Ich kann nicht mehr so weitermachen

Hallo,
ich weiß nicht mehr weiter. So wie es jetzt läuft, kann ich nicht weitermachen, ich weiß aber auch nicht wie ich aus diesem Kreislauf ausbrechen kann ohne gleich zum Sozialfall zu werden, obwohl das für mich trotz Vollzeitjob nur noch ein ganz kleiner Schritt wäre…
Mein Leben kommt mir vor wie ein riesengrosser Haufen Sch… Ich kämpfe und strampele mich ab seit ich denken kann, und nichts kommt dabei raus außer das ich gerade so überleben kann.
Ich kann nicht mehr schlafen, wenn ich doch schlafe habe ich die übelsten Träume. Nichts schmeckt mir mehr. Nichts macht mehr Spass. Ich bin launisch, breche oft einfach in Tränen aus oder bin total aggressiv. Soziale Kontakte und Familie gibt es so gut wie gar nicht mehr. Meine Familie ist mein Hund und den muss ich jeden morgen für den ganzen Tag woanders hingeben. Finanziell bin ich aufgrund von einigen Beerdigungen die ich zahlen musste total am Ende. Die Arbeit macht keinen Spass mehr. Entweder es ist wie im Moment überhaupt nichts zu tun und ich drehe 8 Stunden am Tag Däumchen, oder wenn was zu tun ist dann hat das nichts mit der Arbeit zu tun die ich mal gelernt habe. Irgendwelche Sch…arbeiten die eigentlich auch jeder andere erledigen könnte…dumme hirnlose Abtipparbeiten und selbst dabei habe ich Schwierigkeiten mich zu konzentrieren. Ich spiele schon mit dem Gedanken mich kündigen zu lassen einfach nur um da raus zu kommen. Finanziell kann es ja eh nicht mehr viel schlimmer kommen…
Mittlerweile trinke ich zuviel Alkohol, nur um nichts mehr spüren zu müssen. Ich habe immer öfter das Gefühl: Ich kann nicht mehr!
Ich war bei meinem Hausarzt, hab es aber nicht geschafft darüber zu reden. Zweimal habe ich das versucht, habe dann irgendwas erzählt von Übelkeit und so und bin dann für 3 Tage krankgeschrieben worden. Ich weiß nicht warum, ich schaffe es einfach nicht darüber zu reden, wie schlecht es mir geht.
Kann mir jemand einen Rat geben, was ich tun kann?
So geht es jedenfalls nicht weiter.
LG, Rala

Der erste Schritt . . .
Hi Rala,

den ersten Schritt „drüber zu reden“ hast Du gemacht, indem Du hier Dein Problem vorstellst.

Zu den einzelnen Problempunkten (finanziell, gesundheitlich, Alkohol, Arbeit) kann ich nicht viel sagen - außer Dich bestätigen: Du musst was tun und aus dem Teufelskreis raus. In dieser Situation ist allerdings „einfach kündigen lassen“ keine gute Idee - hast Du einen freund oder eine Freundin, der Du Dich im persönlichen gespräch anvertrauen kannst? Weiss aus Deinem Umfeld überhaupt jemand, wie es Dir wirklich geht und was dahinter steckt?

Letztlich wirst Du nicht umhin kommen, Dich Deinem Arzt anzuvertrauen - kann Dich jemand dahin begleiten? Oder wie wäre es, wenn Du Dein Posting ausdruckst, zum Hausarzt gehst und es ihm gibst . . .?

Hast Du auf der Arbeit jemand, dem Du Dich anvertrauen kannst? Betriebsrat, (Personal-) Chef oder einen guten Kollegen oder ggf. Betriebsarzt odgl.?

Bei der Klärung Deiner finanziellen Probleme könnte die sog. Schuldnerberatung oder Schuldnerhilfe Dir weiterhelfen - entsprechende Anlaufstellen erfährt man z. B. bei der Stadtverwaltung.

Wichtig ist m. E. allerdings, dass Du Dich jetzt nicht in Details verrennst, sondern erkennst und akzeptierst, dass Du an einem Punkt angekommen bist, wo Du grundsätzlich was ändern musst. GGf. kann Dir dabei auch ein Therapie helfen.

Wenn Deine ViKa-Angaben aktuell sind, passt Dein „Zusammenbruch“ übrigens altersmäßig genau ins Bild.

LG

Hallo,
danke schonmal für Deine Antwort.

Zu den einzelnen Problempunkten (finanziell, gesundheitlich,
Alkohol, Arbeit) kann ich nicht viel sagen - außer Dich
bestätigen: Du musst was tun und aus dem Teufelskreis raus. In
dieser Situation ist allerdings „einfach kündigen lassen“
keine gute Idee - hast Du einen freund oder eine Freundin, der
Du Dich im persönlichen gespräch anvertrauen kannst? Weiss aus
Deinem Umfeld überhaupt jemand, wie es Dir wirklich geht und
was dahinter steckt?

Nein, keine Freunde und es weiß auch niemand wie es mir geht.

Letztlich wirst Du nicht umhin kommen, Dich Deinem Arzt
anzuvertrauen - kann Dich jemand dahin begleiten? Oder wie
wäre es, wenn Du Dein Posting ausdruckst, zum Hausarzt gehst
und es ihm gibst . . .?

Hm, ausdrucken kann ich es ja mal. Vielleicht schaffe ich es ja dann eher darüber zu reden weil es mir wahrscheinlich zu blöd vorkommt dem Arzt so einen Zettel in die Hand zu drücken.

Hast Du auf der Arbeit jemand, dem Du Dich anvertrauen kannst?
Betriebsrat, (Personal-) Chef oder einen guten Kollegen oder
ggf. Betriebsarzt odgl.?

Nein…

Bei der Klärung Deiner finanziellen Probleme könnte die sog.
Schuldnerberatung oder Schuldnerhilfe Dir weiterhelfen -
entsprechende Anlaufstellen erfährt man z. B. bei der
Stadtverwaltung.

Wichtig ist m. E. allerdings, dass Du Dich jetzt nicht in
Details verrennst, sondern erkennst und akzeptierst, dass Du
an einem Punkt angekommen bist, wo Du grundsätzlich was ändern
musst. GGf. kann Dir dabei auch ein Therapie helfen.

Wenn Deine ViKa-Angaben aktuell sind, passt Dein
„Zusammenbruch“ übrigens altersmäßig genau ins Bild.

Meine Vika-Angaben sind aktuell. Ich bin jetzt 40. Aber in welches Bild passt es denn? Was meinst Du damit?
LG, Rala

Hi Rala,

Du hast schon einen ersten guten Schritt getan: Hier zu posten ist schon fast wie drüber reden :wink:

Setz Dich hin und schreibe mal auf, was so nicht weitergehen kann. Was genau paßt Dir am Job nicht? Ist er belastend oder langweilig? Willst Du einen neuen Job? Warum kannst Du Dir keinen suchen? Schreib auf, welche Schritte notwendig wären, damit es Dir im Job besser geht.

Finanziell: Wie schlimm ist es? Reicht es am Monatsende „gerade so“? Oder bist Du dabei, die stark zu verschulden? Da wurde ja schon gesagt: Husch, husch, zur Schuldnerberatung.

Privat: Warum keine Freunde?

Du hast Dich hier schon geöffnet, mach weiter so! Du hast den ersten Schritt gemacht, den Kopf nicht in den Sand zu stecken! Mach weiter so.

Kannst mir mailen, wenn Du willst.

Schönen Gruß
Alfred

Hallo Rala,

Ich weiß nicht warum, ich schaffe es einfach nicht darüber zu reden, wie schlecht es mir geht.

Es scheint so, als ob du schon viel zu lange alles schluckst und versucht, alleine mit allem klarzukommen. Auf Dauer kann das aber zu viel werden – irgendwann wird diese Last, die man mit sich herumschleppt, einfach zu schwer – und ist nicht mehr tragbar. Ich find´s deshalb schön, dass du nun den ersten Schritt mit diesem Posting hier gemacht hast. Es ist schwer, sich zu öffnen, gerade dann, wenn es einem nicht gut geht und man mehr oder weniger an der Kippe steht. Daher ist das Schreiben ein erster sehr großer Schritt in die richtige Richtung.

Mal zu den pragmatischen Dingen: Berufliche Umorientierung – sehr gute Idee! Wichtig ist jedoch die Reihenfolge: erst neuen Job, der dich fordert/dich interessiert, suchen – diesen finden – genommen werden – und dann kündigen. Alles andere würde deine Situation, und zwar nicht nur die finanzielle, noch um einiges schwieriger machen.

Soziale Kontakte und Familie – beides Dinge, die unser Leben um einiges lebenswerter machen – und uns in „grauen“ Zeiten auch große Stütze sein können. Wenn diese wegfallen, steht man tatsächlich alleine und sehr verloren da. Was ist passiert?

Alkohol – ist so ein einfacher und leichter Weg, abzutauchen, zu vergessen. Das Problem ist nur – und das weißt du – dass du dir durch diese „Lösung“ nur noch ein zusätzliches Problem einhandelst.

Kann mir jemand einen Rat geben, was ich tun kann?

Zum einen: Versuchen, dich (weiter) zu öffnen. Die Dinge auszusprechen, die dich so belasten. Du hast allein hier schon ein (wie ich finde) sehr nettes Angebot bekommen.
Zum anderen: Versuche, in dich hineinzuhören, was dir gut tut – was dir (auf Dauer!) gut tut. Und sieh dir hier auch die wirklich kleinen Dinge in deinem Leben an. Dein Hund zum Beispiel, der dir ja sehr viel bedeutet. Geh lieber mit ihm ne Runde in die Natur, als dass du dich daheim fallenlässt und versuchst, in ne andere Welt zu trinken. Liest du gerne? Auch hier kann man wunderschön in andere Sphären abtauchen – und kostet nicht viel. Überall gibt’s Büchereien (manche sogar kostenlos), wo man sich Bücher ausleihen kann.

Wichtig ist aber, dass du dich in erster Linie deiner Situation stellst. Die Vogel-Strauss-Taktik bringt niemanden weiter! Mein Rat wäre, dass du dich vielleicht auch mal mit dem Gedanken vertraut machst, dir einen Therapieplatz zu suchen. Ein guter Therapeut kann dir eine große Stütze sein, wieder Freude im Leben zu finden.

Ich wünsch dir alles Gute!

gremlin

Hi,

wenn du dich nicht traust mit dem Hausarzt zu reden, dann hilft dir vielleicht eher eine Beratungsstelle in deiner Nähe weiter (Lebensberatung oder Psychosozialeberatungsstelle). Ich hab mal in einer gearbeitet und kann dir nur Mut machen.

Die passende Adresse findest du unter:

http://www.dajeb.de/suchmask.php

Viel Erfolg und liebe Grüße

Chris

Hallo Rala,

ich finde es auch Klasse, dass Du Dein Problem angesprochen hast.

Wenn es Dir so schwer fällt, im rl darüber zu reden, schau doch mal im www.beratungsnetz.de.

Meiner Meinung nach kann eine online-Beratung nicht wirklich eine Beratung im wirklichen Leben ersetzen. Aber manchmal ist es ganz hilfreich zunächst einmal anonym über seine Probleme zu reden, um dann einen Weg für sich zu finden.

Liebe Grüße
usch

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Hallo
ich möchte mich bei Euch allen bedanken. Ihr habt mir Mut gemacht und ich habe heute den ersten Schritt getan und mich meinem Arzt anvertraut. Ich bin jetzt erst mal krankgeschrieben und wie es weitergeht, mit Medikamenten oder Therapie werden wir in einem weiteren Gespräch noch klären. Puh, ich bin wirklich froh das ich das geschafft habe und eine grosse Last ist von mir genommen.
Danke Euch allen!
LG, Rala

Hallo Rala,

das ist toll, dass du dich getraut hast! Oft merkt man dann, dass es einem direkt ein wenig besser geht, wenn man den gefürchteten Schritt gewagt hat.

Wünsch dir alles Gute

Gruß

Phoebe