Nur mal so sagen - ernst nehmen - dramatisieren…
Liebe Kernig,
…Ich habe ein wenig Angst, mich hier zu exponieren und mir Vorwürfe und Unterstellungen einzuhandeln,
das kann ich gerade gar nicht gebrauchen.
(…)
…Grundsätzlich nehme ich das Ernst,
Das war auch deutlich zu lesen, Kernig.
Du hättest sonst niemals diese Frage gestellt.
Du erscheinst nicht wie eine Frau, die irgendwelche Witzchen über ernste Themen macht, selbst im Plauderbrett schreibst Du, was Dir wichtig erscheint, statt auf evtl. populärere Züge aufzuspringen.
Hut ab!
Da wünsche ich mir persönlich für mich manchmal mehr von…
…Kenne Dich nicht, aber das schätze ich, rein vom Lesen und Gefühl her, sehr an Dir.
ich gehe auch davon aus, dass ich da durch meine Geschichte „mitschuldig“ bin.
Nein, das bist Du nicht!
( Ich habe die Anführungszeichen gesehen…
und ich denke, ich weiß, was Du meinst)
Eltern sind mit verantwortlich für ihre Kinder,
Du bist nicht schuldig , hör bloß mit sonem Scheiss auf!
Und wir allgemein ein paar Stellschrauben in unserer Erziehung drehen
müssen, in Richtung Motivation, Selbstbestärkung, Druck und
Drang zum Perfektionismus raus etc.
Wie sehr Du Dich bemühst und Dinge umsetzt ( wozu andere im Leben nicht fähig werden, auch mit nochsonem tollen Hintergrund…) ist immer wieder zu lesen/ erkennen.
Damit haben wir begonnen, vor allem im Hinblick auf die Schule.
Es hat uns bisher sehr gut getan, auch im Miteinander.
Wenn ich bei www etwas von Dir lese, bewundere ich das persönliche Vermögen von Dir und Deinem Mann, Eure Paarbeziehung und Eurer Eltern-sein trotz manch stark belastender Umstände, zu pflegen und Euch gegenseitig Eurer Wertschätzung und Liebe zu versichern.
Ich bin mir aber unsicher, ob ich z.B. den Kinderarzt (auf den
ich große Stücke halte) konsultieren soll, evtl. die
Schulpsychologin (ich hab da keine Hemmschwelle, einen guten
Rat hole ich mir immer gerne ab).
Frag den, wo Du Dich besser aufgehoben fühlst und wem Du mehr vertraust.
( Kinderarzt wäre mir näher, der kennt mein Kind auch in anderen Situationen, nicht nur in der Schule. „ganzheitlicher“, sozusagen)
Ich will auch keine Panik verbreiten.
Das tust Du auch nicht.
Du nimmst Deine Gefühle Eurem Kind gegenüber sensibel wahr
und
reagierst angemessen darauf.
Noch was:
„Panik verbreiten“ wollte ich mit meiner Antwort an Dich übrigens auch nicht. Falls das irgenwie bei Dir so angekommen sein sollte, täte mir das leid.
Du bist eine eine sehr ernst zu nehmende, sich selbst reflektierende Frau. Das ist absolut schätzenswert!
Einige Antworten hier zeigen mir, dass so eine Äußerungen durchaus auch „einfach so“ mal drin ist in dem Alter.
Das sind sie ja auch.
Was aber im Umkehrschluß nicht heißt,
dass man sie nicht ernst nehmen sollte ( ohne dabei zu dramatisieren)
Anderes Beispiel:
Kinder sagen auch mal: „Ich hasse Dich!“ oder andere Dinge.
Und in dem Moment ist diese Äußerung Ausdruck ihres Gefühls, was nicht gleichzusetzen ist mit einem allgemeinen Gefühl des Hasses der betreffenden Person gegenüber.
Es geht um den Moment.
Als Erwachsener sollte ich mir dann auch Gedanken machen, warum mein Kind mir das grad sagt, welche Grenze ich wohl überschritten habe oder um was es grad eigentlich ging… 
Glaub jetzt bloß nicht, das gelingt anderen immer…
Nö.
Ich kann darüber schreiben,
die Umsetzung ist leider ein ganz anderes Thema…
Zurück zum eigentlichen Thema:
Erwachsene, die äußern, nicht mehr leben zu wollen, sagen dies auch nicht nur „einfach mal so“.
(Manche Leute sagen das zwar auch, um zu gucken, wie der Andere darauf reagiert, um zu schockieren. Das tritt aber eher im Jugend-oder Erwachsenenalter auf, nicht im Kindesalter.
Und auch dann gibt es hinter dem Gesagten immer eine Absicht!
Will damit sagen: Hinter allem steckt immer ein Sinn)
Nahezu jeder Mensch hat irgendwann einmal im Leben das Gefühl, lieber tot sein zu wollen, als eine ihn belastende Situation noch länger auszuhalten.
Das ist *völlig normal*.
Aber auch das sollte man genauso ernst nehmen, und eben solche Äußerungen nicht schlicht bagatellisieren oder übergehen.
-> Bei den meisten Menschen geht dieses Gefühl vorbei,
weil die belastende Situation vorbeigeht oder sich weniger negativ auswirkt.
-> Bei Anderen geht das Gefühl des nicht-mehr-leben-wollens nicht vorbei.
Es stürzt sie in tiefe Krisen und Krankheiten.
-> Und wieder andere machen letztlich ernst
und beenden ihr Leben.
Aber gerade in unserer doch etwas belasteten Situation möchte ich das nicht so übergehen.
Genau so hatte ich Dich verstanden.
Viele Grüße,
Finjen