Hallo Horst,
Mein Grund:
Eine schwere fortschreitende
Erbkrankheit, die mich immer mehr auf
meinen Geist reduziert, die mich peinigt
und die mich irgendwann Töten wird. Ich
denke damit wäre alles gesagt zu meinen
Gründen.
Ja, das sehe ich. Und ich kann gar nichts dazu sagen, weil man zu einem Leid wie deinem einfach nichts sagen kann. Was du schreibst, erinnert mich daran, was KZ-Häftlinge über ihre Lage berichteten. Ich glaube, auch da kann man nur sagen: Ja, wenn ich selbst in dieser Situation wäre, dann würde ich mich auch für berechtigt halten, mein Leben zu beenden, und ich würde es nicht wagen, jemand Vorwürfe zu machen, der es tut.
Ich musste nur, als ich deinen Bericht las, an etwas denken, das mir vor Jahren begegnete. Ein Freund von mir, damals ein sehr alter Herr, war Zirkusartist, Jongleur, gewesen und hatte viele Bekannte unter den „Show Freaks“, die damals noch in den sideshows auftraten - Menschen mit z.T. wirklich grauenhaften Missbildungen, so dass man sich fragte, wie sie überhaupt körperlich überleben konnten, geschweige denn psychisch. Nun - unter all diesen Hunderten gab es nur zwei Selbstmorde, und davon geschah einer infolge eines finanziellen Bankrotts, also ohne Zusammenhang mit der Missbildung.
Es scheint, als würden viele Leute, die wirklich jeden Grund zum Selbstmord hätten, das nicht tun, wogegen viele andere es aus geringfügigen Gründen tun. ich denke da z.B. an Stephen Hawking und den halswirbelgelähmten Schauspieler Christopher Reeves, die beide voller Lebensenergie sind.
Ich kenne einen Fall, wo wirklich niemand
dran Schuld war. Die Person hatte
krankhafte Todessehnsucht. :
Ich glaube die meisten Selbstmorde
geschehen au irgendeiner Laue heraus, die
wenigsten haben einen Grund wie ich
Vorzuweisen.
Das muss man vielleicht differenzierter sehen. Mein Bruder beging mit 33 Selbstmord, raste mit seiner schweren Maschine in eine Hausmauer, weil ihn eine Funkstreife „jagte“ und er wusste, sie würden ihm den Führerschein abnehmen. Im Hintergrund dieser „Laune“ stand jedoch eine depressive Veranlagung in unserer Familie (ich hab sie auch) sowie eine langwierige Krankheit mit vielen Sanatoriumsaufenthalten, die progressiv schlimmer wurde - jedes Jahr wurde ein weiteres stück Lunge weggeschnittenn und er konnte sich ausrechnen, wann er keine Lunge mehr haben würde. Dazu eine wirklich verkorkste Erziehung und, wie du sagst, eine angeborene Todessehnsucht, die vermutlich ererbt ist. Bei mir hat sie sich auch stark gezeigt, ich bin aber von kräftigerer psychischer Konstitution und habe wohl deshalb bis jetzt überlebt.
gruß,
bb