Identitätsverlust? Oder was ist das?

Hallo,
ich hab das Gefühl, ich verliere mich selbst.
Wenn ich eine Situation kritisch beurteile, wird mir von Menschen, die mir nahe stehen, oft gesagt, dass ich zu negativ denke und sich die Situation nur mir so darstellt. Wenn ich optimistisch bin, heißt es, es läge nahe, dass ich mich damit irre. Mal glaube ich wenig, ein anderes Mal viel Zuneigung zu empfangen und bekomme später gesagt, dass mich mein Gefühl sowohl in der einen als auch in der anderen Situation getäuscht hätte. Ich falle auf Lügen herein. Werde ich kritisiert und nehme diese Kritik an, heißt es, ich würde mir zu sehr einen Kopf machen…

Ich gehe nach meinem Bauchgefühl und dem, was mir mein Verstand in der jeweiligen Situation sagt und kann mich offenbar nicht darauf verlassen. So verliere ich immer mehr den Bezug zu mir selbst. :frowning:
Was passiert da mit mir und wie komme ich da raus???

LG vom Krokodil

Hi Kroko!

ich hab das Gefühl, ich verliere mich selbst.
Wenn ich eine Situation kritisch beurteile, wird mir von
Menschen, die mir nahe stehen, oft gesagt, dass ich zu negativ
denke und sich die Situation nur mir so darstellt. Wenn ich
optimistisch bin, heißt es, es läge nahe, dass ich mich damit
irre.

Immerhin gibt es bei dir nicht nur das Eine oder das Andere. Warum du allerdings ständig mit deiner Wahrnehmung daneben liegen sollst, sollten dir diese ‚Nahestehenden‘ mal begründen. Hören sich die Argumente denn nachvollziehbar an?

Mal glaube ich wenig, ein anderes Mal viel Zuneigung zu
empfangen und bekomme später gesagt, dass mich mein Gefühl
sowohl in der einen als auch in der anderen Situation
getäuscht hätte.

Es ist sicherlich auch zutreffend, dass Menschen einem nicht permanent den gleichen grad an Zuneigung schenken. Also stellt sich mir auch hier wieder die Frage: Wie wird das denn begründet, dass du dich geirrt haben sollst? Und welche Gründe hattest du selbst für deine Wahrnehmung?

Kann es sein, dass sie einfach grundsätzlich an dir rummeckern?

Ich falle auf Lügen herein.

Das passiert wohl jedem mal, wenn man einem geübten Lügner begegnet…

Werde ich
kritisiert und nehme diese Kritik an, heißt es, ich würde mir
zu sehr einen Kopf machen…

Auch hier bin ich der Meinung, dass das erstmal nicht falsch ist, eine Kritik anzunehmen und darüber nachzudenken, wieviel dran ist.
Wenn dich Kritik regelmäßig in persönliche Krisen stürzt, dann ist das vielleicht übertrieben, aber drüber nachdenken ist sicherlich nicht falsch.

Ich gehe nach meinem Bauchgefühl und dem, was mir mein
Verstand in der jeweiligen Situation sagt und kann mich
offenbar nicht darauf verlassen. So verliere ich immer mehr
den Bezug zu mir selbst. :frowning:
Was passiert da mit mir und wie komme ich da raus???

Wieviele Menschen sind das denn und in welchem Verhältnis stehen sie zu dir?
Warum können sie alles besser beurteilen als du?
Und welche Motivation haben sie, dich ständig zu kritisieren?

Wenn an dir ständig rumkritisiert wird, dann ist das wahre Problem hier nicht deine angeblich falsche Wahrnehmung, sondern dass du dir selbst und deinem Urteil zu wenig vertraust. Vielleicht solltest du mal beginnen, deine ‚dir Nahestehenden‘ etwas kritischer zu betrachten.

Hast du denn keine Freunde, die dich so akzeptieren, wie du bist?

Liebe Grüße
Flaschenpost

Hallo Flaschenpost,
danke für Deine einfühlsamen Worte!

Immerhin gibt es bei dir nicht nur das Eine oder das Andere.
Warum du allerdings ständig mit deiner Wahrnehmung daneben
liegen sollst, sollten dir diese ‚Nahestehenden‘ mal
begründen. Hören sich die Argumente denn nachvollziehbar an?

Ich halte mich weder für blauäugig, noch neige ich zu Verfolgungswahn, denke schon, dass ich mit meiner Wahrnehmung nicht in Extreme verfalle.
Nachvollziehbar sind die Argumente schon. Natürlich kann man beinahe alles unterschiedlich auffassen. Wie etwas gemeint ist, kann man wohl am ehesten einschätzen, wenn man jemanden gut kennt und wenn ich von dritten gesagt bekomme, dass ich das sicher falsch verstanden habe, gehe ich eigentlich davon aus, dass ich das besser beurteilen können müsste. Aber dem ist dann ja oft genug nicht so.

Es ist sicherlich auch zutreffend, dass Menschen einem nicht
permanent den gleichen grad an Zuneigung schenken. Also stellt
sich mir auch hier wieder die Frage: Wie wird das denn
begründet, dass du dich geirrt haben sollst? Und welche Gründe
hattest du selbst für deine Wahrnehmung?

Begründet wird es damit, dass mir z.B. mal gesagt wird, dass mir Liebe entgegengebracht wurde, als sie für mich nicht spürbar war und in anderen Situationen, in denen ich glaubte, mein Gefühl beruht auf Gegenseitigkeit, sei das eben nur meine Wahrnehmung gewesen. Das betraf z.B. meinen Ex, den ich bereits länger kannte und der sich mir gegenüber anders gegeben hat - so zumindest mein Empfinden.
Auch mit meiner besten Freundin gibt es ähnliche Erlebnisse. Ich fühle mich zurückgewiesen und sie behauptet, es habe nichts mit mir zu tun - hat mir aber unmittelbar vorher noch etliches aufgezählt, was ihr gerade bei mir gegen den Strich geht und warum sie Abstand bräuchte. Oder ich habe das Gefühl, ich richte mich schon die meiste Zeit nach ihren Wünschen und trotzdem kommt Kritik, sie würde zu kurz kommen.

Kann es sein, dass sie einfach grundsätzlich an dir
rummeckern?

Das eben nicht, sie sagen mir schon, dass sie mich schätzen.

Das passiert wohl jedem mal, wenn man einem geübten Lügner
begegnet…

Mir ist es über mehrere Jahre hinweg passiert, aber alle anderen, die das von außen betrachtet haben, haben mir das schon sehr viel früher prophezeit, ich habe es daraufhin auch selbst immer wieder hinterfragt, dennoch konnte ich es nicht glauben.
Mein letzter Freund hat mich auch belogen, ich hatte eine Vorahnung, und später auch den Beweis, aber dennoch das Gefühl, er war mit der Situation überfordert und wußte sich nicht anders zu helfen. Andere Situationen kamen mir ebenfalls komisch vor, für die gab es jedoch keinen Beweis und womöglich gab es viele Situationen, in denen ich vielleicht gar nix mitbekommen habe - davon gehen Freunde und Verwandte aus.

Auch hier bin ich der Meinung, dass das erstmal nicht falsch
ist, eine Kritik anzunehmen und darüber nachzudenken, wieviel
dran ist.

Davon gehe ich eigentlich auch aus. Aber wenn ich daraufhin sage, dass ich mich bemühen werde, es zu ändern, heißt es öfter, ich solle mich nicht für andere verbiegen. Daran ist mir ja auch gelegen, ich will mich nicht selbst verraten, um es anderen recht zu machen, aber Teil meiner Persönlichkeit ist eben auch, dass ich mich weiterentwickeln möchte und gerne dazu bereit bin dazu zu lernen, wenn ich es für sinnvoll halte. Insgesamt bleibe ich geradlinig und meinen Idealen verbunden, wenn ich bemüht bin, an mir selbst zu arbeiten.

Wenn dich Kritik regelmäßig in persönliche Krisen stürzt, dann
ist das vielleicht übertrieben, aber drüber nachdenken ist
sicherlich nicht falsch.

Ich leide schon darunter, wenn ich das Gefühl habe, man geht mir aufgrund meiner Persönlichkeit aus dem Weg und ich komme trotz meiner Bemühungen nicht dagegen an.

Wieviele Menschen sind das denn und in welchem Verhältnis
stehen sie zu dir?
Warum können sie alles besser beurteilen als du?
Und welche Motivation haben sie, dich ständig zu kritisieren?

Es handelt sich dabei um meinen Ex, Freundinnen, meine Eltern… Mal geht es um die Menschen selbst, mal um meinen Umgang mit den anderen.
Ich werde nicht immer von allen zurechtgewiesen, aber wenn mehrere zur gleichen Zeit auf mich einwirken, fühle ich mich damit überfordert. Bin aber auch nicht der Typ, der dann einfach dicht macht/dicht machen kann.
Warum sie das besser beurteilen können, frage ich mich selbst. Fakt ist, dass sie für manches einen besseren Riecher hatten, als ich selbst. Manches bleibt natürlich Spekulation. Und wenn ich jemanden anders einschätze, als er es mir gegenüber behauptet, steht natürlich Aussage gegen Aussage.
Die Motivation sei meistens, damit ich mich nicht verrenne und mich auf lange Sicht besser fühle. Oder halt, um etwas richtig zu stellen, was ich offenbar missverstehe.

Wenn an dir ständig rumkritisiert wird, dann ist das wahre
Problem hier nicht deine angeblich falsche Wahrnehmung,
sondern dass du dir selbst und deinem Urteil zu wenig
vertraust. Vielleicht solltest du mal beginnen, deine ‚dir
Nahestehenden‘ etwas kritischer zu betrachten.

Dass ich mir selbst und meinem Urteil zu wenig vertraue stimmt, je mehr Rückschläge ich erfahre, wenn ich mich auf mein eigenes Urteil verlasse, desto mehr stelle ich meine Urteilsfähigkeit in Frage.
Die andeen stelle ich auch in Frage, aber dann heißt es ja wieder, ich empfange Signale, die nicht gesendet wurden oder empfange sie nicht, wenn welche gesendet wurden.

Hast du denn keine Freunde, die dich so akzeptieren, wie du
bist?

Angeblich machen sie genau das.

LG, Kroko

vielleicht hast du ja bald mal urlaub oder kannst dir welchen nehmen?
Geh mal 2 Wochen allein! weg oder bleib zu hause aber nur für dich. Mach ein bisschen sport koch dir schöne sachen und gönn dir was. Neue Klamotten, Massage, neue Frisur.
Und mach alles in Ruhe. Werd dir darüber klar, ist es denn so schlimm nicht immer zu wissen woran man ist? Hinterher sind andere eh immer schlauer und sagen ich habs doch gewusst.
ich finde es toll das es noch menschen gibt die auf ihren bauch hören, auch wenn er nicht immer recht hat. Ist mir lieber al leute die super misstrauisch sind und sich ihrer sache nie sicher sind.
Außerdem dein Bauchgefühl muss erst mal trainiert werden, analysiere doch mal die situationen in denen du falsch gelegen bist. Was ist dir an der körpersprache oder Ton und stimmlage der person aufgefallen, dann versuche deine ergebnisse auf andere situationen zu übertragen.