Ich habe ein burn out/ depressiven Partner

Seit 12 Jahren lebe ich in einer harmonischen Partnerschaft mit vielen Zielen.
Doch mein Freund ist seit ca 2 Jahren mit seiner beruflichen Situation absolut unzufrieden. Er war stets gestresst von der Arbeit und hat ein zu geringes Selbstwertgefühl (er stellt sein gesamtes Wirken in Frage). Seit Anfang des Jahres ist dann die gesamte Welt über ihn zusammen gebrochen, d.h. es fing an mit Kopfschmerzen, Herzrasen, Müdigkeit, Herzrasen, Schlaflosigkeit, innerer Leere. Sein ganzes Leben hat er in Frage gestellt.Außerdem fühlt er ein innere Distanz zu mir, die er sich erklären kann und ihn sehr belastet. Vor ein paar Tagen teilte er mir dann mit, dass er sich einer Kollegin anvertraut hat und es zu einer beidseitigen „Gefühlsreaktion“ kam. Nun stellt er unsere Beziehung ganz in Frage und weiß nicht wie es weiter gehen soll. Heut hat er einen Psychologen Termin. Was soll ich bloß tun? Wie gehe mit ihm um, ich möchte ihn nicht verlieren.

Hallo Moon,

dein Freund hat ´ne andere…
Auch wenn das vielleicht aufgrund von psychischen Problemen seinerseits so ist, wirst du wohl nicht viel machen können.

Nich klammern, sondern ihn seinen Weg gehen lassen. Vielleicht findet er zu dir zurück…
Viel Grlück,
Bixie

klingt bös’, aber war auch mein erster Gedanke…

Gruß

Aquilegia A.

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Dein Partner ist an einem Punkt angekommen, wo er sich die Sinnfrage stellt, nicht zuletzt deshalb, weil Seele und Körper ihm die Pistole auf die Brust gesetzt haben. Du wirst daran nicht viel ändern können und solltest auch in Respekt vor deinem Partner daran nichts ändern wollen.

Was du aber tun kannst, ist, das zum Anlass zu nehmen, dir selber auch mal die Sinnfrage zu stellen.

Ich bin beim Lesen deines Beitrags über eine Formulierung gestolpert. Kann sein, dass es nichts zu bedeuten hat, kann aber sein, dass doch:

„Seit 12 Jahren lebe ich in einer harmonischen Partnerschaft mit vielen Zielen.“

Du empfindest eure Partnerschaft offenbar als positiv und bist zufrieden. Du wolltest diesen Umstand beschreiben und hast zwei Dinge heraus gegriffen: Harmonie und viele Ziele zu haben.

„Harmonie“ ist schlüssig und sofort nachvollziehbar (obwohl man genau genommen natürlich auch darüber diskutieren kann, ob Harmonie bedingungslos ein ideal ist). Aber warum hast du „viele Ziele“ genannt? Warum hast du nur noch „viele Ziele“ genannt und kein weiteres Attribut? Warum überhaupt Ziele? Und warum viele?

Diese Fragen jetzt nur gestellt als Anregung, mal darüber nachzudenken, nicht, um hier Rechenschaft für irgendetwas abzulegen. Diese Fragen können aber ein Anstoß für dich sein, mal bei dir selber zu gucken und dich neu zu justieren.

Hallo!

Welche gemeinsamen Ziele habt ihr denn?

Hallo,

Welche gemeinsamen Ziele habt ihr denn?

Momentan wohl keine, so wie es sich liest.

Es besteht kein Anlass, diese Ziele als Dritter näher zu kennen oder dass sie hier genannt werden. Würde z.B. ein „ich möchte gerne Kinder haben“ fallen, werden die Antworten hier von „wie alt bist du eigentlich, kannst du nicht noch ein wenig warten, bis ihr wieder auf gemeinsamen Kurs seid“ bis „vermutlich fühlt sich er sich von dir unter Druck gesetzt“ in mehr oder weniger vorwurfsvoller Tonlage ausfallen. Und die "Schuld"Ursachenfrage in die falsche Richtung lenken. Ziele wie „Auswandern und gemeinsame berufliche Zukunft/Selbständigkeit aufbauen“ würden ähnliche Antworten ergeben. Sie haben mit den momentanen Beziehungsschwierigkeiten möglicherweise am Rande zu tun. Die Ziele scheinen jedoch nicht das vordringliche Problem zu sein, wenn man das UP liest. Eine zusätzliche Belastung für ihn, mehr aber nicht.

Daher sehe ich für Moon zur Zeit auch keinen Anlass, die momentan ihrigen Ziele, die sie gemeinsam mit ihrem Partner erreichen will, großartig zu überdenken oder gar fallen zu lassen. Es würde einem aktiven Beitrag ihrerseits zu einer Beendigung der Beziehung gleich kommen. Für all dies wäre im Worst Case immer noch Zeit genug. Soweit ist es noch nicht. Ein wenig zurückhalten und zurücknehmen mit den Zeitpunkten der Zielerreichung, ja. Mehr aber nicht. Den hier verbreiteten Pessimismus verstehe ich nicht so recht (ich nehm dich hiervon trotz deiner Frage mal aus :smile:.

Franz

Hallo Moon,

dein Freund hat noch keine andere, noch hat er dich! Daran solltest du denken.

Das Seltsame an langen Partnerschaften besteht darin, dass man vornehmlich Veränderungen des Gegenüber wahrnimmt. Und hier nur die Bedeutsamen. Wie z.B. seit 2 Jahren die berufliche Belastung deines Partners, mit der er zunehmend nicht klar kommt. Du erkennst es, bringst es aber grundsätzlich nicht in Zusammenhang mit möglichen Folgen für eure Beziehung.
Veränderungen bei sich selbst nimmt man schon deutlich weniger wahr, wenn überhaupt.
Und am allerwenigstens die Veränderungen der Beziehung/Partnerschaft an sich. Veränderungen, die nicht nur aus individuellen Veränderungen der Partner resultieren. Das liegt u.a. daran, dass man nicht neutral und rational über die Beziehung nachdenken kann (und soll).

Nimm dir Zeit, diese Veränderungen innerhalb der Beziehung in der Vergangenheit wie Routine, Gewohnheiten, Standards zu überdenken. Und dann solltest du investieren in die Zukunft. Nach Möglichkeiten und Maßnahmen suchen, die mittlerweile veränderte Beziehung zukünftig neu zu beleben, in andere Bahnen zu lenken, wie man gemeinsam Neues entdecken und (er)leben kann.

Es ist sicherlich eine kritische Zeit für deinen Partner, insbesondere wenn massive gesundheitliche Probleme daraus erwachsen. Da kann er sich nur selbst heraus helfen, mit deiner Unterstützung. Der Kontakt zur Arbeitskollegin kann einen ernsthafteren Hintergrund haben. Ebenso gut ist es aber möglich, dass er in seinem Wust an Orientierungslosigkeit bei vielerlei Dingen in der Kollegin nur einen einfachen Ausweg aus allem vermutet. Eine Ansprechpartnerin, jenseits und unbelastet eurer langen und etwas eingefahrenen Beziehung. Längerfristige Gedanken hat er sich vermutlich noch nicht gemacht. Dass er dich darauf anspricht, kann ein gutes Zeichen (mein Gefühl, weil er dich um Mithilfe und Unterstützung in der Angelegenheit bittet) und ein schlechtes Zeichen sein (bei letzterem hätte er sich bereits entschieden, dann hat er auch nur die halbe Wahrheit gesagt. Traust du ihm das zu?).

Werd ein wenig und behutsam aktiv in Richtung Beziehungsauffrischung, mach dich interessant, zeige Interesse. Und lass den Kopf nicht gleich hängen, noch sind alle Möglichkeiten gegeben.

Franz

Hallo Franz,

vielen Dank für die Schilderung deiner Meinung. Wir haben bis jetzt eine sehr liebevolle, ehrliche, tolerante, gegenseitig unterstützende, mit Freiraum für jeden von uns und gemeinsamen Aktivitäten Beziehung geführt. Nur besonders im letzten Jahr wurde meinn Feund immer in sich gekehrter und grübelete nur noch über die negative Arbeitssituation nach.Auch meine Vorschläge wie er bzw. wir etwas daran verändern könnte, hörte er sich zwar von mir und auch Freunden an, aber es war ihm nicht möglich etwas zu verändern.Dann kam zusätzlich die dunkle,nasse Jahreszeit und er „versumpfte“ mit Laptop auf dem Sofa und manövrierte sich immer mehr in das „Arbeitswelt-Jammertal“.Mittlerweile bin ich der Meinung,dass er in der Kollegin nur einen positiven Anker (Strohhalm) in seinem Arbeits-Gefühls-Gedankenwirrwarr sah.Denn er hatte bisher in seinem gesamten Lebenslauf Schule,Ausbildung, Studium und jetzt im Beruf immer nach einer fachlichen „Stütze“ (aufgrund geringem Selbstwergefühl) gesucht und gefunden. Nur waren diese Stützen bisher Männer :wink:.Wir leben momentan räumlich getrennt, da ihm meine Nähe sehr belastet(überfordert). Er wird von Schuldgefühlen geplagt und versteht die Gefühlsleere mir gegenüber nicht.Ich respektiere seinen Wunsch, auch wenn dies ein ohnmächtiges Gefühl für mich.Mein Freund hat den verstärkten Wunsch in sein altes Leben zurück zu finden und hat zum Glück die Motivation sich in eine psychosomatische Fachklinik einweisen zu lassen. Ich werde geduldig sein und „still Kämpfen“ , denn ich glaube an die Kraft unserer besonderen Liebe. Auch wenn sich das jetzt sehr feminin, emotional anhört.Ich stehe dazu.

Liebe Grüsse Moon

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