Ich habe mich gerade gefragt, was das „mir“ in dem Satz „Ich bin mir sicher, dass …“ soll. Was mich zweifeln ließ: Der Satz „Ich bin sicher, dass …“ hat meiner Ansicht nach genau die gleiche Bedeutung. Außerdem frage ich mich: „Wem sollte ich den sonst sicher sein, außer mir?“
Bin mal gespannt. Ich bin *mir* sicher, dass jemand was Schlaues dazu herausfindet.
Michael
P.S.: Ich würde mal nicht ausschließen, dass die Weglassung von „mir“ eine falsche aber inzwischen eingebürgerte Übersetzung von „I’m sure that …“ ist. (wobei ich mir da auch nicht sicher bin). Das erklärt aber immer noch nicht die Bedeutung von „mir“.
Ich habe mich gerade gefragt, was das „mir“ in dem Satz „Ich bin mir sicher, dass …“ soll.
„mir“ ist hier ein Reflexivpronomen im Dativ. Es drückt aus, dass das „sicher sein“ für meine Person, nur für meine Person gilt. Das persönliche Beteiligtsein an der Aussage wird betont. Es ist eine Einschränkung auf meine Ansicht.
Das ist ähnlich wie:
Ich kaufe ein neues Auto.
Das könnte auch ein Wagen für meine Firma, für meine Frau, für meine Kinder sein.
Ich kaufe mir ein neues Auto.
Ich kaufe es nur für meine Belange.
Viele Verben können so „persönlicher“ gemacht werden.
wünschen - sich wünschen,
fragen - sich fragen,
denken - sich denken.
Der Satz „Ich bin sicher, dass …“ hat meiner Ansicht nach genau die gleiche Bedeutung.
Nicht ganz; diese Aussage drückt einen höheren Grad der Sicherheit aus als der mit dem „mir“.
Viele Verben können so „persönlicher“ gemacht werden.
wünschen - sich wünschen,
fragen - sich fragen,
denken - sich denken.
Diese Beispiele unterscheiden sich schon: Ich kann auch jemand anderem etwas wünschen, ich kann jemand anderen fragen. Aber: Ich kann nur „mir“ etwas denken.
Aber vielleicht muss es ja auch nicht logisch sein. Es gibt anscheinend Verben, die das Reflexivpronomen mögen:
Ich wundere mich …
Ich begebe mich …
Es ereignet sich …
Gruß, Michael
Der Satz „Ich bin sicher, dass …“ hat meiner Ansicht nach genau die gleiche Bedeutung.
Nicht ganz; diese Aussage drückt einen höheren Grad der
Sicherheit aus als der mit dem „mir“.
Diese Beispiele unterscheiden sich schon: Ich kann auch jemand anderem etwas wünschen, ich kann jemand anderen fragen. Aber: Ich kann nur „mir“ etwas denken.
Nun ja, Michael,
das mit den Reflexivpronomen und den reflexiven Verben ist nicht so einfach, wie ich es hier darstellte.
Aber vielleicht muss es ja auch nicht logisch sein.
Sprache ist nicht just das logischste, was wir haben. Aber es gibt auch bei den Reflexiva schon klare Regeln und klare Ausnahmen von den Regeln und Sonderregeln für die Ausnahmen von den Ausnahmen.
Es gibt anscheinend Verben, die das Reflexivpronomen mögen:
ich bin mir sicher = meiner nicht ganz unbegründeten Meinung
nach
ich bin sicher = so ist es, und zwar 1000-fach bewiesen
Hi Pit!
nach meinem sprachempfinden kann man das „ich bin sicher“ aber steigern durch:
„Es ist sicher…“
oder noch besser:
„Es ist so!“
Hier in der Gegend (keine Ahnung, ob das lokal begrenzt ist) schwirrt der Satz:
„Ich geh mir etwas trinken“ häufiger rum.
Auch hier stört mich das „mir“ - wem soll man sonst etwas trinken??
Vor einigen Jahren war genau diese (deine) Frage meine erste Anfrage
im Deutschbrett.
Für mich war eigentlich klar, dass dieses «mir» überflüsssig ist.
Aber weil man ja kaum mehr etwas anderes hört und liest als «ich bin
MIR sicher …», wurde ich irgendwann unsicher …
Die damaligen Antworten haben meine Ansicht voll bestätigt und bloss
schulterzuckend eingeräumt, dass sich der Sprachgebrauch halt ändert.
Heute hat sich der Experte Fritz offensichtlich schon soweit darein
geschickt, dass er einen graduellen Bedeutungsunterschied zwischen
«bin sicher» und «bin mir sicher» ausmacht.
Vielleicht bin ich etwas stur, aber ich bin sicher, dass ich mich an
dieses gedankenlose «mir» nie gewöhnen werde.
Hallo, Rolf,
dann hat man Dich damals falsch - oder zumindest unklar - beschieden.
Der Unterschied zwischen „ich bin sicher“ (ich bin unumschränkt sicher) und „ich bin mir sicher“ (ich, auf meine Person beschränkt, bin sicher" wurde ja erkärt.
Spassig fand ich, dass Du in Deiner Antwort eine ähnliche Konstruktion wählst:
Für mich war eigentlich klar, dass …
Hier wird durch das „für mich“ ja auch klargestellt, dass diese Klarheit zwar für Dich bestand, aber nicht unbedingt Allgemeingültigkeit besitzen muss.
Der Satz „Ich bin sicher, dass …“ hat meiner Ansicht nach genau die gleiche Bedeutung.
Nicht ganz; diese Aussage drückt einen höheren Grad der
Sicherheit aus als der mit dem „mir“.
Also quasi nach folender Reihenfolge?
ich bin nicht sicher.
ich bin nicht 100%ig sicher.
ich bin nicht ganz sicher.
ich bin mir nicht sicher.
ich bin mir nicht 100%ig sicher.
ich bin mir nicht ganz sicher.
es könnte eventuell sein.
es könnte sein.
es kann sein.
es müsste so sein.
es muss so sein.
ich bin mir fast sicher.
ich bin mir fast ganz sicher.
ich bin mir 100%ig sicher.
ich bin fast sicher.
ich bin fast ganz sicher.
ich bin mir sicher.
ich bin mir ganz sicher.
ich bin mir 100%ig sicher.
ich bin sicher.
ich bin ganz sicher.
ich bin 100%ig sicher.
Da muss man ja froh sein, dass „sicher“ nicht auch noch steigerbar ist.
Der Unterschied zwischen „ich bin sicher“ (ich bin
unumschränkt sicher) und „ich bin mir sicher“ (ich,
auf meine Person beschränkt, bin sicher" wurde ja
erkärt.
Ja, und mir gefällt es sogar, solch eine
Differenzierung zur Verfügung zu haben!
Was mich stört: dass weitherum nur noch die eine
Variante mit «mir» benützt wird – völlig gedankenlos
und fern jeden bewussten Umgangs mit den beiden
Möglichkeiten.
Ich korrigiere daher den Titel meines ersten Postings:
«mir» ist OFT überflüssig!