Hallo Rolf in Minden 
ich versuchs mal:
Ich bin im August letzten Jahres nach Ablauf meiner Probezeit und nach Mobbing arbeitslos geworden. Da zahlreiche Bewerbungen nichts brachten und da ich in der vorherigen Firma nebenbei mit einem Gewerbeschein kleinere Schreibaufträge eines externen Kunden erledigt hatte und da ich über Vitamin B einen größeren Auftrag zur Übersetzung einer Homepage hatte, hab ich mich beim Arbeitsamt wegen Überbrückungsgeld erkundigt. Nach zahllosen Falschinformationen zögerte sich dieser Antrag für mich so lange heraus, dass es mir einfacher erschien, den relativ formlosen Antrag auf Ich-AG-Unterstützung zu stellen.
Der Antrag ist einfach auszufüllen, Dein Vorhaben wird nicht überprüft, die Bewilligung erfolgt binnen kürze. Bei mir war das am 15. Mai der Fall. Ich habe mich als Sekretariatsservice, Schreib- und Übersetzungsbüro selbständig gemacht. Meine Anschaffungskosten lagen zum Glück fast gen Null. Nun musst Du ja aber auch Werbung betreiben. Das kostet. Als Arbeitsloser hast Du in den seltensten Fällen Geldreserven. Von den 600 Euro, die Du im ersten Jahr Deiner Gründung monatlich erhältst, gehen mindestens 170 Euro für die Krankenversicherung ab. Außerdem bist Du verpflichtet, weiterhin in die staatliche Rentenversicherung einzuzahlen, es sei denn, Dein voraussichtliches Einkommen liegt unter 400 Euro monatlich. Der Betrag für die Rentenversicherung liegt bei 230 Euro monatlich.
Ich habe verschiedentlich inseriert, wobei die Inserate in den Zeitungen zwischen 150 und 200 Euro kosteten, natürlich war nichts hervorgehoben oder nett eingerahmt oder so, so dass die Anzeigen gar nicht ins Auge fielen. Es hat auch kein Resultat gebracht. Ich habe mir Flyer drucken lassen, das hat inklusive Briefpapier und Visitenkarten 190 Euro gekostet, die Flyer verteile ich jetzt, aber es hat noch niemand darauf reagiert.
Ich habe Glück, dass mein „Großauftrag“ schon vorher gegeben war, dass ich mir meinen Alt-Kunden aus Hamburg mitbebracht hab, dessen Volumen sich in den letzten Wochen etwas erhöht hat, aber nun sitze ich relativ auf dem Trockenen.
Für mich ist das Fazit, dass von einem Ich-AGler eigentlich ein Wunder erwartet wird. Wenn Du Überbrückungsgeld beantragst, dann musst Du einen fundierten Antrag begutachten lassen, damit Dir das gewährt wird, das ist auch gut so, dafür finanziert das Arbeitsamt auch mehrwöchige Lehrgänge. In die Ich-AG geraten viele Arbeitslose, die eigentlich von Betriebswirtschaft usw. keinerlei Ahnung haben. Es wird dann von ihnen erwartet, ohne jedes Startkapital einen Betrieb aufzuziehen. Selbstverständlich gibt es in den seltensten Fällen Unterstützung seitens irgendwelcher Banken, im Gegenteil, es ist sogar schwer, ein Geschäftskonto zu eröffnen, weil die Ich-AGs klarerweise nicht erfolgsversprechend bewertet werden. Genauso schwer ist es, sich andere Unterstützung zu suchen. Ich hab lange gesucht, bis ich eine Steuerberaterin gefunden hab, die bereit war, sich mit meiner kleinen Gründung zu befassen. Glücklicherweise ist sie spezialisiert auf Existenzgründungen, unglücklicherweise ändert sich die Gesetzgebung so schnell, dass sie mir die ersten Stunden gar nicht berechnet hat, weil sie selbst nicht mehr weiter wusste.
Erwarte Dir vom Arbeitsamt keine Hilfe, die sind froh, wenn sie Dich los sind, und kennen sich auch nicht aus.
Mein Rat an alle, die sich mit dem Gedanken tragen, eine Ich-AG auf die Beine zu stellen: Auch wenn das nicht erforderlich ist, erstellt eine Dreijahresprognose inkl. Einnahme-Überschussprognose, erstellt ein Konzept, schaut vorher auf Eure Alleinstellungsmerkmale (d. h. auch, kuckt hier und anderswo, wie viele Menschen hoffen, sich als Internethändler mit „einzigartigem“ Konzept erfolgreich selbständig machen zu können…). Kuckt vorher, ob ihr von Ämtern, Freunden und Verwandten finanzielle Hilfe für Durststrecken bekommen könnt (Miete und so). Und vor allem: Die Ich-AG ist unter ganz ganz ganz seltenen glücklichen Umständen ein Ausweg aus der Arbeitslosigkeit. Ich rate aber keinem, der seinen Job noch hat, sich diesen Weg zu suchen, um sich selbständig zu machen.
Ich möchte ja niemanden ermutigen, aber das sind zumindest meine Erfahrungen.
Gruß
Heidrun 
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