Ich möchte Lesen lernen

Ok, hier gab es bereits einen ganze Menge Anfragen zu Klassikern wie Goethes oder Schillers Werken.

Mein Problem ist, - und mir ist sehr bewusst, dass jemand der als einigermaßen gebildet gelten will das niemals zugeben darf - ich kann „das Zeugs“ nicht lesen!

Ich besuchte kein Gymnasium. Ich weiss nicht wie ich beim Pisa-Test abschneiden würde, doch ich lese gerne und viel, bin interessiert und bemüht. Doch wurde mir niemals von einem Lehrer beigebracht die Sprache der Klassiker zu verstehen. Auch kann ich mit der Melodie der Gedichte der Meister nichts anfangen.
Nicht das ich es nicht versucht hätte. Doch weit bin ich nie gekommen, das Lesen war schlicht zu anstrengend als das es hätte Spaß machen können.

Wie kann ich das nicht gelernte nachholen?
Gibt es Bücher die mir das Lesen dieser Literatur beibringen können?

Ich habe bereits das Programm der hiesigen VHS durchsucht. Leider gibt es dort nichts entsprechendes.

Sorry, ich habe im Literaturbrett nichts zu suchen. Mir ist deine Frage zufällig unter den Mauszeiger gerutscht und ich habe halt ein paar Gedanken dazu.

Ich besuchte kein Gymnasium. Ich weiss nicht wie ich beim
Pisa-Test abschneiden würde, doch ich lese gerne und viel, bin
interessiert und bemüht. Doch wurde mir niemals von einem
Lehrer beigebracht die Sprache der Klassiker zu verstehen.
Auch kann ich mit der Melodie der Gedichte der Meister nichts
anfangen.

Du schraubst. Wie du schreibst klingt für mich wie ein Schraubenzieher, der den Kopf schon längst abgerissen hat und dennoch versucht, das Gewinde noch weiter zu überdrehen.

Nicht das ich es nicht versucht hätte. Doch weit bin ich nie
gekommen, das Lesen war schlicht zu anstrengend als das es
hätte Spaß machen können.

Du bemühst dich und es ist dir zu anstrengend. Sprache ist nicht anstrengend, sie ist ein Werkzeug, das du jeden Tag benutzt, ein Werkzeug, dessen Benutzung selbst kleinen Kindern schon Spass macht. Und du willst daraus einen echt harten Job für Männer im Stahlwerk und im eigenen Schweiss gebadet machen?

Wie kann ich das nicht gelernte nachholen?

Spielen. Einfach mit der Sprache spielen. Und wenn du mit Schiller und Goethe noch nicht mitspielen kannst, suchst du dir halt andere Spielkameraden. Schiller und Goethe werden nicht mehr besser, du schon.

Gibt es Bücher die mir das Lesen dieser Literatur beibringen
können?

Ich hab mit Pippi Langstrumpf angefangen.

Entschuldigung für meine Einmischung, ich werde auf meine Maus zukünftig besser Obacht geben,
Schorsch

Hallo

Wirklich sehr gut Dein Artikel, ich kann mich dem nur anschliessen. Ich glaube, das Vergnügen an derartigen Werken kann man nicht erzwingen oder erlernen. Auch wer auf ein Gymnasium geht, kann unter Umständen (zum gegeben Zeitpunkt oder generell) keinen Zugang zu gewissen Autoren oder einem gewissen Stil finden, durch Pauken jedenfalls wird sicher kein Interesse daran wach. Hier bedarf es, wie auch in anderen geistigen Bereichen eines inneren Abtastens, was einen zusagt und wo die persönlichen Interessen liegen. Es kann eien Entwicklung stattfinden, sdass Dir gewisse Dinge plötzlich gefallen, für die Du Dich vorher nicht begeistern konntest, aber erlernen lässt sich dies keinesfalls!

Mein Rat: Wenn Du Dich in der Lyrik entdecken möchtest, schnapp Dir einen Gedicht-Band, in dem Du Gedichte aus allen Epochen und von allen namhaften Autoren findest. Z.B. Benno von Wiese, „Deutsche Gedichte“ Berlin 1993, ein Standardwerk, das auch an Schulen öfters Verwendung findet. Dieses schlägst Du auf, blätterst darin herum und wirst dann bald entdecken, welcher Art Gedichte Dir zusagen.

Wenn Du Dich in der Weltliteratur entdecken möchtest, dann schlage doch in der Bibliothek Deines Vertrauens ein Buch über die deutsche Literatur auf und stöbere dort, welches Kapitel und welcher Autor Dir rein Thematisch zusagen könnte.

Du könntest auch hier Näheres über Deien Vorlieben, was Lektüre betrifft, über Interessen usw. schreiben, vielleicht weiss jemand zu den entsprechenden Themen gute Literatur.

Gruss

Wiesel

Hallo Garvey!

Vorab: Ich finde die Antworten meiner Vorgänger absolut daneben, denn es ist keine Antwort zu schreiben, dass man Lesen nicht erlernen könne und dass Du nicht mit Goethe „spielen“ sollst. Welchen Wert hat denn diese Aussage? M.E. keinen.
Hier möchte jemand einen Rat, wie er sich an Literatur herantasten kann. Was sollen denn solche abwertenden Sprüche??

Garvey, ich finde es gut, dass Du Dich bemühst die Literatur zu verstehen. Ich empfehle Dir Lektürenhilfen (z. B. Klett, Königs Erläuterungen oder Reclams Erläuterungen), um den jeweiligen Werken näher zu kommen. Hier sind Erklärungen in einfacherer Sprache gegeben.

Viel Spaß und lass Dich nicht entmutigen!

Liebe Grüße Coco

Hallo Schorsch,

manchmal gefallen mir Deine etwas schnoddrigen Antworten. In diesem Fall halte ich sie für absolut deplatziert und vor allem wenig hilfreich.

Du schraubst. Wie du schreibst klingt für mich wie ein
Schraubenzieher, der den Kopf schon längst abgerissen hat und
dennoch versucht, das Gewinde noch weiter zu überdrehen.

Ich muss mich wundern: Das, was Du später selbst forderst, nämlich das Spielen mit Sprache, gefällt Dir drei Zeilen darüber nicht. Es mag sein, dass Du, der Du Sprache eher als „Werkzeug“ empfindest, mit wohl geschraubt genannter Ausdruckweise nichts anzufangen weißt. Auch ich finde Garveys Bemühungen nicht sehr gelungen. Gleichwohl halte ich nichts davon, ihm dafür eins vor den Latz zu knallen, wofür Du das Werkzeug hier benutzt. Ich kann ihn stattdessen nur ermutigen, weiter zu „schrauben“ – die Doppeldeutigkeit ist bewusst gewählt. Mit Sprache umzugehen, selbst zu schreiben, und seine Grenzen zu erkennen, ist ein wertvoller Weg zum Ziel, an Literatur gleichermaßen Spaß zu haben wie auch dafür Respekt und Bewunderung zu empfinden. Wenn Du Garvey Dünkel vorwerfen willst, hast Du, glaube ich, den Falschen getroffen.

Und du willst daraus einen echt harten Job für Männer im Stahlwerk und im
eigenen Schweiss gebadet machen?

Sprache in ihrer edelsten Form ist ein echt harter Job. Das, was ich hier tippe, fließt in völliger Entspannung in die Tasten und ist daher bestenfalls ein halbwegs lesbarer Text, keine Literatur. Mit dem Lesen ist das kaum anders. Ein gutes Buch zu lesen – und zwar auf eine Weise, die dem Wort gerecht wird –, ist ebenfalls eine Anstrengung. Samstagnachmittags einen Pilcher-Roman zu überfliegen, ist sicher die richtige Weise, beim Lesen Entspannung zu finden. Werke wie „Faust“ oder „Der Zauberberg“ wirklich zu verstehen, erfordert dagegen ein wenig Arbeit. Dass man dabei sehr viel Spaß haben kann, weil man interessante Einsichten gewinnt, steht den Begriff „Anstrengung“ in keiner Weise entgegen.

Ich hab mit Pippi Langstrumpf angefangen.

Vielleicht meinst Du das ernst. Ich habe eher das Gefühl, dass Du Garvey – pardon! – verarschen willst. Die Lösung zu seinem Problem ist nicht, Pippi Langstrumpf oder den Michel von Lönneberga zu lesen.

Vielmehr kann ich Dir, Garvey, nur empfehlen, den Korn nicht mit der Flinte im Handtuch auszuschütten. Dein Ziel, Spaß an Literatur zu finden, erreichst Du nur durch Beharrlichkeit. Die Sprache der Literatur zu lernen ist ein ähnlicher Prozess wie das Erlernen einer Fremdsprache. Am Anfang paukt man stupide Vokabeln, blättert dauernd im Wörterbuch, versteht die Grammatik nicht. Da muss man durch. Analog zu diesem Sprachlernprozess steht bei der Literatur das Lesen einfacher Klassiker mit dem Reclam-Erklärheftchen in der anderen Hand. Wenn Du ein paar Titel gelesen hast, wirst Du vielleicht irgendwann feststellen, dass Du auf das, was die Schlaumeier bei Reclam kapiert haben, auch selbst kommst. So wie man es als Erfolgserlebnis empfindet, das erste Mal in der neu erlernten Fremdsprache ein Hotelzimmer zu reservieren, wirst Du irgendwann einen Roman oder ein Theaterstück in die Hand nehmen, es mehr oder minder verstehen und Spaß dabei empfinden, es zu lesen. Du hättest fünfzehn Jahre früher beginnen können, aber selbst wenn du achtzig wärest, könnte ich Dir nicht recht davon abraten, mutig voranzuschreiten. Du musst Dich nicht gleich mit den dicksten Wälzern plagen. Ich finde, man kann auch mal ein Buch beiseite legen, um es irgendwann weiterzulesen. Manche Abschnitte liest man fünf Mal, bis man sie versteht. Beharrlichkeit , ich wiederhole mich, ist der – natürlich streckenweise steinige – Königsweg. Optimal wäre, wenn Du einen Bekannten oder Freund hättest, der etwas von Literatur versteht und Dir ein paar Fingerzeige geben kann, vielleicht Freude daran hat, parallel zu Dir ein paar schöne Bücher noch einmal zu lesen. Andernfalls weiß ich, dass das Forum an Literaturexperten – von Fritz Ruppricht über Thomas Miller bis hin zu Diana – reich ist, die sicher keine Mühe scheuen werden, Dir dabei zu helfen, Dich für ihr gemeinsames Steckenpferd zu begeistern.

In diesem Sinne: Legere aude![1]

Gruß
Christopher

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------1 Wage es, zu lesen!

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Links: Goethe und Schiller verstehen lernen
Hallo Garvey

Als erstes schliesse ich mich voll und ganz Christophes Meinung an (einmal mehr…). Der Wille ist der Weg zum Ziel, also erfüllst Du die wichtigste Vorraussetzung, Dein Vorhaben (einen Zugang zu Schiller & Co. zu finden) auch in die Tat umsetzen zu können.

Was Dir weiterhelfen dürfte:

  • http://www.jgoethe.uni-muenchen.de/
    Bei der Uni München erhältst Du zwei Bände mit den Werken Goethes sowie eine CD-ROM. Auf letzterer befinden sich nebst sämtlichen Schriften: Rezensionen, Vorlagen, Briefe und Zeugnisse der Zeitgenossen und vor allem Texte mit wichtigen lebensweltlichen und literarischen Deutungsmustern der Zeit - insgesamt rund das Siebenfache des Drucktextes.

  • http://www.teachsam.de/deutsch/d_lite
    In diesem Arbeitsbereich von TeachSAM findest Du nebst vielen Infos zu Schiller eine sehr detaillierte Erläuterung von Schillers „Maria Stuart“: Überblick, historischer Hintergrund, Stoffgeschichte, Entstehungsgeschichte des Dramas, Handlungsverlauf, Figurenkonstellation, sprachliche Form

  • http://www.ub.fu-berlin.de/internetqu
    Weitere Schiller-Links der Unibibliothek der FU Berlin

  • http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz
    Hier findest Du eine kurze Buch-Rezension von Gunther Nickel, Stuttgarter Zeitung vom 17.11.2004. Es sind einige neue Bücher über Schiller erschienen, die er hier beurteilt und untereinander vergleicht. Vielleicht stösst Du auf ein geeignetes Buch, welches Dir Schiller näher bringen könnte.

Dies ist nur eine kleine Auswahl. Es gibt bestimmt noch zahlreiche andere Websites und Bücher, die Dir weiterhelfen könnten. Ich wünsche Dir jedenfalls viel Spass beim Erschliessen dieser für Dich noch unbekannten literarischen Welt…

Liebe Grüsse
Silvia

P.S.: bezüglich einiger bisheriger Antworten zu dieser Frage, s. auch mein Posting unter Anregungen, Lob & Kritik…
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

Hallo, Garvey:smile:

zunächst mal: herzlich Willkommen im Club der *Wissen-Wollenden*!!! Damit hast du, meiner Meinung nach, den allerwichtigsten Schritt getan. Zum Lesen selbst hast du ja von Christopher schon wertvollste Tips bekommen, denen ich mich nur anschliessen kann. Du hast eine wunderbare Linkliste von Silvia.
Eine Anregung (zusätzlich zu dem bereits Gesagten): Du wohnst in einer Stadt, in der immer wieder sehr gutes Theater gemacht wird. Am Spielplan in Duisburg lese ich Klassiker im Repertoire: Romeo und Julia, Der zerbrochene Krug, Die Wahlverwandtschaften, Das Mass der Dinge.
Theater kann einen anderen, *spielerischen* Zugang zur Weltliteratur eröffnen. Eine gute Vorstellung spricht dich emotional an, die Handelnden bekommen sozusagen *ein Gesicht*. Theater könnte - im Idealfall - neugierig machen aufs *Nach* - Lesen. Dabei erinnerst Du dich an das, was du gesehen hast, verbindest Schauplätze und Situationen mit *realem* Bühnengeschehen, erkennst Textpassagen wieder…und freust dich darüber! Nicht, dass konzentriertes *Theater-Schaun* nicht auch anstrengt. Aber es kann einen zusätzlichen Anreiz bilden. Selbst Namen, die beim blossen Lesen vielleicht *Angst und Schrecken* verbreiten (Aristophanes, Euripides, etc.), verlieren auf der Bühne ihren furchtverbreitenden *Anspruch*. Und überdies schult (regelmässiger) Theaterbesuch das vergleichende Denken - du wirst anspruchsvoller werden, genauso, wie beim regelmässigen Lesen.
Wie gesagt - kein Ersatz! - aber vielleicht ein *appetizer* - ein Appetitanreger.
Lieben Gruss aus Wien,
jenny

Hi Garvey,

ganz unabsichtlich wurde deine Anfrage (bzw. eine Antwort
darauf zum Thema einer Diskussion im ALK), da ich dort
darauf eingegangen bin, wollte ich das hier noch nachschieben.

Entgegen anderer empfand ich Schorschs Antwort nicht als zynisch.
Er hat einen so guten Rat
gegeben, dass er fast redundant ist: durch Lesen lesen lernen
(man muss nicht bei Pipi-Langstrumpf anfangen, dass haett
er sich zugegebenermassen sparen koennen). Wer mit
Schiller und Goether (erstmal) nicht kann, sucht sich einen
„Klassiker“ aus, der ihm liegt. Ob das E.T.A. Hoffmann waere
oder B.Brecht oder Duerrenmatt oder G.Grass oder H.Heine oder
T.Fontane — ich weiss nicht, wo du dich momentan befindest,
was deine Lektuere betrifft, aber du klingst ganz bestimmt
nicht nach Pipi Langstrumpf – mein Rat: also einfach
mal was Ungewohntes greifen, dass dich ein
bisschen fordert, aber nicht ueberfordert und dadurch
strecken und wachsen. Einfach querbeet anlesen und das fertiglesen, das dich interessiert.

Nebenbei finde ich Jennys Rat mit Theaterbesuch genial und
ich kann mich nur kopfnickend anschliessen.

Gruesse
Elke

Hallo, Christopher,
so gar daneben finde ich Schorschs Anmerkungen gar nicht.

Was er empfiehlt ist doch nichts anderes als eine behutsame, eher spielerische Herangehensweise.

Und in der Tat, beim Versuch eine Kiste aufzuschrauben, werde ich nicht aufgeben, wenn es mit einer einzelnen Schraube nicht vorangeht. Ich werde es mit einer anderen versuchen, die sich eventuell leichter lösen läßt. Und im Laufe der Zeit komme ich dann auch darauf, dass nicht ein Werkzeug für alle Schrauben taugt, sondern dass es für manche Schrauben Spezialwerkzeug gibt, das ich mir erst besorgen und dessen Benutzung ich mir erst aneignen muss.

Genug der Metaphorik - Ich denke, der Rat, sich immer strebend zu bemühen wurde von Schorsch doch verständlich und deutlich genug gegeben.

Wie oft habe ich Bücher, die mir zunächst so überhaupt nichts sagen wollten, erst einmal auf die Seite gelegt. Nur um sie vielleicht Jahre später wieder hervorzuholen und erstaunt zu erleben, dass sie plötzlich zu mir sprachen. Bei manchen bedurfte es auch mehrerer Anläufe und wieder andere sind mir bis heute siebenfach versiegelt geblieben.

Anders herum: Wie habe ich als Schüler meinen Lehrer verflucht, der uns endlose Balladen nicht nur zum Lesen, sondern sogar zum Auswendiglernen aufdrückte. Heute gehören gerade diese langen Balladen (ja, ich beschäftige mich nicht ausschließlich mit Eugen Roth :smile: zu meinen Lieblingen, die ich immer und immer wieder hervor hole um mich daran zu erfreuen.

Gruß
Eckard

3 „Gefällt mir“

Hallo Eckard,

wir meinen beide das Gleiche: Dass es ohne Beharrlichkeit und Anstrengung nicht geht, mit Verbissenheit aber noch viel weniger. Ich hoffe, dass sich Garvey aus jeder unserer ausführlichen Fassungen einige aufmunternde Ratschläge pickt und den Spaß an der Sache nicht verliert.

Gruß
Christopher

Umweg
Hallo Garvey,

Hast du dir schon einmal überlegt, ob es über einen Umweg geht?

Was die Gedichte der Klassiker angeht - vielleicht hilft es zunächst, Zusammenhänge mitzukriegen, wenn sie richtig betont werden - sprich: Wenn du sie dir vorlesen lässt. Es gibt das Gedicht-CDs beispielsweise von Goethe oder von Heine (Lutz Görner fällt mir als hervorragender Interpret ein - kuck mal bei Ebay).

Und was Theaterstücke angeht: Die würde ich mir auch nicht unbedingt antun wollen. Jedoch das Risiko, einfach ins Theater zu gehen und mir eine Inszenierung anzusehen, ist mir zu hoch. Vielleicht versucht der Regisseur, die Ganze handlung ins Abstrakt-Moderne zu verlegen und setzt den Text als bekannt voraus. Nun gut, „Wilhelm Tell“ wird auch dann verständlich sein, aber andere?

Ich empfehle unbedingt den uralten Faust-Film (ich glaube seinerzeit noch mit Gründgens). Und wer weiss, ob ich Büchners „Leonce und Lena“ jrmals mitbekommen hätte, wäre ich nicht in die Puppenspielinszenierung von Steinmann gegangen. (o.k., ich weiss, dass Heine und Büchner nicht zu den Klassikern im engeren Sinne gehören, aber das Problem ist das Gleiche.)

Zusammenfassend: Mir war der Umweg sehr hilfreich, sei es über Lieder (wie bei Heune), über Rezitationen (beispielsweise von Lutz Görner), über einge wenige Inszenierungen, die mir empfohen wurden. Das hat mirZugang zum Denken der Autoren gegeben, so fand ich auch Zugang zum Stil und konnte dann auch von den Meistern mehr lesen. Mehr - das heisst nicht alles: Büchners „Dantons Tod“ oder etliches von Schiller und Göte oder gar Shakespeare habe ich immer noch nicht gelesen. Mit dieser Wissenslücke kann ich leben und werde damit wohl ins Grab gehen müssen - es sei denn, bei Arte läuft zufällig mal eine packende und verständliche Inszenierung.

Ich hoffe, meine Gedanken helfen

Bernhard

Hallo Garvey,

du hast eine interessante Diskussion eingeleitet. :smile:

Aus meiner Sicht schilderst du ein aktuelles Problem von sehr vielen Menschen. Es ist schwer geworden, sich Zeit zu nehmen, um langsam zu lesen. Es ist mühsam geworden, sich einen Kreis zu finden, um die Lektüre zu besprechen. Wenn du erstmals den Einstieg gemeistert hast, dann kann es auch ohne gehen, für den Anfang würde ich aber Bücher weniger mit Büchern verarbeiten, sondern eher mit Mitmenschen.

Wenn du bei der VHS nichts gefunden hast, schau doch mal in Zeitungen und im Internet - in deiner Stadt gibt es bestimmt einen Lesekreis o.ä. Bei der Stadtbibliothek auch usw.

Und fang an um gotteswillen nicht bei der Klassik - nimm etwas, worüber du mit deiner aktuellen Umgebung reden kannst. Durch diesen Meinungenaustausch kommst du weiter.

Um z.B. die Melodie eines Gedichtes aufzuspüren, musst du sie hören, alles klar? :smile:

hallo garvey,

vorweg: ich finde deine anfrage toll und ich möchte dir vesichern, daß es verdammt vielen geht wie dir - nur haben die wenigsten den mut, zu fragen (aber warum eigentlich?. mit deiner absicht, dich mit klassikern zu befassen und sie zu verstehen, bist du wahrscheinlich dem durchschnitts-bildungsbürgertum, das nur so tut, als hätte es alles verstanden, um längen voraus :smile:

wenn du einstieg in die „klassiker“ bekommen willst, kann ich dir diese reihe hier empfehlen: http://www.amazon.de/exec/obidos/search-handle-form/…

die serie heißt „Meisterwerke kurz und bündig“ und hat sich schon einige schwere brocken vorgenommen. es steht zu erwarten, daß weitere dazukommen.

probier es aus, ob dir dieser weg zusagt. vielleicht findest du ja auch einen anderen oder sogar besseren für dich. (und sei bitte nicht überrascht, wenn du entdeckst, daß all diese berühmtheiten auch nur mit wasser gekocht haben :wink:

viel spaß wünscht
ann

noch was

Ich habe bereits das Programm der hiesigen VHS durchsucht.
Leider gibt es dort nichts entsprechendes.

doch! und zwar läuft unter http://www.vhs-duisburg.de/php/zeigkurs.php3?ID=60404 ein literaturkurs, der goethes faust teil 1 zum inhalt hat. (und wenn du erst einmal ein packende gefunden hast, um klassiker zu lesen, kannst du dir die anderen auch erarbeiten - oder weißt, wo du hilfe dazu bekommst.)

leider weiß ich nicht, ob der kurs nicht jetzt gerade zu ende geht. aber sowas in der art wird eigentlich immer angeboten. ein anruf bei der VHS klärt das.

literatur- oder lesegruppen gibt auch von anderen organisationen oder privat. vielleicht fragst du einfach mal im duisburg-forum: http://f26.parsimony.net/forum64167/index.htm

schöne grüße
ann

anderer Umweg
hallo garvey,

du musst ja gar nicht mit schiller und goethe anfangen… hab lange zeit auch nicht viel mit theaterstücken anfangen können - vielleicht fehlt mir dazu die phantasie. von daher finde ich bernhards rat sehr gut.
ein gefühl für die lyrik bekommst du, glaube ich aber auch noch auf einem anderen weg: es gibt auch spannende romane bei denen du ein verständnis für komplexere sprache und weniger handlungsbezogene inhalte gewinnen kannst (mir ging’s immer so, dass ich einen text zwar schön fand, weil er einen rythmus hat oder weil er klingt, aber hab halt nicht verstanden um was es eigentlich ging und damit nach ein paar seiten das interesse verloren).
aber es muss eben auch nicht gleich lyrik sein. dürrenmatt zum beispiel ist spannend und wenn du einen längeren monolog vom herrn komissär mal nicht verstehst, dann ist das auch nicht so schlimm… das verständnis kommt mit der zeit von allein und damit auch die bereitschaft sich intensiver damit auseinanderzusetzen.

bin bis heute kein großer freund von sekundär-literatur (dazu gibt’s freunde die sich damit beschäftigen), dafür fehlt mir das interesse - hab`s aber auch nie bis zur blechtrommel oder dem zauberberg geschafft… jedenfalls nicht über die ersten hundert seiten hinaus. das heisst aber noch lange nicht, dass ich keinen zugang zu klassikern wie, die von dir erwähnten, schiller und goethe gefunden hätte.
das kommt vielleicht auf den typ an, vielleicht findest du’s leichter mit sekundär-literatur, falls nicht ist das aber eben auch nicht schlimm :smile: bin überzeugt es geht aber auch ohne - bis zum gewissen grad, dann halt ohne blechtrommel :wink:
mein persönlicher liebling war oscar wilde (the picture of dorian gray - oder „das portrait des dorian gray“). da hab ich den roman gelesen (spannend!). „dummerweise“ hat wilde sonst fasst nur theatherstücke und gedichte geschrieben und so hab ich halt mit denen weitergemacht - sehr schön.

auf jeden fall viel spass und erfolg beim freude-am-lesen-von klassischer-literatur-finden!

grüße von kati

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Garvey

Meine Empfehlung: Nimm dir einen einfachen Klassiker, z.B. „Die
Leiden des jungen Werthers“ von Goethe. Lies immer nur eine halbe
Stunde am Stueck, jedenfalls nie laenger, als du deine Aufmerksamkeit
hoch halten kannst. Schreibe nach jeder Seite in eigenen Worten eine
kurze Zusammenfassung der Seite (3-4 Zeilen).
Ich bin gerade mit Spinozas „Ethik“ fertiggeworden. Das Buch umfasst
knapp 300 Seiten, davon sind rund die Haelfte Umformulierungen von
bereits Gesagtem (die Beweise), also effektiv sind es nur 150 Seiten.
Ich habe dafuer 8 Monate gebraucht und es war das zweite Mal, das ich
es gelesen habe. Dabei sind 24 A4 Seiten Notizen herausgekommen.
Insgesamt hat mir diese Arbeit Spass gemacht. Wichtig ist nur, dass
du dir Zeit laesst aber gleichzeitig am Ball bleibst. Einmal pro
Woche zu lesen, ist wohl zu selten, aber so 2-3 mal eine halbe bis
3/4 Stunde, ganz ohne Druck, ist ein sinnvolles und schoenes Hobby,
das deine Bildung erweitert und deinen Verstand schult. Viel Erfolg!

Gruss, Tychi

Vielen Dank an alle!
Danke für die vielen ausführlichen Antworten und die vielen verschiedenen Tips, neue Schrauben an denen es nun zu werkeln gilt :wink:

Meine Frage ist sicher mehr als beantwortet und gleichzeitig haben mich viele Postings stark motiviert das „Problem“ anzugehen.

Schönen Gruß aus Duisburg
Garvey

Hallo Garvey,

kleiner Nachtrag aus meiner Erfahrungskiste:

Als ich Anfang der Neunziger Jahre begann, mich für „Literatur“ zu interessieren (also für anspruchsvollere Sachen, die nicht der reinen Unterhaltung verschrieben sind), war es sehr bald schon der Schiller, an dem ich mich festbiß. Was mir bei dieser Lektüre besonderen Spaß bereitete, war - neben der Freude an der Schönheit der Sprache, die ich allerdings sofort empfand - das Erarbeiten des Textes. Ich glaube seither, daß ein großer Teil der Freude und des „Gewinns“, den ein Leser aus Literatur ziehen kann, eben darin liegt, ein Buch nicht einfach nur runterzulesen, sondern es sich zu „erarbeiten“ - ohne dies, wohlgemerkt, als Last zu empfinden, ganz im Gegenteil! Bei mir ist das bis heute so geblieben, den Goethe „erarbeite“ ich mir auch beim zweiten und dritten Lesen noch, immer ein bißchen anders, weiter, und überwiegend mit Genuß (hat die Muse nicht mal nen Hänger… ;o) ). Reine Unterhaltungsliteratur dagegen, wenn ich sie denn noch lese, beende ich oft mit einem schalen Nachgeschmack: zu wenig Widerstand, zu wenig geistige Herausforderung. Darum wirst Du bei guter Literatur nie ganz herumkommen: um geistige Herausforderung - hier etwas mehr, dort etwas weniger. Darum muß es Dir nicht nur, aber auch zu tun sein; so jedenfalls meine Meinung. An einen Klassiker kann man nicht mit der Einstellung herangehen, ihn einfach „runterlesen“, kein daran interessierter Leser macht das (möchte ich Dir gar nicht unterstellen, ich weise nur darauf hin). Du solltest also daran interessiert sein, Dir das Werk ein bißchen zu erarbeiten, sonst wird’s schwer. Das mag vordergründig martialisch klingen, in der Praxis ist es aber nicht so: Begleitendes Mitlesen im Anmerkungsapparat reicht für den Anfang völlig. Ich meine, Du mußt den Balg ja nicht gleich in seine Einzelteile zerlegen, oder? ;o) .

Ok, das war’s von mir, ich hoffe, Dir ein paar nützliche Anregungen gegeben zu haben. Viel Erfolg und

beste Grüße,

Tizian