Hallo David,
Könnt ihr mir helfen???
Wenn Du uns lässt *fg*
Aaalso - ich fang mal an.
Ich habe noch ein Jahr Schule vor mir, die ich
vorraussichtlich mit Abitur abschließen werde!
„Voraussichtlich“ *Augenbraueheb* Ist das ein klassisches Understatement oder steht Dein Abi wirklich auf tönernen Füssen? Falls letzteres - was ist der Plan B? Also angenommen, Du flögest durch, was dann? Teures Internat mit „Bestehgarantie“ in Hessen? Wiederholen den letzten Schuljahres? Sch*** aufs Abi?
Weiters stellt sich daraus natürlich die Frage, ob Du Dir ein Studium zutraust (finanziell, intellell (sic!)) oder ob’s (erstmal) eine Ausbildung sein soll.
Das heißt ich hätte noch 1-2 Jahre Zeit mir was zu überlegen,
Das ist gut, denn die folgenden Schritte sind eher zeitaufwendig 
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Mach erstmal ne Bestandsaufnahme: Was kann ich? Worin bin ich gut? (Und „Freunde besuchen“ giltet nicht *fg*) Was will ich auf jeden Fall machen? Was kann ich nicht? Was will ich auch gar nicht lernen? Worin bin ich richtig schlecht? Was will ich auf gar keinen Fall machen? Was kann ich nicht machen? (Vielleicht aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen oder so)
Wie bin ich? Du schreibst ja schon ein wenig in Richtig „höflich, aber schüchtern“ und so. Schreib soviele Punkte wie möglich auf!
Manche Leute fahren darauf ab, sowas aufzuschreiben, ich für meinen Teil finde das doof. Aber ehrlich darüber nachdenken solltest Du auf jeden Fall.
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Dann gehst Du in die diversten „Welcher Job passt zu mir“ Programme und füllst dieselben ehrlich aus. Hierbei gibt es einige Punkte zu beachten
- lüg Dich nicht in die eigene Tasche es bringt nix wenn Du ankreuzelst „nein, ich stehe nie auf Partys allein im Eck“ obwohl das vielleicht stimmt. Und es guckt Dir ja keiner über die Schulter
- mach auf jeden Fall mehrere dieser Tests. Die haben - je nachdem wer sie grad zur Verfügung stellt - unterschiedliche Schwerpunkte bzw. ein unterschiedliches Spektrum an Berufen. So gibt es manche Proggis, die nur Lehrberufe im Repertoire haben und andere, die eher in Richtung „Büroberufe“ gehen.
- sei offen für die Ergebnisse. Und das ist auch gleich der schwerste Punkt. Denn es trifft einen äusserst hart, wenn man im Hinterkopf hat Flugzeugmechaniker zu werden und dann als Ergebnis kommt „alles bloss nicht Flugzeugmechaniker, sondern vielleicht Gärtner“. Aber versuch trotzdem mal, ehrlich darüber nachzudenken, wie das Programm dazu kommen könnte, Dir sowas vorzuschlagen. Und vielleicht passt zwar Gärtner nicht, aber Landschaftsarchitekt?
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Nun solltest Du eigentlich eine Liste haben, mit potentiellen Berufskandidaten. Diese Liste kann ruhig sehr „wild“ sein - sprich da kann vom seriösen Anlageberater bis zum Profi-Graffiti-Spprayer mal alles dabei sein. Mit dieser Liste taperst Du dann zum Berufsinformationszentrum und liest Dir die Beschreibungen durch. Guckst, wie der „Alltag“ so aussieht, wie die Ausbildung ist (Dauer? Kosten? etc.), wie der Verdienst aussehen kann etc. Das gleiche kannst natürlich auch im Internet machen (gibt’s womöglich das BIZ schon online?). Wichtig ist, dass Du am Ende eine grobe Vorstellung hast, wie der Weg in jeden dieser Berufe aussieht, was es für Voraussetzungen gibt, wieviel Kohle Du kriegst und wie die Aufgaben in dem Bereich aussehen.
ACHTUNG: Das ganze erfolgt erstmal völlig wertfrei. Du trägst einfach mal Fakten zusammen „Aha, als Reinemachefrau brauche ich keine Ausbildung, während ich als Jurist die erste Kohle im greisenhaften Alter von 30 bekomme“.
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Nun kommt die Bewertung. Da können nun Dinge reinspielen wie
- Zulassungsvoraussetzungen (Abischnitt, Sportlichkeit etc.) - kannst Du das erfüllen? Wenn nicht aus dem Stehgreif - gibt es Umwege? Gibt es Zulassungstests für die man sich rechtzeitig anmelden muss?
- Art und Dauer der Ausbildung? Traust Du Dir das zu? Hast Du das Gefühl, die Ausbildung unterfordert Dich? Ist das für Dich finanziell zu schaffen?
- Und - das meiner Meinung nach wichtigste - findest Du den Job interessant.
Achja, Dir wird vielleicht aufgefallen sein, dass ich „Berufschancen“ mit keinem Wort erwähnt habe. Das ist nicht auf Alzheimer zurückzuführen, sondern darauf, dass das meiner Meinung nach in dieser Phase überhaupt keine Rolle spielt. Kein Mensch kann voraussagen, ob bis in 5-9 Jahren bis Du „auf dem Markt“ bist eher Lehrer, Informatiker oder Physiker gebraucht werden. Darum mach das, was Dich interessiert und worin Du gut bist. Dann wirst Du auch einen Job finden.
Anekdote am Rande. Als ich angefangen habe zu studieren hat man uns gesagt „so im siebten Semester kommen dann die Vertreter der grossen Firmen zu Euch in die Uni und haben die Verträge im Handgepäck. Nehmt bloss nicht den ersten an.“ und als ich fertig war mit Studieren hat man uns gesagt „Tolle Nachricht - vom Semester vor Ihnen haben schon 30% einen Job gefunden. Davon die Hälfte im eigentlichen Beruf.“
Aber wir schweifen ab, kommen wir zu Phase
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Das ist eine einfache
Denn nun gehste erstmal die Liste auf 4) durch und streichst durch. Hier ist Dir vielleicht die Ausbildung zu lang oder zu „unterfordernd“, dort stimmt die Kohle nicht, da haste zu viel Kundenkontakt etc.
Eventuell guckst Du nach Alternativen. Vielleicht ist Dir eine Artzhelfer-Ausbildung zu leicht aber Du könntest Dir vorstellen Arzt zu werden. Dann zurück zu 3). Sonst weiter nach 6)
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Ist dafür eine doofe Sache. Denn nun musst Du versuchen, mit Leuten in Kontakt zu kommen, die Deinen Wunschberuf schon ausüben. Ich weiss, dass ich furchtbar peinlich auf Leute zuzugehen und zu sagen „Hallo, ich bin der David, ich bin von Ihrem Arbeitskollen Bruder Freundin Sohn und wollte mal wissen…“. Aber: die Erfahrung zeigst, dass eigentlich jeder gerne über seinen Beruf spricht. Doof ist nur der Anfang, alles andere ergibt sich dann.
Natürlich solltest Du Dich auf diese Gespräche halbwegs vorbereiten. Also nicht „wie ist’s denn so, Arzt zu sein?“ sondern mehr sowas wie „Wo lagen die Schwerpunkte bei der Ausbildung? Was war wichtig? Was fiel eher unter den Tisch?“ und dann natürlich das geleiche zum Job. Was finden sie gut? Was nicht so? Was würden sie heute anders machen? Was finden sie wichtig an Charaktereigenschaften? Fühlen sie sich angemessen bezahlt? (Bitte nicht fragen, wieviel sie kriegen, darüber spricht „man“ nicht *fg* Ausserdem bist Du über Durchschnittsgehälter eh übers BIZ informiert) Und eben all das, was Dir bei Deiner Liste aus 1) wichtig war.
Achja, wenn Du partout keine Astronauten und Profi-Graffiti-Sprayer im erweiterten Bekanntenkreis hast, dann frag hier im Forum (oder in der Expertensuche) nochmal nach.
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Noch was doofes. Nun sollte Deine Liste wieder geschrumpft sein und Du hast im Idealfall noch so 3-5 Kandidaten. Damit gehst Du zu Menschen Deines Vertrauens (Eltern, Lehrer, Freundin, Geschwister, Tanten/Onkels, Grosseltern, Jugendgruppenleiter etc.) und fragst sie, ob man sich Dich als hier Wunschberuf einsetzen vorstellen könnte. Und warum bzw. warum nicht. Je nachdem wie ehrlich man mit Dir ist, sollten dann noch ein paar Berufe wegfallen und so ca. 2-3 Favoriten übrig bleiben.
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Nun setz alles dran, ein Praktikum in diesen Berufen zu machen. Wenn man keine Kohle dafür will, geht das eigentlich recht einfach
Ja, ich weiss, das ist oberdoof, denn in jeden „normalen“ Ferienjob kriegt man richtig Kohle, die man ja dringend braucht. Aber: so ein Praktikum ist unbezahlbar, wenn Du dabei rauskriegst, dass der vermeintliche Wunschberuf in Wirklichkeit das Hinterletzte ist! Denn eine Ausbildung anfangen und nach nem Jahr feststellen, dass das doch nix ist, kostet viiiieeel mehr Geld als ein verzichteter Ferienjob!
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Viel Spass dabei 
Und jetzt hierzu noch ein paar Worte
hilfsbereit, höflich, gebildet, sehr schüchtern, nicht gerade
viel Selbstvertrauen…
Hobbys: Lesen, Sport (kann eigentlich alle Ballsportarten die
es gibt) mit Freunden und Freundin treffen…
Interessen: Sport, Finanzen…
Was ich hier rauslese an „verwertbarem“ für einen Job ist
schüchtern, Sport, Lesen, Finanzen
Ersteres sagt mir, dass vielleicht ein Job mit viel Kundenkontakt nicht das wahre ist. Also Verkäufer, Berater, Schaltermensch auf nem Amt, Servicebereich, Lehrer etc. scheint mir hier nicht so gut zu passen.
Sport? Sehr schwierig. Da fallen mir ausser Lehramt (siehe oben!), Journalismus (dito!) und Profisport (*fg*) nicht viel ein. Ich würde raten, das als Hobby zu erhalten.
Lesen? Schau mal etwas tiefer hier im Brett, da haben wir der Tamina geraten, in Richtung Bibliothek zu gehen. Vielleicht wäre das auch was für Dich?
Finanzen? Das scheint mir das berufsträchtigste zu sein. Eventuell Backoffice in einer Bank? Oder die ganze Sache mit BWL/VWL? (Sorry, da kann ich Dir gar nix dazu sagen, ist ganz und gar nicht meine Richtung *fg*)
Wie schaut’s denn sonst so aus in der Schule? Irgendwelche Fächer, in denen Du besonders gut bist? Und solche, die Dir leicht fallen? Welche, die Du gar nicht magst?
*wink* und viel Erfolg bei der Suche
Petzi