Ideologie, Ignoranz oder was sonst ?

Hallo Historiker

in Euren Schriften liest man meist:
Bischof sowiso errichtete das Kloster…,
Kaiser sowiso errichtete den Dom…

etc.

Nun ist eigentlich jedermann klar, daß diese Herrschaften niemals tatkräftig daran mitgearbeitet haben.

Sehr selten findet man die Formulierung …ließ errichten.

Und manchmal hat man schon den Eindruck, daß die Formulierungen wertend gemeint sind.
„…Ließ errichten“ hat (auch für mich) etwas fremdherrschaftliches an sich…

Kann mir das jemand erklären ?

Viele Grüße

Peter

Hi,

in Euren Schriften

hä???
Fragt sich
der Freak

Hallo Peter,

du fragst das nicht als Erster:

_BERT BRECHT
Fragen eines lesenden Arbeiters

Wer baute das siebentorige Theben?
In den Büchern stehen die Namen von Königen.
Haben die Könige die Felsbrocken herbeigeschleppt?
Und das mehrmals zerstörte Babylon,
Wer baute es soviele Male wieder auf? In welchen Häusern
Des goldstrahlenden Lima wohnten die Bauleute?
Wohin gingen an dem Abend, wo die chinesische Mauer fertig war,
Die Maurer? Das große Rom
Ist voll von Triumphbögen. über wen
Triumphierten die Cäsaren? Hatte das vielbesungene Byzanz
Nur Paläste für seine Bewohner? Selbst in dem sagenhaften Atlantis
Brüllten doch in der Nacht, wo das Meer es verschlang,
Die Ersaufenden nach ihren Sklaven.
Der junge Alexander eroberte Indien.
Er allein?
Cäsar schlug die Gallier.
Hatte er nicht wenigstens einen Koch bei sich?
Philipp von Spanien weinte, als seine Flotte
Untergegangen war. Weinte sonst niemand?
Friedrich der Zweite siegte im Siebenjährigen Krieg. Wer
Siegte außer ihm?
Jede Seite ein Sieg.
Wer kochte den Siegesschmaus?
Alle zehn Jahre ein großer Mann.
Wer bezahlte die Spesen?

So viele Berichte,
So viele Fragen._

Ist halt Konvention, so zu reden. Und eigentlich weiß man doch, was gemeint ist.

Gruß Fritz

Hallo !

Aber, aber!

Ich habe mir vor 25 Jahren ein Haus gebaut. Dann, wegen einiger familiärer Umstände, dieses wieder verkauft und dann, zehn Jahre später, habe ich schon wieder ein Haus gebaut. Habe aber nicht einen Handschlag selbst gemacht.

Dann habe ich letztes Jahr auf unserem Grundstück einige Eichen gefällt. Dazu aber keine Säge in die Hand genommen, das machte mein Fußvolk, welches von mir bezahlt wurde.

Eine Flugzeugkonstrukteur baut Flugzeuge! Wirklich?
Ein Bauunternehmer baut Häuser! Wirklich?

Ein Ministerpräsident eines Bundeslandes regiert sein Land! Wirklich?

Von diesen Menschen, die im Mittelalter befahlen, eine Kirche zu bauen, kann man mit Recht sagen, sie bauten. Ihnen gehörte das Land, ihnen gehörte das Material und auch waren die Menschen ihm zu einem Zehnten verpflichtet.

Nun beruhige Dich mal wieder und finde Dich damit ab, daß die Zeiten mal anders waren.

Und noch etwas : Der Ideengeber und Konstrukteur einer Sache ist auch der Erbauer!! Erbauer sind nicht die Maurer! Das sind die Bauer.

Gruß max

Völkarschlecht bei Leipzig
Ich hoffe, der Sinn dieser Buchstabenvertauschung wird deutlich!
(falls sich mal wieder einen beschweren will über meinen kryptischen Stil), denn:

War es wirklich eine „Völkerschlacht“? „Völker“? Irngwie schlecht möglich, wenn es stimmt: „schließlich war Napoleon besiegt.“ (Worte heute morgen im MDR, „Lexi“).
Kämpfte hier "Napoleon gegen Metternich, von Stein, den Zaren und (den Rest von) Europa?
Und kämpfte vor ca 3000Jahren „Alexander gegen Dareius“ im alten Persien? Und Agamemnon gegen Hektor und Äneas in Troja? Oder kämpften damals „die Völker“ gegeneinander?
Oder „lag damals der (Welt)Konflikt vielleicht in der Luft“?

Was ist ein „Weltkonflikt“? Zum Beispiel auch der moderne zwischen der „Freien Welt und dem Internationalen Terrorismus“.
Ist es einer zwischen G.W. Bush&Blair und Saddam Hussein&Bin Laden? Und wo stehen Schreuber und Ströder?
Oder vielleicht (verborgen) zwischen 1ter und 3ter Welt? Oder auch nur ein Stellvertreterkonflikt für einen fundamentalen Konflikt in der Welt des Kapitals selbst?
Oder ein reiner Kampf „der Demokratie“?
Das ist allerdings ein Konflikt historisch reichlich anderer Stufe als der Weltkonflikt, der im „Trojanischen Krieg“ zum Ausbruch kam. Und der in der „Völkerschlacht von Leipzig“; und der, der in den beiden Weltkriegen des vergangenen Jahrhunderts „gelöst wurde“.
Kämpften im "IIten Weltkrieg Hitler, Mussolini, Hirohito, Stalin, Churchill und Roosevelt/Truman einen „flotten 6er“ (aus)? Oder waren es auf der einen Seite die „bösen Deutschen und Japaner“?
Früher war ich auch („pazifistisch/kommunistisch“) überzeugt, daß nur die „bösen Führer“ die Kriege machen, bzw. "die herrschenden Klassen (vielleicht aber eher die „Verhältnisse“!); danach waren ja eine zeitlang „die Männer die Kriegs(nicht nur)treiber“.
Aber hier wird das Fatale an der Denkweise: „Nicht Pharao soundso baute wirklich die Pyramiden von Gizeh, sondern die Tausenden von armen Bauern“ deutlich.
Schuld an Kriegen aber will nun wieder doch keiner haben.
Andererseits aber wurde die Chinesische Mauer wohl zumindest streckenweise mithilfe der Bauern auch „mit Feuer und Schwert“ gebaut, (im laufenden Kampf) gegen die „abzuwehrenden Angreifer aus dem Norden“.
Wenn etwas geklappt hat, denn waren schnell „alle dabeigewesen“, (wenn auch oft nur hinderlich: „für alles zu haben, aber zu nichts zu gebrauchen“); wenn aber was in die Hose gegangen ist, denn sindwir alle schnell weg. Auch aussen Pampers hoffentlich. Denn das stinkt ja da.
Die eigentliche Frage scheint mir die nach dem
„Subjekt der Geschichte“ zu sein.
Wir alle sind es. Gemeinsam und einzeln. Irgendwie.
Und irgendwie sind es die materiellen Verhältnisse, die uns drängen, die wir ja nicht jämmerlich verrecken wollen.
Und irgendwie ist es auch unser Stolz, der uns manchmal treibt.
Und v.a. sind es auch irgendwie die eigene und die kollektive Kreativität, die „sich“ entfalten will und nur gegen (meist konservativ-reaktionären) Widerstand entfalten kann.

Auf jeden Fall sind w i r a l l e und e i n z e l n
die Täter! Und dabei meist am liebsten selbst „Führer“ gewesen. Wenn wir Erfolg hatten; nur sonst warnwir immer „nie dabei“
Manchmal sind einzelne „Führer“ auch den (angeblich immer gerechten) Volksmassen entgegengetreten. Zum Beispiel einzelne Päpste gegen die Hexenverbrennungen.

Nachsatz für „Historiker“: Die Frage einer „richtigen Politik“ der (internationalen) Arbeiterbewegung in der Zeit des 1ten Weltkrieges (also speziell die der Haltung in der Frage der parlamentarischen Gewährung der „Kriegskredite“) ist übrigens immer noch nicht gelöst. „Ist ja auch Geschichte!“ sacht man so. ???
Nachnachsatz für „Kosmotiker“: Wenn wir heute Botschaften ins All schicken, für eventuelle extraterrestrische Leser: Warum, wenn überhaupt, sollen die nun gerade heute/jetzt neugierig auf uns sein? Und warum ist gerade „heuer“ das einzig mögliche Sein?
Mathematisch ist es unwahrscheinlich, daß wir das einzige Biotop im All sind. „Mathematisch“ ist es also auch unwahrscheinlich, daß unsere Welt nicht als ganze eine reine extraterrestische Computeranimation ist…

mein, moin, manni

Da ist schon was dran
Hallo Manfred,

Ich hoffe, der Sinn dieser Buchstabenvertauschung wird
deutlich!
(falls sich mal wieder einen beschweren will über meinen
kryptischen Stil), denn:

Ich konstatiere mit Freude, daß dieses Posting durchgehend klar und verständlich geschrieben ist. Daß man mal (Betonung auf „mal“) eine Verdrehung oder ein Wortspiel einbaut, ist ja ok.

Zum Thema: Natürlich kämpften immer die Soldaten, bauten die Baumeister etc. Aber die Befehle dazu bzw. die Leitung des Ganzen waren nun mal eine Sache der jeweiligen Machtinhaber. Wobei noch zu beachten ist, daß die früheren Kaiser, Könige & Co. noch in der ersten Reihe mitkämpften. Heutzutage bleiben sie da lieber zuhause.
Da es nun aber etwas umständlich wäre, immer alle Beteiligten aufzuführen, hat es sich halt eingebürgert, denjenigen zu nennen, der die Order erteilte, sozusagen die „Verantwortung“ hatte.

Daß man lieber dabei gewesen ist, wenn es geklapppt hat, und nicht, wenn es schief ging, ist menschlich. So sind wir nun mal. Man sollte allerdings auch nicht aus dem Auge verlieren, daß die eigentlichen „Kämpfer“ meist doch keine Wahl hatten. Die wenigsten Kriege dürften ausschließlich mit Freiwilligen gefochten worden sein…

Gruß Kubi