Hallo,
eine Professorin wies mal darauf hin, dass sie E-Mails, die mit dem Wort „Ich“ beginnen, ungelesen löscht, weil das mindestens so ungehörig wäre wie die E-Mail ohne Grüße zu beenden oder mit „Hi“ zu beginnen.
Ich dachte mir dann, dass das eine allgemein anerkannte Regel wäre und gab mir alle Mühe, in meiner Korrespondenz andere Anfänge zu verwenden, aber mir fällt immer wieder auf, dass alle möglichen Briefe etc. mit „Ich“ anfangen, ohne, dass es jemanden stören würde.
Neulich habe ich eine Bewerbung Korrektur gelesen, deren Anschreiben mit „Ich“ begann - und die Person wurde immerhin eingestellt.
So schlimm kann das dann doch nicht sein? Oder gibt es diese Regel wirklich und nur die ganz Gebildeten kennen sie?
Oder ist das doch nur eine Marotte der Professorin?
Manchmal finde ich es genz schön schwer, Briefe ohne „ich“ zu beginnen, etwa bei Kündigungen, weil mir der Ausdruck „hiermit“ am Anfang noch viel weniger gefällt.
Wie wichtig ist das denn nun, den ersten Satz gewaltsam so umzustellen, dass er ja nicht mit „Ich“ (oder "mir…) anfängt?
Kurz gefragt, kennen hier auch alle diese Regel und halten sich daran?
Grüße
Sonja
ich kenne diese „regel“ und bemühe mich durchaus, sie im gegebenen fall anzuwenden (wie man sieht, hier nicht). ich habe gerade heute eine email geschrieben, die nicht mal wahnsinnig offiziell war, bei deren korrektur ich dann aber doch den ersten satz auch umgestellt habe, weil er mit „ich“ begann.
meiner meinung nach ist das einfach nur ein zeichen dessen, daß man fähig und gewillt ist, sich auf einem halbwegs gehobenem niveau auszudrücken. wenn jemand, wie deine professorin, die sache so eng sieht, ist es eh besser, wenn sie die mails ungelesen löscht, denn sie könnte diese auch lesen und den verfasser dann womöglich vorsätzlich unfair behandeln.
Hallo
Ja, früher war das eine Regel.
Heute fällt es mir kaum auf und ich kann ich
mich nicht mehr daran stören.
Viel auffälliger ist es doch heute, wenn jemand
krampfhaft den Beginn mit «Ich» vermeidet und
dafür so merkwüdige Sätze schreibt wie
«Sende dir hier das versprochene …»
«War gestern im Strandbad und habe …»
«Komme morgen gegen 16 Uhr …»!
Also WENN man der alten Regel folgen will, dann
bitte mit mehr sprachlicher Eleganz!
Und die Haltung deiner Professorin würde ich
tatsächlich als Marotte einstufen, als eine
ziemlich hysterische und unangemessen
selbstherrliche sogar.
Was macht sie, wenn ihr Vorgesetzter eine «Ich-
Mail» sendet??? Eben!
Rolf
Hallo.
Ich halte das für eine leere Drohung, denn erstens ist der Mensch von Natur aus neugierig und zweitens muss ihr, will sie sich am gleichen Maßstab der Höflichkeit messen, klar sein, dass ein ungelesenes Löschen einer E-mail wegen eines (subjektiv empfundenen) unhöflichen Ausdrucks nicht nur unhöflich, sondern in hohem Maße unverschämt ist.
Diese Regel gibt es in der Tat, sie ist aber im Begriff aus der Mode zu geraten. Und gerade mit diesem Wissen sollte man als Professorin - und hier darf man nicht nur aufgrund des Alters geistige Reife erwarten - auf diese affektierten Kinkerlitzchen verzichten.
Just my 2 cents, aber soetwas regt mich wahnsinnig auf.
mfG Dirk
eine Professorin wies mal darauf hin, dass sie E-Mails, die
mit dem Wort „Ich“ beginnen, ungelesen löscht, weil das
mindestens so ungehörig wäre wie die E-Mail ohne Grüße zu
beenden oder mit „Hi“ zu beginnen.
Die Professorin wird weiterlesen, wenn der Anfang laut: Hallo, ich habe hier 500 Euro für Sie.
Schreibst Du gern den ‚Ich‘-Stil?
Hallo Rolf,
«Sende dir hier das versprochene …»
Sicher hast Du auf…schon lange gerwartet
«War gestern im Strandbad und habe …»
Was glaubst Du, was ich gestern im Strandbad
erlebt habe?
«Komme morgen gegen 16 Uhr …»!
Ist es Dir morgen gegen 16 Uhr recht?
Was macht sie, wenn ihr Vorgesetzter eine «Ich-
Mail» sendet???
„Sie werden eingeladen“ - auch so ein Briefanfang
kann ganz schön „vorgesetzt“ sein.
Naja, den „Sie-Stil“ haben wir in der Werbung in
den 70ern eingeführt - und mit unserer
Pensionierung wird er wieder verschwinden…
Liebe Grüße dem „Namensvetter“
und Branchenkollegen in der Schweiz 
J.
Oder der Spamfilter filtert’s automatisch raus. 
Ich hatte neulich den Verdacht, eines Professoren Spamfilter habe meine Mail an ihn gelöscht… ich schrieb ihm (auf Englisch und vielleicht etwas überhöflich) unter anderem sowas wie „My name is André Müller and I am a student of linguistics at the University of Leipzig. I am writing to you, because…“ — klang für mich irgendwie sehr nigerianisch. Hab ihm aber dann doch keine US$ 47,000,000 (forty-seven million United states dollar) überwiesen. 
Gruß,
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wenn du mit sehr geehrte prof. dr. xxxx anfaengst, relativiert sich das „ich“ schon wieder.
mfg:smile:
rene
Hi!
Mir brachte meine Mutter mal bei: „Der Esel nennt sich selbst zuerst.“
Ich würde sagen, konservative oder zumindest etwas veraltete Formen des Umgangs sind zwar heute nicht mehr so unbedingt verbreitet oder erforderlich, aber geradezu schaden tun sie ja auch net !
Grüße
Peter