Hallo Leute,
ich habe mich vor einigen Tagen gefragt, weshalb man z.B. sagt:
„Ich fahre diesen Sommer in die Schweiz / in die Türkei.“
aber
„Ich fahre diesen Sommer nach Österreich / nach Ungarn.“
Hat jmd. ne Idee??
Ich wollte schon mal einige Mitmenschen verwirren, indem ich sage:
„Na, fahren sie dieses Jahr wieder nach Schweiz??“
Gruß, Joachim
Ahoi.
„Ich fahre diesen Sommer in die Schweiz / in die Türkei.“
„Ich fahre diesen Sommer nach Österreich / nach Ungarn.“
Hat jmd. ne Idee??
Ja, eine. Es dürfte mit dem Genus zusammenhängen :
-
in die Schweiz
-
in die Türkei
-
in die Mongolei
-
in die Lüneburgerhei
Genauso gut ginge es, zu sagen, man führe
-
in das Reich der Österer, *g*
-
in das Land der Niederen, *gg*
macht nur kein Mensch. Das lebt aber : Im 18./19. Jahrhundert sind noch Leute in das Kanada ausgewandert, was heute die wenigsten tun. Gleichwertig dagegen sind die Ausdrücke „in die USA“ / „nach USA“ im Sprachgebrauch.
Bei Eigennamen muss kein Genus vorhanden sein : wenn Du zu Helmut fährst, fährst Du zu dem Helmut.
Wir sind übrigens noch gut bedient gegenüber z.B. den Franzosen (denen, wo im Frankreich wohnen) : " au Canada, au Portugal, en France, en Allemagne, aux Etats- Unis, aux Pays- Bas, …" - ich könnte noch viele Beispiele anführen, wenn ich nur welche wüsste.
Gruß kw
Hallo, Joachim,
das ist einfach. Die meisten Länder werden ohne Artikel genannt.
Deutschland, Frankreich, Polen, Österreich, …
Diese werden als Ziel mit der Präposition „nach“ versehen: nach Deutschland, nach Frankreich, nach Polen, nach Österreich, …
Andere haben einen Artikel.
die Schweiz, die Türkei, die Tschechei, die Mongolei, die USA, …
und im Schwinden der Iran, der Irak, der Sudan, der Libanon, …
Diese werden als Ziel mit der Präposition „in“ versehen: in die Schweiz, in die Türkei, in die Tschechei, in die Mongolei, in die USA, in den Iran, in den Irak, in den Sudan, in den Libanon, …
Gruß Fritz
Hi,
Türk-ei, Slowak-ei, Czech-ei, Mongol-ei - diese Namen bringen durch ihre Endung zwangsläufig den Aertikel „die“ mit (-ei = alles, was (den Kulturkreis der) … betrifft).
Eine Schweiz ist möglicherweise einfach von Haus aus ein Begriff für bergiges Gelände (Holsteinische Schweiz etc.) - daher dann der Artikel. Warum es allerdings nicht heißt, in die Dänemark, das Österreich oder in das Finnland zu fahren - Du hast Recht, logisch wär’s.
Liebe Grüße,
Susanne
Ja, eine. Es dürfte mit dem Genus zusammenhängen :
Nein, kw!
Du hast zwar Recht mit deiner Liste, aber der Grund des Wechsels von „nach“ zu „in“ ist die An- oder Abwesenheit des Artikels, der beides sein kann: maskulin => der Jemen oder feminin => die Tatarei.
Fritz
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Eine Schweiz ist möglicherweise einfach von Haus aus ein Begriff für bergiges Gelände
Nicht doch!
(Holsteinische Schweiz etc.)
Die heißt so, weil einige Leute durch die paar Maulwurfhügel dort an die Berge der Schweiz erinnert wurden und an das „idüllische Bûrenleben“ dort. Ebenso: Sächsische, Fränkische, Märkische Schweiz.
Der Artikel zu Schweiz leitet sich vermutlich von der „Schweizer Eidgenossenschaft“ oder lateinisch „Confoederatio Helvetica“ her.
Gruß Fritz
Hallo Fritz.
Danke für Deine Ausführungen.
Kern der Frage war auch, WESHALB manche Länder den Artikel führen. Eine grammatische Regel scheinte es - den anderen Beiträgen nach - ja nicht zugeben…
Viele Grüsse, Joachim.
Länder mit und ohne Artikel
Hi, Joachim,
WESHALB manche Länder den Artikel führen.
Das hat man verstanden, obwohl du es nicht ausdrücklich fragtest. 
Eine grammatische Regel scheint es - den anderen Beiträgen nach - ja nicht zugeben…
Das wäre zuviel gesagt.
Erwähnt wurde schon die Nachsilbe -ei, die den Platz, wo etwas geschieht oder jemand ist, bedeutet: Wo der Bäcker ist, ist die Bäckerei, wo die Schweine sind, gibt es eine Schweinerei, wo die Tataren sind, ist die Tatarei, wo die Türken sind, die Türkei.
Diese Wörter erhalten also auf Grund ihrer Wortbildung einen Artikel.
Die USA sind " die Vereinigten Staaten…"; der Artikel hier ist also nicht der Feminin-, sondern der Pluralartikel. Ebenso sind die Niederlande „die niederen Länder“; Lande ist also eine alte Pluralform; daher der Artikel.
Bei den maskulinen Ländern hat man wohl ebenfalls das arabische für Wort „Land“ zu ergänzen, das offensichtlich männlich ist. Der Irak ist „der Staat (ich ersetze Land durch ein Maskulinum) der Iraki [wobei der Name Irak den Menschen in Untermesopotamien von muslimischen Eroberern gegeben wurde; er bedeutet ‚rassig, Ursprung‘]“; der Iran ist „der Land der Arier = Reinen“, der Sudan ist „der Staat im Süden“ usw; der Artikel geht also auf die Araber zurück. Daher vielleicht auch die gegenwärtige Tendenz, diese Länder zu entartikeln! ;.)
Die Sowjetunion war "die Union“ der sowjetischen Volksrepubliken.
Und bei der Schweiz war es eben die „Confoederatio“ bzw. die „Eidgenossenschaft“, die den Artikel bedingte.
Man muss also Fall für Fall anschauen.
Gruß Fritz
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Moin, moin,
aber ich weiß welche:
wenn ich nach Le Havre fahre, dann fahre ich au Havre,
nach Les Murailles geht’s aux Murailles.
So geht es im Französischen bei allen Ortsnamen mit Artikel.
Bon voyage - Rolf
Hallo,
ich hätte dazu auch eine Frage:
Reisebüros fahren „in die Masuren“, aber meine ostpreußische Schwiegermama pflegte „nach Masuren“ zu fahren.
Was dürfte denn hier richtig sein?
Gruß aus Bayern/aus der Oberpfalz …
Rosi
Hallo, Rosi,
Reisebüros fahren „in die Masuren“, aber meine ostpreußische Schwiegermama pflegte „nach Masuren“ zu fahren.
Was dürfte denn hier richtig sein?
Natürlich die Version der Schwiegermama! 
In den mir zugänglichen Wörterbüchern wird Masuren, Genitiv: Masurens, als artikelloses Neutrum beschrieben.
Also: nach Masuren!
Nun klingt „Masuren“ aber wie ein Plural; zudem heißen die Bewohner dieser Region „die Masuren“, Singular: der Masure / die Masurin.
Eigentlich hätte man ja auch die Form „Masurien“ erwarten können, wie Tschechinen, Slowenien.
Dies mag die Reisebüros dazu veranlasst haben, auch das Land als „die Masuren“ anzusprechen. Dies ist wohl nicht richtig.
Es kommt dazu, dass sich der Name „Masuren“ erst im 19. Jahrhundert eingebürgert hat und eben von den Einwohnern abgeleitet ist, so dass es da vielleicht noch eine andere Schreibtradition geben könnte, die ich aber nicht kenne.
Gruß aus Bayern/aus der Oberpfalz …
So ist es Recht!
Und Gruß zurück nach Bayern / in die Oberpfalz …
Fritz
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Hallo Fritz,
danke für die Antwort. Hab ich mir doch gleich gedacht, daß „in die Masuren“ falsch ist.
Gruß
Rosi
Also: nach Masuren!
Hallo, Fritz,
hinzu kommt noch etwas. Ein wesentliches Merkmal von Masuren und die touristische Attraktion sind auch die vielen Seen, die „Masurischen Seen“. Verkürzt mag man vielleicht auch diese Seen meinen, wenn man im Plural von den Masuren spricht.
Grüße
Eckard
Hallo, Eckard,
„Masurischen Seen“. Verkürzt mag man vielleicht auch diese
Seen meinen, wenn man im Plural von den Masuren spricht.
spricht man da nicht eher von der „masurischen Seenplatte“?
Gruß Fritz