Hallo Anja,
Haus und Garten hab ich - deshalb klink ich mich auch aus dem Überbegriff Sport aus. Ich arbeite den ganzen Tag, sitze nur zum essen, und am PC, wenn ich meine mails anschaue oder mich im Forum rumtreibe.
Mit einer Hälfte meines Gehirns versteh ich alles, was Du und auch andere aus der Antwortgruppe, mir raten.
Es kann schon sein, dass ich mich durch den krampfhaften Wunsch abzunehmen selber blockiere.
Inzwischen ist das alles so sehr in Fleisch und Blut übergegangen, dass ich auch bei dem, was andere als Verzicht bezeichnen, dieses Gefühl nicht mehr haben.
Diszipliniert essen bedeutet für mich auch Selbstbeweis und Durchhaltevermögen. Andererseits ist es wirklich der pure Stress, dem ich mich seit Jahren aussetze.
Zum mehrmaligen essen - es gibt eine ganze Menge Ernährungsformen, die dringend raten, zwischen den drei Mahlzeiten täglich, im Abstand von etwa 5 Stunden, nichts zu essen und nichts kalorienhaltiges zu trinken. Das hängt offenbar mit der Bauchspeicheldrüse zusammen.
Ich hab schon drei- fünf - siebenmal am Tag gegessen, was auch immer, ich hatte entweder blos Hunger, oder Appetit, oder fühlte mich überfressen. Dreimal am Tag klappt sehr gut.
In meinem Kopf sind die vielen „Erenntnisse“ die ich aus -zig Ernährungsvorschriften gespeichert hab.
Und da passt vermutlich garnix mehr zusammen.
Auch 20 Jahre Arbeit in einer Modefirma gingen nicht ganz spurlos an mir vorüber.
Gleich nach dem „Guten Morgen“ wurden die neuesten Abnehmerichtlinien der ganzen Klatschzeitungen durchgehechelt, empfohlen und natürlich ausgelebt.
Ich kann mich garnicht erinnern, dass ich in der Kantine jemals ein komplettes Gericht gegessen hätte. „Was, Du willst abnehmen und dann isst Du…?“ Dem wollte ich mich keinesfalls aussetzen.
Eine Tasse schwarzen Kaffee und dann eine halbe Stunde Stadtbummel - oder besser Stadtwalking um den Sitzspeck abzutrainieren.
Arbeiten im Stehen, um nicht durch sitzen Fett anzusetzen… - wenn ich so drüber nachdenke, es war eigentlich nur Stress, der nie zum Gewichtsverlust geführt hat.
Auch nachdem ich aufgehört hab zu arbeiten und mich der Betreuung meiner Eltern gewidmet hab, hat sich der Stress nicht gelegt.
Verändert hat er sich. Dann hab ich täglich 15 Stunden in der Gaststätte meines Sohnes gearbeitet - und nachts mit dem Taschenrechner unterm Kopfkissen geschlafen, weil die Wirtschaft einfach nicht gelaufen ist - wieder Stress.
Dann die Pleite, und alles was psychisch damit zusammenhängt - Stress.
Die Diagnose Alzheimer bei meinem Mann - keine Zukunftsperspektive, also Stress und nun der Infarkt meines Mannes - andere würden vor Kummer und Gram abmagern, ich halte mein Gewicht eisern.
Würde ich das lesen und nicht selbst geschrieben haben, dann würde ich vermutlich denken, dass man so eigentlich garnicht leben kann. Und ich wundere mich auch manchmal, dass ich nicht einfach in einem dunklen Loch verschwinde.
Und ich frage mich natürlich auch, ob die Therapeutin, die mich zu dem Formulaarzt geschickt hat, nicht besser mein Essverhalten anschauen sollte, als mich in eine neue Stresssituation zu schicken.
Ich hab zu denken!
Danke und freundliche Grüsse
Ingrid