Identifikation mit dem Auto

Hallo allerseits,

Es fällt mir immer wieder auf, dass sich Menschen offenbar so mit ihrem Automobil identifizieren, dass sie es sprachlich zu ihrem Körper zählen.

„Das andere Auto hat mich [mein Auto !] nicht gesehen [können Autos denn sehen ?], da ist er mir in die Tür reingefahren [habe „ich“ denn eine Tür ?], und ich [?!] kam ins Schleudern, so dass mein [?!] rechtes Vorderrad…“

Ist das nur ein sprachliches Phämomen ?

mfg
Klaus

Hallo Klaus

und ich [?!] kam ins Schleudern,
so dass mein [?!] rechtes Vorderrad…"

Das ist doch nicht nur beim Auto so, sondern bei vielem, was man als „sich zugehörig“ empfindet.
So sagt man ja auch „meine Frau“ oder „meine Tochter“ oder „mein Sohn“ oder „meine Schwiegermutter“ usw.
Gruß,
Branden

Das ist doch nicht nur beim Auto so, sondern bei vielem, was
man als „sich zugehörig“ empfindet.
So sagt man ja auch „meine Frau“ oder „meine Tochter“ oder
„mein Sohn“ oder „meine Schwiegermutter“ usw.
Gruß,

Hallo :Branden

Bei Personen sagt macht man aber doch den Bezug deutlich! Wenn etwas der Tochter passiert sagt man bspw. „das Bein meiner Tochter ist gebrochen“ und nicht „mein Bein ist gebrochen“

Ich habe überlegt, man macht diese Identifikation auch mit Computerspiel-Charakteren: „Jetzt bin ich tot“ (wobei es hier ja noch ersichtlicher ist als bei einem Auto, finde ich, da man direkt in die Rolle schlüpft.)

Grüße,

Laralinda

P.S. vielleicht fallen uns ja noch mehr Beispiele ein wo man sowas macht :wink:

blumen auf meiner fensterbank

P.S. vielleicht fallen uns ja noch mehr Beispiele ein wo man
sowas macht :wink:

vielleicht
> oder
> :open_mouth:] , >
> oder >
… also mit seiner wohnung, seinem haus, seinem zimmer macht man das auch.
würd’s aber nich’ so streng sehen, … gemeint is’ ja doch "Autotür, Zimmerfenster, Wohnungstür, … " usw … hört sich halt umständlich an, auch.

aber es is’ wohl zum Teil ‚n sprachliches … äh … ‚Ding‘ (‚Phenomen‘ will da nich‘ zu sagen), einfach verkürzte umgangssprache . Man sagt ja meistens nich’ ganz genau breit ausformuliert und rechtlich & wissenschaftlich unanfechtbar das, was man meint, sondern im zusammenhang oft höchstens so präzise, wie nötig, um verstanden zu werden.

wohl auch ‚n psychologisches, weil man das wohl besonders mit Dingen macht, mit denen man irgendwie ‚verschmolzen‘ is‘, weil man drin wohnt, es hochkonzentriert bedient, quasi wie ein erweitertes körperteil oder ganzer körper.

aber die grenze zwischen > und was da schon identifikation und was nur possesivpronomen, is’ wohl auch fließend …

ah ja! … bei spielmännekens sagt man auch > und >.

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identification magique
Hi Klaus,

Es fällt mir immer wieder auf, dass sich Menschen offenbar so
mit ihrem Automobil identifizieren, dass sie es sprachlich zu
ihrem Körper zählen.

Nicht nur mit ihrem Auto!

Dieses Phänomen diskutiert C.G. Jung (in „Der Mensch und seine Symbole“) unter dem Begriff identification magique. Wenn ich mich recht erinnere, hat er das Beispiel, daß jemand sich über einen anderen ärgert und ihm dann eine Delle in sein Auto tritt.

Artaud hat diesen Begriff, bzw dieses Phänomen in seine Theatertheorie übernommen (→ „Le Théâtre et son double“ 1938).

Jungs Begriffsbildung kommt nicht von ungefähr: Dieser Typ von Identifizierung spielt tatsächlich in archaischen magischen Praktiken eine Hauptrolle. Auch in Fetischismen (z.B. Kleidungstücke) ist dieses Phänomen ja wirksam.

mein [?!] rechtes Vorderrad

Die Translation:
mein Automein Vorderrad hast du ja auch z.B. in
mein Hausmeine Haustür

Daß Branden

So sagt man ja auch „meine Frau“

den rechten Schuh seiner Frau „mein Schuh“ nennt, ist dagegen mutmaßlich ein anderes Phänomen *zwinker* SCNR

Gruß

Metapher

aber es is’ wohl zum Teil ‚n sprachliches … äh … ‚Ding‘
(‚Phenomen‘ will da nich‘ zu sagen), einfach verkürzte
umgangssprache . Man sagt ja meistens nich’ ganz genau breit
ausformuliert und rechtlich & wissenschaftlich unanfechtbar
das, was man meint, sondern im zusammenhang oft höchstens so
präzise, wie nötig, um verstanden zu werden.

wohl auch ‚n psychologisches, weil man das wohl besonders mit
Dingen macht, mit denen man irgendwie ‚verschmolzen‘ is‘, weil
man drin wohnt, es hochkonzentriert bedient, quasi wie ein
erweitertes körperteil oder ganzer körper.

aber die grenze zwischen > und was da schon
identifikation und was nur possesivpronomen, is’ wohl auch
fließend …

Das gibt schonmal ein fettes Sternchen von mir, denn Du hast imho die Problematik am besten auf den Punkt gebracht.
Wir kommen nur weiter, wenn wir uns deutlich machen, dass Sprache auch immer etwas „Gewachsenes“ ist und nicht total logisch auch nicht total psychologisch) auseinander zu nehmen ist. Ich bin zwar ein Anhänger der psychologischen Hintergründe in der Sprache, würde aber hier auch nicht das Kind mit dem Bade ausschütten wollen. Insofern finde ich, dass Du genau und angemessen auf dieses Phänomen da eingehst.
Es grüßt Dich
Branden

Hallo mitnand!

Es fällt mir immer wieder auf, dass sich Menschen offenbar so
mit ihrem Automobil identifizieren, dass sie es sprachlich zu
ihrem Körper zählen.

Mir wurde dieser - über ein Fortbewegungsmittel hinausgehende -Zusammenhang klar, als ein Kollege in der Schule (Fraktion Sport) sagte: Ins Auto steige ich nicht ein, das ziehe ich mir an.
Gruß!
H.

Hilfe! Beinbruch!
Hallo Laralinda,

Wenn etwas der Tochter passiert sagt man bspw.
„das Bein meiner Tochter ist gebrochen“

sprichst Du wirklich so? *g*

Gruß Gudrun

Wir sind Papst!
Hallo,
solche Identifikationen gibt es noch mehr. Nicht nur die oben stehende, sondern
auch zum Beispiel „Wir haben gewonnen“ (obwohl es nur Bayern München oder die
deutsche Hanball-Nationalmannschaft war).
Gruß
Bolo2L

Im Zweifelsfall würde ich sagen „sie hat sich das Bein gebrochen“ bzw „meine tochter hat sich das bein gebrochen“

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Wir und Wir

Hallo,
solche Identifikationen gibt es noch mehr. Nicht nur die oben
stehende, sondern
auch zum Beispiel „Wir haben gewonnen“ (obwohl es nur Bayern
München oder die
deutsche Hanball-Nationalmannschaft war).

Das ist problematisch.
Wenn ein Ersatzspieler der Mannschaft die ganze Zeit nur auf der Bank saß, ‚darf‘ der dann auch sagen „Wir haben gewonnen!“ ?
‚Wir‘ im Sinne von Mannschaftschaft: Ja.
‚Wir‘ im Sinne von ‚beteiligte Akteure‘: Nein.

Und von wegen Nationalmannschaft und „Wir haben gewonnen!“:
‚Wir‘ im Sinne von ‚beteiligte Akteure‘: Nein.
Da aber eine Nationalmannschaft die repräsentative Vetretung eines Landes ist, und somit auch von deren Einwohner: Ja.

Das Papst-Zitat passt da gar nicht hinein.

  1. Ist Papst eine Person, kann also nie ein plurales ‚wir‘ sein.
  2. Repräsentiert ein Kardinal nicht eine Nation wie eine Nationalmannschaft. Von daher kann auch keine Eigenschaft aufs Volk übergehen.
  3. Naja, BILD-Niveau. Kürzer konnte man die Aussage, dass ein Deutscher Papst georden ist, nicht wiedergeben. Denn wenige Worte lassen sich auf der Titelseite entsprechend größer positionieren.

☼ Markuss ☼

Hallo Markuss,

Da aber eine Nationalmannschaft die repräsentative Vetretung
eines Landes ist, und somit auch von deren Einwohner

ich weiß nicht so recht … die repräsentative Vertretung eines Landes ist immer
noch deren Parlament, deren Regierung, deren Staatsoberhaupt. Das sind gewählte
Repräsentanten. Fuß- und Handballer sind allenfalls Repräsentanten der
entsprechenden Fuß- und Handballverbände, somit vielleicht noch deren Mitglieder.

Das Papst-Zitat passt da gar nicht hinein.

  1. Ist Papst eine Person, kann also nie ein plurales
    ‚wir‘ sein.

Klaro.

  1. Repräsentiert ein Kardinal nicht eine Nation wie eine
    Nationalmannschaft. Von daher kann auch keine Eigenschaft aufs
    Volk übergehen.

Ein Papst repräsentiert die gesamte römisch-katholische Christenheit als deren
Oberhaupt (wenn auch nur von Kardinälen gewählt). Zugleich ist er „Bischof von
Rom“ und repräsentiert dieses Bistum, als dessen Oberhaupt er ernannt wurde.

  1. Naja, BILD-Niveau. Kürzer konnte man die Aussage, dass ein
    Deutscher Papst georden ist, nicht wiedergeben. Denn wenige
    Worte lassen sich auf der Titelseite entsprechend größer
    positionieren.

Klar ist diese Aussage logisch und grammatikalisch ein Schmarrn. Aber
handwerklich muss ich sagen: klasse! (Was nix mit meiner Einschätzung der Zeitung
als solcher zu tun hat).

Gruß
Bolo2L

Hi,

Da aber eine Nationalmannschaft die repräsentative Vetretung
eines Landes ist, und somit auch von deren Einwohner

ich weiß nicht so recht … die repräsentative Vertretung
eines Landes ist immer
noch deren Parlament, deren Regierung, deren Staatsoberhaupt.
Das sind gewählte
Repräsentanten.

Für den politischen Bereich stimmt das.

Fuß- und Handballer sind allenfalls
Repräsentanten der
entsprechenden Fuß- und Handballverbände, somit vielleicht
noch deren Mitglieder.

Die deutsche Fußballnationalmannschaft repräsentiert Fußballdeutschland, also die Mitglieder der Vereine und vor allem alle Fans und damit wahrscheinlich mehr Menschen, als das in der Politik je möglich wäre.
Und im letzten Jahr hat Fußballdeutschland Deutschland besser repräsentiert, als das der Politik je gelingen kann.

Viele Grüße
WoDi

Okay.
ich habe mich teilweise geirrt.

☼ Markuss ☼