Ich bin sprachlos

Kommt ja in politischen Diskussionen selten vor…

Hamburg (dpa) - Die aus der Schweiz übersandten Akten zur Leuna- Affäre belegen die Existenz von Schweizer Konten von 29 führenden Unions-Politikern. Das berichtet die Zeitung „Die Woche“. Demnach enthalten die Akten Material über einen amtierenden und zwei ehemalige Ministerpräsidenten sowie acht frühere Bundesminister. Auch fünf Ex-Staatssekretäre und ein früheres Mitglied des Parteispenden- Untersuchungsausschusses finden sich auf der Liste, so das Blatt unter Berufung auf einen Vermerk der Genfer Kantonspolizei.

Wenn das kein internes Vermerk war, wer war in der CDU-Spitze und hat Schweizer Konten (was ja kein Verbrechen ist) sondern mit Hinweisen auf Parteischwarzkonten, dann ist das wohl der größte Skandal in der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Hallo Ralf,
jetzt wäre noch ganz interessant, wer die Namen sind. Aber in diesem Forum melden sich bestimmt gleich welche, dass die Namen nicht veröffentlicht werden sollten. Ich denke da auch an Stasi und Helmut Kohl.

Gruß Mic

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Moin Ralf

die meisten anderen offensichtlich auch *g*
Ich finde das übrigens höchst interessant. Anscheinend diskutieren die Leute lieber irgendwelche relativ irrelevanten Pillepallethemen.

Ich hab deine Liste von unten mal raufgeholt um zu testen, ob sich anhand derer auch prognostizieren läßt, ob die Leute sich über was aufregen oder nicht. Hier das Ergebnis:

a) persönliche Sympathie: Sind uns Politiker sympatisch ? Eigentlich nicht, ABER: Zumindest die Unionswähler haben diese Leute ja gewählt. Da kann es dann schon an die Nieren gehen, wenn die sehen, WEN sie da gewählt haben. Und die Nicht-Unionswähler ? Die haben vielleicht Angst, zuviel Staub aufzuwirbeln, weil vielleicht findet sich ja auch, dass ein Vertreter „ihrer“ Partei in ähnliche Machenschaften verwickelt ist. Also lieber alles schön unter dem Teppich halten.

b) die Komplexität einer Sache.

Stimmt. Diese Geldschiebereien sind nicht leicht zu durchschauen. Hätten man einen Politiker betrunken am Steuer oder im Bordell erwischt, wär der Aufruhr sicher größer.

c) die Langfristigkeit und persönliche Identifizierbarkeit

hm…ich glaube, die meisten Leute begreifen gar nicht, was diese Geldschiebereien mit Ihnen zu tun haben. Wenn die Anschuldigungen sich als richtig erweisen würden, müsste man sich ernsthaft fragen, in was für einem Staat wir eigentlich leben. Dann heißt es nicht mehr „Bimbes“- sondern „Bananenrepublik Deutschland“.

d) die Intensität der Medienberichterstattung spielt natürlich eine Rolle. Auch ob sich Prominente dort engagieren oder nicht.

hm…müsste man mal Abwarten. Bislang ist die Presse ja noch sehr zurückhaltend. Vielleicht ändert sich das, falls tatsächlich Strafverfahren eingeleitet werden.

e) die Einfachheit der Alternativen.

oh ja, ein wichtiger Punkt. Ereignisse wie diese sind staatserschüttern. Also lieber Kopf in den Sand und hoffen, dass es schnell vorbei geht, weil sonst müsste man ja tatsächlich etwas grundlegendes (und nicht nur das Wahlverhalten) ändern. Auch auf das Verhalten der deutschen Justiz bin ich diesem Zusammenhang mal gespannt.

f) wenn es einen klar auszumachenden Schuldigen ist, der nicht ich selbst ist.

dieser Punkt dürfte sich ändern, falls wie gesagt tatsächlich Strafverfahren eingeleitet werden.

Also im Großen und Ganzen wundert es mich nicht, dass sich darüber kaum einer aufregt.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Meinung der Schweizer über die Deutsch Justiz *hüstel*

Schönen Gruss nach Münster, hab da auch mal gewohnt :smile:
Marion

Hi ralf
ich bins ja eigentlich auch…

Kommt ja in politischen Diskussionen selten vor…

Hamburg (dpa) - Die aus der Schweiz übersandten Akten zur
Leuna- Affäre belegen die Existenz von Schweizer Konten von 29
führenden Unions-Politikern. Das berichtet die Zeitung „Die
Woche“.

Die Frage ist nun, was für ein Geld liegt auf den Konten.

  1. legales Geld (dann isses Wurscht)
  2. privates Schwarzgeld (dann isses eigentlich auch Wurscht, ausser das es a. peinlich und b. ein Fall für die Steuerfahndung ist)
  3. Bestechungsgelder OOOOPS Mittel zur politischen Landschaftspflege. (Dann wird das noch sehr lustig…)
  4. Versteckte Parteimittel… Sozusagen die Private Kriegskasse der entsprechenden Politiker, gespeist aus öffentlichen und Parteiinternen Quellen… (Das wird dann auch sehr lustig.)

Nun, jetzt dürfen die Finanzfachleute aussortieren, welches Konto was ist…
Vorher enthalte ich mich jedes weiteren Kommentars…

Aber es sieht nach einer ziemlich trüben Brühe aus, die uns da vorgesetzt wird…

Gruß
Mike

Hallö Mike,

mal eine Frage, die direkt mit diesem Leuna-Geschmiere zu tun hat: Ist sich überhaupt jemand bewusst, dass durch die Übernahme der Leuna-Werke durch ELF einige hundert Arbeitsplätze gesichert bzw. neu eingerichtet wurden? Darüber wird nie ein Wort verloren. Mag sein, dass sich der eine oder andere Politiker mit Schmiergeldern hat seifen lassen. Aber im Endeffekt trifft dem Volke keinerlei Nachteil, im Gegenteil. Warum dann solch Drama? Die Leute, die daran profitiert haben, werden (hoffentlich) ihrer gerechten Strafe zugeführt, aber dennoch: welche Nachteile hat dies für die arbeitende Bevölkerung? Keine.

Im Grunde genommen könnte man auch sagen, einige Politiker haben mittels unlauterer Mittel Arbeitsplätze gesichert bzw. geschaffen. Aber mal ehrlich, läufts im heutigen Europa anders?

Fragt Reiko

Die Entwicklung ist auch wieder anders:

-----------ZITAT BEGIN------------------------
Berlin (dpa) - Der Schweizer Generalstaatsanwalt Bernard Bertossa hat Berichten über eine mögliche Verwicklung weiterer deutscher Persönlichkeiten in die Leuna-Affäre in Teilen widersprochen. Deutsche seien mit Ausnahme des Geschäftsmannes Dieter Holzer und des ehemaligen Staatssekretärs Holger Pfahls nicht Gegenstand von Ermittlungen seiner Behörde. Das sagte Bertossa in einem Zeitungsinterview. Auch habe er keine Erkenntnisse über angebliche Schweizer Konten zahlreicher Unionspolitiker.
-----------ZITAT ENDE-------------------------------

Was will uns das sagen…

Die Entwicklung ist auch wieder anders:

-----------ZITAT BEGIN------------------------
Berlin (dpa) - Der Schweizer Generalstaatsanwalt Bernard
Bertossa hat Berichten über eine mögliche Verwicklung weiterer
deutscher Persönlichkeiten in die Leuna-Affäre in Teilen
widersprochen.

welchen Berichten und welchen Teilen ?
und was heißt eine "mögliche Verwicklung weiterer deutscher Persönlichkeiten anderes, als des es welche gibt ?

Deutsche seien mit Ausnahme des Geschäftsmannes

Dieter Holzer und des ehemaligen Staatssekretärs Holger Pfahls
nicht Gegenstand von Ermittlungen seiner Behörde.

Soweit ich weiß, haben die Schweizer sämtliche Ermittlungskompetenz in der Leuna Affäre an die deutschen Strafverfolgungsbehörden übertragen, sofern es Bürger der Bundesrepublick Deutschland betrifft. Das heißt, dass jetzt die Deutschen dran sind mit Ermitteln, aber nicht, dass es nichts zu ermitteln gäbe.
In diesem Zusammenhang ein Zitat von Bertossa in einem Interview:
"Wir haben keine Möglichkeit, deutsche Staatsangehörige, die nicht in der Schweiz leben, bei uns zu verurteilen. Wir beharren aber darauf, dass alle Verdächtigen gleich behandelt werden. Es kann nicht sein, dass bei einem internationalen Fall nur die Schweizer Mittelsmänner verurteilt werden, und alle anderen dürfen sich in Sicherheit wiegen..

Bertossa in einem Zeitungsinterview. Auch habe er keine
Erkenntnisse über angebliche Schweizer Konten zahlreicher
Unionspolitiker.

Soweit ich weiss, stand das auch nie zur Debatte. Schließlich ist es nicht illegal, ein Konto in der Schweiz zu haben *g*.

Gruss
Marion

Ist sich überhaupt jemand bewusst, dass durch die
Übernahme der Leuna-Werke durch ELF einige hundert
Arbeitsplätze gesichert bzw. neu eingerichtet wurden? Darüber
wird nie ein Wort verloren.

Weil es ja auch so nicht richtig ist. Sicher hat Leuna Arbeitsplätze geschaffen. ABER: Elf ging es ja nicht nur um Leuna sondern im Paket waren die Minol-Tankstellen, eins der wenigen Filetstücke der DDR. Dieses Paket ist verscherbelt worden.

Mein damaliger Chef, Energieökonom und Prof an der Uni Oldenburg hat sich zum Zeitpunkt des Verkaufs schon gewundert (als noch niemand auch nur an Bestechung gedacht hat) wie es Elf geschafft hat dieses Paket so billig zu bekommen. Das war ihm ein Rätsel. Er hielt es damals für einen extrem groben Fehler der Treuhand.

Heute kann man es erklären. Ob die Erklärungen stimmen, darüber kann man streiten.

Hab heute DIE WOCHE gelesen. Die schreiben selbst, dass es sich bei den 29 CDU-Politikern nicht - jedenfalls nicht zwingend, bei vielen eher zwingend nicht - um Beteiligte in der Parteispendenaffäre handelt. Es sind Leute, die prominent in der Union sind/waren und ein Konto in der Schweiz haben/hatten.

Also, kein Problem.

Natürlich könnte es sich um Steuerhinterziehung handeln. Liegt bei Schweizer Konten nahe der Verdacht. Ein Beweis ist das natürlich absolut nicht.

Da es sich bei einem um ein AMTIERENDEN Union Ministerpräsident handelt, KÖNNTE da noch ein Skandal entstehen.

Aber so dramatisch wie ich es vor einigen Tagen gesehen habe, SCHEINT es doch nicht zu sein. Auch das kann sich natürlich wieder ändern.

Moin,

Weil es ja auch so nicht richtig ist. Sicher hat Leuna
Arbeitsplätze geschaffen. ABER: Elf ging es ja nicht nur um
Leuna sondern im Paket waren die Minol-Tankstellen, eins der
wenigen Filetstücke der DDR. Dieses Paket ist verscherbelt
worden.

Aha. Hab ich nicht bedacht. Geht es aber nur um die „Verscherbelung“, also eventuell darum, dass hier viel Geld verschleudert wurde und der Staat keinen Gewinn machen konnte, oder um was geht es hier? Wo ist das Problem bei der ganzen Sacheß Da steig ich einfach nicht hinter…

CIAo
Reiko

Aha. Hab ich nicht bedacht. Geht es aber nur um die
„Verscherbelung“, also eventuell darum, dass hier viel Geld
verschleudert wurde und der Staat keinen Gewinn machen konnte,
oder um was geht es hier? Wo ist das Problem bei der ganzen
Sacheß Da steig ich einfach nicht hinter…

Ja, im Prinzip geht es nur um Verscherbelung. Die Treuhand hat Leuna/Minol viel zu billig an Elf abgegeben. Das ist peinlich, aber noch kein Skandal. Zu einem Skandal wird es erst, wenn der Grund in diesem billigen Verkauf nicht in einem Managementfehler der Treuhand sondern in aufgrund von Schwarzkonten bestehenden politischen Interessen liegt.

Letzteres ist nicht bewiesen, aber dass das deutsche Volk (wenn man so pathetisch schreiben will) durch diesen Verkauf (aufgrund geringer Einnahmen) Schaden erlitten hat, ist unbestritten. Strittig ist wie gesagt, ob der Grund im schlechten Treuhandmanagement oder in der CDU zu suchen ist.

Thanks…

unbestritten. Strittig ist wie gesagt, ob der Grund im
schlechten Treuhandmanagement oder in der CDU zu suchen ist…

…ich denke mal, bei beiden…

So, nu bin ich endgültig weg, ab in den Süden

Reiko

Generelles Problem unserer Medien
Hi!

Da kommt der Teil einer Nachricht (mehr weiß man zu diesem Zeitpunkt noch nicht), und dieser Teil wird aufgebauscht veröffentlicht. Ich gebe zu - auch ich habe kopfschüttelnd vor meine Fernseher gesessen (Videotext gelesen).

Wären unsere Medien generell etwas seriöser, würden sie nachfragen, bevor etwas veröffentlicht wird! Da es aber garantiert andere geben würde, die das nicht machen, hätten sie die Chance auf Aktualität verloren…

Grüße
Guido

moin ihr beiden

Da kommt der Teil einer Nachricht (mehr weiß man zu diesem
Zeitpunkt noch nicht), und dieser Teil wird aufgebauscht
veröffentlicht. Ich gebe zu - auch ich habe kopfschüttelnd vor
meine Fernseher gesessen (Videotext gelesen).

aber DAS glaubt ihr jetzt so ohne weiteres ? Wie niedlich :smile: Oder WOLLT ihr das glauben ? Wo ist eure sonstige Kritikfähigkeit geblieben ?

Findet ihr es gar nicht bedenkenswert, dass damals die alten Elf-Aquitaine-Akten aus dem Bundeskanzleramt verschwunden sind ? Hat da vielleicht zufällig jemand sein Stulle drin eingewickelt ?

Ich habe mehrer direkte Interviews mit Bertossa gelesen und kann nur sagen, was der Mann von sich gibt klingt etwas anders als das, was die Nachrichten daraus machen und Bertossa wird jawohl wissen, was in den Akten steht (und WIR werden es vermutlich nie erfahren).

Wenn ich schon das Wort Partei"Spende" höre geht mit der Hut hoch. Das klingt so nach was Nettem, Wohltätigem. Darum gehts doch gar nicht.

Hier gehts um Verdacht auf Bestechung und Korruption.

Wären unsere Medien generell etwas seriöser, würden sie
nachfragen, bevor etwas veröffentlicht wird! Da es aber
garantiert andere geben würde, die das nicht machen, hätten
sie die Chance auf Aktualität verloren…

Wenn du wirklich wissen willst, was los ist in der Welt, dann versuch immer möglichst nahe an die Quelle einer Information heranzukommen. Sprich: Wenn dpa veröffentlicht, dass jemand in einem Interview bla gesagt hat, versuch an das Interview heranzukommen und schau nach, was er wirklich gesagt hat.

Ich hab aber manchmal das Gefühl, die Leichen der Aera Kohl sind einfach zuviel fürs Gemüt, da schaut man dann lieber nicht so genau hin.

Wer erinnert sich heute noch an den Fall Flick…

Gruss
Marion

Stop! Ich habe nur die Medien und mich kritisiert!
Hi Marion!

aber DAS glaubt ihr jetzt so ohne weiteres ? Wie niedlich :smile:
Oder WOLLT ihr das glauben ? Wo ist eure sonstige
Kritikfähigkeit geblieben ?

Das habe ich doch nie behauptet! Um mir ein Bild machen zu können, muss ich mehr wissen! Mir ist wieder einmal klar geworden, dass die eine Teilmeldung eine andere in ein ganz anderes Licht rücken kann!

Noch gilt doch: Jeder ist unschuldig, solange seine Schuld nicht bewiesen ist!

und nicht

Jeder ist unschuldig, solange er kein Konto in der Schweiz hat :wink:

Findet ihr es gar nicht bedenkenswert, dass damals die alten
Elf-Aquitaine-Akten aus dem Bundeskanzleramt verschwunden sind
? Hat da vielleicht zufällig jemand sein Stulle drin
eingewickelt ?

Natürlich ist das bedenkenswert! Aber auch das heißt nicht, dass alle 29 Politiker Dreck am Stecken haben (auch, wenn ich es nciht ausschließen will).

Ich habe mehrer direkte Interviews mit Bertossa gelesen und
kann nur sagen, was der Mann von sich gibt klingt etwas anders
als das, was die Nachrichten daraus machen und Bertossa wird
jawohl wissen, was in den Akten steht (und WIR werden es
vermutlich nie erfahren).

Nun ja - da wäre es gefragt, genau dieses aus ihm herauszukitzeln!

Wenn ich schon das Wort Partei"Spende" höre geht mit der Hut
hoch. Das klingt so nach was Nettem, Wohltätigem. Darum gehts
doch gar nicht.

Mich wundert, dass Parteispende nicht das Wort des Jahres 2000 war :wink:

Wenn du wirklich wissen willst, was los ist in der Welt, dann
versuch immer möglichst nahe an die Quelle einer Information
heranzukommen. Sprich: Wenn dpa veröffentlicht, dass jemand in
einem Interview bla gesagt hat, versuch an das Interview
heranzukommen und schau nach, was er wirklich gesagt hat.

Volle Zustimmung! Nur eigentlich sollte man genau das von seriöser Presse serviert bekommen!

Wer erinnert sich heute noch an den Fall Flick…

Da hast Du Recht! Aber so wage ist da noch was in meinem Langzeitgedächtnis vorhanden…

Liebe Grüße
Guido