Ich kann schlecht Kritik vertragen

Ich kann nur schlecht Kritik vertragen und möchte immer alles so gut wie möglich machen. Ich bin auch meistens mit meinen Ergebnissen zufrienden und kann es nur schlecht vertragen, wenn dann andere kritisieren. Ich bin sogar teilweise beleidigt, zeige es dann aber nicht so, weil ich mich selber über meine schlechte Kritikfähigkeit ärgere. Ich versuche schon lange dagegen zu arbeiten, aber es gelingt mir nicht. Was kann ich tun?

Hallo Jörg

Vielleicht versuchst du mal, die Kritik nicht als Abwertung, sondern als Inspiration zu betrachten. Dabei solltest du allerdings aufpassen, ob die Kritik nett gemeint ist. Ist sie es nicht, solltest du auch entsprechend reagieren, finde ich.

MfG
Mondfrau

Hallo Jörg,
zunächst interessiert mich, ob diese Kritiker in einer Position stehen, die ihrem Urteil ein Gewicht verleiht. Also, ob du evtl. davon profitieren könntest, wenn sie ihre Meinung äußern. Hier wird ja auch viel diskutiert, und wwwler scheinen sich doch oft um gut begründete Statements zu bemühen. Es gibt also durchaus eine konstruktive Art der Kritik, die einer gemeinsamen Arbeit dienlich sein und den grauen Zellen Beine machen kann.
Anders ist das mit (unerwünschten) Meinungsäußerungen, die auf die Person des Kritisierten zielen, also „unter der Gürtellinie“ landen, nicht sachbezogen und nicht verwertbar für ein gemeinsames Fortkommen sind.
Beide Formen erfordern verschiedenes Reagieren. Willst du mehr Details erzählen?
Gruß, Geris

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hi,

ich vermute, dass Du ein Perfektionist bist. Ich kenne das; ich hatte das selber mal. Da sitzt ein Affe auf Deiner Schulter und sagt „Mache es perfekt“. Der Hintergrund ist zum einen, um nicht zu riskieren, dass die (verhasste) Kritik kommt, und zum anderen, um ein Lob zu kassieren. Perfektionisten sind in der Hinsicht nicht so selbstsicher, wie man vielleicht denkt. Sie suchen die Bestätigung. Die Kritik wird als Bloßstellung und Rechtfertigungsdruck empfunden und nicht als Verbesserungsvorschlag.

Perfektionisten sind als Arbeitnehmer zweischneidig : Das Ergebnis ist zwar perfekt, aber es dauert unmässig lang. Wenn z.B. ein Perfektionist eine Word-Tabelle macht, wird noch stundenlang an der Tabellenbreite und der Rahmendicke gefeilt, bis es perfekt aussieht.
Da ist die 80/20-Regel anwendbar : die ersten 80% der Arbeit brauchen 20% der Zeit, aber die letzten 20% der Arbeit brauchen 80% der Zeit.

Vielleicht schaust Du mal in das Buch „Sorge Dich nicht - lebe!“ von Dale Carnegie. Da stehen Dinge drin wie z.B. Kritik ist oft auch versteckter Neid des Kritikers, oder aber die Maxime : „Tue Dein Bestes, und dann klappe den Mantelkragen hoch und lasse die Kritik daran herunterlaufen“.

Ich kann das noch durch eine Lebensweisheit von mir ergänzen : Der meiste Fortschritt entspringt aus Kritik.

Ich weiss nicht, ob ich mit meiner Vermutung des Perfektionismus da richtig liege und ob Du z.B. andere Zwänge hast. Naheliegend beim Perfektionisten ist der Kontrollzwang. (Nicht andere, sondern sich selber, z.B. habe ich jetzt die Tür wirklich abgeschlossen !?)

Solche Zwänge können schnell in Angststörungen münden und sind dann behandlungsbedürftig. Zum einen kann man da eine Verhaltenstherapie machen, zum anderen gibt es da eine unbändige Latte an Medikamenten (jaja, die Psychopharmaka) die aber gut helfen und nicht abhängig machen. Es gibt sogar Wirkstoffe (z.B. Paroxetin) gegen die Sozialphobie.

Sozialphobie ist eine Angststörung, die sehr weit verbreitet ist. Ich habe da im Internet relativ gute Beschreibungen gefunden :

-Soziale Phobien bestehen in der Furcht vor der prüfenden Beobachtung durch andere Menschen in verhältnismäßig kleinen Gruppen (nicht dagegen in Menschenmengen) und führen schließlich dazu, dass soziale Situationen vermieden werden oder nur unter intensiver Angst durchgestanden werden. Eine soziale Phobie ist eine dauerhafte, unangemessene Furcht und Vermeidung von Situationen, in denen die Betroffenen mit anderen Menschen zu tun haben und dadurch einer möglichen Bewertung im weitesten Sinne ausgesetzt sind. Es bestehen unangemessen starke Ängste vor sozialen Situationen oder Leistungssituationen, in denen die Person im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit anderer steht und befürchtet, etwas zu tun, was demütigend oder peinlich wäre.

-Menschen mit einer Sozialphobie haben Angst zu versagen, sich lächerlich zu machen oder durch ungeschicktes Verhalten unangenehm aufzufallen. Sozialphobiker befürchten, in sozialen Situationen verspottet oder feindselig behandelt zu werden, dumm auszusehen, die Kontrolle zu verlieren, Panik zu erleben und nicht mehr zu wissen, was sie sagen sollen, sodass sie erst recht auffallen, noch dazu, wenn gleichzeitig verschiedene vegetative Symptome auftreten.

-Soziale Phobien sind gewöhnlich mit niedrigem Selbstwertgefühl und Furcht vor Kritik verbunden. Menschen mit Sozialphobie sind oft selbst ihre schärfsten Kritiker und fürchten, dass andere Menschen ihre eingebildeten oder tatsächlichen Schwächen erkennen könnten. Sie können sich selbst mit ihrer Eigenart nicht annehmen und fürchten daher die soziale Ablehnung als Bestätigung ihrer Ineffizienz.

-Die Angst vor Kritik und Ablehnung hat zur Folge, dass Menschen mit sozialen Ängsten sich nicht ausreichend durchsetzen und ihre berechtigten Wünsche und Bedürfnisse vertreten können. Sie haben Schwierigkeiten, Nein zu sagen und sich gegenüber den Forderungen anderer abzugrenzen.

(Quelle für diese Stichpunkte : http://www.panikattacken.at/sozialphobie/sozial.htm)

In einem gewissen Rahmen sind diese Ängste völlig normal. Es gibt Situationen, vor denen hat jeder Angst. Bei Sozialphobikern ist das aber viel ausgeprägter.

Was kannst Du tun ? Wenn Du z.B. dich mit der Sozialphobie richtig charakterisiert fühlst, kannst Du Dich einer Selbsthilfegruppe anschliessen, da findest Du im Internet sicherlich etwas. Du kannst auch zum Arzt gehen (Neurologe). Keine Hemmungen, das ist ganz normal.

Viel Glück !

Gruss Hans-Jürgen
***

Ursache der Kritik?
Hi,
ich würde einen Schritt früher ansetzen.
Handelt es sich bei deinem Tun, welches kritisiert wird, um deine Privatangelegenheiten, oder bezieht es sich auf Gebiete des täglichen Miteinanders, insbesondere auf das Arbeitsleben?
Im letzteren Fall gäbe es evtl eine klare Lösung: Menschen möchten prinzipiell in Dinge, die sie betreffen, mit einbezogen werden.
Wenn jemand alles alleine macht, ist das nie gut, auch wenn es noch so gelungen ist.
Gruss,

rede drüber
triff dich mal mit 5 guten freunden auf ein bier und frage in die runde, wie die anderen kritik finden und wie sie damit umgehen. niemand wird sagen können: „kritik finde ich gut, inspiriert mich, tolle sache, ungemein positiv!“. jeder wird von dem mulmigen gefühl berichten können, was man einfach hat. der entscheidende punkt ist aber die bewältigungs-strategie dieses gefühls: nicht drauf hängenbleiben! wie? das können dir die freunde sagen, jeder macht es anders. ich mache es so, dass ich mich frage: WER kritisiert mich? messe ICH der person eine urteilsfähigkeit zu?

Hi Jörg,

>>> Ich kann nur schlecht Kritik vertragen und möchte immer alles so gut wie möglich machen. Ich bin auch meistens mit meinen Ergebnissen zufrienden und kann es nur schlecht vertragen, wenn dann andere kritisieren. >> Ich bin sogar teilweise beleidigt, zeige es dann aber nicht so, weil ich mich selber über meine schlechte Kritikfähigkeit ärgere. >> Ich versuche schon lange dagegen zu arbeiten, aber es gelingt mir nicht.
Was kann ich tun?

Ist bei mir auch so ich blocke das dann immer ab und zeige nicht, dass ich gekränkt bin. Aber ist ja nicht so schlimm ärgere dich nicth über die schöechte Kritikfähigkeit, sondern denk drüber nach was du falsch gemacht hast.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hi ADoGG

Ist bei mir auch so ich blocke das dann immer ab und zeige
nicht, dass ich gekränkt bin. Aber ist ja nicht so schlimm
ärgere dich nicth über die schöechte Kritikfähigkeit, sondern
denk drüber nach was du falsch gemacht hast.

Dein Verhalten hat nur einen Haken: auch wenn Du tatsächlich alles richtig gemacht hast, hängst Du am Gängelband Deiner Kritiker, die Deine Schwäche schamlos ausnutzen (werden), weil Du Dich von deren Wohlwollen abhängig machst (trotz „blond und hübsch - aber ein Mann“ lt. ViKa).

Bei mir ist das keine Phobie.
Es ist auch egal, ob etwas davon Abhängt oder nicht, ob privat oder auf der Arbeit. Das Gefühl ist immer gleich.
Nach dem was vorher geschrieben wurde ist es wohl normal.
Gruß, Jörg.