Ich suche einen Wirtschaftspsychologen!

Hallo,

ist zufällig jemand von euch Wirtschaftspsychologe?

Ich bin (wie viele andere auch) noch immer auf der Suche nach meinem Traumjob. Ich bin mir (fast!) sicher, dass es etwas wirtschaftliches sein soll. Aber nur BWL? Nein, ich glaube das ist mir zu einseitig.
Ich habe schon oft daran gedacht Psychologie zu studieren, weil ich die unterschiedlichen Verhaltensweisen der Menschen sehr spannend finde. Nur genügt das allein aus, um diesen Beruf später auch wirklich ausübern zu können? Außerdem habe ich in diesem Beruf keinen Wirtschaftsbezug… Was hat euch dazu bewegt Psychologie zu studieren?

Meine Mathelehrerin hat mich letzte Woche gefragt, ob ich mich über den Beruf des Wirtschaftspsychologen schon einmal informiert habe. Ich muss gestehen, dass ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal wusste, dass es diesen Beruf überhaupt gibt.

Ich habe jetzt schon sehr viele Homepage von Unis angesehen, aber immer nur die gleichen Beschreibungen gefunden. Doch aus dem wirklichen Leben eines Wirtschaftspsychologen sind diese irgendwie nicht. Ich hoffe nun, dass einer von euch mir etwas über seinen Beruf erzählen kann. Was macht ihr so den lieben langen Tag? In welchen verschiedenen Bereich kann ich später arbeiten? Wisst ihr zufällig auch, wie die Chancen auf einen Beruf später sind? (was nützt mir ein abgeschlossenes Studium, wenn ich keine Aussicht auf einen Job habe - mir ist bewusst, dass mir eine Garantie niemand geben kann)

Sobald man die Wörter Studium und Psychologie nur in den Mund nimmt hört man:" Oh mein Gott, lass das bloß sein - alle Psychologen werden früher oder später selbst verrückt!" Ich kann es mr zwar nicht vorstellen, aber ich frage trotzdem: Ist an diesem Gerücht etwas dran? Von irgendwoher muss es ja kommen.

Ich hoffe, dass mir jeamand etwas Licht ins Dunkle bringen kann…

Liebe Grüße
Tina

Hallo Christina,

ich habe das Fach als zweiten Schwerpunkt im Hauptstudium gehabt, es war aber nicht mein bevorzugtes. Trotzdem möchte ich Dir ein paar Infos geben, soweit ich kann. Die gesamte Bandbreite der Tätigkeiten aufzuzählen, die eine Psychologin in der Wirtschaft ausüben kann, sprengt jedoch den Rahmen dieses Forums.

Ich habe schon oft daran gedacht Psychologie zu studieren,
weil ich die unterschiedlichen Verhaltensweisen der Menschen
sehr spannend finde. Nur genügt das allein aus, um diesen
Beruf später auch wirklich ausübern zu können?

Nach dem Studium empfielt es sich sehr, sich um Zusatzqualifikationen zu bemühen, um in der Praxis auf einem der vielen Berufsfelder, in denen Psychologen arbeiten können, tätig werden zu können.

Außerdem habe ich in diesem Beruf keinen Wirtschaftsbezug…

Das ist nicht richtig. Wenn man sich als Studentin und anschließend als Diplom-Psychologin für die Wirtschaftspsychologie spezialisiert, dann ist der Bezug gegeben.

Was hat euch dazu bewegt Psychologie zu studieren?

Antworten auf diese Frage bringen Dich nicht unbedingt weiter, weil die Motivation eines Studienanfängers, Psychologie zu studieren, oftmals von falschen Vorstellungen über das Fach geprägt sind (siehe auch unten). Wenn man z.B. meine Eingangsmotivation nimmt und dann mein jetziges Verständnis von Psychologie dagegenhält, stellt man einen großen Gegensatz fest.

Meine Mathelehrerin hat mich letzte Woche gefragt, ob ich mich
über den Beruf des Wirtschaftspsychologen schon einmal
informiert habe. Ich muss gestehen, dass ich bis zu diesem
Zeitpunkt noch nicht einmal wusste, dass es diesen Beruf
überhaupt gibt.

Ja, das hängt damit zusammen, daß in der Öffentlichkeit viele falsche Vorstellungen über das Fach Psychologie und die vielfältigen Betätigungsmöglichkeiten von Psychologen vorherrschen. So ein prominentes Klischee wie dasjenige, daß Psychologen generell jemanden auf die berühmte Couch legen wollen, möchte ich als Beispiel nennen.

Ich habe jetzt schon sehr viele Homepage von Unis angesehen,
aber immer nur die gleichen Beschreibungen gefunden. Doch aus
dem wirklichen Leben eines Wirtschaftspsychologen sind diese
irgendwie nicht. Ich hoffe nun, dass einer von euch mir etwas
über seinen Beruf erzählen kann. Was macht ihr so den lieben
langen Tag?

Das kommt darauf an, in welchem Bereich der Wirtschaftspsychologie die betreffende Psychologin arbeitet. Viele arbeiten z.B. im Bereich der Personalauswahl oder der Personalentwicklung. Da geht es dann darum, Personalauswahlverfahren (z.B. Fragebögen, Einstellungsinterviews, Verfahren des Assessment Centers) zu entwickeln, zusammenzustellen und einzusetzen oder Kurse und Trainingsprogramme (z.B. zur Verbesserung der sozialen Kompetenz von Führungskräften) zu entwickeln und durchzuführen, in denen Personal geschult wird.

Andere Psychologen arbeiten im Bereich des Marketing oder in der Organisationsberatung (welche betrieblichen Prozesse kann man optimieren, um bestimmte Ziele zu erreichen, z.B. besseres Arbeitsklima, geringere Fluktuation, geringerer Absentismus, höhere Produktivität).

In welchen verschiedenen Bereich kann ich später
arbeiten?

Einige Bereiche hatte ich eben schon genannt. In welchen Du später arbeiten kannst, hängt von Deiner Schwerpunktsetzung und Deinen Zusatzqualifikationen ab.

Wisst ihr zufällig auch, wie die Chancen auf einen
Beruf später sind? (was nützt mir ein abgeschlossenes Studium,
wenn ich keine Aussicht auf einen Job habe - mir ist bewusst,
dass mir eine Garantie niemand geben kann)

Bis Du fertig studiert und die anschließenden Zusatzausbildungen gemacht hast, vergehen Jahre. Bis dahin wird sich auf dem Arbeitsmarkt sicher einiges tun. Deshalb rate ich eher dazu, sich einen Bereich nach seinen Interessen auszusuchen und weniger auf mögliche Arbeitsmarktentwicklungen zu schielen. Heute ist die Branche gefragt, morgen die. Vorhersagen darüber sind schwierig. Du fragst zehn Volkswirte und hörst elf Meinungen. :wink:

Sobald man die Wörter Studium und Psychologie nur in den Mund
nimmt hört man:" Oh mein Gott, lass das bloß sein - alle
Psychologen werden früher oder später selbst verrückt!" Ich
kann es mr zwar nicht vorstellen, aber ich frage trotzdem: Ist
an diesem Gerücht etwas dran?

3 Jahre nach dem Diplom erfolgt bei jedem Psychologen die Frühverrentung wegen Arbeitsunfähigkeit aufgrund schwerster depressiver oder schizophrener Symptomatik. :wink:

Warum Psychologinnen und Psychologen bzw. Psychologiestudierenden mehr psychische Auffälligkeiten geben könnte, liegt doch wohl auf der Hand:

Erstens hat eine große Zahl der Kolleginnen und Kollegen mit psychisch Kranken zu tun. Die eigene psychische Belastung durch den täglichen Kontakt mit solchen Menschen sollte man nicht unterschätzen und stellt einen Risikofaktor für die Entwicklung eigener Problematiken dar.

Zweitens entschliessen sich etliche Menschen mit psychischen Problemen zu einem Psychologiestudium - in der irrigen Überzeugung, dort etwas lernen zu können, das ihnen helfen könnte, besser mit ihrem ganz persönlichen Leben klarzukommen. Ein Psychologiestudium ist aber kein Therapieersatz.

Beste Grüße,

Oliver Walter

Hallo
Nicht zu vergessen, dass man an einigen Unis BWL mit Nebenfach Psycho studieren kann (u.a. Kiel, sind dort die Nebenfächler immer noch 2. Wahl für die Profs?), was evtl jahrelange Zusatzausbildungen etwas abkürzt. Für manche Bereiche wie Personalauswahl etc. dürfte der Crashkurs Psycho ausreichen, denn vieles in einem kompletten Psychostudium ist für die Wirtschaft nicht so wichtig.
Schöne Grüße
Susanne

Hallo Oliver,

vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast…du hast mir sehr weitergeholfen! Deine Infos sind besser als die 152 Seiten im Internet, auf denen ich versucht habe mich schlau zu machen :o)

Ich wünsche dir noch einen sonnigen Tag…

Liebe Grüße
Tina

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Hallo Susanne,

Nicht zu vergessen, dass man an einigen Unis BWL mit Nebenfach
Psycho studieren kann Für manche Bereiche wie
Personalauswahl etc. dürfte der Crashkurs Psycho ausreichen,
denn vieles in einem kompletten Psychostudium ist für die
Wirtschaft nicht so wichtig.
Schöne Grüße
Susanne

ich sehe es auch so, daß zu überlegen ist, welche Kombination man wählt: ein wirtschaftswissenschaftliches Studium mit psychologischer Zusatzausbildung oder ein Psychologiestudium mit wirtschaftswissenschaftlicher Zusatzausbildung. Beides ist möglich.

Beste Grüße,

Oliver

Hallo Tina,

vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast…du hast mir
sehr weitergeholfen! Deine Infos sind besser als die 152
Seiten im Internet, auf denen ich versucht habe mich schlau zu
machen :o)
Ich wünsche dir noch einen sonnigen Tag…

vielen Dank für die nette Rückmeldung. :smile: Dir wünsche ich auch einen schönen Tag.

Beste Grüße,

Oliver

Hallo Susanne,

ich möchte mich auch bei dir bedanken…
Ich werde beide Möglichkeiten in meine Überlegung mit einbeziehen. Von diesem Standpunkt habe ich die Dinge noch gar nicht gesehen…

Werde mich an den Unis mal schlau machen.

Liebe Grüße
Tina

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Nur eines am Rande…
Hallo,

ganz kurz am Rande: Ich würde an deiner Stelle nicht zuviel Gewicht auf die Frage legen: Bekomme ich mit meiner Ausbildung hinterher einen Job. Das kann mächtig daneben gehen und in heutigen Tagen sehr enttäuschend sein. Vor Jahren hat sich alles auf die Computerbranche gestürzt, weil das als zukunftsorientiert galt. Das Arbeitsamt hat mächtig Umschulungen finanziert- das ist alles nicht sehr lange her. Heute ist dieser Markt total überlaufen, und es wird auch kaum noch etwas finanziert vom Arbeitsamt in diesem Bereich, und zwar mit der Begründung, dass die Chancen, da hinterher einen Arbeitsplatz zu bekommen, verschwindend gering sind. Was interessiert dich? Daran würde ich mich orientieren. Da wirkst du hinterher zumindest echter, was den ein oder anderen Personalchef auch schon mal beeindruckt hat…

Gruß

Hermann

Ich würde die Entscheidung von meinem Interessensschwerpunkt abhängig machen. Interessieren dich hauptsächlich wirtschaftliche Prozesse und nebenbei die dahinterstehenden Menschen ? Dann würde ich eher BWL mit Nebenfach Psycho studieren
Interessieren dich eher die Prozesse, die in den Menschen ablaufen, insbesondere deren Interaktion ? Dann rate ich eher zu Psychologie mit Nebenfach BWL.
Ich selber habe nur Psychologie studiert, aber einige meiner Komillitonen haben nebenbei BWL studiert. Das ist nicht einfach, weil sehr viel.
Zur Ausrichtung auf Wirtschaftspsychologie folgende Informationen: Im Grundstudium hast du die Grundlagenfächer. Neben Statistik ist das auch Sozialpsychologie. Die Sozialpsychologie ist dann Grundlage für das Anwendungsbezogene Fach Arbeits- und Organisationspsychologie im Hauptstudium. Ein direkter Studiengang Wirtschaftspsychologie ist mir nicht bekannt, meist läuft es so, dass du dich im Hauptstudium entscheidest, eines der Anwendungsfächer zu vertiefen. Für A&O empfiehlt sich dann natürlich noch ein Praktikum im Bereich Personalentwicklung/Marketing.
Nebenbei gibt es z.B. an der Uni Köln auch noch Medienpsychologie. Das hat über die Werbung ebenfalls einen Bezug zur Wirtschaft.

Der große Vorteil eines Psychologiestudiums ist meiner Meinung nach die grosse Vielseitigkeit. Du hast sehr viele absolut unterschiedliche Felder in denen du nachher arbeiten kannst, mußt dich aber nicht schon zu Beginn des Studiums auf ein Feld festlegen.

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Hallo!

Ich bin zwar noch kein Wirtschaftspsychologe, studiere aber Wirtschaftspsychologie. Es gibt ihn nämlich, den Studiengang Wirtschaftspsychologie, an der Uni Lüneburg, im Harz in Wernigerode und an der Uni Bochum (und an einigen privaten Schulen, aber das kostet glaube ich).

Zur Uni Lüneburg kann ich sagen, dass dort gerade auf Bachelor/Master umgestellt wird und zumindest früher konnte man dort im Hauptstudium zwischen drei Tätigkeitsbereichen wählen: Personal, Markt und Konsum und Arbeit und Technik. Im Personalbereich machst du dann schon oben genannte Dinge, bei Markt und Konsum geht es bei uns soviel ich weiß in Richtung Marktforschung. Bei Arbeit und Technik kümmert man sich um Usability Tests und guckt, wie gut Geräte zu bedienen sind, oder verbessert Mensch-Maschine-Schnittstellen in Betrieben etc.
Im Grundstudium ist es ziemlich viel BWL und Statistik, aber gesamt gesehen sind es im Studium so 40% BWL und 60% Psychologie.

Über Wernigerode habe ich gehört, dass es dort umgekehrt sein soll (60% BWL und 40% Psychologie).

Ich hoffe ich konnte dir ein bisschen weiterhelfen, vielleicht stöberst du mal auf den Seiten der oben genannten Hochschulen.
Maia

Hallo Maia,

ja, du konntest du mir weiterhelfen - vielen vielen Dank!

Ich weiß, dass es diesen Studiengang in Lüneburg gibt. Ich würde dort auch furchtbar gerne studiren, doch leider haben die für dieses Studiengang einen NC von 1,4. Das schaffe ich beim besten Willen nicht. Wenn alles gut gelaufen ist habe ich einen Schnitt von 1,9, aber wohl eher 2,0 oder 2,1. Aber ich habe gedacht, dass ich versuche im Oktober in Lüneburg BWL anzufangen und dann im Sommer wechsle zu Wirtschaftspsychologie (der NC war im letzten Jahr dann nur noch 2,1)…

Studierst du in Lüneburg? Wenn ja, könntest du mir vielleicht ein bisschen mehr erzählen?

Liebe Grüße
Tina

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