Ich möchte einfach nur meine Ruhe haben

Hallo,

ich hoffe, ich kann an dieser Stelle ein paar helfende Worte finden zu dem Thema, was „normal“ ist: der Mensch als Herdentier oder als einsamer Wolf…

In letzter Zeit gab es so einige Diskussionen mit meinem Freund, da es mir irgendwie nicht mehr so gut geht :confused:

Der Hintergrund ist, dass ich vor einem halben Jahr zu ihm gezogen bin. Vorher lagen ca. 500 km zwischen uns.
Doch ich kann mich mit der Situation nicht so richtig anfreunden.
Ich vermisse meine Familie wahnsinnig, mit dem Job bin ich auch nicht so glücklich.
Für ihn ist das natürlich paradox, da ich vorher ja auch „unglücklich“ war und oft geheult hab, weil ich immer so Sehnsucht nach ihm hatte und nicht bei ihm sein konnte. Jetzt bin ich hier und auch nicht zufrieden…

Ein Punkt, den er überhaupt nicht nachvollziehen kann, ist, dass ich eher ein Einzelgänger bin.
Er ist zwar auch eher häuslich - im Prinzip macht er neben der Arbeit gar nix, nur manchmal braucht er seinen Männerabend und ab und zu ist der eine oder andere Geburtstag in der Family.
Doch er kann es nicht verstehen, dass ich das nicht brauche und mir keine Freunde suchen will.
Mir reicht die Nähe zu meinem Partner und meine Family (ok. -die fällt ja momentan weg)
Ich hab aber auch kein Problem damit, allein zu sein - also wenn er auf seinen Männerabend geht, kann ich mich ganz gut beschäftigen.

Für ihn ist das irgendwie nicht normal, dass man sich keine „Freiheit“ sucht - also Unternehmungen unabhängig vom Partner.

Aber mich machen andere Leute wahnsinnig. Ich habe es schon mehrmals versucht, „Freundschaften zu schließen“, aber ich halte das nicht durch. Nach kurzer Zeit fühle ich mich unheimlich belastet und möchte das wieder los werden.
Irgendwann habe ich dann beschlossen, das sein zu lassen, da ich auch niemanden vor den Kopf stoßen möchte, weil ich mich nicht mehr melde oder ähnliches.
Irgendwelche „Bekanntschaften“, mit denen man feiern kann, denen man aber ansonsten am Arsch vorbei geht, sind Zeitverschwendung für mich.

Und richtige Freundschaft bedeutet, da zu sein und auch zu helfen u.ä. Doch dafür habe ich keinen Nerv. Ich will nicht so verpflichtet sein. Dieses Gefühl mag ich nur bei einer Beziehung oder gegenüber meiner Family empfinden.
Doch ich fühle mich total belastet, wenn ich regelmäßig mit jemand anderem Kontakt haben „muss“. Es fällt mir sogar schwer, regelmäßig Emails zu schreiben (zB meinem alten Trainingspartner).
Es ist nicht so, dass ich es nie probiert habt. Manchmal heißt es ja, man muss bloß seinen Schweinehund überwinden und hinterher ist man froh, es getan zu haben. Dieses Gefühl trat hier leider nicht ein. Ich war vorher immer schon total hibbelig und hatte diese „wieso hast du das bloß ausgemacht-Gedanken“ , dabei war konnte ich dann immer kaum erwarten, dass es vorbei war und hinterher hab ich mich geärgert „Zeit verloren zu haben“.

Ist es unnormal, dass man lieber so ein „Eremit“ sein will??
Dass mir andere eher auf den S… gehen, war schon immer so.
Und das habe ich total von meinem Vater. Der hat auch lieber seine Ruhe :smiley:

Bevor ich hier her kam, habe ich neben der Ausbildung noch Dinge nebenbei gemacht. Sport, ich hatte ein Ehrenamt,…
Da war es aber auch so, dass sich die Kontakte, die ich dadurch hatte, nicht in meinen privaten Bereich übertragen haben.
Das höchste der Gefühle war einmal Cocktails trinken mit meinem Trainingspartner zur bestandenen Gürtelprüfung…

Nun ist es so, dass ich nach der Arbeit so schnell wie möglich einfach nur nach Hause will. Ich bin meist so erledigt, dass ich nix anderes mehr schaff, und durch den langen Weg, den ich hab, ist es auch immer sehr spät, wenn ich heim komme.
Es spielt aber auch der Faktor mit, dass ich mir nix „aufbauen“ will, -also keine neue Sportschule usw., weil ich eigentlich nicht vorhabe, hier zu bleiben.
Ich möchte wieder zurück in meine Heimatstadt.
Mein Freund weiß das auch und er sagte, er könne sich auch vorstellen, mitzukommen.

Aber dass ich so ein Einzelgänger bin, versteht er überhaupt nicht.
Wie kann ich ihm das noch erklären? Muss ich das überhaupt’? Immerhin kann doch jeder selbst entscheiden, wie er leben möchte…

Ich habe halt auch keine Lust, zu irgendwelchen Sachen mitgeschleppt zu werden. Mit meinem Freund allein gehe ich gerne mal weg. Aber sonst – am nächsten Wochenende ist zB die Geburtstagsfeier von seinem Cousin. Da will ich auch nicht mit. Ein Haufen Leute, die ich nicht kenne. Das stellt mich vor folgene Problematik:

Ich möchte diese Leute auch gar nicht kennen lernen. Nur ist mir auch bewusst, dass es komisch ausschaut, wenn man sich den ganzen Abend abkapselt und mit niemandem was zu tun haben will (À la „was hat der denn für ne Freundin“ - das mag ich ihm nicht antun…) Also ist es doch eigentlich nur logisch, dass ich dann dort fern bleibe, oder?
Natürlich ist mir klar, dass es genauso strange wirken muss, wenn jemand, der in einer Beziehung ist - immer nur alleine auftaucht.

Zu kleineren Sachen gehe ich auch mit, aber ich kann mich nicht überwinden, in diese Massenveranstaltungen mit reinzugehen.

Es geht ja nicht so weit, dass ich unfähig bin, mich mit jemandem zu unterhalten, oder ein Menschenhasser bin. Ich komme überall mit meinem Mitmenschen gut zurecht.
Ich will halt einfach nur meine Freizeit (Privatzeit) für mich haben^^

Geht es jemanden ähnlich? Oder gibt es jemanden, der eher das gleiche mit jemandem erlebt wie mein Freund jetzt mit mir?

Es wäre schön, ein paar Meinungen hierzu zu hören-

Im Eifer des Schreibens, habe ich sicher die eine oder andere Sache vergessen, -also bei Fragen bitte fragen :smile:

LG
Kathrina

Hallo Kathrina,

bisher hat Dich hier jeder in Ruhe gelassen und noch nicht geantwortet, ich versuche mal, Dir ein paar Gedanken zu Deinem posting zu schreiben.
Dass Du Deine Familie vermisst, wenn Du gerade 500 km weg gezogen bist, finde ich total nachvollziehbar, ebenso dass Du vorher Deinen Freund vermisst hast.
Der Kernpunkt, der für Eure Beziehung schwierig zu sein scheint:

Ein Punkt, den er überhaupt nicht nachvollziehen kann, ist,
dass ich eher ein Einzelgänger bin.

Du beschreibst, dass Du auch in Deinem alten Leben keine Freunde hattest außer Deiner Familie.
Einzelgängertum an sich ist ja nichts Verwerfliches, vor allem, wenn man damit wirklich zufrieden ist. - Allerdings wird es dann schwierig, wenn es nicht so ist, und das scheint bei Dir jetzt so zu sein: Du bist ohne Deine Familie unglücklich. - Da Dein Freund der Grund ist, dass Du Deine Familie verlassen hast, mag es sein, dass er sich verantwortlich fühlt dafür. - Wenn nun er als einziger, den Du um Dich haben magst, für ALLES, Dein ganzes Glück, zuständig ist, so ist das eine unrealistisch hohe Erwartung an ihn und wahrscheinlich spürt er dadurch ziemlich viel Druck:

Mir reicht die Nähe zu meinem Partner und meine Family (ok.
-die fällt ja momentan weg)

  • Ich hoffe Du hast eine große Familie mit vielen Geschwistern usw.? - Ansonsten kann es ja im Leben immer wieder sein, dass Du von ihr getrennt bist - und dann? Willst Du ausschließlich mit Deinem Partner zu tun haben?

Ich hab aber auch kein Problem damit, allein zu sein - also
wenn er auf seinen Männerabend geht, kann ich mich ganz gut
beschäftigen.

joa, das kann ich auch und hab ich auch gern. Ist das wirklich ein Zeichen für Einzelgängertum?

Für ihn ist das irgendwie nicht normal, dass man sich keine
„Freiheit“ sucht - also Unternehmungen unabhängig vom Partner.

Vielleicht fühlt er sich aber auch einfach unter Druck (s.o.), es würde ihn entlasten, wenn Du Dir eine Freundin suchen würdest oder ein Hobby, bei dem Du andere Leute kennen lernst.

Aber mich machen andere Leute wahnsinnig. Ich habe es schon
mehrmals versucht, „Freundschaften zu schließen“, aber ich
halte das nicht durch. Nach kurzer Zeit fühle ich mich
unheimlich belastet und möchte das wieder los werden.

Du scheinst unangenehme Erfahrungen gemacht zu haben mit Freundschaften? - Waren es überhaupt Freundschaften oder eher noch Bekanntschaften, denn eine Freundschaft wächst ja erst allmählich?

Irgendwann habe ich dann beschlossen, das sein zu lassen, da
ich auch niemanden vor den Kopf stoßen möchte, weil ich mich
nicht mehr melde oder ähnliches.

Es gibt tatsächlich Menschen, die sind so interessant, dass es Spaß macht, mit ihnen in Kontakt zu sein. Hast Du sie noch nicht getroffen?

Irgendwelche „Bekanntschaften“, mit denen man feiern kann,
denen man aber ansonsten am Arsch vorbei geht, sind
Zeitverschwendung für mich.

Ja, das geht mir auch so.

Und richtige Freundschaft bedeutet, da zu sein und auch zu
helfen u.ä. Doch dafür habe ich keinen Nerv. Ich will nicht so
verpflichtet sein. Dieses Gefühl mag ich nur bei einer
Beziehung oder gegenüber meiner Family empfinden.

Damit versagst Du Dir aber auch schöne Erfahrungen. Wenn Du für jemanden da bist, ist er oder sie vielleicht auch für Dich da. Was ist, wenn Deine Eltern nicht mehr leben und der Rest der Familie nicht greifbar - was ist, wenn Dein Partner sich mal trennt?
Auch für jemanden da sein, kann doch eine schöne Erfahrung sein.

Doch ich fühle mich total belastet, wenn ich regelmäßig mit
jemand anderem Kontakt haben „muss“. Es fällt mir sogar
schwer, regelmäßig Emails zu schreiben (zB meinem alten
Trainingspartner).

Klar, ein bißchen Kontaktpflege muss schon sein, aber ein Zwang zum dauernden Kontakt gibts doch auch nicht.

Ist es unnormal, dass man lieber so ein „Eremit“ sein will??
Dass mir andere eher auf den S… gehen, war schon immer so.
Und das habe ich total von meinem Vater. Der hat auch lieber
seine Ruhe

Was „normal“ ist, kann ich Dir nicht sagen. Dein Ziel sollte sein, so zu leben, wie Du Dich wohl fühlst. - Wenn Du Heimweh hast und der Stress in Deiner Partnerschaft zunimmt, geht es Dir nicht gut.

Bevor ich hier her kam, habe ich neben der Ausbildung noch
Dinge nebenbei gemacht. Sport, ich hatte ein Ehrenamt,…
Da war es aber auch so, dass sich die Kontakte, die ich
dadurch hatte, nicht in meinen privaten Bereich übertragen
haben.

Aber Du hast wenigstens noch andere Leute gekannt und andere Dinge getan. - Auch wenn Du dort keine Freunde hattest, hattest Du vielleicht Bekannte und die Gelegenheit zu einem Gespräch mit dem einen oder der anderen.

Nun ist es so, dass ich nach der Arbeit so schnell wie möglich
einfach nur nach Hause will.(…)
Es spielt aber auch der Faktor mit, dass ich mir nix
„aufbauen“ will, -also keine neue Sportschule usw., weil ich
eigentlich nicht vorhabe, hier zu bleiben.

Aha, das ist doch der Kernpunkt. - Vielleicht findet Dein Freund ja auch, dass Du es nicht genug versuchst, weil Du bisher nichts unternommen hast, um überhaupt heimisch werden zu können?

Ich möchte wieder zurück in meine Heimatstadt.
Mein Freund weiß das auch und er sagte, er könne sich auch
vorstellen, mitzukommen.

Das ist doch phantastisch!!! Da hast Du aber Glück! - Bleibt zu hoffen, dass er sich mehr Mühe gibt, sich in Deiner Stadt einzuleben…

Aber dass ich so ein Einzelgänger bin, versteht er überhaupt
nicht.
Wie kann ich ihm das noch erklären? Muss ich das überhaupt’?
Immerhin kann doch jeder selbst entscheiden, wie er leben
möchte…

Dass jemand gern allein ist, braucht keine Erklärungen. Allerdings bringt diese Einschränkung auf Freund und Familie wahrscheinlich Belastungen für Deinen Partner mit.

Ich habe halt auch keine Lust, zu irgendwelchen Sachen
mitgeschleppt zu werden. Mit meinem Freund allein gehe ich
gerne mal weg. Aber sonst – am nächsten Wochenende ist zB die
Geburtstagsfeier von seinem Cousin. Da will ich auch nicht
mit. Ein Haufen Leute, die ich nicht kenne.

Ein verständlicher Wunsch Deines Freundes, dass er Dich mitnehmen möchte, oder? - Hast Du auch eine Cousine und würdest Du ihn nicht auch mitnehmen wollen, wenn sie Euch einlädt?

Ich möchte diese Leute auch gar nicht kennen lernen.

Immerhin gehört die Cousine zu seiner Familie. Du musst ja nicht mit jedem reden oder gleich Brüderschaft trinken. - Ist denn für Dich der Wunsch Deines Freundes, dass Du mitkommst im Prinzip nachvollziehbar?

Nur ist mir auch bewusst, dass es komisch ausschaut, wenn man sich
den ganzen Abend abkapselt und mit niemandem was zu tun haben will
(À la „was hat der denn für ne Freundin“ - das mag ich ihm
nicht antun…) Also ist es doch eigentlich nur logisch, dass
ich dann dort fern bleibe, oder?
Natürlich ist mir klar, dass es genauso strange wirken muss,
wenn jemand, der in einer Beziehung ist - immer nur alleine
auftaucht.

Kann es einen Kompromiss geben? Du kommst z.B. nur kurz mit, weil Du etwas anderes vorhast? Kommst später, gehst früher oder so?

Es geht ja nicht so weit, dass ich unfähig bin, mich mit
jemandem zu unterhalten, oder ein Menschenhasser bin. Ich
komme überall mit meinem Mitmenschen gut zurecht.

Dann kannst Du doch auch eine Stunde Party verkraften?

Ich will halt einfach nur meine Freizeit (Privatzeit) für
mich haben

Vielleicht kannst Du davon doch etwas abzweigen, wenn es Deinem Freund so wichtig ist?

Geht es jemanden ähnlich? Oder gibt es jemanden, der eher das
gleiche mit jemandem erlebt wie mein Freund jetzt mit mir?

Ganz so ist es bei uns nicht. Allerdings bin ich auch sehr gern allein und gehe nicht gern auf Partys. Ich liebe meine Familie auch sehr, aber ich finde es wichtig, ein eigenständiges Leben zu haben. Mein Partner darf mich nicht einengen und ich enge ihn nicht ein. Das heißt auch, dass er nicht mein einziger Ansprechpartner ist! - Es entlastet, nicht für alles zuständig zu sein, auch wenn ich keine Geheimnisse vor ihm habe.

Es wäre schön, ein paar Meinungen hierzu zu hören-

Ich habe versucht, meine Meinung zu formulieren. - Vielleicht kannst Du etwas damit anfangen, ansonsten vergiss es halt einfach. - Wichtig ist sowieso nur, was Du meinst und wie Du leben möchtest.
LG, Matuja

Hallo Kathrina,

zu dem Thema gibts einen tollen Sketch von Loriot . . .

Ansonsten könnte man aus der Länge Deines Postings schließen, dass Du nicht unbedingt Ruhe willst, sondern eine andere, ggf. intensivere Form der Kommunikation . . .

Widersprüche
hi,

neben der tatsache, dass es normal ist, wenn man wieder wegziehen will, sich keine bindungen aufbauen zu wollen, fällt mir auf, dass du dich einerseits als „eremit“ und „eher einzelgängerin“ beschreibst, die (in der überschrift dieses artikes) „einfach nur ihre ruhe haben will“, andererseits jedoch einen sehr langen artikel schreibst, der zeugnis von deinem bedürfnis, dich anderen mitzuteilen und meinungen einzuholen, abgibt.

auch an anderen stellen des textes fällt mir sehr auf, dass das, was du tust, und das, was du darüber schreibst, auseinander geht.

das vorbild deines vaters, der sich eh´immer zurückgezogen hat, könnte gar nicht das sein, was du für dich gut findest. vielleicht findets du nur deinen vater gut, aber nicht seine rückzugstendenz -und hast es noch nie so gesehen?

man muss bei dir auseinanderhalten, was dein charakter ist und was deine aktuelle lebenssituation. verhalten, und dabei vor allem kontaktverhalten, ist kontextabhängig. wenn man wieder wegziehen will, beruflich bis spät abends eingebunden und danach im ar… ist, dann kann man eine partynudel sein, die in einer solchen lebensphase einfach nur ihre ruhe haben will. find´ich einfach zu verstehen.

Hallo Matuja

danke für dein Posting.

Du beschreibst, dass Du auch in Deinem alten Leben keine
Freunde hattest außer Deiner Familie.
Einzelgängertum an sich ist ja nichts Verwerfliches, vor
allem, wenn man damit wirklich zufrieden ist. - Allerdings
wird es dann schwierig, wenn es nicht so ist, und das scheint
bei Dir jetzt so zu sein: Du bist ohne Deine Familie
unglücklich. - Da Dein Freund der Grund ist, dass Du Deine
Familie verlassen hast, mag es sein, dass er sich
verantwortlich fühlt dafür. - Wenn nun er als einziger, den Du
um Dich haben magst, für ALLES, Dein ganzes Glück, zuständig
ist, so ist das eine unrealistisch hohe Erwartung an ihn und
wahrscheinlich spürt er dadurch ziemlich viel Druck:

Ganz so schlimm ist es nicht :smile:
Es ist so, dass er der einzige ist, den ich gern um mich habe und mit dem ich viel Zeit verbringen kann. Aber es ist nicht so, dass ich ihn nonstop brauche und es nicht aushalte, wenn er auch mal das Haus verlassen will…
Wir haben darüber auch schon gesprochen. Er fragt sich halt schon, wieso das bei mir so ist, aber er fühlt sich nicht dafür verantwortlich, dass es mir manchmal nicht gut geht. Das soll er ja auch nicht, denn schließlich bin ich nicht nur für ihn, sondern für uns zu ihm gekommen.
Ich fühle mich ja nicht ständig ungücklich. Die fehlende Familie und die Belastung wegen der Arbeit - das sind Dinge, die mich manchmal traurig machen und eine Situation, die ich nicht für immer so haben möchte.

  • Ich hoffe Du hast eine große Familie mit vielen Geschwistern
    usw.? - Ansonsten kann es ja im Leben immer wieder sein, dass
    Du von ihr getrennt bist - und dann? Willst Du ausschließlich
    mit Deinem Partner zu tun haben?

Ja die hab ich. Vielleicht spielt das bei dieser Entwicklung auch eine Rolle. Zu Hause ist halt immer was los und als ich jünger war, musste ich oft auf die „Kleinen“ aufpassen und hatte gar keine Zeit, was mit anderen zu machen. Bloß ich hab das auch nicht vermisst. Ich bin immer sehr gern zu Hause gewesen :smile:
Wenn wir jetzt mal getrennt sind, ist das halt ein komisches Gefühl.
Mir ist bewusst, dass die Menge der Zeit, die man mit seinem Geschwistern verbringt, sich irgendwann ändert. Wenn jeder seine eigene Familie hat usw.
Aber du hast gefragt, ob ich dann ausschließlich mit meinem Partner zu tun haben will. Und das ist ja der Unterschied, den ich weiter unten beschrieben hab. Nein - will ich nicht. Ich kann schon mit anderen etwas „zu tun haben“, in Form was ich von Sport ö.ä. hatte, -ich möchte mich nur nicht auf tiefgründige Freundschaften einlassen.

Du scheinst unangenehme Erfahrungen gemacht zu haben mit
Freundschaften? - Waren es überhaupt Freundschaften oder eher
noch Bekanntschaften, denn eine Freundschaft wächst ja erst
allmählich?

Nein das nicht unbedingt. Ich hab es halt nur erlebt, dass mich sowas total nervös macht. Siehe:

Irgendwann habe ich dann beschlossen, das sein zu lassen, da
ich auch niemanden vor den Kopf stoßen möchte, weil ich mich
nicht mehr melde oder ähnliches.

Zum Beispiel auf Arbeit: Da hatte vor kurzem eine Azubine angefangen. Sie war total nett und ich konnte mich super mit ihr unterhalten. Aber als sie mich fragte, ob ich mal mitkommen will, wenn sie mit ihren Freunden ausgeht… -ne…
Als sie dann gefeuert wurde hat sie mir ihre Nummer + Mail gegeben und meinte, ich soll mich mal melden. Aber ich konnte das nicht. Ich wollte es nicht. Allein der Gedanke hat mich total unruhig gemacht.

Es gibt tatsächlich Menschen, die sind so interessant, dass es
Spaß macht, mit ihnen in Kontakt zu sein. Hast Du sie noch
nicht getroffen?

Das streite ich ja nicht ab. Und ich hab auch schon welche davon getroffen. Nur ändert das nichts an meinem Gefühl dabei.

Damit versagst Du Dir aber auch schöne Erfahrungen. Wenn Du
für jemanden da bist, ist er oder sie vielleicht auch für Dich
da. Was ist, wenn Deine Eltern nicht mehr leben und der Rest
der Familie nicht greifbar - was ist, wenn Dein Partner sich
mal trennt?
Auch für jemanden da sein, kann doch eine schöne Erfahrung
sein.

Nu ja, ich brauche dieses Gefühl halt nicht. Eine Garantie für meine Family oder meinen Freund gibt es nicht - schon klar. Aber davon hängt nicht ab, ob ich auch ohne andere Menschen klar komme.

Aber Du hast wenigstens noch andere Leute gekannt und andere
Dinge getan. - Auch wenn Du dort keine Freunde hattest,
hattest Du vielleicht Bekannte und die Gelegenheit zu einem
Gespräch mit dem einen oder der anderen.

Nun ist es so, dass ich nach der Arbeit so schnell wie möglich
einfach nur nach Hause will.(…)
Es spielt aber auch der Faktor mit, dass ich mir nix
„aufbauen“ will, -also keine neue Sportschule usw., weil ich
eigentlich nicht vorhabe, hier zu bleiben.

Aha, das ist doch der Kernpunkt. - Vielleicht findet Dein
Freund ja auch, dass Du es nicht genug versuchst, weil Du
bisher nichts unternommen hast, um überhaupt heimisch werden
zu können?

Diesen Gedanken kann ich nachvollziehen. Aber wir haben ja schon darüber geredet. Wieso sollte ich mir jetzt etwas aufbauen, wenn ich hier nicht bleiben möchte? Ich weiß, dass ich lieber in meiner Heimatstadt leben will, -wieso sollte ich dann erst hier noch heimisch werden, bevor ich zurück gehe? Was hat das mit Mühe geben zu tun?

Ich habe halt auch keine Lust, zu irgendwelchen Sachen
mitgeschleppt zu werden. Mit meinem Freund allein gehe ich
gerne mal weg. Aber sonst – am nächsten Wochenende ist zB die
Geburtstagsfeier von seinem Cousin. Da will ich auch nicht
mit. Ein Haufen Leute, die ich nicht kenne.

Ein verständlicher Wunsch Deines Freundes, dass er Dich
mitnehmen möchte, oder? - Hast Du auch eine Cousine und
würdest Du ihn nicht auch mitnehmen wollen, wenn sie Euch
einlädt?

Ich möchte diese Leute auch gar nicht kennen lernen.

Immerhin gehört die Cousine zu seiner Familie. Du musst ja
nicht mit jedem reden oder gleich Brüderschaft trinken. - Ist
denn für Dich der Wunsch Deines Freundes, dass Du mitkommst im
Prinzip nachvollziehbar?

Diesen Wunsch kann ich nachvollziehen. Allein mit seinem Cousin und seiner Frau haben wir uns auch schon getroffen. Aber was soll ich auf eine Party gehen, mit Unmengen von Menschen, die ich nicht kenne. Und auch kein Interesse daran hab? Das ist nun mal mein Wunsch und bringt aber das Dilemma, das ich schon beschrieben hab:

Nur ist mir auch bewusst, dass es komisch ausschaut, wenn man sich
den ganzen Abend abkapselt und mit niemandem was zu tun haben will
(À la „was hat der denn für ne Freundin“ - das mag ich ihm
nicht antun…) Also ist es doch eigentlich nur logisch, dass
ich dann dort fern bleibe, oder?
Natürlich ist mir klar, dass es genauso strange wirken muss,
wenn jemand, der in einer Beziehung ist - immer nur alleine
auftaucht.

Kann es einen Kompromiss geben? Du kommst z.B. nur kurz mit,
weil Du etwas anderes vorhast? Kommst später, gehst früher
oder so?

Ich weiß nicht, bei dieser Party haben wir jetzt noch nicht so gesprochen, da wir auch nicht wissen, wieviel Uhr usw. Mal schauen…

Es geht ja nicht so weit, dass ich unfähig bin, mich mit
jemandem zu unterhalten, oder ein Menschenhasser bin. Ich
komme überall mit meinem Mitmenschen gut zurecht.

Dann kannst Du doch auch eine Stunde Party verkraften?

Wenn es eine Stunde wär, schon :wink:
Nur die halbe Nacht möchte ich mit dem nun mal nicht aussetzen-

Es wäre schön, ein paar Meinungen hierzu zu hören-

Ich habe versucht, meine Meinung zu formulieren. - Vielleicht
kannst Du etwas damit anfangen, ansonsten vergiss es halt
einfach. - Wichtig ist sowieso nur, was Du meinst und wie Du
leben möchtest.

Ja danke. Ich habe ja gepostet, um zu erfahren, wie es bei anderen so ist.

LG
Kathrina

Hi Kathrina,

einsamer Wolf grüßt einsamen Wolf :smile:
Deine Gedanken und Gefühle in Bezug auf andere Menschen kann ich absolut nachvollziehen, mir ging es genauso.
Ich schreibe bewußt „mir ging“ es genauso, weil ich dieses „Ablehnen“
abgestellt habe.
Ich war früher sehr kontaktfreudig, fast schon hyperaktiv, kannte viele, war auf Partys usw.
Dann schlich sich bei mir dieses Ruhebedürfnis ein, in einem Ausmaß, das ich hier nicht beschreiben kann.
Ende vom Lied, ich habe mich total abgesondert, bis ich endlich allein war (mit meiner Beziehung) und meine „Ruhe“ hatte.
Dann hat sich im Laufe der Jahre aber etwas eingeschlichen.
Mir ist aufgefallen, daß ich immer mehr in „meiner Welt“ lebe und selbst, wenn ich/wir mal Besuch hatten, hatte ich Probleme, den Gesprächen zu folgen. Meine Gedanken schweiften permanent ab und ich dachte oft, „hoffentlich gehen die bald wieder“. Ich war immer genervt, fühlte mich in meiner Ruhe gestört.
Ich hatte immer weniger Lust, nach draussen zu gehen, zu mal ich zu Hause arbeite, was natürlich vorteilhaft für meine gewollte Ruhe war.
Letztendlich habe ich für mich festgestellt, daß es ganz ohne Kontakt nicht geht.
Aus der gewollten Ruhe wurde Einsamkeit, innere Unzufriedenheit, Neid auf den Partner und dessen Freunde, alles in allem: die „Ruhe“ wurde unerträglich.
Also habe ich mich aufgerafft und Kontakte gesucht und gefunden. Sie sind locker und ohne jeden Zwang, aber nicht oberflächlich und für mich optimal.
Jetzt habe ich wirklich meine Ruhe gefunden, bin ausgeglichen und glücklich, und gehe auch gerne mal auf unsere gelegentlich stattfindenden Dorfpartys.

lG, cailan

Hallo Kathrina,
grundsätzlich würde ich mal sagen,jeder hat das Recht auf Zeiten der Unlust und der Zurückgezogenheit,wenn er es braucht.Das kenne ich auch,und da kann man auch dazu stehen.
Längerfristig glaube ich nicht,dass es für einen Menschen gut ist,den Mythos "einsamer Wolf"für sich zum credo zu erheben.
Kritisch wird`s nämlich dann,wenn man anfängt Kommunikation zu verlernen.so wie cailan und du selbst das gut beschrieben habt.man mag ja die Menschen,aber sie können gerne draussen bleiben!und mit dem banalen Gerede kann man sowieso nix anfangen.irgendwann wird man schrullig und unzugänglich.leider kommen aber im Leben auch mal Zeiten wo man Freunde braucht.es müssen ja nicht viele sein:die Qualität ist entscheidend.Sieh doch Freundschaften mal nicht als Verpflichtung,sondern als Geschenk.Man kann auch Freunden gegenüber seine Grenzen ziehen.
Des weiteren glaube ich,dass es wichtig ist,sich auch ausserhalb der Familie/Partnerschaft mit Menschen auszutauschen.Man lernt andere Meinungen und Sichtweisen kennen.Sonst hält man irgendwann die eigenen Anschauungen für das Wort Gottes und läuft Gefahr,quasi geistig einzufrieren.
Vielleicht spielt aber Deine momentane Lebenssituation auch eine Rolle,das klingt mir ein bisschen nach einer Blockade,weil Du ja eigentlich schon wieder gar nicht mehr da sein willst,wo Du gerade bist.Du hast aber die Entscheidung getroffen,etwas Neues zu wagen,also mach doch jetzt das Beste draus und akzeptier wie es ist.Vielleicht bist Du dann auch nicht mehr von allem so genervt.
Wenn man unzufrieden ist,nimmt man vieles nur noch negativ wahr.

grüsse von noch einem ex-einsamen wolf
Heidi

Hey Katrina,

Danke für die Erklärungen. Nur noch kurz zwei Anmerkungen:

Nu ja, ich brauche dieses Gefühl halt nicht.

„Brauchen“ tu ichs auch nicht, aber schön isses doch für mich.

Vielleicht findet Dein Freund ja auch, dass Du es nicht genug ::versuchst, weil Du bisher nichts unternommen hast, um überhaupt ::heimisch werden zu können?

Diesen Gedanken kann ich nachvollziehen. Aber wir haben ja
schon darüber geredet. Wieso sollte ich mir jetzt etwas
aufbauen, wenn ich hier nicht bleiben möchte? Ich weiß, dass
ich lieber in meiner Heimatstadt leben will, -wieso sollte ich
dann erst hier noch heimisch werden, bevor ich zurück gehe?
Was hat das mit Mühe geben zu tun?

Ich meine, dass es beim Umzug in eine andere Sadt durchaus viel Mühe kostet, sich einzuleben. Als Du also die Entscheidung getroffen hattest, zu Deinem Freund zu ziehen, hättest Du einiges dafür tun können, Dir neue Bezüge (Hobbys & Co) zu suchen. Dass Du es jetzt nicht mehr machst, wo Du wieder weg willst, ist natürlich klar.
(Ich habe mal einen kompletten Neustart gewagt und hatte furchtbar Heimweh. Ich bin gar nicht zurückgefahren, um mir das Einleben leichter zu machen und habe mir lauter neue Hobbys gesucht, weil die alten mich so sehr an mein Heimweh erinnerten… - aber mit der Zeit gings wirklich prima! - Sogar ohne Freund… - darum: Mühe geben)

Gruß, Matuja