob das Verhalten dieser Person nicht nur auf dieses eine spezifische Hautekzem begrenzt ist, zum Beispiel weil die Person dahinter (wie bewusst auch immer) eine schlimmere Erkrankung vermutet, die sie lieber nicht wissen möchte, sondern so allgemeiner Art ist, dass man sinnvoll von „Iatrophobie“ sprechen kann.
Ich will wissen, wie es sich sonst noch in der
Persönlichkeit äußern kann.
Eben das hängt davon ab, wie sich die Person nun genau verhält.
Die Informationen, die du hier lieferst, reichen für eine Antwort auf deine Frage bei weitem nicht aus.
Selbst wenn sich deine „Verdachtsdiagnose“ akzeptieren würde, könnte man eines sicher sagen: eine „iatrophobische Persönlichkeit“ gibt es nicht. Die Menge der Iatrophobiker ist nicht so sehr viel homogener als eine willkürliche Ansammlung von Menschen in der Ubahn.
Ich für meinen Teil wäre geneigt, phobisches Verhalten grundsätzlich als in der Gesamtpersönlichkeit verankert zu sehen (wie auch immer, das ließe sich bestimmt nicht durch den Fernblick ausmachen), also als ein Symptom für etwas Umfassenderes, aber in dem von dir geschilderten Fall fühle ich mich noch gar nicht informiert, ob denn überhaupt tatsächlich phobisches Verhalten vorliegt.
_ ℂ Λ ℕ Ð I Ð €
Der Arzt schnitt Gott nach seinem Bilde._
(Luis Fuego y Arrojo)
