Ich verstehe nur Bahnhof

Kann mir jemand den Inhalt erklären?? Danke schon mal.

Denken wir uns eine beliebige Menge M von Primzahlen (a, b, … k) und nehmen wir einmal an, mehr Primzahlen gäbe es nicht. Nun bilden wir die Zahl (a*b* … *k)+1. Ist sie eine Primzahl? Wenn ja, dann liegt sie außerhalb von M. Wenn nein, ist sie durch eine Primzahl p teilbar. Aber liegt p in M? Wenn ja, dann teilt p das Produkt der Zahlen aus M. Aber p teilt ja auch (a*b*…*k)+1. Dann müsste p auch die Differenz der beiden Zahlen teilen, also die 1. Das geht nicht. Folglich liegt p nicht in M. Mithin: Zu jeder vorgegebenen Menge M von Primzahlen gibt es eben doch eine, die außerhalb dieser Menge liegt.

Kann mir jemand den Inhalt erklären?? Danke schon mal.

Das ist ein sehr schön ausformulierter Beweis zum Satz, dass es unendlich viele Primzahlen gibt. Dieser Satz geht auf den griechischen Mathematiker Euklid zurück, der um 300 v. Chr. in Alexandria lebte. Der Satz wurde mal in einer mathematischen Zeitschrift zum „schönsten“ Satz überhaupt gewählt. (auf Platz 2 war die Formel " e = -1 ")

Gruß
Oliver

Hallo Sylvia,

Kann mir jemand den Inhalt erklären?? Danke schon mal.

ich bin nur ein Physiker, aber eine Mathematikerin kann mich ja korrigieren, wenn ich falsch liege.

Drei Vorbemerkungen:

  1. Es geht darum zu zeigen, dass es unendlich viele Primzahlen gibt.
  2. Wir arbeiten mit natürlichen Zahlen und Teilen heißt hier, dass beim Teilen kein Rest bleibt.
  3. Der Trick hinter der Argumentation ist, dass man mit Widersprüchen arbeitet. Man setzt das Gegenteil dessen voraus, was man beweisen will und zeigt dann, dass dies zu einem Widerspruch führt.

Denken wir uns eine beliebige Menge M von Primzahlen (a, b, …
k) und nehmen wir einmal an, mehr Primzahlen gäbe es nicht.

Das ist die Voraussetzung, die wir widerlegen wollen (in Wirklichkeit glauben wir nämlich, dass es mehr Primzahlen gibt).

Nun bilden wir die Zahl (a*b* … *k)+1. Ist sie eine Primzahl?
Wenn ja, dann liegt sie außerhalb von M.

Die Zahlen a bis k sind alle Primzahlen. Diese kann man der Größe nach ordnen und wir nehmen an, k sei die größte. Dann ist klar, dass das Produkt aller Primzahlen +1 größer ist als jeder beliebige Faktor des Produktes, also auch kein Element der Menge M ist. Wenn diese Zahl eine Primzahl ist, dann haben wir eine gefunden, die nicht in M enthalten ist. Damit haben wir einen Widerspruch zu unserer Annahme. Nun können wir M um die neu gefundene Primzahl erweitern, das hilft aber nicht, weil wir das Spielchen von eben beliebig oft wiederholen können und auf diese Weise unendliche viele neue Primzahlen produzieren können. So, für den Fall, dass die konstruierte Zahl (a*b*…*k)+1 eine Primzahl sind, sind wir fertig.

Wissen wir aber nicht. Aber wenn sie keine Primzahl ist, bedeutet das, dass sie durch eine Primzahl teilbar sein muss.

Wenn nein, ist sie
durch eine Primzahl p teilbar. Aber liegt p in M? Wenn ja,
dann teilt p das Produkt der Zahlen aus M. Aber p teilt ja
auch (a*b*…*k)+1. Dann müsste p auch die Differenz der beiden
Zahlen teilen, also die 1. Das geht nicht. Folglich liegt p
nicht in M. Mithin: Zu jeder vorgegebenen Menge M von
Primzahlen gibt es eben doch eine, die außerhalb dieser Menge
liegt.

Jetzt kommt der eigentliche Gimmick: Die konstruierte Zahl ist keine Primzahl, wird also von einer Primzahl geteilt. Die nennen wir einfach p. Da unsere Menge M aber laut Annahme alle Primzahlen enthält, müsste p Element der Menge M sein. Kann das sein?

p ist also die Primzahl, die (a*b*…*k)+1 teilt. Nennen wir diese Zahl einfach mal X. Das heißt also: X = m*p. Wenn sie Element von M ist, muss sie aber auch das Produkt aller Elemente von M teilen. Nennen wir das Produkt Y = a*b*…*k = n*p (da ja p einer dieser Faktoren ist). Dann muss p auch die Differenz dieser beiden Zahlen teilen. Das sieht man einfach, wenn man die Zahlen faktorisiert hinschreibt:

X = m*p, Y = n*p

Das heißt:

X-Y = m*p-n*p = (m-n)*p

geteilt durch p ergibt das m-n und da beides natürliche Zahlen sind, muss auch die Differenz eine natürliche Zahl sein, die durch p teilbar ist. Jetzt schreiben wir X-Y aber mal anders hin:

X-Y = (a*b*…*k)+1 - a*b*…*k = 1

1 kann man aber nicht durch p teilen, die Rechnung war richtig, also muss die Annahme falsch sein: p liegt also nicht in M.

So oder so haben wir also Primzahlen gefunden, die nicht in M liegen, entgegen der Annahme, dass M die Menge ALLER Primzahlen ist. Also kann diese Annahme nicht richtig sein.

Wenn Du was nicht verstanden hast, melde Dich nochmal, dann erkläre ich es etwas ausführlicher.

Grüße, Thomas

Hallo Sylvia,

Oliver hat dir ja schon gesagt, wozu der Beweis dienen soll. Ich habe deine Anfrage noch so verstanden, dass du den Beweis nicht ganz verstehst, deswegen versuche ich mich mal daran (wenn das nicht deine Frage war, dann kannst du jetzt aufhoeren zu lesen :wink:)

Denken wir uns eine beliebige Menge M von Primzahlen (a, b, …
k) und nehmen wir einmal an, mehr Primzahlen gäbe es nicht.

Machen wir doch mal ein Bsp. zur Veranschaulichung: Nehmen wir an, wir kennen nur die Primzahlen 2 und 3 und wollen wissen, ob es mehr gibt. Also M= {2,3}

Nun bilden wir die Zahl (a*b* … *k)+1.

Nennen wir die Zahl x. Dann x= (2*3)+ 1= 7

Ist sie eine Primzahl?

ja

Wenn ja, dann liegt sie außerhalb von M.

was ja auch stimmt => die Menge M bildet nicht die Menge aller Primzahlen.

Wenn nein,

jetzt mussen wir zur Vorstellung unser Bsp. verlassen. Nehmen wir jetzt mal an, x waere keine Primzahl (z.B. 8)

ist sie
durch eine Primzahl p teilbar.

z.B. durch p= 2

Aber liegt p in M?

ja

Wenn ja,
dann teilt p das Produkt der Zahlen aus M.

klar: 2 teilt 2*3*…

Aber p teilt ja
auch (a*b*…*k)+1.

So haben wir es ja gefunden.

Dann müsste p auch die Differenz der beiden
Zahlen teilen, also die 1. Das geht nicht. Folglich liegt p
nicht in M. Mithin: Zu jeder vorgegebenen Menge M von
Primzahlen gibt es eben doch eine, die außerhalb dieser Menge
liegt.

WARNUNG: Die Zahlen, die ich als Bsp. verwendet habe, sind nur als Anschauung gedacht, was ich hingeschrieben habe ist mathematisch nicht ganz korrekt, ich dachte nur, es faellt dir dann leichter, es zu verstehen.

Um es nochmal kurz zusammenzufassen: Hier wird gezeigt, dass du immer eine Primzahl finden kannst, die du noch nicht „kennst“, also nicht in M ist: (a*b*…*k)+ 1 eine „neue“ Primzahl, dann bist du fertig. Der Rest des Beweises zeigt, dass wenn es keine Promzahl ist, dann ist einer der Teiler dieser Zahl eine Primzahl, die du auch nicht kanntest.

Hoffe ich konnte dir helfen.

Gruß Kati

Hallo!

Es handelt sich um einen sogenannten Widerspruchsbeweis. Der Autor möchte zeigen, dass es eine unbegrenzte Zahl von Primzahlen gibt. (Primzahlen sind - wie Du sicher weißt - Zahlen, die ohne Rest nur durch 1 und sich selbst geteilt werden können). Widerspruchsbeweis bedeutet, dass er vom Gegenteil seiner Behauptung ausgeht und dieses zu einem Widerspruch führt. Damit ist die Behauptung bewiesen.

Im Prinzip ist der Beweis sehr ausführlich dargelegt. Um es ein bisschen anschaulicher zu machen, zeige ich es Dir mal anhand eines Zahlenbeispieles.

Denken wir uns eine beliebige Menge M von Primzahlen (a, b, …
k) und nehmen wir einmal an, mehr Primzahlen gäbe es nicht.

Sagen wir 3, 5 und 7 seien alle Primzahlen.

Nun bilden wir die Zahl (a*b* … *k)+1. Ist sie eine Primzahl?

3 * 5 * 7 + 1 = 106. Ist 106 eine Primzahl?

Wenn ja, dann liegt sie außerhalb von M.

Wenn 106 eine Primzahl ist, so haben wir eine gefunden, die nicht in der Liste auftaucht, die wir irrtümlicherweise als die Liste „aller Primzahlen“ angesehen haben.

Wenn nein, ist sie
durch eine Primzahl p teilbar.

Wenn 106 keine Primzahl ist, muss sie außer 1 und 106 noch einen weiteren Teiler haben. Nennen wir ihn „p“.

Aber liegt p in M? Wenn ja,
dann teilt p das Produkt der Zahlen aus M.

Ist p eine der Zahlen 3, 5 oder 7? Wenn das der Fall wäre, dann würde p die Zahl 2*3*5=105 ohne Rest teilen.

Aber p teilt ja
auch (a*b*…*k)+1. Dann müsste p auch die Differenz der beiden
Zahlen teilen, also die 1.

Aber p teilt ja auch 106. Dann müsste p auch die Differenz der beiden Zahlen teilen, also 106 - 105 = 1.

Das geht nicht.

Die einzige Zahl, durch die 1 teilbar ist, ist 1. 1 taucht aber in unserer Liste nicht auf.

Folglich liegt p
nicht in M.

Also gehört die Zahl p nicht zu unserer Liste vermeintlich „aller Primzahlen“. Auf deutsch: Wenn 106 keine Primzahl ist, dann muss es eine Primzahl geben, die wir übersehen haben (zum Beispiel die 2)

Zu jeder vorgegebenen Menge M von
Primzahlen gibt es eben doch eine, die außerhalb dieser Menge
liegt.

Zu dieser Menge (3,5,7) gibt es mindestens eine Primzahl (2), die nicht zu dieser Menge gehört.

Der Autor dieser Zeile hat nicht mit einem Zahlenbeispiel gearbeitet, sondern hat ganz allgemein dargelegt, dass das für jede Liste gelten muss.

Was zu beweisen war.

Michael

Kleinlich (7 statt 2)

Ist p eine der Zahlen 3, 5 oder 7? Wenn das der Fall wäre,
dann würde p die Zahl 2*3*5=105 ohne Rest teilen.

Müsst heißen 3*5*7=105

Hi Michael! Ich find, dass du’s super erklärt hast, nur ein kleiner Tippfehler, ich sag’s nur, weil’s grad in Mathe wichtig ist … Man kommt die ganze Zeit bei deiner Erklärung mit, und denkt dann: Hä? Wie kommt der jetzt dadrauf? Aber,nix für ungut!!! Nur falls es jemanden verwirrt.
Mae

Klar, Du hast Recht. Bei der ersten Formulierung habe ich mit 2*3*5=30 gerechnet. Da werden aber ein paar Fallunterscheidungen ziemlich albern. Deswegen habe ich nachträglich die Zahlen (wohl nicht überall!) ausgetauscht.

Michael

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Du bist nicht allein
Hi Sylvia,

nachdem so viele schöne Erläuterungen gekommen sind, obendrauf noch ein Geständnis: Auch ich habe den Text (übrigens von Gero von Randow - falls der ihn nicht irgendwo abgeschrieben hat) nicht im Mindesten verstanden, obwohl ich den Satz von Euklid kenne. Bleistift und Papier haben mir auf die Sprünge geholfen…

Gruß Ralf

Verständlichkeit von Mathematik (ot)
Hallo!

Manche Mathematiker haben die Angewohnheit, alles so kompliziert wie möglich auszudrücken. Beispiel: Der Fundamentalsatz der Algebra wird meist wie folgt angegeben: „Jedes nicht-konstante Polynom hat mindestens eine komplexe Nullstelle.“ (Der Fundamentalsatz meint eigentlich, dass jedes Polynom 13. Grades genau 13 Nullstellen hat - wenn man richtig zählt. Warum steht dann da „mindestens eine“?

Antworten:

  1. Weil man durch Polynomdivision zu einem neuen Polynom gelangen kann, das nach dem Fundamentalsatz ebenfalls mindestens eine komplexe Nullstelle hat und dessen Grad um 1 geringer ist.

  2. Weil man diese Polynomdivisionen genau so oft durchführen kann, wie es der Grad des Polynoms zulässt.

  3. Weil das zwar der Professor weiß, es aber für seine Studenten nicht auf den ersten Blick einleuchtend ist. Ziel einer Mathe-Vorlesung ist es ja hauptsächlich, den Studenten vorzuführen, dass der Professor intelligenter ist als sie, und das gelingt am besten, wenn man sie verwirrt.

Michael

Für eine beliebige endliche Menge {a, b, … ,k} von Primzahlen
sei n = a*b*…*k + 1

Sei p ein Primteiler von n.

Man sieht sofort, dass p keine Zahl aus der Menge {a, b, …, k} sein kann,
da sonst p sowohl die Zahl n als auch das Produkt a*b*…*k teilen würde,
also auch die Zahl 1, was nicht sein kann.

Eine endliche Menge {a, b, …, k} kann also niemals die Menge aller Primzahlen sein.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hi,

wow, endlich mal ein vernünftiger mathematischer Beweis in diesem Brett. Weniger sagen ist oft mehr, vor allem in der Mathematik. Wenn ich schon *chen vergeben könnte, würde ich’s hier machen :wink:

Viele Grüße!
mauschu

Für eine beliebige endliche Menge {a, b, … ,k} von
Primzahlen
sei n = a*b*…*k + 1

Sei p ein Primteiler von n.

Man sieht sofort, dass p keine Zahl aus der Menge {a, b, …,
k} sein kann,
da sonst p sowohl die Zahl n als auch das Produkt a*b*…*k
teilen würde,
also auch die Zahl 1, was nicht sein kann.

Eine endliche Menge {a, b, …, k} kann also niemals die Menge
aller Primzahlen sein.

Hallo Michael,

Manche Mathematiker haben die Angewohnheit, alles so
kompliziert wie möglich auszudrücken. Beispiel: Der
Fundamentalsatz der Algebra wird meist wie folgt angegeben:
„Jedes nicht-konstante Polynom hat mindestens eine komplexe
Nullstelle.“ (Der Fundamentalsatz meint eigentlich, dass jedes
Polynom 13. Grades genau 13 Nullstellen hat - wenn man richtig
zählt. Warum steht dann da „mindestens eine“?

Ich könnte mir auch vorstellen, dass diese Ungenauigkeit historische Gründe hat: Vielleicht wurde erst nach der Formulierung des Fundamentalsatzes eine Vorschrift zur Zählweise von Nullstellen angegeben…?

Gruß
Oliver