Identifizierung einer ca. 50 Jahre alte Weinrebe

Lieber Experte,

meine Schwiegermutter in spé hat 1963 2 bzw. 3 Weinreben aus Rumänien mitgebracht. Sie weiss nicht, welche Sorte(n) es ist (sind), leider. Ich aber würde genau das gerne wissen. Wie kann ich also die Sorte bestimmen ? Welche Angaben wären nützlich ?
Können Sie mir weiter helfen ?

Ich beschäftige mich seit kurzem theoretisch und praktisch(Bücher aus Deutschland und Amerika) mit dem Hobby-Weinbau, weil der Wein ziemlich verwuchert und von unten verkahlt ist und ich plane, ihm zu verjüngen bzw. wieder in Form zu bringen.. Auch da wäre ich für Tipps sehr dankbar :smile:

mfg, r.vermeij..

Die Rebsorte zu identifizieren ist gar nicht so schwer:
Sind die Trauben kernlos?
Rote oder weiße Trauben?
Aber am besten ist es wenn du ein Foto von den Blättern und Trauben beifügst um Verwechslungen auszuschließen

Verjüngen: also im Weinbau ist die Rebe so aufgebaut das unten der Stamm ist ohne Blätter und Triebe , dadrüber ist der Kopf und dort kommen alle Trieb raus von denen du zwei stehen lassen solltest, allerdings nur neue Triebe mit „Augen“ und diese Triebe werden zu einem Herz gebunden oder sonst irgendwie nach unten gebogen.

Ich hoffe ich konnte helfen
Mit freundlichen Grüßen
3kasehoch

hallo,

diese Fragen sind nich so einfach zu lösen. Bei Rebsorten aus Rumänien habe ich überhaupt keine Ahnung, selbst bei deutschen Rebsorten ist dies aus der Ferne und vor allem im Winter kaum möglich.

So eine Sortenbestimmung sollte mann also auf denSommer oder Herbst verlegen. Nätürlich wäre eine genetische Bestimmung die sicherste Art, aber auch die teuerste und nicht für Personen außerhalb der Wissenschaft zu empfehlen.

Was den Stockaufbau betrifft, sollte man hier zumindest Bilder haben um eine Aussage zu treffen.

mfg

Eine Möglickeit wäre einen Önologen einer höheren Schule für Obst und Weinbau zur Besichtigung einzuladen .
Aus der Ferne ist eine Zuordnung unmöglich

Mit freundlichem Gruß

Matthias Achs

Guten Tag!

Es hat ein bisschen gedauert mit meiner Antwort. Ich wollte Ihnen aber nichts Falsches erzählen u. habe mich deshalb selbst erst einmal schlau gemacht!

Tja, mit den Rebsorten ist das so eine Sache. Man schätzt, dass es weltweit ca. 10 000 Rebsorten gibt. Meine Recherche im Internet („Rebsorten Rumänien“)ergab, dass es in Rumänien etwa 700 Rebsorten geben soll. Darunter befinden sich dann auch ein paar Dutzend Rebsorten, die international eine Rolle spielen wie Chardonnay, Pinot Noir (Spätburgunder), Pinot Gris (Grauburgunder), Merlot, Malbec, Syrah usw. Diese Sorten sind bekannt u. ausführlich beschrieben. Sie lassen sich anhand der Beschreibungen (Form der Blätter, der Beeren u. der Traube; Farbe der Blätter u. der Beeren; Geschmack der Beeren bzw. der Weine; Empfindlichkeit bezüglich Krankheiten u. Frost usw.)u. durch Fotos zuordnen.
Der Großteil der rumänischen Sorten dürfte jedoch autochton sein, das heisst, diese Sorten kommen nur in Rumänien vor. Da beginnt dann die Schwierigkeit.
Das ist eigentlich eine Aufgabe für Experten. Die haben i. d. R. Önologie studiert u. beschäftigen sich mit der Ampelographie (Wissenschaft der Rebsorten). So ein Ampelograph kennt sich auch nicht mit allen 10 000 weltweit vorkommenden Sorten aus. Er ist meist auf die Rebsorten in einem Land oder in ein paar Ländern spezialisiert.
Mittlerweile macht man Genanalysen, um unbekannte Rebsorten identifizieren bzw. zuordnen zu können.
Sie könnten also z. B. über das Internet einen Ampelograph ausfindig machen u. nachfragen, was solch eine Analyse kostet.

Ihr zweites Problem betrifft den Rebschnitt. Es stellt sich die Frage, was Sie bezwecken wollen. Geht es darum, eine Fläche (Hauswand) bedeckt zu halten oder soll die Qualität der Trauben gesteigert werden? Ein Foto wäre ganz hilfreich, um ein genaues Urteil abzugeben.
Jedenfalls muss man wissen, dass die Rebe ursprünglich eine Waldpflanze war/ist. Sie ist deshalb bestrebt, mit ihren Ranken möglichst schnell vom Stamm weg, in die Höhe zu wachsen. Dorthin, wo Sonnenlicht ist. Die Kunst liegt jetzt darin, die Pflanze immer wieder zurückzuschneiden, um eine Verkahlung in Stammnähe zu verhindern. Wenn über Jahre nicht oder falsch geschnitten wurde, herrscht natürlich ein entsprechendes Durcheinander bzw. ist eine Verkahlung bereits eingetreten.
Neue, grüne Triebe entstehen nur aus den so genannten Augen (Knospen). Die sind nur am einjährigen Holz (dünne Triebe, die letztes Jahr im Sommer grün waren u. jetzt verholzt sind; sie sind hellbraun im Gegensatz zum wesentlich dunkleren mehrjährigen Stamm) vorhanden. Dieses einjährige Holz möglichst weit zum Stamm (bzw. in die gewünschte Richtung) zurückschneiden. Ein kleines Stück (Zapfen) mit zwei Augen muss stehen bleiben, damit es zum Neuaustrieb kommt.
Am Stamm existieren auch manchmal Augen, die man aber meistens nicht sieht. Sie heißen deshalb „schlafende Augen“. Je nach Rebsorte gibt es mehr oder weniger davon. Treiben solche Augen aus, hat man gleich am Stamm neue Triebe. Das würde die Verjüngung natürlich sehr beschleunigen.

Falls Sie noch Fragen haben, melden Sie sich.

Mit freundlichen Grüßen
R. Meyer