Ich habe das Essen verlernt

Hallo,

es mag komisch klingen, aber ich habe das Gefühl, das Essen verlernt zu haben.
Im Sommer ist etwas passiert, das ich bis heute nicht verarbeiten konnte und woraus sich inzwischen scheinbar eine handfeste Depression entwickelt hat. Ich gewöhnte mir an, immer weniger zu essen, weil mir einfach nicht nach Essen zumute war.
Anfangs habe ich darin kein Problem gesehen, aber inzwischen geht es so weit, dass ich manchmal tagelang gar nichts esse. Ich versuche es, aber ich schaffe es einfach nicht.
Ich habe inzwischen 14kg abgenommen, kann mich absolut gar nicht mehr konzentrieren, und habe mit ständiger Übelkeit und Kreislaufproblemen zu kämpfen.
Ich möchte das unbedingt wieder in den Griff bekommen, weil ich mich oft so schlecht fühle, dass ich nicht mal Einkaufen gehen kann, geschweige denn zur Uni (ich muss nebenbei noch eine Lungenentzündung auskurieren).
Wegen meinen psychischen Problemen habe ich beschlossen, mir Hilfe zu holen, weil ich eingesehen habe, dass es so unmöglich weitergehen kann.
Aber das Ess-Problem, das möchte ich alleine in den Griff bekommen, weil es mir peinlich ist.
Nur wie, das weiß ich nicht. Ich habe absolut kein Gefühl mehr dafür, wieviel man am Tag essen muss.
Ich habe auch überlegt, mich einfach eine Zeit lang nur von Fruchtsäften und Kakao etc. zu ernähren, um überhaupt irgendwie an Nährstoffe zu kommen und wieder zuzunehmen.
Wie sollte ich am besten vorgehen?
Ich wäre für Ratschläge jeder Art sehr dankbar.

Viele Grüße,
dm

Essen lernen…
Hallo David,

das klingt gar nicht komisch - eher vertraut… Es gab in meinem Leben Phasen, in denen mein Posting ähnlich wie das deine ausgesehen hätte: ich habe das Essen schlicht und ergreifend vergessen… Klingt irre, ist aber dennoch der Fall.

Du solltest dir schnellstmöglich einen Ernährungsberater schnappen, weil es bei dir - so lese ich es wenigstens - inzwischen an die Substanz geht.

Aber das Ess-Problem, das möchte ich alleine in den Griff
bekommen, weil es mir peinlich ist.

Das wirst du nicht. Das muss dir auch keinesfalls peinlich sein. Eine handfeste Depression bringt auch Ess-Störungen mit sich.

Ich habe auch überlegt, mich einfach eine Zeit lang nur von
Fruchtsäften und Kakao etc. zu ernähren,

Nein - das ist nur Zucker und Flüssigkeit. Ich hatte früher fast ausschließlich Eiscreme und Obst gefuttert.

Grüße
Renee

Hallo EvilPrincess!

sein. Eine handfeste Depression bringt auch Ess-Störungen mit
sich.

Du sprichst offensichtlich aus Erfahrung! In ganz schlechten Phasen kein Bissen, in mittleren Phasen fressen und nur in guten Phasen lässt sich Essen gezielt steuern.

Nein - das ist nur Zucker und Flüssigkeit. Ich hatte früher
fast ausschließlich Eiscreme und Obst gefuttert.

Wie sich die Bilder gleichen! Ich habe fast ein ganzes Jahr nur von Eiscreme und Obst gelebt, und vor allem anderen graute mir. 25 kg weniger war das Ergebnis! :frowning:

Liebe Grüße

Waldi

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Hi Waldi,

Du sprichst offensichtlich aus Erfahrung!

Nicht wirklich - bei mir war es keine Depression sondern etwas anderes, aber letztendlich nehmen sich die Dinger in puncto Essen nix. Ich hatte auch keine Fress-Attacken - ich habe entweder gar nicht bzw. nur das Notwendigste (damit mir der Zucker nicht in den Keller kracht) oder eben völlig normal gegessen. Gewürzgurken lassen wir ebenfalls außen vor - ohne die kann ich nicht leben.

Wie sich die Bilder gleichen! Ich habe fast ein ganzes Jahr
nur von Eiscreme und Obst gelebt,

*hehe* Bei mir zählt Eiscreme heute noch als Grundnahrungsmittel…

Grüße
Renee

Hallo Davidmaximilian!

es mag komisch klingen, aber ich habe das Gefühl, das Essen
verlernt zu haben.

Nein, das ist absolut nicht komisch, sondern bei schweren Depressionen sehr oft der Fall.

Im Sommer ist etwas passiert, das ich bis heute nicht
verarbeiten konnte und woraus sich inzwischen scheinbar eine
handfeste Depression entwickelt hat. Ich gewöhnte mir an,
immer weniger zu essen, weil mir einfach nicht nach Essen
zumute war.

Deine Diagnose dürfte ziemlich zutreffend sein. Wenn es ausschließlich eine Depression als Reaktion auf Dein Erlebnis ist, dann besteht die Möglichkeit, dass Du mit fachmännischer Hilfe die Sache bald überwunden hast. Schwieriger ist es hingegen natürlich, wenn auch die Veranlagung eine Rolle spielt, jedoch ist es auch da mit Sicherheit möglich, die Krankheit in den Griff zu bekommen.

Ich habe inzwischen 14kg abgenommen, kann mich absolut gar
nicht mehr konzentrieren, und habe mit ständiger Übelkeit und
Kreislaufproblemen zu kämpfen.

Das ist logisch! Nicht ganz so logisch ist hingegen, dass Du Dir bis jetzt noch nicht die nötige Hilfe geholt hast. Wegen der Lungenentzündung bist Du offensichtlich zum Arzt gegangen, warum dann nicht bei den Depressionen. Das ist eine Krankheit wie jede andere auch, und dafür braucht man sich nicht zu schämen.

Ich weiß, wovon ich rede, denn ich leide seit weit mehr als 30 Jahren an immer wieder auftretenden Depressionsschüben, die ich aber jetzt mit ständigen Medikamenten ganz gut im Griff habe.

Wegen meinen psychischen Problemen habe ich beschlossen, mir
Hilfe zu holen, weil ich eingesehen habe, dass es so unmöglich
weitergehen kann.

Sehr löblicher Vorsatz! Mach das doch gleich morgen! Jeder verlorene Tag ist ein zusätzlich Tag mit unnötiger Quälerei.

Aber das Ess-Problem, das möchte ich alleine in den Griff
bekommen, weil es mir peinlich ist.

Siehe oben! Das Ess-Problem gehört zum Gesamtbild dazu, also klammere es beim Facharzt nicht aus. Verschweige gar nichts! Und glaub mir, der Arzt hat schon tausende viel „peinlichere“ Geschichten gehört.

Nur wie, das weiß ich nicht. Ich habe absolut kein Gefühl mehr
dafür, wieviel man am Tag essen muss.
Ich habe auch überlegt, mich einfach eine Zeit lang nur von
Fruchtsäften und Kakao etc. zu ernähren, um überhaupt
irgendwie an Nährstoffe zu kommen und wieder zuzunehmen.
Wie sollte ich am besten vorgehen?

Erstens Arzt, zweitens Arzt, drittens Arzt, viertens …

Ich kenne solche Phasen auch und habe einmal in nicht ganz einem Jahr 25 kg abgenommen. In dieser Zeit „ernährte“ ich mich hauptsächlich von Eis und Obst. Etwas anderes brachte ich nicht hinunter.

Fruchtsäfte und Kakao sind besser als gar nichts! Also fang damit an, bis Du durch eine Therapie (medikamentös und eventuell Psychotherapie) wieder etwas anderes auch essen kannst. Vielleicht schaffst Du auch Obst zusätzlich, damit Deine Därme auch etwas Festeres zu verarbeiten haben. Scheue Dich auch nicht, etwas angeblich „Ungesundes“ zu essen (Chips, Schokolade, Keks usw.), denn alles ist besser als nichts zu essen. Zwing Dich aber nicht selbst dazu, denn dann hast Du es am nächsten Tag und später noch schwerer. Jeder Zwang führt bei Depressionen zu einer völligen Ablehnung dessen, wozu man sich selbst zwingen will, und dann ist alles noch ärger.

Ich wäre für Ratschläge jeder Art sehr dankbar.

Hoffentlich waren da welche dabei, die Du umsetzen kannst!

BTW: Wenn es Dir schwerfällt, Dich beim Facharzt anzumelden, dann bitte doch jemanden anderen, für Dich anzurufen, und wenn die Wartezeit über drei Tage hinaus geht, dann fahr lieber in das nächste Spital mit psychiatrischer Abteilung und geh dort als Notfall in die Ambulanz.

Mach’s gut! Liebe Grüße

Waldi

Hallo,

Wegen meinen psychischen Problemen habe ich beschlossen, mir
Hilfe zu holen, weil ich eingesehen habe, dass es so unmöglich
weitergehen kann.
Aber das Ess-Problem, das möchte ich alleine in den Griff
bekommen, weil es mir peinlich ist.

Es ist dir peinlich? Warum? Und wenn du ohnehin schon mit jemandem über deine psychischen Probleme sprichst - warum sprichst du dort nicht einmal das Problem mit dem Essen an? Vielleicht findest du dann heraus, was eigentlich der Hintergrund dieses Problems ist. Oder du findest zumindest eine Lösung.

Nur wie, das weiß ich nicht. Ich habe absolut kein Gefühl mehr
dafür, wieviel man am Tag essen muss.

Ok, wenn du „kein Gefühl“ dafür hast, muss ein Ernährungsplan her. Du kannst dir den natürlich selber erstellen mit Sachen, die gesund sind und dir schmecken.

Etwas weniger Arbeit wäre es wahrscheinlich, wenn du dir eine Zeitschrift kaufst, in der wieder einmal eine der unzähligen Diäten vorgestellt wird. Da hast du einen kompletten (und meist recht schmackhaften) Ernährungsplan für ein oder zwei Wochen. Halte dich einfach daran, dann hast du zumindest eine gute Grundlage.

Ich habe auch überlegt, mich einfach eine Zeit lang nur von
Fruchtsäften und Kakao etc. zu ernähren, um überhaupt
irgendwie an Nährstoffe zu kommen und wieder zuzunehmen.

Na ja. Das halte ich für eine nicht so gute Idee. Ich würde es mal mit dem Plan probieren. Da hast du fünf Mahlzeiten am Tag, die du einfach nur nachkochen musst und dann regelmäßig isst. Das ist schon mal was.

Schöne Grüße

Petra