Hallo Christina,
ich habe das Fach als zweiten Schwerpunkt im Hauptstudium gehabt, es war aber nicht mein bevorzugtes. Trotzdem möchte ich Dir ein paar Infos geben, soweit ich kann. Die gesamte Bandbreite der Tätigkeiten aufzuzählen, die eine Psychologin in der Wirtschaft ausüben kann, sprengt jedoch den Rahmen dieses Forums.
Ich habe schon oft daran gedacht Psychologie zu studieren,
weil ich die unterschiedlichen Verhaltensweisen der Menschen
sehr spannend finde. Nur genügt das allein aus, um diesen
Beruf später auch wirklich ausübern zu können?
Nach dem Studium empfielt es sich sehr, sich um Zusatzqualifikationen zu bemühen, um in der Praxis auf einem der vielen Berufsfelder, in denen Psychologen arbeiten können, tätig werden zu können.
Außerdem habe ich in diesem Beruf keinen Wirtschaftsbezug…
Das ist nicht richtig. Wenn man sich als Studentin und anschließend als Diplom-Psychologin für die Wirtschaftspsychologie spezialisiert, dann ist der Bezug gegeben.
Was hat euch dazu bewegt Psychologie zu studieren?
Antworten auf diese Frage bringen Dich nicht unbedingt weiter, weil die Motivation eines Studienanfängers, Psychologie zu studieren, oftmals von falschen Vorstellungen über das Fach geprägt sind (siehe auch unten). Wenn man z.B. meine Eingangsmotivation nimmt und dann mein jetziges Verständnis von Psychologie dagegenhält, stellt man einen großen Gegensatz fest.
Meine Mathelehrerin hat mich letzte Woche gefragt, ob ich mich
über den Beruf des Wirtschaftspsychologen schon einmal
informiert habe. Ich muss gestehen, dass ich bis zu diesem
Zeitpunkt noch nicht einmal wusste, dass es diesen Beruf
überhaupt gibt.
Ja, das hängt damit zusammen, daß in der Öffentlichkeit viele falsche Vorstellungen über das Fach Psychologie und die vielfältigen Betätigungsmöglichkeiten von Psychologen vorherrschen. So ein prominentes Klischee wie dasjenige, daß Psychologen generell jemanden auf die berühmte Couch legen wollen, möchte ich als Beispiel nennen.
Ich habe jetzt schon sehr viele Homepage von Unis angesehen,
aber immer nur die gleichen Beschreibungen gefunden. Doch aus
dem wirklichen Leben eines Wirtschaftspsychologen sind diese
irgendwie nicht. Ich hoffe nun, dass einer von euch mir etwas
über seinen Beruf erzählen kann. Was macht ihr so den lieben
langen Tag?
Das kommt darauf an, in welchem Bereich der Wirtschaftspsychologie die betreffende Psychologin arbeitet. Viele arbeiten z.B. im Bereich der Personalauswahl oder der Personalentwicklung. Da geht es dann darum, Personalauswahlverfahren (z.B. Fragebögen, Einstellungsinterviews, Verfahren des Assessment Centers) zu entwickeln, zusammenzustellen und einzusetzen oder Kurse und Trainingsprogramme (z.B. zur Verbesserung der sozialen Kompetenz von Führungskräften) zu entwickeln und durchzuführen, in denen Personal geschult wird.
Andere Psychologen arbeiten im Bereich des Marketing oder in der Organisationsberatung (welche betrieblichen Prozesse kann man optimieren, um bestimmte Ziele zu erreichen, z.B. besseres Arbeitsklima, geringere Fluktuation, geringerer Absentismus, höhere Produktivität).
In welchen verschiedenen Bereich kann ich später
arbeiten?
Einige Bereiche hatte ich eben schon genannt. In welchen Du später arbeiten kannst, hängt von Deiner Schwerpunktsetzung und Deinen Zusatzqualifikationen ab.
Wisst ihr zufällig auch, wie die Chancen auf einen
Beruf später sind? (was nützt mir ein abgeschlossenes Studium,
wenn ich keine Aussicht auf einen Job habe - mir ist bewusst,
dass mir eine Garantie niemand geben kann)
Bis Du fertig studiert und die anschließenden Zusatzausbildungen gemacht hast, vergehen Jahre. Bis dahin wird sich auf dem Arbeitsmarkt sicher einiges tun. Deshalb rate ich eher dazu, sich einen Bereich nach seinen Interessen auszusuchen und weniger auf mögliche Arbeitsmarktentwicklungen zu schielen. Heute ist die Branche gefragt, morgen die. Vorhersagen darüber sind schwierig. Du fragst zehn Volkswirte und hörst elf Meinungen. 
Sobald man die Wörter Studium und Psychologie nur in den Mund
nimmt hört man:" Oh mein Gott, lass das bloß sein - alle
Psychologen werden früher oder später selbst verrückt!" Ich
kann es mr zwar nicht vorstellen, aber ich frage trotzdem: Ist
an diesem Gerücht etwas dran?
3 Jahre nach dem Diplom erfolgt bei jedem Psychologen die Frühverrentung wegen Arbeitsunfähigkeit aufgrund schwerster depressiver oder schizophrener Symptomatik. 
Warum Psychologinnen und Psychologen bzw. Psychologiestudierenden mehr psychische Auffälligkeiten geben könnte, liegt doch wohl auf der Hand:
Erstens hat eine große Zahl der Kolleginnen und Kollegen mit psychisch Kranken zu tun. Die eigene psychische Belastung durch den täglichen Kontakt mit solchen Menschen sollte man nicht unterschätzen und stellt einen Risikofaktor für die Entwicklung eigener Problematiken dar.
Zweitens entschliessen sich etliche Menschen mit psychischen Problemen zu einem Psychologiestudium - in der irrigen Überzeugung, dort etwas lernen zu können, das ihnen helfen könnte, besser mit ihrem ganz persönlichen Leben klarzukommen. Ein Psychologiestudium ist aber kein Therapieersatz.
Beste Grüße,
Oliver Walter