Moin nochmal!
Du willst also tatsächlich mathematisch definieren, daß es
genausoviele gerade wie ungerade Zahlen gibt?
Nein, das muß ich nicht definieren (dann gäb’s da ja auch nichts zu beweisen), das ist beweisbar.
Ich habe das mal so gelernt, daß zwei Mengen gleichmächtig heißen (zu deutsch: gleich viele Elemente haben), wenn es eine bijektive Abbildung zwischen ihnen gibt. OK, das sagt den meisten hier vermutlich nichts; das soll heißen, daß ich eine Abbildung finden kann, die jedem Element aus der ersten Menge genau ein Element der zweiten Menge zuordnet, und zwar so, daß es kein Element der zweiten Menge gibt, dem kein Element der ersten Menge zugeordnet wird.
Beispiel: Die Mengen A = (1, 2, 3) und B = (3, 4, 5) sind gleichmächtig. Ich kann nämlich die Abbildung f : (1 wird auf 3 abgebildet, 2 auf 4, 3 auf 5) definieren. Jede Zahl der Menge B (3, 4, 5) wird genau einmal erreicht, und ich habe jeder Zahl aus A (1, 2, 3) eine Zahl zugeordnet.
Beispiel: Die Mengen A = (1) und B = (2, 4) sind nicht gleichmächtig. Ich mache folgende Abbildung g: (1 wird auf 2 abgebildet). Damit habe ich jeder Zahl aus A eine Zahl in B zugeordnet, aber nicht jede Zahl in B wurde eine Zahl in A zugeordnet (4 hat kein Urbild). Ich kann noch die andere Abbildung ausprobieren: h: (1 wird auf 4 abgebildet), was aber auch nicht wirklich zum Erfolg führt. Das sind aber auch schon alle Abbildungen, die in Frage kommen, also sind die Mengen nicht gleichmächtig.
Anmerkung: Wie man am zweiten Beispiel sieht, ist es nicht wichtig, daß _alle_ Abbildungen zwischen den beiden Mengen 1:1-Abbildungen sind, sondern nur, daß es _eine_ (lies: mindestens eine) mit diesen Eigenschaften gibt.
Nach dem Vorgeplänkel mal zu dem Beispiel mit der Straße. Auf der einen Seite sind die geraden Zahlen: A = (2, 4, 6, 8, …) und auf der anderen Seite die ungeraden (1, 3, 5, 7, …). Ich mache nun die Abbildung f : (einer Zahl m aus A wird die Zahl (m-1) in B zugeordnet). Damit habe ich eine Abbildung definiert, die jeder geraden Zahl eine ungerade zuordnet, und umgekehrt wird auch jeder ungeraden Zahl eine gerade zugeordnet. Die beiden Mengen sind damit gleichmächtig.
Anmerkung: Daß die beiden Mengen „unendlich groß“ sind, spielt offenbar keine Rolle, kann aber zur Verwirrung führen:
Beipiel: Ich kann auf den Mengen oben auch die Abbildung g : (einer Zahl m aus A wird die Zahl (2m - 1) in B zugeordnet). Damit werden nur die Zahlen 3, 7, 11, … erreicht, also sozusagen „die Hälfe von B“. An dieser Abbildung kann man halt nicht sehen, daß die beiden Mengen gleichmächtig sind, aber das ist ja auch gar nicht gefordert. Was kann schon die Mathematik dafür, wenn ich meine Abbildung so ungeschickt wähle! 
Nun zu den Primzahlen. Erstmal (etwas offtopic, aber ich möchte mich von der Seite auch nicht mathematisch angreifbar machen):
Satz: Es gibt unendlich viele Primzahlen.
Beweis: Angenommen, es gibt nur endlich viele Primzahlen. Dann gibt es eine größte Primzahl P_n. Wir bilden das Produkt aller Primzahlen
p := Produkt (i=1…n) P_i
und addieren 1. Dann ist die Zahl, die wir dort herausbekommen, von allen Primzahlen nur mit dem Rest 1 teilbar (weil wir das so konstruiert haben). Also wird die Zahl von keiner bisher bekannten Primzahl geteilt, sie ist demzufolge entweder selbst eine Primzahl oder wird von einer Primzahl geteilt, die größer ist als P_n. Also war die Annahme, daß P_n die größte Primzahl ist, falsch, also gibt’s unendlich viele Primzahlen.
Wir numerieren unsere unendlich vielen Primzahlen durch: p_1 = 2, p_2 = 3, p_3 = 5, p_4 = 7, p_5 = 11, und so weiter. Oops! Damit haben wir eine bijektive Abbildung zwischen den Zahlen (1, 2, 3, 4 …) und den Primzahlen angegeben:
f : (Bilde die natürliche Zahl i auf die Primzahl p_i ab).
Da es unendlich viele Primzahlen gibt, finden wir für jede ganze Zahl eine Primzahl. Wir erreichen mit dieser Konstruktion aber auch alle Primzahlen, also ist die Menge der natürlichen Zahlen genau so mächtig wie die Menge der Primzahlen, und nicht etwas kleiner.
Betrachten wir nun mal die Menge der Quadratzahlen. Der Einfachheit halber gebe ich direkt eine Abbildung an: h : (Ordne jeder natürlichen Zahl i ihre Quadratzahl i^2 zu.) Damit erreiche ich offenbar jede Quadratzahl, und ich ordne jeder Zahl eine Quadratzahl zu. Die Menge der Quadratzahlen ist also genau so mächtig wie die Menge der natürlichen Zahlen.
Daraus folgt aber, daß die Menge der Quadratzahlen genau so mächtig ist wie die Menge der Primzahlen, und das ist es, was ich gesagt habe.
Sorry, daß das mal wieder was länger wurde, aber ich denke, daß kürzere Beiträge nichts bringen, wenn die dann noch weniger Leute verstehen oder sie mathematisch unexakt werden.
Chris