Ich-AG Idee. Bitte um Meinungen

Hallo Forum,

ein Freund von mir, der demnächst arbeitslos wird, trug folgenden Plan an mich heran.

Er möchte einen PC Notdienst für Privat anbieten, die die bisherigen Notdienst Preise stark unterschreiten.
Das bedeutet, er möchte für Privatanwender mit PC Problemen jeder Art Tag und Nacht zur Verfügung stehen. Auch Einbauten und Konfigurationen etc.will er ausführen. Also alles was den Pc betrifft.
Seine Meinung ist, das es viele PC Anfänger gibt, die noch nicht mal eine Karte einbauen oder einen Internetzugang einrichten können. Ein normaler Notdienst kommt wegen der Preise für diese Leute nicht in Frage.
In diesem Bereich ist er wirklich fit, denn aus seinem Bekanntenkreis wird er ständig mit Problemen konfrontiert, die er auch löst. Auch beruflich (bisher) ist er in diesem Bereich tätig.
Nun meint er, das zu Geld machen zu können und will eine Ich-AG gründen.

Nun stehen meine Bedenken dagegen. Mit der Förderung die er vom Arbeitsamt bekommt, kann er gerade mal die Sozialversicherungskosten tragen. Viel Geld für die Überbrückungsphase hat er nicht zur Verfügung. Die Werbung und alles was dazu gehört kostet natürlich und leben muß er ja auch noch. Und bis er sich eine Kundenstamm aufbaut, dauert es auch, davon abgesehen ob seine Art von Dienstleistung überhaupt gefragt ist.

Also kurz und gut, ich rate ihm davon ab, aber er ist davon fest überzeugt.

Was gibt es noch für Gründe die dagegen sprechen, die plausibel klingen?

Über ein paar Meinungen dazu wäre ich euch dankbar.

Gruß
roland

Hallo Roland,

Er möchte einen PC Notdienst für Privat anbieten, die die
bisherigen Notdienst Preise stark unterschreiten.

Oh je, die Pleite ist mal wieder vorprogrammiert. Bitte unbedingt eine Kalkulation machen, welche Preise er verlangen muss, um langfristig am Markt zu bleiben. Dazu zählt nicht nur das Netto-Einkommen eines Angestellten, sondern vielmehr die Kosten für Sozialversicherung (Arbeitgeberanteil nicht vergessen), Krankheit, Urlaub, nicht verrechenbare Arbeitszeit, Fahrtkosten, Bürobedarf usw.
Ich bin mir sicher, es kommt ein Stundensatz nicht unter 20€, eher mind. 30 € zzgl. MwSt. dabei raus. Und selbst dann wird er damit nicht reich, sondern kann gerade mal überleben !

Das bedeutet, er möchte für Privatanwender mit PC Problemen
jeder Art Tag und Nacht zur Verfügung stehen. Auch Einbauten
und Konfigurationen etc.will er ausführen. Also alles was den
Pc betrifft.
Seine Meinung ist, das es viele PC Anfänger gibt, die noch
nicht mal eine Karte einbauen oder einen Internetzugang
einrichten können. Ein normaler Notdienst kommt wegen der
Preise für diese Leute nicht in Frage.

Er wird recht schnell merken, warum man solche Preise verlangen muß. Oftmals bedienen die Anfänger das Gerät dann falsch und lassen Dich nochmals anrücken (Fehler könnte ja bei Dir liegen…).

Glaube mir, ich lehne solche Arbeiten sogar bei Freunden mittlerweile ab, da der tatsächliche Aufwand hinterher wesentlich größer ist, als ursprl. geplant.

Übrigens kann man eine Karte oder ein Laufwerk auch dort einbauen lassen, wo man es gekauft hat. Erspart viel Ärger.

In diesem Bereich ist er wirklich fit, denn aus seinem
Bekanntenkreis wird er ständig mit Problemen konfrontiert, die
er auch löst. Auch beruflich (bisher) ist er in diesem Bereich
tätig.

Zwischen privat machen und dafür haften (selbstständig sein) ist ein großer Unterschied. Beruflich fehlt ihm höchstwahrscheinlich das Gefühl für Kosten, da EDV-Abteilungen oftmals unter „ehda“-Kosten laufen und somit eigentlich keine Zeiterfassung gemacht wird. Übrigens rechnet man z.B. für einen EDVler in der Industrie zwischen 50 - 60 € / Std. bei innerbetrieblicher Verrechnung.

Nun meint er, das zu Geld machen zu können und will eine
Ich-AG gründen.

Hat er schonmal eine Kalkulation aufgestellt ?

Nun stehen meine Bedenken dagegen. Mit der Förderung die er
vom Arbeitsamt bekommt, kann er gerade mal die
Sozialversicherungskosten tragen. Viel Geld für die
Überbrückungsphase hat er nicht zur Verfügung. Die Werbung und
alles was dazu gehört kostet natürlich und leben muß er ja
auch noch. Und bis er sich eine Kundenstamm aufbaut, dauert es
auch, davon abgesehen ob seine Art von Dienstleistung
überhaupt gefragt ist.

Er muß meiner Meinung nach mind. 6 Monate ohne Aufträge überbrücken können, da die Vorbereitungen für die Selbstständigkeit (Werbung, Verwaltung usw.) schon jede Menge Zeit brauchen. Anschließend müssen noch Kunden gefunden werden.

Also kurz und gut, ich rate ihm davon ab, aber er ist davon
fest überzeugt.

Lass ihn mal einen Businessplan aufstellen. Im Internet gibt’s dafür jede Menge Vorlagen, bei Bedarf kann ich Dir auch einige davon per mail zusenden.

Was gibt es noch für Gründe die dagegen sprechen, die
plausibel klingen?

Eine vernünftige Ertragsvorausschau mit plausibler Abschätzung Umsatz und Kosten. Das Ganze noch bei einem Existenzgründerzentrum ww. IHK vorlegen und beurteilen lassen.

Evtl. helfen auch die Branchenbriefe der unter http://www.vr-westfalen.de/rl/index.html

Grüsse

Sven

Hallo Roland!

Ich kopiere mal eben einige der Horrorsachen Deines Postings:

… die
bisherigen Notdienst Preise stark unterschreiten.

… für Privatanwender mit PC Problemen

Seine Meinung ist, das es viele PC Anfänger gibt, die noch
nicht mal eine Karte einbauen

Ganz gewiß gibt es diese Leute. Die haben sich ein Zubehörteil im Kaufhaus oder über Ebay billig geschossen, selbst herum gebastelt, kommen nicht zurecht und drücken dann dem Dienstleister das Teil in die Hand. Leider kann der arme Kerl unmöglich erkennen, ob das Teil jemals funktionierte oder zwischenzeitlich kaputt gespielt wurde und die Doku ist futsch (die war doch sowieso in ausländisch, die haben wir gleich weggeschmissen. Aber hier haben wir noch den Kassenbon… ach nee, das ist der Zettel von Aldi). Das Zubehörteil kostete schon fast nichts und die Arbeit darf natürlich auch fast nichts kosten. Man wühlt bei fremden Leuten im Wohnzimmer umher, es gibt keine ordentliche Beleuchtung, alles ist eng und zugestellt und dazwischen wuseln Kind und Hund. „Trinken Sie eine Tasse Kaffee/einen Schnaps“ und jeder Versuch des Servicemenschen, sich zu konzentrieren, scheitert am unentwegten Geschnatter der Dame des Hauses. Jetzt muß nur noch Windows neu installiert werden … ach, wo ist denn die Registriernummer? Der Haushalt wird auf den Kopf gestellt … wissen Sie, wir bewahren ja sowas immer auf … vielleicht doch in der Küchenschublade?.. im Moment finde ich die Verpackung nicht, aber unser Nachbar sagt, das ist alles nur Geldschneiderei, er nimmt nur Kopien von Freunden…

Der arme Mensch wird seine Zeit nie und nimmer auch nur halbwegs angemessen in Rechnung stellen können. Außerdem hat er es vornehmlich mit Leuten der Geiz-ist-geil-Mentalität zu tun. Andere kaufen sich ihre Sachen beim Fachhändler und der löst auch die auftretenden Probleme.

Man kann durchaus mit PC-Service Geld verdienen. Aber dann darf man sich nicht an die denkbar miserabelste Kundengruppe wenden und dort auch noch als billiger Jakob auftreten wollen.

Vergiß es! Das Konzept taugt nichts.

Gruß
Wolfgang
(Vor seeeehr langer Zeit selbst Servicemann gewesen)

Hallo Sven,

danke für deine Ausführungen.
Da sind Aspekte bei, die bei dem Gespräch noch garnicht erläutert wurden. Ich hoffe, damit lässt er sich überzeugen.
Danke auch für den Link.

Gruß
roland

Hallo Wolfgang,

danke auch dir für deine, wenn es nicht so traurig wäre für den betreffenden, humorvolle Interpretation dieser idee.
Ich bin geneigt, ihn diese Erfahrungen machen zu lassen, wenn es für ihn nicht seine Existenz bedeuten würde.

Ich werde mir erlauben, eure Postings auszudrucken und ihm unter die Nase halten.

Danke und Gruß
roland

Hallo Roland,

wie kommt man an Kunden, wie überzeugt man sie? Das sollte die Kernfrage sein. Ich setze mal Kompetenz und Leistungswillen beim Unternehmer voraus.

Das Schwierigste ist, eine Marktlücke zu finden. Gibt es die nicht, also zum Beispiel man macht sich in einem „gesättigten“ Marktsegment selbstständig, so geht der Kampf los. Entweder man überzeugt durch Qualität in jeder Richtung und die Kunden von dem dazugehörigen (vielleicht höheren) Preis. Oder man greift die Branche mit einem Preisbrecher an, jedoch hier braucht man Durchhaltevermögen und Kapital, auf das man zur Not auch verzichten kann. Um eine gewisse Qualität kommt man trotzdem nicht drumrum.

Ist eine Marktlücke vorhanden, werden sehr bald auch andere Unternehmer diese nutzen. Hier heißt es abgrenzen. Sonst geht man unter. Auch sollte man sich nicht verrückt machen lassen. Eben seiner (angepassten) Linie treu bleiben. Natürlich kann man das nicht verallgemeinern.

Kunden kommen nicht von allein (mal abgesehen von denen, die wirklich nur das Billigste suchen und nichts weiter verlangen). Nun fängt es an zu kosten, bei null Umsatz. Werbung nennt man das. Kostet richtig Geld im Verhältnis gesehen. Warum können sich größere Firmen (-ketten) viel Werbung leisten? Weil sie megamäßig Kapital haben! Und natürlich rennen denen die Zulieferfirmen die Bude ein, um massig ihr Zeug verscherbeln zu können. Natürlich wollen auch die Geld verdienen, womit wir wieder am Anfang sind.

Hat man keine Kundschaft, so muß man sie suchen. Ist schlimmer als einen Arbeitsplatz finden, nicht aber schwerer. Überzeugung ist das Zauberwort. Ist der Kunde überzeugt, so empfielt er das Geschäft weiter, billigste und beste Werbung! Wenn ein gewisser Kundenstamm da ist, so kann man sich auf diesen Umsatz stützen und Geld für Werbung ausgeben, nicht eher. Aber die Werbung bitte genau nachkalkulieren. Hat sich die Sache gelohnt? Habe ich genügend Kunden bekommen, wie wirkt sich das auf meinen Umsatz aus? Es bringt nichts, wenn die Werbeaktion nur Kunden verschafft, die eben nur wegen der Aktion kommen und dann nie wieder gesehen werden.

Die andere Seite sind Lieferanten. Von denen ist man abhängig, zumindest als „kleiner“ Betrieb. Also sollten diese Lieferanten zuverlässig sein und auch gute Konditionen bieten (also nicht unbedingt superbillig, sondern auch vielleicht Rückgaberechte, Staffelkonditionen, lange Zahlungsziele, um nur einige Sachen zu nennen).

Genug Ansatzpunkte?

Gruß
André

Hallo,
also generell eine Ich-AG zu Gründen ist gar nicht so verkehrt,
aber bitte nicht mit dieser Idee!
Die funktioniert nicht,und es macht schon seinen Sinn warum evtl. Mitbewerber wesentlich teurer sind.

mfg
Peter

Hallo André,

Genug Ansatzpunkte?

ich hoffe es. Ich werde alle Antworten ausdrucken und ihm vorlegen.
Wenn er es dann immer noch versuchen will, wünsche ich ihm viel Glück dabei, denn das kann er gut gebrauchen.

Danke und Gruß
roland