Ich suche Frühmittelalterliche Rezepte

… also so von ca. 800 - 1000.
Die meisten Rezepte, die im Netz stehen sind so ab 1450…

Zu spät für mich.

Hi Binah!

Das liegt einfach daran, dass aus dieser Zeit keine schriftlichen Quellen mit Rezepten überlieft sind. Man kann allerdings an Hand von Bodenfunden usw. Rückschlüsse auf die Ernährung ziehen, richtige Rezepte gibt es aber einfach nicht.

Falls Du auch allgemein zur Ernährung etwas wissen willst, melde Dich noch einmal.

Grüße, Larissa

Danke, Larissa - auch das würde mich natürlich seeehr interessieren, einfach um mal zu wissen WAS eigentlich gegessen wurde, WAS es damals schon gab - Rezepte kann man sich ja dann selber zusammenbasteln - das trau ich mir zu… (essen sollte man es nämlich dann auch noch können :smile:))) )

B.

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Ernährung im Früh- und Hochmittelalter
Hallo!

Also, zunächst ist die Zeit von 800 bis 1000 nicht nur Früh-, sondern auch Hochmittelalter.

Aber zur Ernährung (folgender Text beruft sich auf das Lexikon des Mittelalter als Quelle):

Zunächst einmal zu Frühmittelalter :

Die Ernährung in den Gebieten nördlich der Alpen basierte vor allem auf Fleisch, hauptsächlich Schweinefleisch , in der Frühzeit z. T. auch auf Wild, und den daraus gewonnenen tierischen Fetten, die für Brat-, Koch- und Zukostzwecke verwendet wurden.
Pflanzliche Nahrung kam erst an zweiter Stelle; vermutlich war am Übergang der Antike zum Frühmittelalter Gemüse wichtiger als Getreideprodukte. Anstelle des Weins waren aus Getreideprodukten (Bier), aus Honig (Met) oder aus (Wild)früchten (Zider) gegorene Getränke in Gebrauch.

Der in der Antike traditionelle Weizenanbau (in den ehemalig römischen Gebieten) trat in den Hintergrund oder wurde zugunsten weniger pflegeintensiver Getreidesorten zurückgestellt: Gerste, Hafer, Dinkel (Spelt), Hirse, Kolbenhirse, Sorgum und vor allem der Roggen , eine echte »Entdeckung« des Frühmittelalters (in der Antike nur als Unkraut bekannt).
An karge Böden und rauhes Klima angepaßt, war der Roggen die typische Getreidesorte des Frühmittelalters.  Damals setzte sich also das Modell einer »gemischten« Ernährung durch, das die gleichzeitige Verwendung von Getreideprodukten, Gemüse, Fleisch und Fisch vorsah

Hervorzuheben ist ferner, daß dieser Abwechslungsreichtum der Ernährung damals allen sozialen Schichten weitgehend zugänglich war, wozu zwei Faktoren in entscheidendem Maße beitrugen: zum einen ein gewisser Überschuß der Nahrungsressourcen im Verhältnis zur Bevölkerungszahl, da diese seit der Spätantike stark gesunken war; zum anderen eine Form der ökonom. und sozialen Verhältnisse, die niemanden von der effektiven Nutzung dieser Nahrungsquellen (sowohl tier. wie pflanzl. Produkte) ausschloß.

In der Karolingerzeit machen Brot und Getränke allerdings gewichts- und kalorienmäßig schon etwas mehr als drei Viertel der gesamten Ernährung aus.

Im Hochmittelalter :

Parallel zu den Veränderungen der Landschaft und Wirtschaft im Hochmittelalter läßt sich eine zunehmende soziale Differenzierung der Ernährung feststellen, da die Nutzung der aus Wald- und Weidewirtschaft gewonnenen Nahrungsmittel allmählich vor allem der Oberschicht vorbehalten blieb.
Die Ernährung der unteren Schichten basierte von da an vorrangig auf pflanzlichen Produkten ( Getreide, Hülsenfrüchte, Gemüse ), während der Fleischkonsum (v. a. Wildbret ) als Vorrecht und Statussymbol der Oberschicht betrachtet wurde.

Der jetzt auf Betreiben von landbesitzenden Bürgern in größerer Quantität angebaute Weizen wurde vorwiegend in die Städte transportiert. So aßen die Städter Weißbrot aus Weizenmehl , während auf dem flachen Land weiterhin Schwarzbrot und mindere Getreidesorten überwogen, die auch zur Bereitung von Brei dienten. Außerdem war der Fleischkonsum der Städter höher und vielfältiger.

Im Hinblick auf den Fleischkonsum ist bezeichnend, daß die städtische »Mode« teilweise den Verzehr typischer Produkte der traditionellen Ernährung, wie z. B. von Schweinefleisch, zugunsten anderer Fleischsorten aufgab (z. B. Schaf-, Rind-, Kalbfleisch, Geflügel ). Im großen und ganzen nimmt das Fleisch in den Städten des Hochmittelalters in der täglichen Ernährung einen ziemlich hohen Rang ein. Allerdings scheint die Ernährung der unteren Volksschichten bereits in dieser Zeit deutlich von pflanzlichen Nahrungsquellen geprägt.

(ende)

Hm, interessant, aber leider nicht sehr aufschlußreich… ob das reicht, selbst einige Rezepte zu basteln… ich weiß nicht.

Grüße, Larissa

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… also so von ca. 800 - 1000.
Die meisten Rezepte, die im Netz stehen sind so ab 1450…

Zu spät für mich.

Such mal auf dieser Seite:
http://www.kirchenweb.at/kochrezepte/
Auf der Startseite gibt´s ne ganze Latte an Rubriken, u.a. auch Historische Rezepte/Mittelaltger-Rezepte/Kriegsrezepte.
Nach den Quellenangaben sind die Mittelalter-Rezepte zwar alle im 14.-16.Jh. aufgeschrieben worden, stammen aber z.T. aus weit älterer Zeit. OT: „Originalrezepte anno 476 bis 1500, Zeitraum ca.1000 Jahre. Im Zeitgeist publiziert.“ Was auch immer das heissen mag…

VG
Christian

Vielleicht ist hier was dabei:

http://www.mittelalterlich-kochen.de/introlinks.html

Gruß
Kreszenz

nicht direkt ein rezept…
… aber doch eine bestätigung dessen, was larissa weiter unten schrieb:

Was die Bauern unseres mittelalterlichen Dorfes gegessen haben ist uns nicht bekannt. Nach den Analysen der in den Abfallgruben gefundenen Speisereste und der wenigen Hinweise in der Literatur waren die Mahlzeiten einfach. Getreidebreie, Gemüse der jeweils in den Dörfern wachsenden Sorten mit Knochen- bzw. Fleischbrühe zubereitet - und sicherlich Beeren und Früchte des Waldes und der Hausgärten sowie natürlich Brot. Wie uns aus der Literatur bekannt ist, mußten oft die besten Produkte an die Kloster- und Fürstenhöfe abgegeben werden. Von dort sind auch Rezepte bekannt. Etliche dieser Rezepte haben wir ausprobiert. Sie sind sehr aufwendig in der Zubereitung aber durch die Vielzahl der Gewürze und Kräuter meistens köstlich im Geschmack, so daß sie auch heute noch einen verwöhnten Gaumen erfreuen können. Sporadisch backen wir in dem auf archäologisch nachgewiesenem Standort wieder errichteten Lehmbackofen auch Brot nach alten Rezepten.

gefunden auf der website meines lieblingsmuseumsdorfes mitten in berlin http://www.dueppel.de/ags/kueche.htm (auch sonst vielleicht interessant für dich!)

gruß
ann

Die Küche Karls des Grossen
Hallo Binah

Derzeit stelle ich aus beruflichen Gründen Nachforschungen zum Thema Gartenkultur in Europa an. Bei den Recherchen bin ich auf etwas gestossen, dass Dir vielleicht auch weiterhilft?

Im Jahre 812 hat Karl der Grosse eine Verordnung erlassen: Das „Capitulare de villis vel curtis imperialibus“ (CV). Worum es dabei geht:

„Karl der Große reiste als fränkischer König wie seine Vorfahren ständig mit großem Tross von Pfalz zu Pfalz. Nahezu jeden Sommer führte er einen Krieg. Nur damit und durch die Präsenz an möglichst vielen Orten in seinem Reich konnte er seinen Herrschaftsanspruch realisieren. Er hat so im Laufe seines Lebens (zu Pferd) eine Wegstrecke zurückgelegt, die ungefähr einer dreifachen Umrundung der Erde entspricht. Er benötigte hierzu flächendeckend ein Netz gut organisierter Stützpunkte. Das waren die Pfalzen, Klöster und Hofgüter. (…) Das CV regelt Verwaltung und Bewirtschaftung der Hofgüter. Für die Land-, Forstwirtschaft, den Weinbau, die Pferde-, Hundezucht, Viehhaltung, Vorratswirtschaft, Ausstattung der Hofgüter mit Gerätschaften und zur Förderung der handwerklichen Berufe sind dezidierte Vorschriften gemacht.“

Das CV ist noch erhalten und liefert also bedeutende Erkenntnisse darüber, was angebaut und gegessen wurde (zumindest in herrschaftlichen Kreisen und Klöstern - aber auch in gewissem Ausmasse beim „Fussvolk“).

Das BIOlogische Zentrum in AAchen hat im Jahr 2000 einen Garten angelegt, in dem sämtliche Pflanzen des Capitulare zu finden sind. Auf der Website von Biozac (http://www.biozac.de/biozac/capvil/karl_f.htm) findest Du auch Rezepte. Und mit dem Begriff Capitulare wirst Du vielleicht noch andernorts fündig.

Liebe Grüsse
Silvia

Hallo Silvia,

schönen Dank für die Erinnerung an das Capitulare an dieser Stelle. Ergänzend, von der Küche über den Küchengarten zur Apotheke gehend, der „Hortulus“ von Walafrid Strabo, kurz nach Charlemagne, aber zur gleichen Epoche gehörend.

Schöne Grüße

MM

… also so von ca. 800 - 1000.
Die meisten Rezepte, die im Netz stehen sind so ab 1450…

Zu spät für mich.

@All: DANKE FÜR DIE INFO’S ich werde mich durcharbeiten :smile:

Vielen, vielen Dank, das ist eine Superseite und ein toller Tipp - da kann ich eine Unmenge rausziehen.! danke!

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… also so von ca. 800 - 1000.
Die meisten Rezepte, die im Netz stehen sind so ab 1450…

Zu spät für mich.

DANKE an alle, die mir hier geantwortet haben!
Super, so viel Input!
Ich werde mich gleich ans Arbeiten machen

DANKE!