Gestern saßen wir in unserer Stammkneipe und wollten, wie jeden Dienstag, DoKo spielen.
Der Zuverlässigste war auch um 20:20 Uhr nicht da, obwohl wir immer um acht anfangen.
Wir haben ihn angerufen und der AB war nicht an und er nicht da. Da er in einem Doppelhaus mit seiner Mutter bewohnt, riefen wir sie an.
Sie sagte nur, dass es ihn nicht mehr gibt, weinte und legte auf.
Hofheim (nmeine Heimatstadt) ist ein Dorf und Neuigkeiten verbreiten sich schnell.
Während wir auf ihn warteten hat er sich erhängt.
Jetzt sitze ich hier und besaufe mich und weiß nicht, warum ich das schreibe. Wahrscheinlich weil ich heutev allein bin und niemanden zum reden habe.
Du bist nicht allein. Viele denken an Dich und Deinen Freund und sind genauso erschüttert wie Du.
Mir war in einer ähnlichen Situation eine Hilfe, recht bald den Freund noch einmal zu besuchen und in der Leichenhalle persönlich Abschied zu nehmen, ihm alles zu sagen, was mir durch den Kopf und das Herz ging (warum hast du denn nicht…)
Du bist sicher nicht der einzige, der heute aus irgendwelchen Gründen allein zu Hause sitzt und trinkt. Der eine ist nur mit sich selbst unzufrieden, der andere wartet, daß seine Frau von ihrem Liebhaber zurückkommt, ein dritter hat seinen Job verloren. Du hast einen Freund verloren, das ist schlimm, und Trauer ist okay. Es ist auch okay, daß Du Dich heute betrinkst. Du kommst nicht drumrum, an ihn zu denken, und das ist schmerzvoll. Gib Dich dem hin, schau Dich an in Deiner Trauer, schau ihn an in Deinen Erinnerungen. Und: Du bist nicht allein. So ein Forum wie dieses hier kann nicht viel, aber hier treffen Menschen aufeinander, und indem Du das geschrieben hast, hast Du bewirkt, daß Du nicht mehr ganz so allein bist, weil andere Menschen an Dich denken und auch an ihn, unabhängig davon ob sie Dich oder ihn kennen oder kannten.
vielen Dank erstmal.
Ich denke es ist nicht gut in so einer Situation alleine zu
sein. Nach dem 5. Bier fing ich an ihn zu beneiden…
Falsch, ganz falsch, die Sache mit dem beneiden. Vielleicht hast Du mitbekommen, daß sich vor kurzem auch ein Schulfreund von mir das Leben genommen hat, deswegen konnt ich Dich gestern abend so gut verstehen.
Mittlerweile sehe ich die Sache „nüchterner“, auch wenn ich nicht drüber wegkomme und immer noch furchtbar wütend auf ihn bin. Sie haben sich selbst so viel weggenommen, daß man eigentlich nur wütend sein kann und traurig natürlich. Traurig vor allem deshalb, weil auch uns ein Stück genommen wurde. Menschen von denen wir denken, sie vertrauen uns, haben ein ganz eigenes Leben geführt, wo von wir gar nichts wußten.
Aber auch das (wenn auch bei Dir zu früh) ist eine Erkenntnis:
ich liebe das Leben doppelt und werde noch aufmerksamer gegenüber meinen Mitmenschen sein, jedenfalls hoffe ich dies.
Halt die Ohren steif und vergiss ihn nie und nie die Umstände,
es kann anderen helfen, es kann Dir selbst helfen.