Ich kann und will langsam nicht mehr...!?!

Hallo ihr Lieben.

Es tut mir so leid, euch damit zu belästigen…ich muss es einfach loswerden.
Ich kann einfach nicht mehr!

Ich sitze hier und heule rum…und niemand aber wirklich niemanden, schert sich etwas darum.
Im Gegenteil, in der Familie werde ich dadurch nur runtergemacht, anstatt das mich jemand einfach mal in den Arm nimmt und ein paar nette Worte sagt. Nein! Dann kommt: Was heulst du denn jetzt schon wieder rum! Wegen jedem Mist heulst du! Was ist denn jetzt schon wieder los? Morgen musst du in die Arbeit und weinst, so kann das ja nix werden! usw…

Ich sitze hier, total vereinsamt und sehne mich einfach nie Liebe und Zärtlichkeit, einfach ein paar nette Worte und ich bekomm sie einfach nicht!

Nicht von der Familie…und von „Freunden“ ganz zu schweigen.
(die ich übrigens alle in den Wind geschossen habe, weil sie mich nur ausnutzten…meldeten sich nur, wenn sie was wollten, was brauchten, Kummerkasten usw…)

Warum nur? Allgemein, in allen Bereichen…immer ist irgendwas! Aber immer negativ.
Hätte einen total netten Mann kennengelernt (Thread: Partnerschaft) und sagt mir, dass das wegen der Entfernung nicht funktioniert (ca. 90 km)…ich hätte endlich mal einen Lichtblick gehabt aus diesen Problemen herauszukommen!

Es hätte so gut gepasst.
Habe meinen Therapeuten gewechselt, die total nett ist.
Dann die Ausbildung, die am 1.9 begonnen habe…und mit dem Führerschein fang ich an…und dann einen Partner.

Ich hatte einmal nur einmal in meinem Leben Hoffnung und dachte positiv, dass sich alles ändert!
Ein neuer Lebensabschnitt…aber nein!

Ich bin leider recht schüchtern und verschlossen…und leider lass ich mich auch sehr gern ausnutzen…ich gehe auch raus, aber es spricht mich niemand an! In der Arbeit ebenfalls nicht, gehe auch gerne schwimmen und das regelmäßig aber ich lerne einfach keine neue nette Menschen kennen.
Ich würde auch hingehen und versuchen ein Gespräch aufzubauen, doch ich trau mich absolut nicht…es ist ja nicht so, dass ich nur rausgehe um leute kennenzulernen oder einen Mann, ich tue das ja in erster Linie für mich, dass ich rauskomm, raus von zuhause, in der immer nur kritisiert wird.

Doch es wäre doch mal schön, jemanden nettes kennenzulernen…ja wahrscheinlich bin ich auch selbst schuld an meiner situation.
Ich sehe alles negativ, warum ich das mache, weiß ich selbst nicht genau…bin oft in meinem Leben (bin ja mit 19 schon sowas von alt und habe schon total die Lebenserfahrung…sarkastisch gemeint)

Ich schätze mal deshalb, weil ich einfach zu oft enttäuscht wurde…und wirklich jedes mal, wenn ich mal positiv dachte alles anders kam…somit kann mir eigtl. nichts passiern.
Ich bin auf alles gefasst.

Es fällt mir zudem auch sehr schwer, Leuten zu vertrauen und mich ihnen zu öffnen…einfach weil nur auf meinen Gefühlen herumgetrampelt wird…überall setz ich diese bescheuerte Maske auf!
Selbst zuhause bin ich nicht die, die ich wirklich bin…tue auch so, als wäre ich taff, stark und lass mir nix gefallen…in der arbeit auch, selbst bei verwandten und freunden bin ich nicht die, die ich bin…in wirklichkeit bin ich ganz anders…

Und jetzt hätte ich jemanden gefunden, den ich vertraut habe. Und das mag schon was heißen bei mir! Und jetzt bricht er es einfach ab. Ich war sowieso sehr schockiert als ich erfuhr, dass er mich mag.

Ich wäre niemals auf die Idee gekommen, dass sich für mich jemand interessiert bzw. Gefühle für mich entwickelt, weil ich einfach glaube, dass ich einen Schlag habe und nicht ganz sauber bin…bin ich ja auch nicht, das bekomm ich oft zu hören.

Von daher vll ein beweis dafür, dass meine Vermutung nicht stimmt…trotzdem kann ich es nicht nachvollziehen.

Und ich schiebe immer die schuld auf mich.
Ich möchte auch langsam mal etwas schönes erleben dürfen.

Und das ist für mich, einfach Liebe und Geborgenheit zu spüren!
Dieses Gefühl hatte ich wirklich sehr selten…bei meinem eltern hatte ich immer das Gefühl, dass ich nicht gut genug wäre…sie enttäuscht wären, ich eine Schande für sie wäre…sie selbst haben gesagt: Man sollte sich für seine eigenen kinder schämen, weils wir zu nix bringen.

Und ich sehne mich einfach danach.
Aufzwingen ist natürlich der falsche Weg und krampfhaft suchen bringt auch nix.

Ich versuche mir auch einzureden: Er ist keiner deiner Tränen wert, er war sowieso ein Idiot, er war nicht der Richtige, es hat eben noch nicht sein sollen, der Richtige kommt schon noch…

Es heitert mich nicht wirklcih auf, weil einfach irgendetwas sein muss! Deshalb suche ich ständig nach Antworten und suche immer bei mir selbst den Grund dafür…mittlerweile glaub ich schon, dass es an meinem Aussehen liegt

Hier mal ein Link zu einem Bild von mir…an irgendetwas muss es ja liegen!

http://s3.directupload.net/file/d/1909/jwx9w67o_jpg.htm (auf diesem Bild war ich zumindest einigermaßen gut gelaunt)

(das ist keinesfalls irgendeine hinterliste Art um an Komplimente oder sonstige heranzukommen! Was ich dann ebenfalls nicht verstehen kann, wenn sowas kommen sollte.) …ich kann auch nicht verstehen, dass dann von jungen Leuten manchmal Sachen kommen wie: Du könntest bei Germanys next topmodel mitmachen oder wenn ich ein Mann wäre würde ich dich sofort nehmen, ich wäre ja so hübsch und hätte so eine tolle Ausstrahlung.

Sowas kann ich nicht nachvollziehen udn einfach nicht verstehen! Auch wenn Dinge kommen wie: Hey das hast du aber toll gemacht. oder so etwas, kann ichs nicht glauben…wenn hingegen Sachen kommen, die ich übrigens oft höre: Du Puppe! Du Bit**! Ja verzieh dich nur du dumme Zicke! usw…dann glaub ich den Mist sofort und nehm das auf.

Was ist denn nur mit mir los?
Ich bin nicht normal, ich bin auch nicht „Mainstream“ so wie die anderen Jugendlichen in meinem Alter.
Andere sehen das alles locker oder leben unbeschwert in den Tag hinein…selbst das kann ich nicht.

Wie oft ich es schon versucht habe, mal positiv zu denken oder nach dem Aufstehen zu sagen: Hey, heute wird ein toller Tag.

Immer steh ich mit der Befürchtung auf, dass es schrecklich wird…ich müsste an meiner gesamten Denkweise etwas ändern aber es funktioniert nicht!

Jedes mal, wenn ich mich traue den Fühler aus dem Schneckenhaus zu strecken, drückt wieder jemand drauf und zieh die Fühler wieder ein. (bildlich dargestellt)
Und solange ich in dieser Umgebung lebe, geht das nicht.

Ich muss raus hier! Würde auch total gerne aber mit gerade mal 360 € brutto, bleibt ja kaum etwas für mich übrig…geschweige dem, eine eigene Wohnung finanzieren.
Ich muss an mir arbeiten, nicht mehr alles so an mich ranlassen aber ich weiß einfach nicht wie?

Warum soll es denn einfach nicht sein? Naja höchstwahrscheinlich bin ich selbst schuld daran, dass es so ist, wie es ist.

Und ich gebe auch nicht auf. Keinesfalls, auch wenn ich schon des öfteren solche Gedanken hatte. (jetzt gott sei dank nicht mehr)
Ich kämpfe auch, dass es besser wird aber es tut sich einfach nichts! Und langsam habe ich keine Kraft mehr.

Tut mir leid für diesen seeeeeeeeeeeeeeeehr langen Text.
Hoffe ich bekomme trotz alle dem, ernstgemeinte und ehrliche Antworten :smile:

Dankeschön schon im Voraus

lg

Guten Abend Sandy,

es gibt ein gutes Buch, das heisst: Mich kränkt so schnell niemand. Habe leider das Buch verliehen und den Autor vergessen. Das solltest Du unbedingt lesen!

Ich hoffe dass Du noch ein Paar gute Ratschläge bekommst - nur ganz kurz:
nimm nicht alles Persönlich und beschäftige Dich mit dem Thema Abgrenzung.

Alles Gute!

Liebe Sandy,

dein Eintrag hier ist ein ziemlich bewegendes Zeugnis. Du bekommst allerdings kaum Antworten, weil man gar nicht weiß, wo man da anfangen soll. Du machst doch schon eine Psychotherapie. Was passiert denn da? Fühlst du dich dort auch abgelehnt und unverstanden, bzw. bist du auch dort misstrauisch?
Mehr als dir eine Therapie zu empfehlen, wird dir hier wohl auch niemand sagen können.
Ich finde es schlimm, dass deine Angehörigen sich so wenig in dich einfühlen können. Deine Idee, sich von ihnen fernzuhalten, ist sicher richtig.

Du schreibst mehrmals, dass du an allem Schuld seiest. Das ist natürlich falsch. Lass dir gesagt sein, dass das Konzept Schuld nichts anderes bewirkt als Hass. Es ist überaus schädlich, ganz allgemein. Und du merkst ja auch, wie es dich zersetzt und dazu führt, dass du dich selbst hasst. Du scheinst nicht die besten Eltern zu haben. Sie haben deinen Charakter geprägt und aus diesem heraus handelst und fühlst du. Wo könntest du hier Schuld auf dich geladen haben? Ich hoffe, dass mit der Einsicht, dass du keine Schuld hast, dass Schuld eine falsche Denk-Kategorie ist, die SchuldGEFÜHLE auch langsam weniger werden.

Alles Gute, Tychi

Hallo

Ich kann da zustimmen und sagen unsere Gefühle ( wie wir Erleben)
prägen unser Bewusstsein ( unsere Persönlichkeit)- das wird leider
oft von anderen schlecht verstanden (auch von den Eltern) und immer
das jenige aus der Situation von einem Verlangt wird - was mir selber, mir geht es da sehr ähnlich, auch zu schaffen macht.

Das mit dem taffen Eindruck nach außen, also eine Maske tragen
machen bestimmt viel Menschen so, es wird nur dann zum Problem
wenn es einem belastet.

Hattest du denn noch nie das Gefühl (oder fast noch nie; mal die
Kleinkindzeit ausgeschlossen) zu jemandem, einer anderen Person
ein tiefes
vertrautes Gefühl zu haben, ohne das es sich später als falsche Illusion herausstellte?

Viele Grüße
Andre

Hallo Sandy,

na, deine Eltern haben wohl auch keinen Pädagogikorden verdient!
Aber da stehst du nicht alleine da, viele haben mit einer mehr oder weniger verkorksten Erziehung zu kämpfen. Bei meinen Eltern habe ich es immer auf die Nachkriegsgeneration geschoben, aber in deinem Fall kann ja das nicht mehr sein.

Ich bin übrigens kein Experte, also ich habe mit Psychologie eigentlich nichts am Hut, aber Mensch bin ich schon und ein bischen Lebenserfahrung habe ich auch.
Einfach ein paar Dinge, die mir auffallen.

Du scheinst unglaublich viel Wut im Bauch zu haben, auf alles und jeden. Vorallem findest Du die Welt (oder die Menschen darin) ungerecht. Sie begreifen einfach nicht, dass Du nur geliebt werden willst. Aber das würdest Du niemals laut sagen. Auch wenn Du denkst, dass muss doch jeder merken bzw. wissen.
Tun sie aber nicht, denn Du hast eine richtig schöne, hohe Mauer um dich rum aufgebaut. Wahrscheinlich schon im Kindesalter. Die Ursachenforschung überlass ich deiner Therapeutin. Aber wahrschienlich ist es auch ziemlich egal, denn Du musst einen Weg finden damit umzugehen.

Du musst lernen dich zu lieben, deine „Wertigkeit“ zu sehen, dich anzunehmen. Ein Kompliment annehmen zu können ohne dass Du über dich selber gleich was schlechtes oder zumindest relativierendes sagst. Nicht bei allem was Du tust schon drauf warten, dass Du eine „drauf“ kriegst, dass es sowieso schlecht aus geht.
Du musst aus deinem gut angelernten negativen Denkmuster heraus kommen. Nicht einfach - aber machbar. Fang bei deiner Beziehung zu Dir selbst an, erst dann kann eine Beziehung mit jemand anders gut funktionieren.
Lern dich zu entspannen und das Leben etwas gelassener zu sehen. Deine Aussenwelt zu ändern, wird dich auf Dauer nicht glücklich machen, wenn Du nicht lernst dich selbst zu mögen.
Stell Dir mal vor, Du würdest dich selber kennenlernen. Wie fändest Du diese Sandy? Könntest Du ihre Fehler akzeptieren? Könntest Du Sie mögen und in den Arm nehmen? Ich bin sicher Du könntest. Du würdest ihre Fehler sicher nicht so verurteilen, wie Du deine Eigenen verurteilst.
Und entschuldige dich nicht ständig für dein Tun - machen andere auch nicht. :smile:

Kopf hoch, das Leben kann auch schön sein. Sei nicht so hart zu Dir selbst.

LG

Zu deiner Frage:
Ja das hatte ich.
Da war ich 14 und sie war meine einzige und beste Freundin.

Wir gingen durch dick und dünn, dass war eine richtige freundin.
Sie hörte mir zu, nahm mich ernst, ich konnte ihr alles anvertrauen und sie mir, es war ein geben und nehmen…doch leider musste sie nach russland zurück und seitdem haben wir keinen kontakt mehr…aber ja, richtig vertrauen konnte ich bisher nur einer einzigen Person und ohne mich verstellen zu müssen.

lg

Hallo,

Sorry vorweg, ist lang.
Bin auch nur ein Normalmensch, also kein Psychologe.
Aber was für mich immer sehr wichtig war, war eine Gruppe (Freunde, Verein, was auch immer), in der man sich heimisch fühlen konnte.
Versuch doch mal sowas (Sport, Musik, was auch immer) per Verein zu machen und versuche erstmal alle nur als gute Kollegen und Freunde zu sehen.
Wie wärs ev. mal mit einer extremeren Sportart - im Urlaub Wildwasserkanufahren (natürlich nur, wenn IUngeübte da mitdürfen und entsprechend Vorsorge getroffen wird) oder Klettern im Kletterverein - da muß man sich sehr auf andere verlassen und kann das in Punkto „der läßt mich nicht runterfallen“ auch. Wäre ev. eine gute Übung zum Vertrauen fassen, ohne gleich uneingeschränktes Vertrauen aufzubauen.

Ich kann mir vorstellen, dass ein Mann, der Dich mag, sich von Deinem Totalvertrauen und `Du bist mein ein und alles, alle anderen sind gegen mich´ schlicht überfordert fühlt. Damit reduzierst Du Deine Welt auf Ihn und wer kann dem schon gerecht werden bzw. dem Druck, der dadurch entsteht, standhalten? Bestenfalls ein US-Westernheld, aber die laufen nicht frei rum.

Deshalb wäre Freunde finden erstmal wichtiger. Dann wirst Du auch lockerer werden und an Beziehungen anders herangehen können.

Klar, Freunde finden ist leicht gesagt, aber schwer gemacht, weiß ich, hab ich auch erlebt. Du mußt schon ein bißchen mehr suchen, Verschiedenes probieren und mit ein bißchen Optimismus herangehen, immerwieder.

So, alles kluge Ratschläge, für die, die keine gewaltigen Probleme haben. Mit gewaltigen Problemen sieht die Welt ganz anders aus.
Aber da Du ja eine Menge Initiative zeigst und viel rausgehst, empfinde ich Dich nicht als jemanden, der überwältigende Probleme hat.

Ein Verwandter von mir hatte es m.E. echt schwer: er stotterte seit früher Jugend, und zwar so heftig, dass er sich nicht normal verständigen konnte. Es machte beim besten Willen und Vorsatz (und Befehl) keinen Spaß, sich mit ihm zu unterhalten - es ging einfach nicht. Angeblich hat sich die Bäckersfrau vom Dorf mal bei seiner Mutter beschwert, sie solle Ihrem Sohn einen Zettel mitgeben zum Einkaufen, sie hätte nicht die Zeit, ihm zuzuhören wegen der anderen Kunden.
Telefonieren konnte er überhaupt nicht, Einkaufen nur im Supermarkt, Arztbesuche waren wohl auch schwierig. Wie es in der Schule abgelaufen ist, weiß ich nicht, aber toll war das sicher nicht. Man stelle sich nur vor, ein Lehrer hätte ihn zum Vorlesen drangenommen - so, wie unsere Unterhaltungen auf Familienfeiern abliefen, muß das der Horror für alle Beteiligten gewesen sein.
Das allein stelle ich mir schon total schlimm vor.

Obendrein hatte er Pubertätspickel wie eine Pizza, also teils echt eklig - damals gabs noch keine wirksamen Medikamente dagen - und wohnte weit weg von seinen paar verbliebenen Freunden.

Der Typ ist komischerweise optimistisch geblieben (sagt er zumindest heute, aber ich glaube, seinerzeit gings dem schon recht übel, hatte jedenfalls damals den Eindruck) und mit der Zeit hat sich alles langsam gelegt. Er hat wohl mehr oder weniger gleichzeitig etwas Freunde gefunden und etwas weniger gestottert. Er meinte mal, die Freunde wären der Hauptgrund für das Ende der Stotterei gewesen - aber er spricht nicht gern darüber.

Die Pickel wurden mit dem Alter ohnehin weniger, irgendwann trat eine Frau auf den Plan usw. Hat sich aber wohl alles ganz schön gezogen. Einiges habe ich mitbekommen, anderes weiß ich nur von ihm oder aus zweiter Hand, aber es hört sich glaubwürdig an.
Inzwischen gehts dem recht gut (verheiratet, Kinder, passabler Job etc.).
Ich könnte Dir noch die Geschichte der Schwester einer Freundin erzählen - die war hübsch und stotterte nicht, hatte es aber auch schwer wegen der Eltern. Aber das würde hier zu lang werden. Die hats jedenfalls auch geschaft, ein normales Leben mit Lebenspartner auf die Reihe zu kriegen, woran eigentlich keiner der Verwandten und Bekannten geglaubt hat.

Das soll Dir nur zeigen, dass schon mal etwas Geduld dazugehört und andere auch nicht alle glücklich sind, beileibe nicht.

Und wenn die durchkommen und es schaffen, kannst Du das auch.

Klar haben Deine Eltern böse Fehler gemacht, aber je länger Du auf diesen Fehlern rumreitest, desto weniger kannst Du Dich davon lösen. Versuche emotional von Deiner Familie so weit es geht unabhängig zu werden. Versuch mal nicht, deren Fehler zu sehen, sondern Deine Positivseiten und die deiner ev. neuen Freunde. Gehe langsam vor und freue dich auch an kleinen Erfolgen - erwarte nicht gleich den Mann fürs Leben, den findest Du mit 19 vermutlich eh nicht. Frau muß schon einige Frösche küssen, ehe mehr als ein Frosch daraus wird, das ist bei Dir nicht anders, als bei uns allen.

Ehe Du Dich umbringst: wirf Dein Leben, wenn schon, denn doch lieber für andere weg. Werde Hilfsschwester (oder lerne und werde Ärztin) in Entwicklungsländern oder was auch immer, das wär doch sinniger, als von einer Brücke zu springen - überschlafe es aber in jeden Fall erstmal. Der Gedankengang hat mich seinerzeit davon abgehalten, mich ins Nirwana zu schicken - war ne gute Entscheidung, vor allem das Überschlafen. Das Umbringen nimmt Dir keiner, hat also keine Eile. Kannst Du morgen oder übermorgen auch noch machen. Und mit der Option, jederzeit ganz abhauen zu können, sieht das Leben teils doch etwas leichter aus.

Alles Gute und eine ordentliche Portion Optimismus wünscht Dir Anne

Liebe Sandy,

so wie du es schilderst, liegt bei dir (inzwischen) eine seelische Erkrankung vor - und an Krankheiten hat niemand selber Schuld, sie entwickeln sich, oft aus dem ständigen Erleben von Enttäuschungen, von Belastungen, die man nicht verarbeiten kann, von Anforderungen, die man nicht erfüllen kann (weil sie zu hoch sind oder weil sie einfach nicht zur eigenen Persönlichkeit passen) usw.

Du sagst, du hast schon eine Psychotherapie - sogar schon einen Therapeutenwechsel. Wie bist du an die Therapie gekommen? Selbst gesucht oder durch einen Arzt verordnet? Wie lange machst du die Therapie schon? Und was wird dort gemacht?

Ich frage das alles, weil es für den Erfolg einer Psychotherapie nicht nur wichtig ist, ob zwischen Patient und Therapeut „die Chemie stimmt“, sondern auch, ob der Therapeut/die Therapeutin sich mit der vorliegenden Erkrankung auskennt und sinnvolle Methoden einsetzt, die für die Art der Erkrankung geeignet sind.

Hat z.B. schon Mal ein Arzt überprüft, ob du eine depressive Erkrankung hast? Oder eine andere Art von seelischer Erkrankung? Meistens muss man dafür eine Reihe von Fragebögen ausfüllen, in denen danach gefragt wird, wie man sich in bestimmten Situationen fühlt, wie man über sich selbst denkt usw.

Ein Schritt zur Verbesserung wäre sicher auch, wenn deine Eltern verstehen würden, dass dein Verhalten nicht irgendeine Spinnerei ist und auch kein „Versagen“ bedeutet, sondern dass es eine echte Krankheit ist. Um das zu vermitteln brauchst du aber, glaube ich, professionelle Hilfe.

Für’s erste würde ich mir vornehmen, jeden Tag eine einzige Sache zu machen, die dir einfach nur Freude macht. Ohne dass du damit ein bestimmtes Ziel erreichen willst. Etwas, das nur für dich ist. Ganz egal ob das zuhause oder außer Haus ist, alleine oder mit anderen. Egal ob andere das blöd finden könnten. Es kann ganz klein sein, wie z.B. eine Blume einpflanzen oder ein Lied anhören, das du besonders magst. Und das schreib dir dann in ein Tagebuch, so dass du bei „Heulstimmung“ nachlesen kannst, was es an schönen Sachen in deinem Leben gibt.

Ich wünsche dir alles Gute und dass es dir gelingt, das Liebenswerte in dir zu erkennen. Dann wirst du auch nicht mehr so unbedingt auf die Liebesbeweise anderer angewiesen sein und kannst die Suche nach Freunden/Partner ohne Druck angehen.

Heike